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  • Tabak als Lebensretter

    HALLE (DTZ/red). Molekularbiologen aus Deutschland und den USA haben Antikörper gegen Ebola in Tabakpflanzen entwickelt.

    Die Virusinfektion schreitet in Westafrika weiter voran. Als Folge intensiviert die Wissenschaft den Kampf gegen die Seuche und nutzt dabei die Besonderheit des Tabak: In ihren großen weichen Blättern stellen die Pflanzen Eiweißmoleküle her, die als Antikörper gegen Virusinfektionen eingesetzt werden können, erklärt Viktor Klimyuk, Molekularbiologe bei Icon Genetics gegenüber den Medien. Mit Hilfe der Gentechnik lasse sich die Pflanze quasi umprogrammieren, sodass sie sogenannte Plantibodies produziere.

    Erste Erfolge damit sind dem US-Pharmakonzern Mapp Biopharmaceutical in San Diego gelungen, der den Wirkstoff ZMapp mit Hilfe der in Halle entwickelten Antikörpermischung herstellte. Obwohl das Serum noch im Entwicklungsstadium sei, habe es mit Ebola Infizierte geheilt.

    Der Vorteil bei Tabakpflanzen liege vor allem darin, dass sie „schnell, ergiebig und deutlich kostengünstiger“ produzieren können als die sonst eingesetzten tierischen Produktionszellen, heißt es.

    (DTZ 37/14)

  • Wissenschaftler kritisieren WHO-Bericht zu E-Zigaretten

    MAINZ (DTZ/red). Tabak-Experten und Suchtforscher widersprechen der strengen Sichtweise der Weltgesundheitsorganisation (WHO), die eine schärfere Regulierung für E-Produkte fordert.

    In ihrem Ende August veröffentlichten Bericht übertreibe die WHO die Risiken und unterschätze die möglichen positiven Effekte als Alternative zum herkömmlichen Tabakkonsum, heißt es in einem im Fachmagazin „Addiction“ veröffentlichten Beitrag . „Wir waren überrascht über den negativen Ton des Berichts, wir halten ihn für irreführend und für keine korrekte Darstellung der vorliegenden Beweise“, sagt Anne McNeill vom nationalen Suchtzentrum am Londoner King’s College. Die Wissenschaftlerin ist Hauptautorin des „Addiction“-Beitrags. „E-Zigaretten sind neu und wir haben mit Sicherheit noch nicht alle Antworten auf Fragen über ihre längerfristigen Auswirkungen auf die Gesundheit.“

    Mitautor Peter Hajek von der Londoner Queen-Mary-Universität bekräftigt diese Ansicht: „Die E-Zigarette ist um Größenordnungen sicherer, stellt kein Risiko für Unbeteiligte dar und erzeugt einen vernachlässigbaren regelmäßigen Konsum bei Kindern und Jugendlichen.“ Ähnlich unbedenklich ist für die Addiction-Autoren das Thema Passivrauchen bei elektrischen Zigaretten. Im Gegenteil: „Die Nutzung von E-Zigaretten könnte in diesem Jahrhundert Millionen Leben retten und hat die wohl größte Auswirkung auf die öffentliche Gesundheit in der Geschichte des Tabakkonsums“, erklärt Jacques le Houezec, Mitautor und Experte für Tabakkonsum.
    Die WHO stützt sich in ihren strikten Forderungen auf einen von ihr in Auftrag gegebenen Bericht über „Elektronische Nikotin-Liefersysteme“ (englisch: Electronic nicotine delivery systems (ENDS)).

    (DTZ 37/14)

  • Sportwetten: ODS am Zug

    WIESBADEN (DTZ/da). Laut einer Information des Hessischen Ministeriums des Innern und für Sport hat das Glücksspielkollegium der Länder über die Konzessionen im Sportwettbereich befunden.

    Der seit 1. Juli 2012 geltende Glücksspielstaatsvertrag sieht die Vergabe von bis zu 20 Konzessionen vor. Darauf hatten sich ursprünglich zehn Mal so viel Glücksspielunternehmen beworben. Das Auswahlverfahren, das in den Händen des Hessischen Innenministeriums liegt, hatte sich immer wieder verschoben. Der offizielle Vergabetermin ist nun in der nächsten Woche vorgesehen.

    Unter den Bewerbern, die zum Zug kommen sollen, befindet sich die Oddset Deutschland Sportwetten (ODS). Sie wurde am 25. Juli 2011 durch Lotto Hessen gegründet. Außerdem mit im ODS-Boot sitzen die staatlichen Lotteriegesellschaften der Bundesländer Baden-Württemberg, Bayern, Mecklenburg-Vorpommern, Nordrhein-Westfalen, Rheinland-Pfalz, Saarland und Sachsen-Anhalt. „Mit allen anderen Gesellschaften des Deutschen Lotto- und Toto-Blocks sind wir im Gespräch“, sagt ODS-Geschäftsführer Christoph Schmidt, der sich gemeinsam mit Lotto-Hessen-Geschäftsführer Heinz-Georg Sundermann am 8. September auf einer Pressekonferenz im Hessischen Landtag den Fragen der Journalisten stellte.

    Die ODS mit derzeit knapp 20 Mitarbeitern und Unternehmenssitz in München ist nach Erhalt der Konzession laut Schmidt in wenigen Wochen startklar. Außer über deutschlandweite zirka 20.000 Lottoverkaufsstellen könne dann das ODS-Spielangebot im Internet und auf Mobilgeräten vertrieben werden. Die Abgabenbelastung betrage in Zukunft fünf Prozent. Dadurch könne das staatliche Oddset mit deutlich besseren Gewinnquoten punkten als das derzeitige Oddset und werde somit gegenüber der privaten Konkurrenz wettbewerbsfähiger. Die konkrete Höhe der Quoten wollte Schmidt nicht nennen, verriet aber, dass die Spieler künftig beim staatlichen Oddset auf 3.000 Sportereignisse wetten könnten statt wie bisher nur auf 600. Gleichzeitig betonte er, dass die ODS das Thema Spielsuchtgefährdung sehr ernst nehme und deshalb zum Beispiel für die Spielteilnehmer Tages-, Wochen-und Monatslimits einbauen werde.

    In den Augen von Sundermann ist es nun entscheidend, dass die Sportwetten-Konzessionen schnellstmöglich zugestellt werden. Der Geschäftsführer von Lotto Hessen fordert, dass die 20 Unternehmen, die eine Wettkonzession erhalten sollen, endlich starten können. An die Adresse jener Sportwettenanbieter, die leer ausgingen, aber vor allem an die Gerichte appelliert er, die Sache nicht weiter zu verzögern: „Es kann doch nur um die Frage gehen, ob über die 20 hinaus noch weitere Anbieter zugelassen werden, aber nicht um die Frage der grundsätzlichen Berechtigung des Staates für dieses Vergabeverfahren“, so Sundermann.

    Eine Klagewelle ist tatsächlich nicht auszuschließen. So hat etwa Jan Bolz, Vorstandsvorsitzender von Wettriese Tipico, bereits angekündigt, den Rechtsweg zu beschreiten. Die Entscheidung des hessischen Innenministeriums hält er für „dringend fragwürdig“, auf das operative Geschäft von Tipico habe sie indes aktuell keinen Einfluss.

    Sollten die Gerichte die Auffassung vertreten, solange die Prozesse anhängig seien, könne kein Anbieter – egal ob mit oder ohne Konzession – sein Spielangebot am Markt platzieren, dann ginge die seit mehr als zwei Jahren dauernde Hängepartie weiter.

    Zu jenen Sportwettenanbietern, die neben der staatlichen ODS ein Konzession erhalten sollen, gehören dem Vernehmen nach (in alphabetischer Reihenfolge) Admiral Sportwetten, Cashpoint (Gauselmann-Gruppe), die Deutsche Sportwetten (Telekom), Digibet, Electra Works (Bwin), Ladbrokes und weitere 13 Unternehmen.

    (DTZ 37/14)

  • Konzessionen für Sportwetten vergeben

    WIESBADEN (DTZ/red). Laut einer Information des Hessischen Ministeriums des Innern und für Sport hat das Glücksspielkollegium der Länder über die Konzessionen im Sportwettbereich befunden. Der seit 1. Juli 2012 geltende Glücksspielstaatsvertrag sieht die Vergabe von bis zu 20 Konzessionen vor. Darauf beworben hatten sich ursprünglich mehr als sieben Mal soviel Glücksspielunternehmen. Das Auswahlverfahren, das in den Händen des Hessischen Innenministerium lag, hatte sich immer wieder verschoben.

    Unter den Bewerbern, die nun zum Zug kommen, befindet sich die Oddset Deutschland Sportwetten GmbH (ODS). Sie wurde am 25. Juli 2011 durch Lotto Hessen gegründet; weitere staatliche Lotteriegesellschaften schlossen sich an.
    Von den privaten Sportwettenanbieter sollen dem Vernehmen nach Admiral Sportwetten, Cashpoint, Digibet, Electra Works (Bwin), Ladbrokes, die Deutsche Sportwetten GmbH (tipp3) und weitere 13 Unternehmen Konzessionen erhalten haben. Einige andere Wettanbieter gingen leer aus. Darunter befinden sich international agierende Sportwettenfirmen, wie zum Beispiel Tipico, Bet365 und Betvictor. Sie können gegen die Entscheidung bis zum 18. September Einspruch einlegen. Tipico hat bereits juristische Schritte angekündigt.

    Kritiker hatten von vornherein moniert, dass die im Glücksspielstaatsvertrag festgelegte Begrenzung der Zahl auf 20 Konzessionen willkürlich sei. Sie hatten vor einer Klagewelle durch Anbieter gewarnt, die nicht berücksichtigt würden. Die Hängepartie dürfte weiter gehen, befürchtet man in Kreisen der Lottoverkaufsstellen. Beim stationären Vertrieb der staatlichen Lotteriegesellschaften ist man ohnehin skeptisch, ob die Ordnungsbehörden nun tatsächlich gegen Wettbüros von Anbietern vorgehen, die keine Konzession haben. Nach deutschem Recht wären diese nun zwar eindeutig illegal. Da sie sich aber auf europäisches Recht berufen, rechnen die Annahmestellen damit, dass sich die Behörden weiterhin zurückhalten werden. Beim Vertriebsweg Internet sieht man ohnehin kaum Chancen, den illegalen Wettanbietern Einhalt zu gebieten. „Es wird wohl alles so weiter gehen wie gehabt, und wir bleiben am Ende auf der Strecke“, befürchten viele Annahmestellenleiter.

    (DTZ 36/14)

  • Marihuana im Fachgeschäft

    MAINZ (DTZ/red). Der Joint gemeinsam mit Tabak und Alkohol im Fachgeschäft? Eine gute Idee findet die Grüne Jugend (GJ) in Rheinland-Pfalz.

    In einem Bericht der Allgemeinen Zeitung Mainz sprechen sich die Vorstandsprecher der Janosh Schnee (21) und Lisa Diehl (17), für eine Legalisierung aller Drogen und deren Verkauf in Drogenfachgeschäften aus. Die Beratung erfolge selbstverständlich durch geschultes Fachpersonal. Alkohol und Nikotin sollten ebenfalls nur dort erhältlich sein – so die Idee.

    Die Vorteile liegen für Schnee und Diehl auf der Hand: Die Konsumenten werden entkriminalisiert und der illegale Drogenhandel gestoppt. Was die grüne Parteijungend nicht nur in Rheinland-Pfalz diskutiert, ist auch in den Führungsebenen der Grünen angekommen: So haben beispielsweise der bayerische Bundestagsabgeordnete Dieter Janecek und Nordrhein-Westfalens Grünen-Chef Sven Lehmann ein Vier-Seiten-Papier, das für eine „ideologiefreie ehrliche Drogenpolitik“ wirbt, unterzeichnet. Auch die grünen Spitzenpolitiker Cem Özdemir und Katrin Göring-Eckardt beteiligen sich an der Diskussion und sprechen sich für eine Freigabe von Marihuana aus. Erst vor kurzem hatte sich Özdemir bei seinem Beitrag zur „Ice Bucket Challenge“ als Besitzer von Hanfpflanzen geoutet und steht seither in der öffentlichen Kritik. Der Besitz von Hanfpflanzen ist illegal.

    (DTZ 36/14)

  • Geudertheimer Tabak: Deutscher Anbau lohnt nicht mehr

    NEURIED (DTZ/red). Es ist das Ende einer 250-jährigen Ära: Im Ried wurde der letzte Geudertheimer Tabak geerntet. Die Anbauverträge laufen dieses Jahr aus und werden nicht verlängert. Die deutsche Produktion ist der Industrie zu teuer geworden.

    Künftig kommt die traditionelle dunkle Tabaksorte aus Lateinamerika – die Produktion ist dort billiger. Geudertheimer, der nach einem Ort im Elsaß benannt wurde, wird unter anderem als Deckblatt für Zigarren genutzt. Auf den Feldern im Ortenaukreis (Baden-Württemberg) wächst stattdessen in Zukunft die Tabaksorte Virgin (Zigarettentabak).

    (DTZ 36/14)

  • Hilfsprojekt von Reemtsma

    HAMBURG (DTZ/red). „Help Day“ nennt sich ein Projekt, das die Reemtsma Cigarettenfabriken GmbH 2012 startete. Dabei werden Mitarbeiter des Hamburger Unternehmens an einem Tag ehrenamtlich tätig oder betreuen hilfsbedürftige Menschen.

    Am 28. August fand der diesjährige „Help Day“ statt, zu dem Reemtsma seinen Mitarbeitern insgesamt 140 Plätze bei neun Projekten anbot. Die Nachfrage war groß und die Plätze schnell vergeben. Im Fokus stand in diesem Jahr insbesondere die Hilfe für Senioren, mit denen Reemtsma-Beschäftigte spazieren gingen oder für diese einkauften. Auch im Tierheim halfen die Mitarbeiter aus, die sich – ein positiver Nebeneffekt – bei den Projekten untereinander besser kennenlernen.

    Der „Help Day“ ist eine von vielen Facetten des sozialen Engagements des Unternehmens, das seit Jahrzehnten eine Vielzahl von gemeinnützigen und ehrenamtlichen Organisationen in ganz Deutschland unterstützt.

    (DTZ 36/14)

  • Inter-tabac: Zigarren aus aller Welt

    DORTMUND (DTZ/red). Ob handgerollt aus der Karibik und von den Kanaren oder als preiswerter Shortfiller – auch zur Inter-tabac in Dortmund (19. bis 21. September) wird die Zigarre buchstäblich wieder in aller Munde sein.

    Wie jedes Jahr wird sie auch 2014 wieder für den aromatischen Background in den Westfalenhallen sorgen. Ob bei 5th Avenue, Agio, Bossner oder Kohlhase & Kopp – stets steht das Handwerk mit einem Naturprodukt im Mittelpunkt. So groß wie die Anzahl der verschiedenen Formate ist auch das offerierte Angebot. Um seinen Kunden auch in diesem Segment immer wieder etwas Neues anzubieten, waren die ausstellenden Produzenten und Importeure äußert kreativ gewesen, um die Humidore des Fachhandels und ihrer Kunden zu füllen.

    Weitere Messe-News, die Registrierung zur Messe und Informationen rund um die Inter-tabac finden Sie auch unter [link|http://inter-tabac.tabakzeitung.de]inter-tabac.tabakzeitung.de[/link]

    (DTZ 36/14)

  • Glücksspiel: Annahmestellen haben den Schwarzen Peter

    FRANKFURT (DTZ/vi/da). Hohe Einnahmeverluste für die Lottoverkaufsstellen, die Lotteriegesellschaften, den Staat und gemeinnützige Organisationen registriert Günther Kraus. Der Geschäftsführer des Bundesverbandes der Lotto-Toto-Verkaufsstellen in Deutschland (BLD) sieht den Grund dafür in einem nicht regulierten Glücksspielmarkt. Den Annahmestellen entgingen so dringend benötigte Provisions-Einnahmen in Höhe von zirka 600 Millionen Euro, rechnet er im DTZ-Interview vor.

    DTZ: Es hat mehr als zwei Jahre nach Verabschiedung des neuen Glücksspielstaatsvertrags, der unter anderem im Bereich der Sportwetten die Vergabe von 20 Konzessionen vorsieht,gedauert, bis nun endlich über die Lizenzen befunden wurde. Doch der Kampf mit den privaten und mit den illegalen Glücksspielanbietern geht weiter. Welche Folgen hat dies für die Lottoverkaufsstellen?
    Günther Kraus: Hauptverantwortlich für diese Situation ist meines Erachtens die Nichtumsetzung des Glücksspielstaatsvertrags. Für uns Annahmestellen hat der weiterhin nicht regulierte Glücksspielmarkt eine absolute Existenzgefährdung zur Folge. Wir, die wir uns an die Gesetze halten, die Spielsuchtprävention umsetzen und den Jugendschutz beachten, werden zu den Verlierern einer zunehmend außer Kontrolle geratenen nationalen Glücksspielpolitik. Während sich die Spieleinsätze des gesamten deutschen Glücksspielmarktes seit dem Jahr 2006 von zirka 27 Milliarden Euro auf geschätzte zirka 55 Milliarden Euro im Jahr 2012 mehr als verdoppelt haben, ist der Anteil der staatlichen Lotteriegesellschaften im selben Zeitraum von knapp 29 Prozent auf elf Prozent erheblich gesunken. Wäre der Marktanteil konstant bei 29 Prozent geblieben, würde der Staat heute rund 2,5 Milliarden Euro an Lotteriesteuern einnehmen, tatsächlich ist es rund eine Milliarde. Außerdem stünden rund 1,9 Milliarden Euro für soziale und gemeinnützige Aufgaben mehr zur Verfügung. Und wir Annahmestellen hätten zirka 600 Millionen Euro mehr an Provisionen – zusätzliche Einnahmen, die vielen unserer Kollegen die Existenz retten würden.

    DTZ: Während sich die privaten Wettanbieter ungehemmt entfalten können, werden die staatlichen Lotteriegesellschaften und ihr stationärer Vertrieb gegängelt. Der BLD hat Bundeskanzlerin Angela Merkel und die Ministerpräsidenten der Länder in einem offenen Brief aufgefordert, gegen die fatale Entwicklung im Glücksspielbereich vorzugehen. Welche Reaktionen der Politik gab es darauf?
    Kraus: Wir haben im Mai dieses Jahres einen Brief an Bundeskanzlerin Angela Merkel und die Ministerpräsidenten der Länder gerichtet. Uns kommt nun der Spruch vom Propheten im eigenen Land in den Sinn. Denn bis heute haben wir keine Antwort aus dem Bundeskanzleramt in Berlin erhalten, so als gäbe es uns, den Brief und das Problem überhaupt nicht. Immerhin haben einige Ministerpräsidenten reagiert, wobei die Antworten so unterschiedlich wie die politischen Farben in den jeweiligen Bundesländern sind. Das zeigt den geringen Stellenwert, den die politische Seite den über 24 000 staatlichen Lotterieverkaufsstellen und deren über 100 000 Mitarbeitern beimisst. Ich kann nur jeden Verkaufsstellenleiter auffordern, das Problem bei dem für ihn zuständigen Landtags- beziehungsweise Bundestagsabgeordneten anzusprechen. Frei nach dem Motto: „Steter Tropfen höhlt den Stein“.


    „Befinden uns mitten im Krieg“

    DTZ: European-Lotteries-Präsident Friedrich Stickler fordert im Kampf gegen illegale Glücksspielanbieter Sperren der Zahlungsströme im Internet, die Veröffentlichung schwarzer Listen und ein Werbeverbot für Wettanbieter ohne Konzession in Deutschland. Wie sinnvoll sind diese Vorschläge aus Sicht der Lottoverkaufsstellen?
    Kraus: Das „Internet-Blocking“, also das Sperren illegaler Inhalte und Zahlungsströme im Internet, dürfte äußerst schwierig zu bewerkstelligen sein. „Jede Sperre, sei sie technisch noch so kompliziert, ist mit entsprechender Software mit einem einzigen Mausklick zu umgehen. Bei einer tatsächlichen Sperrung im Internet werden lediglich die Gelegenheitsspieler abgeschreckt. Beim Thema „Blockierung von Zahlungsströmen“ ist zum einen mit erheblichen Kollateralschäden zu rechnen, da auch legale Unternehmen davon betroffen wären, zum anderen gibt es auch hier leicht Umgehungsmöglichkeiten für die Anbieter.
    Ich verstehe die hilflosen Ideen und Forderungen der Generäle nicht. Lassen Sie mich diese Damen und Herren so nennen, denn wir befinden uns mitten im Krieg – einem Wirtschaftskrieg besonderen Ausmaßes. Die Forderungen des Herrn Präsidenten sind ja ehrenwert, aber nichts Neues. Ich habe schon im Jahr 2008 von solchen Ideen gelesen. Die Frage ist nur: Warum werden diese Ideen nicht umgesetzt?
    Die Generäle betreiben auf Grund der zahlreichen ungeklärten Fragen zur Vereinbarkeit des Glücksspielstaatsvertrages mit höherrangigem europäischem Recht am grünen Tisch Strategiespiele, immer mit der Angst im Nacken, wie die Gegenseite reagieren könnte. Bevor aber nicht der Regulierungsrahmen in sich schlüssig und kohärent ist, wird der unregulierte, illegale Markt gestärkt, was im Umkehrschluss die Schwächung der legalen Verkaufsstellen bedeutet.


    DTZ:
    Die Annahmestellen haben also am Ende den Schwarzen Peter in diesem Spiel …
    Kraus: Wir einfachen Soldaten an der Glücksspiel-Front halten die Köpfe hin und sind die Bauernopfer. Dabei verlieren wir zwar nicht unser Leben, aber so manch einer seine wirtschaftliche Existenzgrundlage.
    In unserem Land können noch weitere Änderungen im Glücksspielstaatsvertrag vorgenommen werden. Mit jeder Änderung entstehen neue Lücken, in die die gegnerische Seite hineinstößt. Knackpunkt ist die Gesetzeslage der EU. Daran müssen wir uns halten. Wenn also die Generäle keinen Weg finden, der uns mit den gegebenen Fakten zum Ziel führt, werden wir den Krieg verlieren.

    „Wir werden missachtet“

    DTZ: Glauben Sie, Sticklers Forderungen finden bei der Politik Gehör?
    Kraus: Sie sind mir nicht böse, wenn ich mich hier und auf Grund der Sachlage dazu bekenne: Mein Vertrauen in die Politik ist erheblich gestört. Wir, die Wähler werden missachtet, nicht ernst genommen. Wenn wir in unseren Verkaufsstellen so zaudernd agieren würden wie die politisch Verantwortlichen, gäbe es bald nur noch die Hälfte der Verkaufsstellen in Deutschland. Was ist dann mit dem legalen Glücksspiel, mit den Destinatären und dem Gemeinwohl?
    Angesichts all der wirtschaftlichen Problemen, die aus dieser misslichen Situation für die Verkaufsstellen entstehen, versucht der BLD seit Jahren durch Kooperationen mit namhaften Lieferanten, den Mitgliedern der Lotto-Landesverbände gesunde und wirtschaftlich Erfolg versprechende Einkaufsgelegenheiten zu vermitteln. Dies tun wir auch, um das Vertriebsnetz des Deutschen Lotto- und Toto-Blocks zu erhalten.

    (DTZ 36/14)

  • Jan Mücke neuer Geschäftsführer des Deutschen Zigarettenverbandes

    BERLIN (DTZ/vi). Jan Mücke ist neuer Geschäftsführer des Deutschen Zigarettenverbandes (DZV) in Berlin. Der ehemalige Staatssekretär im Bundesministerium für Verkehr, Bau und Stadtentwicklung trat sein Amt bereits am 1. Juli 2014 an. Er folgt auf Dirk Pangritz, der den Verband seit 2012 erfolgreich geführt hat.

    „Wir freuen uns sehr, mit Jan Mücke eine Führungskraft gefunden zu haben, die die politischen Prozesse sehr gut kennt und viel Erfahrung bei der Vermittlung kontroverser Positionen mitbringt“, sagt Ralf Wittenberg, DZV-Vorstandsvorsitzender und General Manager British American Tobacco Germany GmbH. „Bei Dirk Pangritz bedanken wir uns für sein außerordentliches Engagement in den vergangenen zwei Jahren, in denen er den Verband neu ausgerichtet und durch den schwierigen Gesetzgebungsprozess zur Europäischen Tabakprodukt-Richtlinie (TPD) geführt hat.“

    „Für den DZV beginnt nun eine Phase neuer Herausforderungen“, ergänzt der stellvertretende DZV-Vorstandsvorsitzende, Hans-Josef Fischer, der auch Geschäftsführer bei der mittelständischen Heintz van Landewyck GmbH ist. „Unter anderem müssen wir weiter hart daran arbeiten, dass nach Verabschiedung der TPD bei der Umsetzung in deutsches Recht die engen verbleibenden Umsetzungsspielräume für wirtschafts- und verbraucherfreundliche Lösungen auf dem deutschen Markt genutzt werden können. Für diese und andere neue Aufgaben sehen wir uns mit Jan Mücke an der Spitze unseres Verbandes hervorragend aufgestellt.“

    Mücke, der von 1999 bis 2014 dem Bundesvorstand der FDP angehörte, will den Verband langfristig weiter entwickeln: „Wir wollen als die Stimme der deutschen Tabakwirtschaft erster Dialogpartner für Politik, Medien und Gesellschaft sein. Ich freue mich auf diese Herausforderung“, erklärt er.

    (DTZ 36/14)