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  • Philip Morris für Regulierung

    Erneut höhere Feinschnittsteuer gefordert

    MÜNCHEN (DTZ/pnf). Jacek Olczak, Deutschlandchef von Philip Morris, hat gegenüber der „Welt“ nochmals die Haltung des Münchner Unternehmens unterstrichen, dass eine klare Regulierung der Tabakbranche und eine damit verbundene Verlässlichkeit der Politik zu begrüßen sei.

    In diesem Zusammenhang nannte er als Regulierungsbeispiel die Plakatwerbung, gegen deren Verbot Philip Morris sich nicht wehren würde. Gleichzeitig sprach er sich dafür aus, dass der Direktkontakt zu den Kunden und die POS-Werbung erhalten bleiben sollen, um die Markenkommunikation zu gewährleisten. Weiter forderte er eine Erhöhung der Feinschnittsteuer, um eine faire Besteuerung aller Tabakprodukte zu gewährleisten.

    (DTZ 41/08)

  • FDP: Lockerung des Rauchverbots

    MÜNCHEN (DTZ/fok). Martin Zeil, FDP-Fraktionssprecher in Bayern, sagte, seine Partei gehe mit der im Wahlkampf erhobenen Forderung nach Änderung des Gastrorauchverbots in die Koalitionsverhandlungen. Die FDP strebe eine Regelung analog der in Baden-Württemberg an.

    (DTZ 41/08)

  • Tabakwarengroßhandel arbeitet an Strategie

    BDTA: Außerordentliche Mitgliederversammlung

    KÖLN (DTZ/vi). Im Rahmen einer außerordentlichen Mitgliederversammlung am 6. November 2008 will der Bundesverband Deutscher Tabakwarengroßhändler und Automatenaufsteller (BDTA) eine Neuausrichtung der politischen Verbandsarbeit diskutieren und strategische Ansätze entwickeln, die das Geschäftsmodell Tabakwaren-Großhandel in den Fragestellungen des Marktes und der Politik neu ausrichtet und somit planbarer machen kann. Mit Blick auf aktuelle internationale und nationale Tabakregulierungsprogramme geht es dem BDTA darum, mit klaren und glaubwürdigen Inhalten und Positionen im Rahmen einer ganzheitlichen Strategie konstruktiv in einen aktiven Dialog mit der Politik treten zu können, und dies in einem möglichst breit angelegten Konsens innerhalb der Branche.

    Die außerordentliche Mitgliederversammlung findet am 6. November von 14.00 bis voraussichtlich 17.30 Uhr im Arabella Sheraton Congress Hotel in Frankfurt statt.

    Am Folgetag, dem 7. November 2009, bieten die Tabatec-Infodays ab 9.30 bis ca. 13.30 Uhr Gelegenheit, zielführende Informationen zu den neuesten technischen Entwicklungen rund um den Zigarettenautomaten auszutauschen.

    (DTZ 41/08)

  • Lottoverkauf neben Süßwaren zulässig

    Berliner Landgericht hebt abstruse Einstweilige Verfügung auf

    BERLIN (DTZ/pnf). Eine irrwitzige gerichtliche Verfügung ist gekippt, Lotto darf jetzt wieder neben einem Süßwarenangebot verkauft werden, in den Berliner Lottoannahmestellen herrscht Erleichterung: Das Berliner Landgericht hat am Dienstag dieser Woche die Einstweilige Verfügung gegen die Deutsche Klassenlotterie Berlin (DKLB) in vollem Umfang aufgehoben.

    In der Einstweiligen Verfügung hatte ein nicht konzessionierter ausländischer Anbieter erwirkt, dass die DKLB neben Einschränkungen bei Werbung und Internet das Lotterieangebot vom Süßwarenangebot zu trennen habe und sich dabei insbesondere auf den Jugendschutz berufen.

    Die Deutsche Klassenlotterie Berlin (DKLB) hatte dieser Argumentation nicht folgen können und Widerspruch eingelegt. Zuletzt hatte auch die Fachstelle für Suchtprävention im Land Berlin auf den fehlenden Kausalzusammenhang zwischen Süßwarenangebot und Spielsucht hingewiesen. In der mündlichen Verhandlung am Dienstag ist die Kammer den Anträgen der DKLB gefolgt und hat die Einstweilige Verfügung vollumfänglich aufgehoben. Die Entscheidungsgründe liegen noch nicht vor. „Wir freuen uns, dass wir unseren eingeschlagenen Weg fortsetzen können. Für die Berliner Annahmestellen und die Berliner Lotto-Spieler ist dies ein guter Tag“ erklärt das Vorstandsmitglied der DKLB, Hansjörg Höltkemeier.

    (DTZ 41/08)

  • Zigarettenmarkt im September mit hoher Auslieferungszahl

    Mehr Auslieferungstage / Starkes Quartalsende

    [pic|104|l|||Im September liefen wieder mehr Zigaretten vom Band.|||]

    MAINZ (DTZ/fok). Im September 2008 lieferten die Zigarettenhersteller insgesamt 8,27 Mrd. Stück Zigaretten an den deutschen Handel aus. Das war das höchste Monatsauslieferungsvolumen seit Dezember 2006. Gegenüber dem Vergleichsmonat des Vorjahres liegt die Menge um 12,4 Prozent höher. Allerdings wäre es voreilig, daraus eine grundlegende Änderung der Markttendenz zu schließen. Denn es ist zu vermuten, dass drei Faktoren zu den starken Septemberzahlen beigetragen haben: Erstens ein ausgesprochen schwacher Vormonat August, zweitens hatte der September in diesem Jahr zwei Auslieferungstage mehr als der Vergleichsmonat 2007. Und drittens gibt es Anzeichen, dass partiell verkaufsunterstützende Maßnahmen zum Quartalsende fokussiert wurden.

    Betrachtet man den Zeitraum Januar bis September 2008 kumuliert, liegen die Absatzzahlen mit 65,91 Mrd. Stück Fabrikzigaretten um 2,5 Prozent unter den Zahlen des entsprechenden Vorjahreszeitraums. Sie sind damit ein ganzes Stück besser als die meisten Industrieprognosen zu Beginn des Jahres dies vermuten ließen. Innerhalb des Fabrikzigarettenmarktes schlug sich die Markenzigarette mit 58,52 Mrd. Stück (minus 1,3 Prozent) deutlich besser als die Handelsmarken mit 7,38 Mrd. Stück (minus 10,6 Prozent).

    Der Anteil der Automatenpackung am Fabrikzigarettenabsatz lag im September bei 13,4 Prozent und damit leicht unter dem Durchschnitt der ersten drei Quartale 2008, für die er sich auf 13,6 Prozent bezifferte. Im Vorjahreszeitraum betrug der Anteil noch 14,5 Prozent.

    Auch beim klassischen Feinschnitt war der September-Absatz hoch. Mit schätzungsweise 1930 Tonnen wurde der Vorjahresmonat um 4,0 Prozent übertroffen. Berücksichtigt werden muss hier allerdings, dass ein Rückfluss von Volumen aus dem Billigpfeifentabak erfolgte. Dessen Absatzmenge lag im September nur noch bei 75 Tonnen.

    Im Neun-Monats-Zeitraum reduzierten sich die Auslieferungen von klassischem Feinschnitt um 2,4 Prozent, während der Billigpfeifentabak um fast 430 Prozent zulegte. Klassischer und Billigpfeifentabak aufaddiert, ergab sich ein leichtes Plus von 1,5 Prozent.

    Von der positiven Absatzentwicklung nicht partizipieren konnten die Eco-filtercigarillos. Im September wurden 237 Mio. Stück abgesetzt (minus 50,9 Prozent), in den ersten neun Monaten 2008 kumuliert lag der Absatz bei 2,581 Mrd. Stück (minus 34,3 Prozent).

    Zigarettenstränge lagen im September mit ca. 69 Mio Stück um 33 Prozent über dem Vorjahresmonat, für die ersten drei Quartale ist der Absatz mit ca. 582 Mio Stück gegenüber dem Vorjahr um 20,6 Prozent gesunken.

    (DTZ 41/08)

  • Feuer frei für selbstbewusste Raucher

    Gemeinsame Feuerzeugaktion von BTWE, Mut, Zippo und Akra

    LANGENZENN (DTZ/fnf). Die überaus erfolgreiche Aktion des BTWE gegen gesetzliche Rauchverbote in der Gastronomie wird durch eine Zusammenarbeit mit MUT und Zippo weiter befeuert. Auf Anregung von BTWE und MUT und in Zusammenarbeit mit der Akra Kotschenreuther GmbH und der Firma Plattner in Innsbruck wurde ein spezielles Piezo-Feuerzeug entwickelt. Dieses formschöne nachfüllbare Elektronikfeuerzeug in trendigem Alpinweiß ist mit dem kultigen und inzwischen durch die BTWE-Aktionen sehr bekannten Spruch „Demokratie heißt Wahlfreiheit – Das gilt auch für Raucher und Wirte! – Ihr Tabakwarenhändler“ versehen. Der Spruch wurde in Marineblau auf leuchtendem Orange gedruckt. Ziel ist es, dieses Feuerzeug zigtausendfach zum Konsumenten zu bringen.

    Um dies zu erreichen sollten die Stufen des Handels auf Kalkulationsaufschläge verzichten, appellieren die Initiatoren. Möglichst viele Feuerzeuge müssten in die Hand des Verbrauchers und Wählers gelangen. Deshalb kann man dieses Feuerzeug schon bei einer Mindestabnahmemenge von 250 Stück für 0,19 Euro beim einschlägigen Großhändler erwerben. Großhändleradressen sind beim BTWE oder bei Mut zu erfragen. Interessierte Großhändler können diese Feuerzeuge ab 5 000 Stück bei Akra Kotschenreuther GmbH in Langenzenn oder bei Plattner Innsbruck für 0,15 Euro per Stück erwerben.

    Das gleiche Ziel auf gehobenem Niveau verfolgt man beim BTWE mit dem bekannten Zippofeuerzeug, das mit gleichem Text versehen ist. Auch die Ikone der Feuerzeuge, der Klassiker schlechthin, wird die gemeinsame Botschaft vielfach transportieren. Dieses Zippofeuerzeug sollte man als Einzelhändler nach den Vorstellungen von Zippo Geschäftsführer Rolf Löser für 9,95 Euro einkaufen können. Als Verkaufspreis sind, so die Initiatoren. 14,95 Euro gegenüber dem Verbraucher und Wähler wünschenswert, weil es hier um die Sache geht.

    Initiatoren dieser Aktion sind der BTWE mit Geschäftsführer Dieter C. Rangol, der 1. Vorsitzende von Mut und Akra Geschäftsführer, Ulrich Kotschenreuther, Markus Plattner, Geschäftsführer der Firma KP Plattner, Innsbruck, sowie der Grandseigneur der Feuerzeugbranche, Rolf Löser, Zippo-Chef Mitteleuropa. Einsatz für die Raucherrechte.

    (DTZ 37/08)

  • Kostenloser Newsletter für DTZ-Abonennten

    MAINZ (DTZ/red). Seit dieser Woche versendet Die Tabak Zeitung einen Newsletter mit aktuellen Meldungen und Nachrichten aus der Tabakbranche per E-Mail exklusiv an ihre Abonnenten.

    Dieses neue kostenlose Serviceangebot ergänzt ideal die umfassenden Informationen über das Marktgeschehen, die Sie jede Woche der Tabak Zeitung und DTZ-Online entnehmen können. Um Ihnen den kostenlosen Newsletter zustellen zu können, benötigen wir Ihre E-Mail-Adresse.

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    (DTZ/37/08)

  • Tabakwerbung mit „Bio“ untersagt

    Hamburger Landgericht gibt Klage statt

    HAMBURG (DTZ/pnf/fok). Es gibt Bio-Diesel, Bio-Bier und Bio-Lippenstifte. Bio-Tabak und Bio-Zigaretten gibt es auch, aber die dürfen sich nach einem Urteil des Hamburger Landgerichts vom Freitag vergangener Woche nicht mehr so nennen und auch nicht mit diesem Begriff beworben werden.

    Die Richter gaben einer Klage des Bundesverbandes der Verbraucherzentralen gegen den Hamburger Zigarettenhersteller Santa Fe Natural American Spirit statt, dass er die von ihm nach anerkannten ökologischen Kriterien hergestellten Tabakprodukte nicht mehr mit dem Zusatz „Bio“ bewerben darf (Az 406 O 94/08). Als Rechtsgrundlage für ihre Entscheidung stützten sich die Richter auf § 22 des Vorläufigen Tabakgesetzes, der in der Verbraucherkommunikation für Tabakerzeugnisse Aussagen verbietet, wonach die betreffenden Produkte natürlich oder naturrein sind. Der Begriff „Bio“ werde aber vom Verbraucher mit eben diesen nicht erlaubten Begriffen assoziiert.

    Grundsätzlich stellt sich für die Tabakbranche nun die Frage, ob diese enge Auslegung des Gesetzes noch dem heutigen Verständnis der Verbraucher für ökologische Zusammenhänge Rechnung trägt. Denn das Verbot der Begriffe naturrein/natürlich in der Auslobung von Tabakerzeugnissen war ganz klar von dem Gedanken des Gesundheitsschutzes für die Konsumenten getragen. Der Begriff „Bio“ hat aber inzwischen einen deutlichen Begriffswandel durchgemacht. Der Umweltschutzgedanke ist heute bei der Kaufentscheidung für viele Bio-Produkte der entscheidende Aspekt aus Sicht der Verbraucher.

    (DTZ 37/08)

  • Deutliche Tendenz zur Lockerung der Gastrorauchverbote

    Nach Gesundheitsministertreffen ist bundeseinheitliche Lösung vom Tisch

    BERLIN (DTZ/pnf/fok). Bundesgesundheitsministerin Ulla Schmidt (SPD) und die SPD-geführten Bundesländer sind mit ihrem Vorschlag eines bundeseinheitlichen strikten Rauchverbots in der Gastronomie gescheitert. Ein Gesundheitsministertreffen am Freitag vergangener Woche fand ohne die Beteiligung der CDU-geführten Bundesländer (außer Niedersachsen) statt, weil diese entweder bei den verabschiedeten Regelungen bleiben (Saarland) oder die aufgrund des Urteils des Bundesverfassungsgerichts notwendigen Änderungen in Eigenregie formulieren wollen.

    Das von der Berliner Gesundheitsministerin Karin Lompscher (Linke) favorisierte Totalrauchverbot nach bayerischem Muster zeichnete sich als Außenseiterposition ab. Der Tenor zielt jetzt in allen Bundesländern außer Bayern darauf hin, die vom Verfassungsgericht monierte Benachteiligung der Kleingastronomie aufzuheben und den betroffenen Wirten die Wahlfreiheit, ob sie ihr Lokal als Raucher- oder Nichtraucherkneipe führen, zu überlassen. Im Mittelpunkt der Diskussionen stehen nunt die Rahmenbedingungen, für die das Gericht Vorgaben formuliert hatte. Diese Details haben in der Praxis erhebliche Bedeutung, etwa die Frage, in welchem Maße kleine, nicht frisch zubereitete Speisen in den Raucher-Eckkneipen noch verabreicht werden dürfen.

    In Baden-Württemberg hat sich die Regierungskoalition von CDU und FDP inzwischen geeinigt, das Rauchverbot für Einraumkneipen unter 75 qm unter bestimmten Auflagen wieder aufzuheben. Auch in Berlin stehen die Zeichen auf Liberalisierung: Die SPD-Fraktion sprach sich mit großer Mehrheit für Ausnahmeregelungen aus.

    In Bayern verteidigt die CSU nach wie vor trotzig ihr Totalverbot. Umfragen sehen die CSU bei unter 50 Prozent in den bevorstehenden Landtagswahlen, und der potenzielle Koalitionspartner FDP macht sich massiv für eine Lockerung der Gastro-Rauchverbote stark.

    (DTZ 37/08)

  • „In der Tabakbranche ist ein Paradigmenwechsel erforderlich“

    Tobaccoland-Geschäftsführer Heinen: Handel sollte Markt aktiv mitgestalten

    [pic|97|l|||tobaccoland-Geschäftsführer Paul Heinen: „Wir brauchen eine fruchtbare Diskussion mit dem Ziel eines funktionierenden, belastbaren neuen Marktsystems.“|||]

    MÖNCHENGLADBACH (DTZ/fok). Paul Heinen, seit 2004 Geschäftsführer der tobaccoland Automatengesellschaft, Deutschlands größtem Zigarettenautomatenaufsteller, liebt klare Worte: „Die Marktgegebenheiten, wie wir sie aus der Vergangenheit kennen, sind passé. Es hat keinen Zweck, vergangenen guten Zeiten nachzujammern oder zu glauben, wir könnten das Rad wieder zurückdrehen. Was wir brauchen, sind eine klare Analyse und darauf aufbauend zukunftsfähige Geschäftskonzepte, die die gesellschaftlichen Änderungen und die daraus resultierenden Auswirkungen auf die Tabakbranche voll berücksichtigen.“

    Branche im Sog der Tabaksteuererhöhungen
    Ein Blick auf die Marktentwicklung seit dem Jahr 2000 zeigt: Der Gesamtkonsum schrumpfte seither um rund 30 Mrd. Zigarettenäquivalente. Was noch schwerer wiegt: Der Anteil der in Deutschland versteuerten Markenzigaretten am Gesamtkonsum geht von fast drei Viertel auf (prognostiziert) etwas mehr als die Hälfte in 2009 zurück. Der hierin enthaltene Absatz von Zigaretten über Automaten verlor in dieser Zeit fast zwei Drittel seines Volumens, wobei der überproportionale Rückgang am Automaten durch die Einführung der Altersverifikation an den Automaten 2007 sowie die Auswirkungen der Nichtraucherschutzgesetzgebung in den Bundesländern 2007 und 2008 verursacht wurde.

    Neben dem wachsenden Schmuggel hat vor allem der Anstieg der sogenannten OTP-Verkäufe den Fabrikzigarettenabsatz belastet. Heinen sieht im OTP-Bereich zunehmenden Steuerdruck kommen. Daher rechnet er künftig mit einer stabileren Entwicklung des Fabrikzigarettenmarktes. Heinen konstatiert weiter ein Regulieren des Fabrikzigarettenmarktes über den Preis. Durch die gestiegene Steu-erinzidenz gebe es hier aber keine Spielräume mehr. Das Zögern hinsichtlich einer Kurskorrektur führe aber letztlich zur Verarmung aller Beteiligten. „Handel und Industrie müssen einen Paradigmenwechsel in Angriff nehmen, um diese Verarmungsspirale zu beenden“, stellt Heinen fest. Es sei richtig, dass die Deutschen preissensibler geworden seien, jedoch sei die Wahrnehmung dieser Preissensibilität bei den Preisgestaltern deutlich überzogen.

    Der Markt müsse sich auf die kleineren Volumina einstellen. „Wir brauchen wieder ein ausgewogenes Verhältnis zwischen Steueranteil und Wirtschaftsnutzen“, betont Heinen. Sonst gebe es kein Entfliehen aus der Negativ-Doppelspirale sinkender Mengen und sinkenden Wirtschaftsnutzens.
    Speziell beim Automaten sieht Heinen eine klare Convenience-Schwelle, die auch er bei Einführung der Jugendschutztechnik unterschätzt habe. Inzwischen stabilisiert sich der Automatenanteil in Deutschland, „mancher hat seine ersten Frustrationen überwunden.“ Eine Ausdünnung der Automatendichte könne sich als Problem erweisen. So stellt Heinen fest, dass, wenn die Ubiquität wegfiele, sich die Bedarfsdeckung des Verbrauchers „neue Betten grabe“, oft sogar in den Bezug illegaler Schmuggelware, denn Regulierungen greifen naturgemäß nur auf dem sichtbaren legalen Markt.

    Tobaccoland setzt neues Logistikkonzept um
    tobaccoland selbst reagierte bereits mit einer umfassenden Neuausrichtung. Hatte das Unternehmen bis 2006 durch Frequenzstreckungen, Personalreduktionen und andere kostensenkende Maßnahmen sowie die Installierung zukunftsorientierter IT der Marktentwicklung Rechnung getragen, reagierte tobaccoland auf den starken Absatzeinbruch in den ersten Monaten 2007 mit der Erarbeitung eines neuen Logistikkonzepts. Fest stand, dass die Plattform der aktuell 105 000 Automaten (im Jahr 2000 waren es noch rund doppelt so viele), ohne Gebietsaufgabe im Markt behalten und dabei die Qualität nicht nur gehalten, sondern noch verbessert werden sollte. Das jetzt greifende Konzept setzt auf Spezialisierung und Bündelung: Dabei werden alle Funktionen zentralisiert, bei denen dies Sinn macht, z.B. der Innendienst und das Kundenservicecenter. Außerdem wurden bzw. werden die früheren Niederlassungen durch vier Regionalzentralen an optimalen Standorten ersetzt (Nord in Quickborn, Ost in Berlin, West in Mönchengladbach und Süd in Ludwigsburg/Karlsruhe. Sogenannte Cross Docks, das sind regionale Anlaufstellen für die Auslieferungsfahrer, in denen die Fahrverkäufer und die Störmonteure die benötigten Waren beziehen und Bargeld bzw.

    Ersatzteile abgeben oder tauschen, ergänzen die Arbeit der Regionalzentralen nahe der jeweiligen Einsatzorte. Insgesamt wird es bis zu 20 Cross Docks geben, die das Funktionieren der Abläufe vor Ort garantieren und dabei kaum administrative Kosten verursachen.

    Investieren in die Attraktivität der Zigarettenautomaten
    Gleichzeitig konzentriert sich tobaccoland auf die Steigerung der Attraktivität der Geräte für die Endkunden. Ein Schritt ist mit einer einheitlichen Kommunikation an den Automaten bereits getan. Die derzeitige Bedienerführung wird mit der Umstellung der Alterslegitimation von 16 auf 18 Jahre erneuert. Sauberkeit und Attraktivität stehen ganz obenan. Auch beim Thema Bequemlichkeit tut sich etwas. Erreicht das Unternehmen zur Zeit bereits die hohe Anzahl von 26 000 Zigarettenautomaten mit Banknotenlesern/Geldwechslern, soll diese Zahl bis Ende 2008 nochmals um 5 000 Geräte wachsen und in den Jahren 2009/10 weiter ausgebaut werden. Die Aktion Überraschomat hat sich nach Aussage von tobaccoland positiv auf das Image seiner Automaten ausgewirkt. „Die Kunden werden immer anspruchsvoller, wir müssen uns mit unseren Automaten darauf einstellen“, postuliert Heinen. Und er zieht noch einmal das Fazit: „Nicht das Sparen kann unser Ziel sein, sondern die Straffung der Prozesse, die Verbesserung des Services und der Machbarkeit, die Optimierung der Strukturen hin zu mehr Schnelligkeit und Flexibilität.“

    Auf neue Packungsinhalte und Preise einstellen
    Paul Heinen ist überzeugt, dass die Zigarettenautomatenbetreiber an einer weiteren Modernisierung ihres Geräteparkes nicht vorbeikommen. „Die 4-Euro-Packung wird es nicht ewig geben, das Ende ist absehbar, die Packungsinhalte und die Preise werden steigen“, ist sich Heinen sicher. Dazu gehört zwingend die Annahme von Scheingeld und die Geldwechselfähigkeit, die sich nicht mehr an glatten Preisen orientiert. Er macht auch keinen Hehl aus seiner Auffassung, dass eine größere Mindestpackungsgröße kommen wird und merkt in diesem Zusammenhang an, dass mit Blick auf eine kalkulierbare Entwicklung ein Zögern kontraproduktiv sei. „Was wir brauchen, sind Innovationsakzeptanz und strategische Perspektiven auf der Zeitachse“, formuliert er seinen Blick in die Zukunft. „Die Distributionsstrukturen und -gegebenheiten ändern sich immer schneller. Wer ans Ziel kommen will, muss vorausdenken und schneller als der Strom sein. Für den Handel geht es um ein aktives Mitgestalten des Marktes, damit er nicht überrollt wird.“ Den vom ihm vorgeschlagenen Paradigmenwechsel bringt Paul Heinen auf den Punkt: „Die Forderung nach Umverteilung führt bei dem, der etwas abgeben soll, immer zu Problemen und damit zu Widerständen. Wir sollten nicht weiter versuchen, innerhalb des bestehenden Systems zu frickeln, sondern wir brauchen eine fruchtbare Diskussion mit dem Ziel eines funktionierenden, belastbaren neuen Marktsystems.“

    (DTZ 37/08)