Autor: admin

  • Mehr Jugendschutz

    BERLIN // Nach einer Verzögerung aus technischen Gründen haben der Verband des E-Zigarettenhandels (VdeH) und der Deutsche Zigarettenverband (DZV) nun die Online-Plattform [link|http://www.jugendschutz-handel.de] www.jugendschutz-handel.de [/link]freigeschaltet. Die Seite richtet sich an Händler von Tabak- und E-Zigaretten.

    Mithilfe verschiedener Praxisbeispiele und Argumentationshilfen sollen Einzelhändler für den Umgang mit Minderjährigen, die versuchen, solche Produkte zu erwerben, geschult werden. Das rund 20-minütige Training kann sowohl auf dem PC als auch auf mobilen Endgeräten absolviert werden. Nach dem erfolgreichen Abschluss des Trainings können neben einem personifizierten Zertifikat auch die aktuellen gesetzlichen Regelungen heruntergeladen werden.

    „Wir stehen zu 100 Prozent hinter der aktuellen gesetzlichen Regulierung. E-Zigaretten und Liquids sind nur für erwachsene Konsumenten gedacht. Daran regelmäßig zu erinnern und den Handel zu schulen, ist uns besonders wichtig“, erklärte Michal Dobrajc, Vorsitzender des VdeH.

    Jan Mücke, Geschäftsführer des Deutschen Zigarettenverbandes, ergänzte: „Auch Zigaretten gehören nicht in die Hände von Minderjährigen. Dieses gesamtgesellschaftliche Anliegen wird am besten durch die strikte Einhaltung und strenge Kontrolle des Abgabeverbots von Tabakwaren an unter 18-Jährige erreicht – als Herstellerverband stellen wir uns der Verantwortung und leisten in enger Kooperation mit dem Handel dazu noch intensiver unseren Beitrag.“

    Das Online-Tool ist die erste gemeinsame Initiative beider Verbände, um den Jugendschutz im Einzelhandel weiter zu verbessern. Der DZV hatte im Frühjahr 2018 über 500.000 Aufkleber herausgegeben, auf denen auf das Mindestabgabealter von 18 Jahren für beide Produktkategorien hingewiesen wird. Diese Aufkleber sind für alle interessierten Fachhändler auf der Seite des DZV oder über die DZV-Hotline (030 / 88 66 36-0) kostenlos bestellbar.


    vi

    (DTZ 03/19)

  • Marcel Crijnen verstorben

    BONN //Der Generalsekretär des europäischen Zigarrenverbandes ECMA, Marcel Crijnen, ist am 8. Januar im Alter von 54 Jahren verstorben.

    Crijnen hat über einen langen Zeitraum die Entwicklung des in den frühen 1990er-Jahren gegründeten europäischen Zigarrenverbandes geprägt.vi

    (DTZ 03/19)

  • Abmahnung gegen Amazon

    FRANKFURT // Das Landgericht Frankfurt am Main hat auf Antrag des Verbands des E-Zigarettenhandels (VdeH) eine einstweilige Verfügung gegen Amazon Services Europe erlassen (Az.: 3–06 O 103/18). Der Beschluss muss noch zugestellt werden. Das teilte der VdeH mit.

    Auf amazon.de finden sich zahlreiche ausländische Anbieter, die E-Zigaretten und Zubehör an Verbraucher in Deutschland verkaufen. Der Versand erfolgt dabei oft aus dem Ausland. Allerdings muss sich der ausländische Verkäufer für einen solchen grenzüberschreitenden Fernabsatz von E-Zigaretten bei der zuständigen Behörde registrieren. Der VdeH hatte Amazon auf mehrere Verstöße gegen diese Vorschrift hingewiesen und den Konzern deshalb verklagt.

    Das Gericht untersagte es Amazon, E-Händlern den grenzüberschreitenden Fernabsatz zu ermöglichen. Bei Zuwiderhandlung drohen Ordnungsgeld bis zu 250 000 Euro oder Ordnungshaft bis zu sechs Monaten.

    „Die mit dieser Verfügung endlich abgestellte Situation war untragbar. Wir begrüßen den Beschluss des Landgerichts als ersten Schritt zur Wiederherstellung eines fairen Wettbewerbs und Stärkung des Verbraucherschutzes“, erklärte der VdeH-Vorsitzende Michal Dobrajc.

    red

    (DTZ 02/19)

  • Gut vorbereitet ins Gespräch

    ILSFELD // Viele Unternehmen erhöhen, bevorzugt zum Jahreswechsel, ihre Preise. Für Verkäufer heißt das, dass sie mit ihren Stammkunden Preisanpassungsgespräche führen müssen – für einige Verkäufer eine Herausforderung. Folglich sollten sie gut vorbereitet in die Verhandlungen gehen.

    Die Preise erhöhen
    Die Preise erhöhen – viele scheuen sich davor, mit dieser Zielsetzung in Vertragsverhandlungen zu gehen. Denn sie wissen aus Erfahrung: Kaum sitzen sie den Einkäufern bei ihren Stammkunden gegenüber, beginnen diese zu klagen – zum Beispiel über die wirtschaftlich unsichere Situation. Und hierauf folgt meist die Aussage „Ihr seid zu teuer“. Deshalb wagen viele Verkäufer an ein Erhöhen der Preise erst gar nicht zu denken. Und machen ihre Vorgesetzten ihnen höhere Preisvorgaben? Dann denken viele unmittelbar: Die Preise sind nicht durchzusetzen.

    Verkäufer als Mitstreiter
    Verkäufer als Mitstreiter gewinnen: Deshalb müssen Sie, wenn Ihr Unternehmen seine Preise erhöhen möchte, zunächst die Verkäufer als Mitstreiter gewinnen. Der erste Schritt hierzu ist: Die Verkäufer präzise über die Gründe informieren. Diese Information sollte bezogen auf Produkte und Warengruppen erfolgen. Oder indem Verkäufern am Beispiel der Kontrakte mit ausgewählten Schlüsselkunden aufgezeigt wird, wie positiv sich die geplanten höheren Preise auf den Ertrag auswirken, so dass das Unternehmen wieder mehr Spielraum für Investitionen und zum Erhöhen der Löhne hat. Danach sollte der Appell folgen: „Beim Erhöhen der Preise benötigen wir Ihre Unterstützung“ – möglichst durch die Geschäftsleitung, um die Bedeutung der Entscheidung zu unterstreichen.

    Manche Verkäufer werden nach dem Appell klagen: „Das geht nicht. Die Kunden sagen jetzt schon, dass ihr zu teuer seid.“ Dass Verkäufer so reagieren, ist normal. Verdeutlichen Sie ihnen deshalb Folgendes: Es gehört zum Job der Einkäufer zu sagen „Ihr seid zu teuer“. Denn sie sollen möglichst preiswert einkaufen. Deshalb sagen sie sogar bei Dumpingpreisen „Ihr seid teuer“, um noch vorhandene Spielräume auszuloten. Selbst wenn das nicht so wäre, müsste Ihr Unternehmen die Preise erhöhen – zumindest, wenn es die Ziele erreichen möchte.

    Verkäufern das Gefühl vermitteln „Es geht, wenn …“ Das wird Ihre Verkäufer besänftigen. Das enthebt Sie aber nicht von der Aufgabe, Ihre Verkäufer auf das Führen der Preisanpassungsgespräche vorzubereiten – nicht nur, weil sie eine Gesprächsstrategie brauchen. Vielmehr gilt es, ihre mentalen Widerstände abzubauen, und stattdessen das Gefühl zu vermitteln: „Wenn ich es richtig anpacke, kann ich das Ziel erreichen.“ Sonst stehen Ihre Verkäufer in den Gesprächen auf verlorenem Posten. Spüren Einkäufer eine Unsicherheit, hebeln sie Argumentationen leicht aus.

    Verkäuferschulung
    Lassen Sie sich beim Vorbereiten der Verkäuferschulung von folgenden Gedanken leiten. Erstens: Jede Preiserhöhung ist letztlich eine normale Preisverhandlung. Der einzige Unterschied: Das Vorzeichen des Gesprächs lautet nicht, wie viel geht der Preis nach unten, sondern um wie viel geht er nach oben. Also muss sie ebenso vorbereitet werden.

    Zweitens: Der höhere Preis muss jedem Kunden individuell verkauft werden. Also sollten Ihre Verkäufer für jeden Kunden eine spezifische Argumentationskette erarbeiten. Hierfür benötigen sie unter anderem die Information: Welche Umsätze wurden mit dem Kunden in den zurückliegenden Jahren erzielt? Wie waren Umsatz- und Preisentwicklung? Wie groß ist der Lieferanteil beim Kunden? Wo liegen Cross-Selling-Möglichkeiten? Zusätzlich sollten sie im Vorfeld analysieren: Vor welchen Herausforderungen steht der Kunde? Wie verlief die bisherige Kooperation? Die Infos bilden das Rohmaterial, aus dem die kundenspezifische Argumentationskette und Gesprächsstrategie entworfen werden kann.


    Strategien erarbeiten

    Mit Verkäufern Strategien erarbeiten. Basierend auf den Grundgedanken sollten Sie Ihre Verkäufer trainieren, Preisanpassungsgespräche vorzubereiten und zu führen. Dabei lautet die Regel: zunächst die nötige Gesprächsatmosphäre schaffen. Das gelingt Ihren Angestellten am einfachsten, indem diese dem Kunden nochmals vor Augen führen, welchen Nutzen er von der Zusammenarbeit hat. Doch statt das direkt zu sagen, ist es geschickter, den Kunden zu fragen: Hat sich jene Lösung bewährt? Danach können Verkäufer das Gespräch zum Thema Preisanpassung überleiten, zum Beispiel über die Entwicklung der Energiepreise oder der Löhne, bevor er hieraus ableitet, was das bedeutet. Nun können Verkäufer ihre kundenspezifische Argumentationskette entrollen, bevor folgt: „Daher müssen wir unsere Preise um 5,1 Prozent erhöhen.“

    Nach diesem Satz werden Kunden – ganz gleich, wie gut die Erhöhung begründet ist – empört sein und eventuell drohen: „Dann ist unsere Zusammenarbeit beendet.“ Bereiten Sie Ihre Verkäufer auf diese Reaktion vor, damit diese gelassen erwidern – zum Beispiel: „Das haben wir erwartet. Deshalb haben wir nochmals mit unseren Zulieferern verhandelt. Zudem haben wir unsere Prozesse weiter optimiert. Dadurch konnten wir einen großen Teil der Kostensteigerungen auffangen, weshalb wir unsere Preise nur um 3,8 Prozent erhöhen.“ Daraufhin wird der Verhandlungspartner erleichtert sein. Schließlich klingen 3,8 Prozent anders als 5,1 Prozent.

    Solche Argumentationsmuster sollten Sie mit Ihren Verkäufern erarbeiten, denn aus Erfahrung zeigt sich: Alleine fällt es vielen schwer, ausreichend technische, wirtschaftliche und emotionale Argumente zu identifizieren, um ein Erhöhen der Preise zu legitimieren. Und noch schwerer fällt es ihnen, diese in eine kundenspezifische Argumentationskette und Gesprächsstrategie zu integrieren.

    Preisanpassungsgespräche trainieren
    Mit Ihren Verkäufern das Führen der Preisanpassungsgespräche trainieren: Doch selbst, wenn Ihre Verkäufer den Kunden schlüssig darlegen, warum Ihr Unternehmen seine Preise erhöhen muss, ist das Ziel Preis-Erhöhung beziehungsweise -Anpassung noch nicht erreicht. Denn der Kunde hat ihren Wunsch noch nicht akzeptiert. Es wurde nur die Basis für die eigentliche Preisverhandlung geschaffen.

    In dieser Verhandlung müssen Verkäufer das Instrumentarium einsetzen, das sie auch sonst bei Vertragsverhandlungen nutzen. Hierzu zählt der Versuch, die Preiserhöhung zu relativieren. Zum Beispiel: „Lieber Kunde, die Preisanpassung bewegt sich bei den einzelnen Warengruppen zwischen null und zwölf Prozent. Da Sie vermutlich vor allem interessiert, wie sich die Preisanpassung insgesamt auf Ihre Kosten auswirkt, habe ich errechnet, wie viel mehr Sie bei den angepassten Preisen für Ihre Bestellungen in den vergangenen drei Monaten bezahlt hätten – insgesamt nur 1,89 Prozent.“

    Bleiben Kunden dennoch skeptisch, sollten Verkäufer Vorschläge unterbreiten, wie die Preisdifferenz eventuell kompensiert werden kann – gemäß der Maxime „Wenn du mir das gibst, erhält du jenes“. Gehen Verkäufer dabei geschickt vor, kann das Ergebnis eine engere Kundenbindung bringen. Die Argumentation kann etwa lauten: „Lieber Kunde, ich habe mir überlegt, wie wir einen Teil der 3,8 Prozent kompensieren könnten. Wäre es möglich, unseren Lieferanteil beim Produkt X von 26 auf 35 Prozent zu erhöhen? Das wäre für uns ein geldwerter Vorteil. Dann könnte ich Ihnen im Gegenzug anbieten, …“ Solche taktischen und strategischen Verhandlungselemente sollten Sie mit Ihren Verkäufern entwerfen und auch deren Einsatz trainieren. Nur dann können Ihre Verkäufer im Kundengespräch mit der nötigen Gelassenheit und Flexibilität reagieren.

    Peter Schreiber

    (DTZ 02/19)

  • War 2018 ein „gutes Jahr“?

    MAINZ // Wie lief das Jahr 2018, und was erwarten Fachhändler für 2019. DTZ befragte Geschäftsinhaber in verschiedenen Regionen Deutschlands. Der Tenor ist überwiegend positiv, aber es gibt auch kritische Anmerkungen.


    Erfolgreiches und arbeitsintensives Jahr

    Steffen Brinkmann betreibt zwei Fachgeschäfte, eines davon in Schwerin. Der John-Aylesbury-Partner stellt Tabak und Spirituosen in den Mittelpunkt seiner Handelsaktivitäten. Mit dem Namen „Tobaccohouse Brinkmann finest“ lässt sich die Philosophie für Qualität erkennen, die sich bei Tabak, Zigarren, Wein, Bier und Spirituosen wiederfindet. Diese Produkte werben für genussreiche Momente. Auch Kaffee der Union Rösterei gibt es. Eigenmarken im Spirituosen- und Zigarrenbereich gehören ebenfalls zur Ausstattung. Hinzu kommt ein Online-Shop.

    Hinter Steffen Brinkmann liegt ein erfolgreiches und arbeitsintensives Jahr. Im Juni wurden neue Geschäftsräume in absoluter Innenstadtlage bezogen. Die Verkaufsfläche erhöhte sich von 50 auf 100 Quadratmeter. „Mit diesem Schritt konnte der Umsatz positiv weiterentwickelt werden. Während die Nachfrage nach Raucherbedarfsartikeln schwächer wird, Feuerzeuge nicht mehr den hohen Stellenwert haben und Humidore wenig nachgefragt werden, weil sie nicht verschleißen, treffen Zigarren und Spirituosen unverändert auf eine hohe Nachfrage“, schildert der Firmeninhaber. Und er ergänzt: „Die Nachfrage nach Zigarren zum Kaufpreis von fünf bis 20 Euro hat sich nach oben entwickelt. Noch deutlicher wird die Kauffreude bei Spirituosen, wo über 400 Whisky-Sorten die Nachfrage zu Preisen zwischen 30 bis 100 Euro wecken, aber auch eine Flasche für 1600 Euro ihren Abnehmer fand. Gin ist unverändert im Trend und auch Rum mit über 60 verschiedenen Marken wird immer beliebter“, berichtet Brinkmann. Die neue Ausstattung, das größere Sortiment und die frequenzstarke Innenstadtlage geben dem Geschäft für die Zukunft eine gute Perspektive.


    Pfeifenverkauf : Säule des Fachgeschäfts

    Das noble Tabak-Spezialgeschäft Pfeifen Tesch in Hamburg, zwischen Binnenalster und Oper gelegen, ist seit 1880 im Familienbesitz und langjähriger John-Aylesbury-Partner. Das Traditionsgeschäft wird von Volker Cub geführt. Beim Rückblick auf 2018 äußert er nicht nur Zufriedenheit für Ware und Umsatz. Gestört haben ihn vor allem die Lieferschwierigkeiten bei großformatigen Havannas. „Die zugeteilten kleinen Mengen gerade bei begehrten Habanos behindern den Abverkauf. Das lässt sich durch Beratung und Qualitätsprodukte anderer Anbieter nur teilweise ausgleichen, denn die Markentreue bei den Aficionados für kubanische Erzeugnisse ist hoch.“ Die Unruhen in Nicaragua hätten ebenfalls negativen Einfluss auf die Lieferfähigkeit der Importeure.

    Eine weitere Säule des Fachgeschäfts ist der Pfeifenverkauf. Hier übt Cub Kritik daran, dass bestellte Christmas-Dunhill-Pfeifen teilweise nicht eingetroffen sind. Bei einem Kundenkreis, zu dem Sammler zählen, die bereit sind, auch einmal 1800 Euro für eine Pfeife zu zahlen, ist das überaus ärgerlich.

    Erfolgreich konnten hingegen wieder Weihnachtstabak-Packungen von Kohlhase & Kopp forciert werden, die gerne und umfangreich als Geschenke genutzt wurden.

    Das gilt auch für Whisky und Rum. Etwa 50 Sorten für jede Warengruppe treffen auf eine „erstaunliche Nachfrage für gehobene Ansprüche“, so Cub. Die Karibik bestimmt das Rum-Sortiment, während Whiskys aus Schottland, Amerika und Schweden bei den Kunden Gefallen finden.

    Wie der Hamburger Fachhändler betont, bleibt die Struktur des Fachgeschäfts 2019 unverändert. Unter dem Dach „Genuss“ stehen Tabakwaren und Spirituosen weiter im Mittelpunkt. Sowohl Zigaretten wie auch E-Produkte und Shisha werden nicht geführt. „Wir wollen mit mehr Präsenz von Pfeifenmachern sowie mit Zigarren-Vorführungen dem Kunden das Einkaufserlebnis noch stärker vermitteln“, erklärt Volker Cub.

    Warenpräsentation im Fokus
    Für Pierre Kasalowsky, aktiv mit drei Geschäften in Walsrode und Hannover, stand das Jahr 2018 im Zeichen klarer Veränderungen. Mit der Anschaffung von drei neuen Klimaschränken bekam die Zigarre größere Bedeutung. „Mehr Aufmerksamkeit für die Warenpräsentation wirkte beim Kunden enorm verkaufsfördernd und hat die Nachfrage nach hochwertigeren Produkten, sowohl bei Long- als auch bei Shortfillern gesteigert. Aber auch die Kontakte zu allen namhaften Herstellern und Importeuren ließen sich durch diesen Schritt verbessern. Mittlerweile sind etwa 60 verschiedene Zigarren im Angebot und haben den Umsatz im Kundenkreis deutlich gesteigert“, beschreibt der 29-jährige Firmeninhaber die erkennbar positive Weiterentwicklung.

    Das zeigt sich auch bei der E-Zigarette. „Wir haben diesen Trend sofort mitgemacht und gelten in der ländlichen Region um Walsrode als Experten. Mit verschiedenen Geräten, speziell im hochwertigen Sektor, mit einstellbaren Akkuträgern, LED-Schutzhüllen, einer breiten Auswahl von Liquids und einer eigenen Bar, die für jeden Geschmack und jede Mischung gerüstet ist, kommt der Verbraucher voll auf seine Kosten. Dazu gehört auch eine umfassende Beratung, die wesentlich den Erfolg sichert und beim Aufbau einer treuen Stammkundschaft hilft“, sagt Kasalowsky.

    Mit den neuen Tabakalternativen Iqos von Philip Morris sowie Blu von Reemtsma deuten sich weitere Umstiegsmöglichkeiten für Raucher an. Wurde diese Technik bisher vorwiegend von Männern genutzt, so finden mittlerweile auch Frauen daran Gefallen. Und noch eine Besonderheit gibt es zu berichten: Die Nachfrage nach Kautabak hat sich gut entwickelt. Mittlerweile werden bereits elf Artikel geführt. Die Käufer kommen meistens von den umliegenden Bundeswehr-Standorten. Die Vorteile liegen auf der Hand, weil die „Chewing bags“ schnell, einfach, sauber und diskret verwendet werden können und niemanden stören. Diese Art des Tabakkonsums gilt zwar als Nischenprodukt, verzeichnet aber ein erstaunliches Wachstum. Eine treue Stammkundschaft hat der niedersächsische Fachhändler bei Pfeifentabak, wo er mehr als 120 verschiedene Sorten führt.

    Mit den beschriebenen Veränderungen und seinem breiten und tiefgestaffelten Sortiment sieht sich Pierre Kasalowsky für die Zukunft gut gerüstet.

    Trend hin zu alternativen Produkten
    Dennis Meyer ist Fachhändler in Ahrensburg in Schleswig-Holstein und betreibt einen Shop im zentral gelegenen und gut frequenten Kaufhaus Nessler. Er spricht von einer guten Jahresentwicklung mit erfreulichem Zuwachs. Nach seiner Beobachtung hat vom trockenen und heißen Wetter bis weit in den Herbst hinein alles Rauchbare deutlich profitiert. Dazu kam der Trend hin zu alternativen neuen Produkten mit und ohne Tabak. Diese Erzeugnisse seien mittlerweile fest verankert. Die Ankündigung weiterer Anbieter, ins Geschäft mit E-Zigaretten oder Tabakerhitzern einzusteigen, dürfte diese Aufwärtsentwicklung nach seiner Einschätzung noch verstärken.

    Dagegen registriert der Ladeninhaber, dass der Pressebereich seit Jahren rückläufig ist und 2018 wieder ein einstelliges Minus verzeichnete.

    Auch Raucherbedarfsartikel erlebten deutliche Abschürfungen. Hier würden preiswerte Produkte nachgefragt. Insbesondere bei Feuerzeugen sei die Nachfrage nach hochwertigen Modellen vorbei.

    Als sehr erfreulich bezeichnet Dennis Meyer hingegen die Nachfrage bei Spirituosen und Süßwaren. „Whisky, Rum und Gin zeigen eine unverändert positive Entwicklung. Wir haben uns mit der Sortimentsbreite darauf eingestellt, um keinen Trend zu verpassen. Eine weitere Erkenntnis ist die zunehmende Regionalität speziell bei Whisky und Gin, wo auch deutsche Hersteller vermehrt in Erscheinung treten“, so seine Beobachtungen.

    Und noch etwas macht dieses Geschäft unverwechselbar: Der in das Kaufhaus integrierte Shop verfügt über eine Verkaufsfläche von 141 Quadratmetern. Allein die Hälfte davon entfällt auf Süßwaren – vom Lolli bis zur hochwertigen Praline. Der Kunde fühlt sich im Süßwarenparadies, und die süßen Verlockungen sorgen für ein regelmäßiges Umsatzwachstum. Diese wesentliche Geschäftssäule passt ideal unter das Dach „Genuss“, das von Tabakwaren und Spirituosen ergänzt wird. Beeindruckend ist außerdem, dass in den letzten beiden Monaten des Jahres nahezu zwei Drittel es Süßwarenumsatzes erzielt werden.

    Für 2019 rechnet Dennis Meyer mit einem stabilen Umsatz, weil das breitgefächerte Sortiment mit seinen verschiedenen Produktgruppen Sicherheit bietet.

    Pfeiferauchen schmackhaft machen
    Siegfried Schäuble vom Stuttgarter Tabacum ist mit dem Geschäftsjahr 2018 durchweg zufrieden: „Nach wie vor haben wir einen guten Lauf bei der Zigarre.“ Sein Herz hängt aber auch leidenschaftlich an der Bruyèrepfeife, wo er permanenten Handlungsbedarf sieht, beispielsweise in Form von Öffentlichkeitsarbeit. So hatte der Fachhändler bereits früher einen Pfeifenartikel im Lifestylemagazin „Heritage Post“ angeschoben, in dem kürzlich auch ein Bericht über Vauen erschien. „Wir haben ja schon die ersten jungen Leute, die Pfeife rauchen“, sagt Schäuble. Deshalb möchte er 2019 noch mehr fürs Bruyère tun und gemeinsam mit einem dänischen Herrenschneider einen Event ins Leben rufen, um den Menschen das Pfeiferauchen schmackhaft zu machen.

    Auf der anderen Seite will er zugunsten der Spirituosen sein Presseangebot weiter reduzieren: „Ich brauche die Fläche für das schöne Thema Cognac.“ Denn nach der Zigarre seien die Spirituosen die umsatzstärkste Sparte im Tabacum.

    Entsprechend positiv ist Siegfried Schäuble in das Jahr 2019 gestartet. „Natürlich haben wir als Fachhändler mit den unseligen Rauchverboten zu kämpfen, aber entgegen aller Behauptungen werden die Zigarre und die Pfeife überleben“, ist er fest überzeugt.

    Platz in der ersten Reihe
    Thomas Schlienz, Inhaber von Edico Tobacco in Stuttgart, hat einen Platz in der ersten Reihe: Wo der Hauptbahnhof in die Königstraße mündet und unzählige Menschen in die beliebte Fußgängerzone strömen, befindet sich sein kleines Geschäft. „Deshalb spüren wir jede Veranstaltung, die in Stuttgart stattfindet, sofort am Umsatz“, erklärt Schlienz. Ob Sommerfest, Volksfest, Weindorf oder Weihnachtsmarkt – er könne regelrecht die Uhr danach stellen, wann es im Laden richtig voll werde. Leider habe die baden-württembergische Landeshauptstadt für 2019 keine Extra-Events geplant, die zusätzlich Geld in die Kasse spüle. „Die Fußball-WM 2006 oder der Evangelische Kirchentag 2015 hatten mir schon einen Stein in den Garten geworfen“, sagt der Händler. Aus diesem Grund rechne er für das kommende Jahr nur mit kleineren Zuwächsen um die zwei Prozent.

    Mit 2018 war er jedenfalls ganz zufrieden: „Wir wussten beispielsweise nicht, ob das Weihnachtsgeschäft kommt – doch ab Mitte Dezember waren wir mittendrin“, erzählt Schlienz.

    Im vergangenen Jahr hätten sich E-Zigaretten und Zigarren besonders gut verkauft, dagegen sei die Nachfrage beim Rest des Sortiments verhaltener gewesen.

    Das Ergebnis muss stimmen
    Alfred Vogel von Vogel’s Tabakstube in Göppingen bezeichnet das Geschäftsjahr 2018, wie schon 2017, als gleichbleibend gut: „Es war ein sehr solides Jahr – ohne Ausreißer nach oben oder unten.“ Er sei sowieso nicht der Mensch, der immer um jeden Preis den Umsatz steigern wolle. „Das Ergebnis muss stimmen“, sagt Vogel – „dann passt alles“.

    Sein Sortiment aus Tabakwaren, Spirituosen und RBA ist ein stabiles Fundament, dessen Teilstücke je nach Bedarf ausgetauscht oder erweitert werden können. So hätten sich bei den hochprozentigen Artikeln einige Verschiebungen ergeben: Single Malt Whisky sei leicht rückläufig gewesen, dafür sei die Nachfrage nach Rum gestiegen. „Und dann war 2018 ein absolutes Gin-Jahr“, berichtet der Einzelhändler.

    Bei den Zigarren konnte er keine großen Umsatzveränderungen erkennen. Dafür habe die Pfeife in Vogel’s Tabakstube geschwächelt, „aber das sind oft nur Momentaufnahmen“, gibt sich der Inhaber gelassen. Da die Zigarette nur einen vergleichsweise kleinen Stellenwert im Göppinger Fachgeschäft hat, ist auch ihr Umsatzanteil eher gering ausgefallen.

    Sein Ziel für 2019: „Dass sich alles wie in den Jahren zuvor wiederholt, dann wäre ich schon zufrieden.“ Das bedeute aber auch, weiterhin Events wie Spirituosen-Tastings oder den Besuch eines Zigarrenrollers anzubieten. „Auch wenn man Whisky-Verkostungen heute überall besuchen kann, sind solche Veranstaltungen immer noch sehr wichtig“, macht Alfred Vogel klar. Da der Online-Handel weiter zulege, müsse man als Einzelhändler dagegen steuern: „Man kann heute nicht mehr warten, bis die Kunden reinkommen, man muss ihnen im Laden ein Einkaufserlebnis bieten“, weiß der erfahrene Fachhändler.


    esa/kdp

    (DTZ 02/19)

  • Altria investiert

    RICHMOND // Der amerikanische Marlboro-Hersteller Altria steigt bei der E-Zigarettenfirma Juul ein. Altria zahlt 12,8 Milliarden Dollar (rund 11,2 Milliarden Euro) für einen Anteil von 35 Prozent. Das teilten die Unternehmen vor den Feiertagen mit. Es sei die größte Investition in Altrias Konzerngeschichte, hieß es. Insgesamt wird Juul bei dem Deal mit 38 Milliarden Dollar bewertet.

    „Wir machen damit einen signifikanten Schritt in eine Zukunft, in der Raucher sich mehrheitlich für neue Produkte statt für klassische Zigaretten entscheiden“, sagte Altria-Chef Howard Willard. Erst kürzlich hatte Altria den Kauf eines Milliardenanteils an der kanadischen Cannabis-Firma Cronos verkündet (DTZ berichtete).

    Laut Beobachtern unterstreicht Altrias Investition in Juul den steilen Aufstieg des jungen Start-ups aus San Francisco: Juul hat seine Bewertung innerhalb weniger Monate mehr als verdoppelt und wird höher taxiert als andere Silicon-Valley-Schwergewichte wie Airbnb oder SpaceX.


    red

    (DTZ 02/19)

  • Enger Schulterschluss in Sachen Track & Trace

    KÖLN // Welche Erwartungen hat die Branche? Und was kommt auf den Handel im neuen Jahr zu? Mit diesen Fragen setzen sich Branchenexperten auseinander und wagen den berühmten Blick in die Glaskugel. Im ersten Teil der DTZ-Serie kommen Dieter C. Rangol und Steffen Kahnt vom BTWE Handelsverband Tabak, Köln, zu Wort.

    Die EU-Tabakproduktrichtlinie (TPD 2) wird auch im Jahr 2019 eine der ganz großen Herausforderungen für die Tabakbranche sein. Dabei geht es konkret um Track & Trace, also die Rückverfolgbarkeit von Tabakerzeugnissen vom Hersteller bis zum Einzelhändler. Im Großen und Ganzen steht der Fahrplan. Soweit die Theorie. In der Praxis wird es noch um 1001 Detailfragen von der Kennzeichnung über Datenspeicherung bis zur Dokumentierung der Finanzflüsse gehen.

    Drohende Werbeverbote sind ein weiteres Thema, das die Branche im neuen Jahr begleiten dürfte.

    Positives und Spannendes ist bei E-Zigaretten und Tabakerhitzern zu erwarten. Auf diesen Feldern wird es 2019 mit Sicherheit wieder viel Bewegung geben.

    [bul]TPD 2: Rückverfolgbarkeit (Track & Trace)
    Für Zigaretten und Feinschnitt geht es im Hinblick auf die Rückverfolgbarkeit nun in die heiße Phase. Um Insellösungen und Parallelstrukturen zu vermeiden, wird sich der BTWE auch in den letzten Monaten bis zum Track & Trace-Start am 20. Mai 2019 intensiv dafür einsetzen, dass die zu findende Systemlösung für alle Unternehmensgrößen kompatibel sein muss. Im Idealfall sollte das offene System nicht nur tabakspezifisch, sondern produkt- und sortimentsübergreifend sein und außerdem national und international einsetzbar. Um diese Ziele zu erreichen, arbeitet der BTWE im engen Schulterschluss mit dem Brüsseler Büro des Handelsverbands Deutschland (HDE) und dem Bundesverband Deutscher Tabakwaren-Großhändler (BDTA) zusammen. Der T & T-Arbeitskreis Handel ist dabei schon etwas ganz Besonderes. Der Know-how-Transfer der engagierten Teilnehmer führt zu Erkenntnissen und Ergebnissen, die Einzelkämpfer nicht erzielen können. Als großer Pluspunkt erweist sich auch die partnerschaftliche Zusammenarbeit mit der Industrie. Denn so erhöht sich die Schlagkraft der Tabakfamilie gegenüber der Politik.

    [bul]Tabaksteuer
    Um Marktverwerfungen zu vermeiden, befürwortet der BTWE gemeinsam mit dem BDTA, das moderate und marktverträgliche Tabaksteuer-Erhöhungs-Modell fortzuschreiben.

    [bul]
    E-Zigarette

    Der Markt für E-Zigaretten befindet sich auf Wachstumskurs und verzeichnet überproportionale Steigerungen. Dank seiner Beratungskompetenz kann der Tabakwaren-Facheinzelhandel auch in dieser Produktkategorie beim Konsumenten punkten. Der BTWE begrüßt die Regelungen innerhalb der EU-Tabakproduktrichtlinie zur E-Zigarette. Damit wurde ein Rechtsrahmen geschaffen, der nicht nur einen offiziellen Qualitätsstandard gewährleistet und somit den Verbraucher schützt, sondern auch für den Fachhandel rechtliche Unsicherheiten beseitigt.

    [bul]Heat-not-Burn-Produkte
    Die Entwicklung bei Heat-not-burn-Produkten beziehungsweise Tabak‧erhitzern bleibt spannend, ebenso wie die Frage, welchen Einfluss diese Erzeugnisse auf die Kauf- und Rauchentscheidungen der erwachsenen Genussraucher haben werden. Im Vergleich zur E-Zigarette ist der Aufklärungs- und Informationsbedarf für Handel und Kunden sicher noch einmal ein Stück größer. Damit der Fachhandel diese Produktinnovation aus Überzeugung dauerhaft in sein Sortiment aufnimmt und ihm einen Stammplatz einräumt, bedarf es noch erfolgreicher Überzeugungsarbeit. Denn Tabakerhitzer sind derzeit noch Nischen-Produkte, die in hohem Maße beratungs- und damit zeitintensiv sind.

    Gleichwohl begrüßt der Handel alle Innovationen, die den Markt und somit das Geschäft beleben. Im Rahmen der gesundheitspolitischen Diskussionen gehen wir fest davon aus, dass Alternativprodukte von der E-Zigarette bis zu Heat-not-burn-Produkten zum festen Marktbestandteil werden. Die klassischen Tabakwaren bleiben aber das Brot- und Buttergeschäft.

    [bul]Werbeverbot
    Schon seit Jahrzehnten gibt es Werbeverbote für Tabakprodukte im Fernsehen, im Radio, in Printmedien und im Internet. Diese Verbote sollen auf die Außen- und Plakatwerbung ausgedehnt werden. Darüber hinaus sind Einschränkungen bei der Kinowerbung im Gespräch. Die geplanten Einschnitte, die einem totalen Werbeverbot für Tabakerzeugnisse gleichkämen, stehen 2019 weiter auf der politischen Agenda in Berlin.

    [bul]
    Tabak Spezialist

    Die Hoffnung des tabakführenden Einzelhandels auf bessere Zeiten ist legitim, reicht aber lange nicht aus. Da ist das BTWE-Konzept des Tabak Spezialisten ein Baustein für die eigene Zukunftssicherung. Wer morgen die Kompetenz als Tabakwaren-Fachgeschäft auch und gerade gegenüber Politik und Konsumenten glaubhaft demonstrieren will, kommt am Tabak Spezialisten nicht vorbei.

    vi

    (DTZ 02/19)

  • Industrie soll für Entfernung von Zigaretten-Resten zahlen

    BERLIN // Umweltministerin Svenja Schulze will künftig die Tabakkonzerne in die Pflicht nehmen und sie an den Kosten für die Beseitigung von Zigarettenresten beteiligen.

    „Wer Wegwerfartikel wie Zigaretten herstellt, wird künftig mehr Verantwortung für den Müll übernehmen müssen“, sagte die SPD-Politikerin den Zeitungen der „Funke Mediengruppe“. „So könnte die Zigarettenindustrie zum Beispiel an den Kosten für die Reinigung von Stränden oder Parks beteiligt werden.“ Dafür werde sie sich innerhalb der EU einsetzen. Das Europaparlament hatte dem Bericht zufolge zuerst eine Kostenbeteiligung der Tabakbranche als verschärfende Maßnahme zur geplanten Einweg-Plastik-Richtlinie gefordert. Schulze hofft, dass „noch in diesem Jahr ein europaweites Verbot von überflüssigem Einwegplastik auf den Weg“ gebracht werde. Das allein reiche aber nicht. Man müsse „weltweit zu drastischeren Mitteln greifen als bisher“, sagte sie.

    Über die Richtlinie diskutieren vor wenigen Tagen die EU-Kommission, das Europaparlament und der Ministerrat. Der Grünen-Fraktionsvorsitzende Anton Hofreiter warf Schulze beim Thema Plastik ein „doppeltes Spiel“ vor: „Während Umweltministerin Schulze in Berlin die Plastik-Trendwende verspricht, verwässert sie in Brüssel die dafür notwendigen Gesetze“, sagte Hofreiter den Funke-Zeitungen. Es brauche dringend ein klares Vermeidungsziel für Einwegplastik und verbindliche Maßnahmen, um Hersteller in die Pflicht zu nehmen. Die Bundesregierung müsse „den billigen Worten auch handfeste Taten folgen lassen“, sagte Hofreiter.

    red

    (DTZ 51/52/18)

  • Jugendschutz immer wichtiger

    BERLIN // Der Deutsche Zigarettenverband (DZV) hat in diesem Jahr bislang 500 000 Jugendschutz-Aufkleber „Tabakwaren/E-Zigaretten nur ab 18“ im Handel verteilt. Nun intensiviert der Verband die Jugendschutz-Aktivitäten weiter.

    Seit dem 18. Dezember ist das webbasierte Schulungsprogramm „Jugendschutz im Tabakwaren- und E-Zigaretten-Handel“ unter www.jugendschutz-handel.de online, um Verkäufer bei ihrer Aufgabe zu unterstützen.

    Das multimediale Lernprogramm bietet zahlreiche Praxisbeispiele und Argumentationshilfen im Umgang mit jungen Kunden, die Tabakprodukte oder E-Zigaretten erwerben wollen. Das E-learning-Tool beinhaltet alles Wissenswerte zu den gesetzlichen Vorgaben und hilft so bei der Umsetzung des Jugendschutzes im Einzelhandel. Das rund 20-minütige Training kann sowohl auf dem PC als auch auf mobilen Endgeräten absolviert werden. Jeder Teilnehmer erhält nach Abschluss ein Zertifikat. Die aktuellen gesetzlichen Vorgaben stehen zudem als Ausdruck für den Laden zum Download bereit.

    Jan Mücke, DZV-Geschäftsführer: „Zigaretten gehören nicht in die Hände von Minderjährigen. Dieses gesamtgesellschaftliche Anliegen wird am besten durch die strikte Einhaltung und strenge Kontrolle des Abgabeverbots von Tabakwaren an unter 18-Jährige erreicht – als Herstellerverband stellen wir uns der Verantwortung und leisten in enger Kooperation mit dem Handel dazu noch intensiver unseren Beitrag.“

    Für E-Zigaretten gelten seit 2016 die gleichen Jugendschutz-Bestimmungen wie für Tabakprodukte.

    vi

    (DTZ 51/52)

  • „Emotionen und Furcht“

    BERLIN // Nach der öffentlichen Anhörung zum Thema „Tabakwerbeverbot“ (DTZ berichtete) haben wir die Vertreter der beiden Verbände im E-Zigarettenbereich um ihre Meinung gebeten. Im Gespräch erläutern die Vorsitzenden Dustin Dahlmann vom Bündnis für Tabakfreien Genuss und Michal Dobrajc vom Verband des E-Zigarettenhandels ihre Positionen.

    Herr Dahlmann, Herr Dobrajc, wie ist die Anhörung aus Ihrer Sicht gelaufen?
    Michal Dobrajc: Die gesamte Anhörung hat leider erneut gezeigt, dass die zwingend gebotene Trennung zwischen Tabakerzeugnissen einerseits und elektronischen Zigaretten andererseits nicht vorgenommen wird. Die Aussage von Frank Henkler-Stephani vom Bundesinstitut für Risikobewertung, wonach die E-Zigarette ein deutlich geringeres Schadenspotenzial als die Tabakzigarette aufweist, verhallte ungehört und spielte in der weiteren Diskussion keine Rolle.

    Und aus Ihrer Sicht, Herr Dahlmann?
    Dustin Dahlmann: Natürlich nicht in unserem Sinne. Das Thema Harm Reduction als wichtigstes Argument zur Differenzierung von Tabak und E-Zigarette wurde von den Sachverständigen kaum erwähnt. Hier muss politisch endlich auch in Deutschland weitergedacht werden. Auch uns geht es in erster Linie um die Aufklärung über das gesundheitspolitische Potenzial der E-Zigarette. Diese Form der Faktenkommunikation in Form von Werbung muss auch zukünftig möglich sein, denn nur so können Vorurteile und Unwissen bei Rauchern beseitigt werden.

    Wie geht es jetzt weiter?
    Dobrajc: Die Anhörung fand aufgrund eines Vorschlages und eines Antrages der Opposition statt. Dass sich für den Vorschlag eine Regierungsmehrheit findet, ist fraglich. Sicher aber ist: Die Debatte um Werbung wird weitergehen.

    Das Thema „Tabak-Stopp“ spielt in Ihrer Argumentation eine große Rolle.
    Dobrajc: Das ist richtig. Allerdings wird „quit or die“ nicht funktionieren. Es wird auch in Zukunft erwachsene Menschen geben, die auf den Genuss von Nikotin nicht verzichten wollen. Aber wir haben die Möglichkeit, ihnen Alternativen anzubieten, die im Vergleich zu herkömmlichen Zigaretten geringere gesundheitlichen Risiken darstellen könnten.


    Laut einer aktuellen Studie aus Großbritannien bilden ehemalige Raucher bei „liberalerer“ E-Zigarettenpolitik die größte Gruppe unter den E-Zigarettennutzern.

    Dahlmann: Das bestätigt, dass die E-Zigarette ein sehr erfolgreiches Harm-Reduction-Produkt ist. Europaweit haben bereits sechs Millionen Raucher den Tabak-Stopp durch den Umstieg auf die E-Zigarette geschafft. Raucher, die E-Zigaretten zur Tabakentwöhnung einsetzen, haben eine um 60 Prozent höhere Erfolgsquote als mit Nikotinersatzpräparaten wie Kaugummi oder Pflaster. Auch dazu gibt es Studien. Neben der um 95 Prozent geringeren Schädlichkeit von E-Zigaretten spielen zudem die Aromen eine entscheidende Rolle beim Erfolg der E-Zigarette.

    Wie bekannt ist denn die E-Zigarette mit ihrem Potenzial in der deutschen Bevölkerung?
    Dahlmann: Es gibt großen Aufklärungsbedarf in der deutschen Bevölkerung. Obwohl mittlerweile keine seriöse Gesundheitsorganisation mehr anzweifelt, dass E-Zigarettendampf deutlich weniger schädlich ist als Tabakrauch, ist diese Botschaft bisher nur bei einem Drittel der Bürger angekommen. Über zwei Drittel der Bevölkerung sind noch nicht ausreichend aufgeklärt. Laut WHO-Charta von 1986 müssen allen Menschen ausreichend Informationen zur Verfügung gestellt werden, damit sie selbst Entscheidungen in Bezug auf ihre persönliche Gesundheit treffen können. Hier sehen wir die deutsche Gesundheitspolitik in der Verantwortung, damit Raucher auf Grundlage von Fakten wählen können.
    Dobrajc: Das sehe ich ähnlich. Mehr als die Hälfte der Deutschen – 54 Prozent – denken, dass E-Zigaretten mindestens genauso gefährlich sind wie herkömmliche Zigaretten. Wenn Regierungen und die WHO die Schadensbegrenzung ernst nehmen und rauchbedingte Todesfälle und Krankheiten reduzieren wollen, müssen sie auf E-Zigaretten setzen.

    Gegner der E-Zigarette führen oft die Gateway-Hypothese ins Feld. Demnach würden Nichtraucher über das Produkt an den Nikotinkonsum herangeführt.
    Dahlmann: Das Zentrum für Interdisziplinäre Suchtforschung hat 2016 eine Umfrage im Auftrag des Bundesgesundheitsministeriums durchgeführt. Befragt wurden über 3300 E-Zigarettennutzer nach ihren Konsumgewohnheiten. Auch der sogenannte Gateway-Effekt wurde untersucht, konnte aber nicht bestätigt werden. Für die E-Zigarette interessieren sich hauptsächlich erwachsene Raucher, die zu Nichtrauchern werden wollen. Nur etwa ein Prozent der Dampfer hat zuvor keinen Tabak konsumiert. Außerdem liegt das durchschnittliche Einstiegsalter beim Dampfen bei 31 Jahren.

    Das führt uns zum Thema Jugendschutz …
    Dobrajc: Richtig. Um es klar zu sagen: Wir wollen nicht, dass Minderjährige die Produkte benutzen. Deshalb haben sich die VdeH-Mitgliedsunternehmen bereits 2011 dazu verpflichtet, keinerlei Werbung zu betreiben, die sich in irgendeiner Form an Minderjährige richten könnte. Der regelmäßige Konsum von E-Zigaretten durch Kinder und Jugendliche ist mit drei Prozent äußerst gering – auch weil der Gesetzgeber 2016 ein Abgabeverbot von E-Zigaretten an Minderjährige eingeführt hat. Der VdeH unterstützt diese Regelung und hält es für zwingend notwendig, dass die vorhandene Gesetzeslage durch die zuständigen Behörden konsequent durchgesetzt wird.


    Sie haben dazu den Schulterschluss mit dem Deutschen Zigarettenverband gesucht?

    Dobrajc: Ja, um den Handel in seiner Schlüsselfunktion beim Jugendschutz zu unterstützen, haben wir in Kooperation mit dem DZV ein Online-Tool entwickelt. Dieses Tool soll dabei helfen, die Händler vor Ort für die aktuellen gesetzlichen Regelungen zu sensibilisieren, damit das Abgabeverbot im Handel noch konsequenter umgesetzt werden kann.


    Sie beide betonen, es sei unerlässlich, dass Werbung für die E-Zigarette erlaubt bleiben muss – auch um die Menschen über das Produkt zu informieren.

    Dahlmann: Unbedingt, denn Verbraucher benötigen umfassende Informationen, um eine freie und für sie angemessene Gesundheitsentscheidung treffen zu können. Dies funktioniert nur mit Kenntnis der Fakten. Klassische Werbung ist hier ein wichtiger Kanal. Dadurch können Raucher sensibilisiert und Vorurteile beseitigt werden.

    Herr Dobrajc, wie sehen Sie das?
    Dobrajc: Werbung für E-Zigaretten hat die wichtige Funktion der Aufklärung: Um dem mündigen Verbraucher in seinem Recht auf evidenzbasierte Informationen gerecht werden zu können, bedarf es gewisser Kommunikationsfreiheiten gegenüber der Gesellschaft. Nur wenn die Möglichkeit gegeben ist, sich über das Produkt umfassend zu informieren, besteht die Chance, dass Raucher das Potenzial zur Risikominderung auch nutzen. Daher brauchen wir das Werkzeug „Werbung“ – sein Verbot käme einem Maulkorb gleich.

    Fühlen Sie sich als Vertreter der „E-Branche“ in Sachen Werbeverbot ungerecht behandelt?
    Dahlmann: Ja, denn E-Zigaretten sind eine absolut tabakfreie Alternative zur Zigarette. Sie mit Tabak über einen Kamm zu scheren, bremst sie als weniger schädliche Produkte politisch aus und setzt für die breite Öffentlichkeit irreführende Signale. Aus diesem Grunde ist es wichtig, dass die aktuelle Beschränkung der E-Zigarettenwerbung aufgehoben wird. Deutschland verzichtet bislang auf eine staatliche Aufklärung über die positive Rolle der E-Zigarette beim Tabak-Stopp. Ohne konventionelle Werbung haben Raucher keinen Überblick über ihre Möglichkeiten zum Tabakverzicht. Vielmehr bedarf es einer intensiveren Informierung zur E-Zigarette – durch Werbung und staatliche Gesundheits-Kampagnen und Einrichtungen.
    Dobrajc: Der Schutzinstinkt, Werbung für etwas vermeintlich Schädliches einschränken oder ganz verbieten zu wollen, ist für uns nachvollziehbar. Leider überwiegen aber Emotionen und Furcht vor dem vergleichsweise neuen Produkt „E-Zigarette“ – mit sachlichen Argumenten dagegen anzukommen ist – wie die Anhörung gezeigt hat – diffizil. Insbesondere die sich scheinbar widersprechenden Untersuchungs- und Studienergebnisse machen es jemandem, der nicht im Thema steckt, sehr schwer, sich eine fundierte Meinung zu bilden. Auseinandersetzungen werden zu häufig emotional geführt, E-Zigaretten ohne Grundlage mit Tabak gleichgesetzt und ganz nebenbei wird eine Brücke zum nikotinabhängigen Jugendlichen und zu Krebserkrankungen geschlagen.

    Was fordern Sie?
    Dobrajc: Werbung für E-Zigaretten muss möglich bleiben, um Raucher gezielt auf diese Alternative ansprechen und sie über die seit Langem erste reelle Chance auf den Rauchausstieg aufmerksam machen zu können – wie es auch in anderen Ländern erfolgreich gehandhabt wird und wo es zu überproportional sinkenden Raucherquoten führt.
    Dahlmann: Wir plädieren für eine Entkopplung von elektrischen Zigaretten und Tabakprodukten. Denn nur so können noch mehr Raucher zum Umstieg auf die E-Zigarette motiviert werden.


    Herr Dahlmann, Herr Dobrajc, besten Dank für diese Statements.

    max

    (DTZ 51/52/18)