Blog

  • Enger Schulterschluss in Sachen Track & Trace

    KÖLN // Welche Erwartungen hat die Branche? Und was kommt auf den Handel im neuen Jahr zu? Mit diesen Fragen setzen sich Branchenexperten auseinander und wagen den berühmten Blick in die Glaskugel. Im ersten Teil der DTZ-Serie kommen Dieter C. Rangol und Steffen Kahnt vom BTWE Handelsverband Tabak, Köln, zu Wort.

    Die EU-Tabakproduktrichtlinie (TPD 2) wird auch im Jahr 2019 eine der ganz großen Herausforderungen für die Tabakbranche sein. Dabei geht es konkret um Track & Trace, also die Rückverfolgbarkeit von Tabakerzeugnissen vom Hersteller bis zum Einzelhändler. Im Großen und Ganzen steht der Fahrplan. Soweit die Theorie. In der Praxis wird es noch um 1001 Detailfragen von der Kennzeichnung über Datenspeicherung bis zur Dokumentierung der Finanzflüsse gehen.

    Drohende Werbeverbote sind ein weiteres Thema, das die Branche im neuen Jahr begleiten dürfte.

    Positives und Spannendes ist bei E-Zigaretten und Tabakerhitzern zu erwarten. Auf diesen Feldern wird es 2019 mit Sicherheit wieder viel Bewegung geben.

    [bul]TPD 2: Rückverfolgbarkeit (Track & Trace)
    Für Zigaretten und Feinschnitt geht es im Hinblick auf die Rückverfolgbarkeit nun in die heiße Phase. Um Insellösungen und Parallelstrukturen zu vermeiden, wird sich der BTWE auch in den letzten Monaten bis zum Track & Trace-Start am 20. Mai 2019 intensiv dafür einsetzen, dass die zu findende Systemlösung für alle Unternehmensgrößen kompatibel sein muss. Im Idealfall sollte das offene System nicht nur tabakspezifisch, sondern produkt- und sortimentsübergreifend sein und außerdem national und international einsetzbar. Um diese Ziele zu erreichen, arbeitet der BTWE im engen Schulterschluss mit dem Brüsseler Büro des Handelsverbands Deutschland (HDE) und dem Bundesverband Deutscher Tabakwaren-Großhändler (BDTA) zusammen. Der T & T-Arbeitskreis Handel ist dabei schon etwas ganz Besonderes. Der Know-how-Transfer der engagierten Teilnehmer führt zu Erkenntnissen und Ergebnissen, die Einzelkämpfer nicht erzielen können. Als großer Pluspunkt erweist sich auch die partnerschaftliche Zusammenarbeit mit der Industrie. Denn so erhöht sich die Schlagkraft der Tabakfamilie gegenüber der Politik.

    [bul]Tabaksteuer
    Um Marktverwerfungen zu vermeiden, befürwortet der BTWE gemeinsam mit dem BDTA, das moderate und marktverträgliche Tabaksteuer-Erhöhungs-Modell fortzuschreiben.

    [bul]
    E-Zigarette

    Der Markt für E-Zigaretten befindet sich auf Wachstumskurs und verzeichnet überproportionale Steigerungen. Dank seiner Beratungskompetenz kann der Tabakwaren-Facheinzelhandel auch in dieser Produktkategorie beim Konsumenten punkten. Der BTWE begrüßt die Regelungen innerhalb der EU-Tabakproduktrichtlinie zur E-Zigarette. Damit wurde ein Rechtsrahmen geschaffen, der nicht nur einen offiziellen Qualitätsstandard gewährleistet und somit den Verbraucher schützt, sondern auch für den Fachhandel rechtliche Unsicherheiten beseitigt.

    [bul]Heat-not-Burn-Produkte
    Die Entwicklung bei Heat-not-burn-Produkten beziehungsweise Tabak‧erhitzern bleibt spannend, ebenso wie die Frage, welchen Einfluss diese Erzeugnisse auf die Kauf- und Rauchentscheidungen der erwachsenen Genussraucher haben werden. Im Vergleich zur E-Zigarette ist der Aufklärungs- und Informationsbedarf für Handel und Kunden sicher noch einmal ein Stück größer. Damit der Fachhandel diese Produktinnovation aus Überzeugung dauerhaft in sein Sortiment aufnimmt und ihm einen Stammplatz einräumt, bedarf es noch erfolgreicher Überzeugungsarbeit. Denn Tabakerhitzer sind derzeit noch Nischen-Produkte, die in hohem Maße beratungs- und damit zeitintensiv sind.

    Gleichwohl begrüßt der Handel alle Innovationen, die den Markt und somit das Geschäft beleben. Im Rahmen der gesundheitspolitischen Diskussionen gehen wir fest davon aus, dass Alternativprodukte von der E-Zigarette bis zu Heat-not-burn-Produkten zum festen Marktbestandteil werden. Die klassischen Tabakwaren bleiben aber das Brot- und Buttergeschäft.

    [bul]Werbeverbot
    Schon seit Jahrzehnten gibt es Werbeverbote für Tabakprodukte im Fernsehen, im Radio, in Printmedien und im Internet. Diese Verbote sollen auf die Außen- und Plakatwerbung ausgedehnt werden. Darüber hinaus sind Einschränkungen bei der Kinowerbung im Gespräch. Die geplanten Einschnitte, die einem totalen Werbeverbot für Tabakerzeugnisse gleichkämen, stehen 2019 weiter auf der politischen Agenda in Berlin.

    [bul]
    Tabak Spezialist

    Die Hoffnung des tabakführenden Einzelhandels auf bessere Zeiten ist legitim, reicht aber lange nicht aus. Da ist das BTWE-Konzept des Tabak Spezialisten ein Baustein für die eigene Zukunftssicherung. Wer morgen die Kompetenz als Tabakwaren-Fachgeschäft auch und gerade gegenüber Politik und Konsumenten glaubhaft demonstrieren will, kommt am Tabak Spezialisten nicht vorbei.

    vi

    (DTZ 02/19)

  • Der Jahresrückblick 2018

    MAINZ // Das Jahr 2018 geht dem Ende entgegen. Zeit, noch einmal zurückzuschauen: Was hat die Branche bewegt, von wem musste sie sich verabschieden, was gab es Neues im Markt, wo wurde gefeiert?

    Woche für Woche hat DTZ seine Leser mit aktuellen News und Meldungen informiert. Ein spannendes Jahr mit vielen Herausforderungen steht kurz bevor.

    Wer wissen möchte, was in den vergangenen zwölf Monaten passiert ist, dem wünscht die Redaktion viel Spaß beim Lesen des Jahresrückblicks 2018 auf den Seiten 6 und 7 in der aktuellen Printausgabe DTZ 51/52.

    red

    (DTZ 51/52/18)

  • Industrie soll für Entfernung von Zigaretten-Resten zahlen

    BERLIN // Umweltministerin Svenja Schulze will künftig die Tabakkonzerne in die Pflicht nehmen und sie an den Kosten für die Beseitigung von Zigarettenresten beteiligen.

    „Wer Wegwerfartikel wie Zigaretten herstellt, wird künftig mehr Verantwortung für den Müll übernehmen müssen“, sagte die SPD-Politikerin den Zeitungen der „Funke Mediengruppe“. „So könnte die Zigarettenindustrie zum Beispiel an den Kosten für die Reinigung von Stränden oder Parks beteiligt werden.“ Dafür werde sie sich innerhalb der EU einsetzen. Das Europaparlament hatte dem Bericht zufolge zuerst eine Kostenbeteiligung der Tabakbranche als verschärfende Maßnahme zur geplanten Einweg-Plastik-Richtlinie gefordert. Schulze hofft, dass „noch in diesem Jahr ein europaweites Verbot von überflüssigem Einwegplastik auf den Weg“ gebracht werde. Das allein reiche aber nicht. Man müsse „weltweit zu drastischeren Mitteln greifen als bisher“, sagte sie.

    Über die Richtlinie diskutieren vor wenigen Tagen die EU-Kommission, das Europaparlament und der Ministerrat. Der Grünen-Fraktionsvorsitzende Anton Hofreiter warf Schulze beim Thema Plastik ein „doppeltes Spiel“ vor: „Während Umweltministerin Schulze in Berlin die Plastik-Trendwende verspricht, verwässert sie in Brüssel die dafür notwendigen Gesetze“, sagte Hofreiter den Funke-Zeitungen. Es brauche dringend ein klares Vermeidungsziel für Einwegplastik und verbindliche Maßnahmen, um Hersteller in die Pflicht zu nehmen. Die Bundesregierung müsse „den billigen Worten auch handfeste Taten folgen lassen“, sagte Hofreiter.

    red

    (DTZ 51/52/18)

  • Jugendschutz immer wichtiger

    BERLIN // Der Deutsche Zigarettenverband (DZV) hat in diesem Jahr bislang 500 000 Jugendschutz-Aufkleber „Tabakwaren/E-Zigaretten nur ab 18“ im Handel verteilt. Nun intensiviert der Verband die Jugendschutz-Aktivitäten weiter.

    Seit dem 18. Dezember ist das webbasierte Schulungsprogramm „Jugendschutz im Tabakwaren- und E-Zigaretten-Handel“ unter www.jugendschutz-handel.de online, um Verkäufer bei ihrer Aufgabe zu unterstützen.

    Das multimediale Lernprogramm bietet zahlreiche Praxisbeispiele und Argumentationshilfen im Umgang mit jungen Kunden, die Tabakprodukte oder E-Zigaretten erwerben wollen. Das E-learning-Tool beinhaltet alles Wissenswerte zu den gesetzlichen Vorgaben und hilft so bei der Umsetzung des Jugendschutzes im Einzelhandel. Das rund 20-minütige Training kann sowohl auf dem PC als auch auf mobilen Endgeräten absolviert werden. Jeder Teilnehmer erhält nach Abschluss ein Zertifikat. Die aktuellen gesetzlichen Vorgaben stehen zudem als Ausdruck für den Laden zum Download bereit.

    Jan Mücke, DZV-Geschäftsführer: „Zigaretten gehören nicht in die Hände von Minderjährigen. Dieses gesamtgesellschaftliche Anliegen wird am besten durch die strikte Einhaltung und strenge Kontrolle des Abgabeverbots von Tabakwaren an unter 18-Jährige erreicht – als Herstellerverband stellen wir uns der Verantwortung und leisten in enger Kooperation mit dem Handel dazu noch intensiver unseren Beitrag.“

    Für E-Zigaretten gelten seit 2016 die gleichen Jugendschutz-Bestimmungen wie für Tabakprodukte.

    vi

    (DTZ 51/52)

  • „Emotionen und Furcht“

    BERLIN // Nach der öffentlichen Anhörung zum Thema „Tabakwerbeverbot“ (DTZ berichtete) haben wir die Vertreter der beiden Verbände im E-Zigarettenbereich um ihre Meinung gebeten. Im Gespräch erläutern die Vorsitzenden Dustin Dahlmann vom Bündnis für Tabakfreien Genuss und Michal Dobrajc vom Verband des E-Zigarettenhandels ihre Positionen.

    Herr Dahlmann, Herr Dobrajc, wie ist die Anhörung aus Ihrer Sicht gelaufen?
    Michal Dobrajc: Die gesamte Anhörung hat leider erneut gezeigt, dass die zwingend gebotene Trennung zwischen Tabakerzeugnissen einerseits und elektronischen Zigaretten andererseits nicht vorgenommen wird. Die Aussage von Frank Henkler-Stephani vom Bundesinstitut für Risikobewertung, wonach die E-Zigarette ein deutlich geringeres Schadenspotenzial als die Tabakzigarette aufweist, verhallte ungehört und spielte in der weiteren Diskussion keine Rolle.

    Und aus Ihrer Sicht, Herr Dahlmann?
    Dustin Dahlmann: Natürlich nicht in unserem Sinne. Das Thema Harm Reduction als wichtigstes Argument zur Differenzierung von Tabak und E-Zigarette wurde von den Sachverständigen kaum erwähnt. Hier muss politisch endlich auch in Deutschland weitergedacht werden. Auch uns geht es in erster Linie um die Aufklärung über das gesundheitspolitische Potenzial der E-Zigarette. Diese Form der Faktenkommunikation in Form von Werbung muss auch zukünftig möglich sein, denn nur so können Vorurteile und Unwissen bei Rauchern beseitigt werden.

    Wie geht es jetzt weiter?
    Dobrajc: Die Anhörung fand aufgrund eines Vorschlages und eines Antrages der Opposition statt. Dass sich für den Vorschlag eine Regierungsmehrheit findet, ist fraglich. Sicher aber ist: Die Debatte um Werbung wird weitergehen.

    Das Thema „Tabak-Stopp“ spielt in Ihrer Argumentation eine große Rolle.
    Dobrajc: Das ist richtig. Allerdings wird „quit or die“ nicht funktionieren. Es wird auch in Zukunft erwachsene Menschen geben, die auf den Genuss von Nikotin nicht verzichten wollen. Aber wir haben die Möglichkeit, ihnen Alternativen anzubieten, die im Vergleich zu herkömmlichen Zigaretten geringere gesundheitlichen Risiken darstellen könnten.


    Laut einer aktuellen Studie aus Großbritannien bilden ehemalige Raucher bei „liberalerer“ E-Zigarettenpolitik die größte Gruppe unter den E-Zigarettennutzern.

    Dahlmann: Das bestätigt, dass die E-Zigarette ein sehr erfolgreiches Harm-Reduction-Produkt ist. Europaweit haben bereits sechs Millionen Raucher den Tabak-Stopp durch den Umstieg auf die E-Zigarette geschafft. Raucher, die E-Zigaretten zur Tabakentwöhnung einsetzen, haben eine um 60 Prozent höhere Erfolgsquote als mit Nikotinersatzpräparaten wie Kaugummi oder Pflaster. Auch dazu gibt es Studien. Neben der um 95 Prozent geringeren Schädlichkeit von E-Zigaretten spielen zudem die Aromen eine entscheidende Rolle beim Erfolg der E-Zigarette.

    Wie bekannt ist denn die E-Zigarette mit ihrem Potenzial in der deutschen Bevölkerung?
    Dahlmann: Es gibt großen Aufklärungsbedarf in der deutschen Bevölkerung. Obwohl mittlerweile keine seriöse Gesundheitsorganisation mehr anzweifelt, dass E-Zigarettendampf deutlich weniger schädlich ist als Tabakrauch, ist diese Botschaft bisher nur bei einem Drittel der Bürger angekommen. Über zwei Drittel der Bevölkerung sind noch nicht ausreichend aufgeklärt. Laut WHO-Charta von 1986 müssen allen Menschen ausreichend Informationen zur Verfügung gestellt werden, damit sie selbst Entscheidungen in Bezug auf ihre persönliche Gesundheit treffen können. Hier sehen wir die deutsche Gesundheitspolitik in der Verantwortung, damit Raucher auf Grundlage von Fakten wählen können.
    Dobrajc: Das sehe ich ähnlich. Mehr als die Hälfte der Deutschen – 54 Prozent – denken, dass E-Zigaretten mindestens genauso gefährlich sind wie herkömmliche Zigaretten. Wenn Regierungen und die WHO die Schadensbegrenzung ernst nehmen und rauchbedingte Todesfälle und Krankheiten reduzieren wollen, müssen sie auf E-Zigaretten setzen.

    Gegner der E-Zigarette führen oft die Gateway-Hypothese ins Feld. Demnach würden Nichtraucher über das Produkt an den Nikotinkonsum herangeführt.
    Dahlmann: Das Zentrum für Interdisziplinäre Suchtforschung hat 2016 eine Umfrage im Auftrag des Bundesgesundheitsministeriums durchgeführt. Befragt wurden über 3300 E-Zigarettennutzer nach ihren Konsumgewohnheiten. Auch der sogenannte Gateway-Effekt wurde untersucht, konnte aber nicht bestätigt werden. Für die E-Zigarette interessieren sich hauptsächlich erwachsene Raucher, die zu Nichtrauchern werden wollen. Nur etwa ein Prozent der Dampfer hat zuvor keinen Tabak konsumiert. Außerdem liegt das durchschnittliche Einstiegsalter beim Dampfen bei 31 Jahren.

    Das führt uns zum Thema Jugendschutz …
    Dobrajc: Richtig. Um es klar zu sagen: Wir wollen nicht, dass Minderjährige die Produkte benutzen. Deshalb haben sich die VdeH-Mitgliedsunternehmen bereits 2011 dazu verpflichtet, keinerlei Werbung zu betreiben, die sich in irgendeiner Form an Minderjährige richten könnte. Der regelmäßige Konsum von E-Zigaretten durch Kinder und Jugendliche ist mit drei Prozent äußerst gering – auch weil der Gesetzgeber 2016 ein Abgabeverbot von E-Zigaretten an Minderjährige eingeführt hat. Der VdeH unterstützt diese Regelung und hält es für zwingend notwendig, dass die vorhandene Gesetzeslage durch die zuständigen Behörden konsequent durchgesetzt wird.


    Sie haben dazu den Schulterschluss mit dem Deutschen Zigarettenverband gesucht?

    Dobrajc: Ja, um den Handel in seiner Schlüsselfunktion beim Jugendschutz zu unterstützen, haben wir in Kooperation mit dem DZV ein Online-Tool entwickelt. Dieses Tool soll dabei helfen, die Händler vor Ort für die aktuellen gesetzlichen Regelungen zu sensibilisieren, damit das Abgabeverbot im Handel noch konsequenter umgesetzt werden kann.


    Sie beide betonen, es sei unerlässlich, dass Werbung für die E-Zigarette erlaubt bleiben muss – auch um die Menschen über das Produkt zu informieren.

    Dahlmann: Unbedingt, denn Verbraucher benötigen umfassende Informationen, um eine freie und für sie angemessene Gesundheitsentscheidung treffen zu können. Dies funktioniert nur mit Kenntnis der Fakten. Klassische Werbung ist hier ein wichtiger Kanal. Dadurch können Raucher sensibilisiert und Vorurteile beseitigt werden.

    Herr Dobrajc, wie sehen Sie das?
    Dobrajc: Werbung für E-Zigaretten hat die wichtige Funktion der Aufklärung: Um dem mündigen Verbraucher in seinem Recht auf evidenzbasierte Informationen gerecht werden zu können, bedarf es gewisser Kommunikationsfreiheiten gegenüber der Gesellschaft. Nur wenn die Möglichkeit gegeben ist, sich über das Produkt umfassend zu informieren, besteht die Chance, dass Raucher das Potenzial zur Risikominderung auch nutzen. Daher brauchen wir das Werkzeug „Werbung“ – sein Verbot käme einem Maulkorb gleich.

    Fühlen Sie sich als Vertreter der „E-Branche“ in Sachen Werbeverbot ungerecht behandelt?
    Dahlmann: Ja, denn E-Zigaretten sind eine absolut tabakfreie Alternative zur Zigarette. Sie mit Tabak über einen Kamm zu scheren, bremst sie als weniger schädliche Produkte politisch aus und setzt für die breite Öffentlichkeit irreführende Signale. Aus diesem Grunde ist es wichtig, dass die aktuelle Beschränkung der E-Zigarettenwerbung aufgehoben wird. Deutschland verzichtet bislang auf eine staatliche Aufklärung über die positive Rolle der E-Zigarette beim Tabak-Stopp. Ohne konventionelle Werbung haben Raucher keinen Überblick über ihre Möglichkeiten zum Tabakverzicht. Vielmehr bedarf es einer intensiveren Informierung zur E-Zigarette – durch Werbung und staatliche Gesundheits-Kampagnen und Einrichtungen.
    Dobrajc: Der Schutzinstinkt, Werbung für etwas vermeintlich Schädliches einschränken oder ganz verbieten zu wollen, ist für uns nachvollziehbar. Leider überwiegen aber Emotionen und Furcht vor dem vergleichsweise neuen Produkt „E-Zigarette“ – mit sachlichen Argumenten dagegen anzukommen ist – wie die Anhörung gezeigt hat – diffizil. Insbesondere die sich scheinbar widersprechenden Untersuchungs- und Studienergebnisse machen es jemandem, der nicht im Thema steckt, sehr schwer, sich eine fundierte Meinung zu bilden. Auseinandersetzungen werden zu häufig emotional geführt, E-Zigaretten ohne Grundlage mit Tabak gleichgesetzt und ganz nebenbei wird eine Brücke zum nikotinabhängigen Jugendlichen und zu Krebserkrankungen geschlagen.

    Was fordern Sie?
    Dobrajc: Werbung für E-Zigaretten muss möglich bleiben, um Raucher gezielt auf diese Alternative ansprechen und sie über die seit Langem erste reelle Chance auf den Rauchausstieg aufmerksam machen zu können – wie es auch in anderen Ländern erfolgreich gehandhabt wird und wo es zu überproportional sinkenden Raucherquoten führt.
    Dahlmann: Wir plädieren für eine Entkopplung von elektrischen Zigaretten und Tabakprodukten. Denn nur so können noch mehr Raucher zum Umstieg auf die E-Zigarette motiviert werden.


    Herr Dahlmann, Herr Dobrajc, besten Dank für diese Statements.

    max

    (DTZ 51/52/18)

  • Juul startet in Deutschland

    HAMBURG // Jetzt startet die amerikanische E-Zigarette Juul auch in Deutschland durch. DTZ sprach mit den beiden Gründern James Monsees und Adam Bowen sowie mit Deutschland-Chef Markus Kramer.

    Herr Bowen, Herr Monsees, wie sind Sie eigentlich auf die Idee gekommen, eine E-Zigarette zu entwickeln?
    James Monsees:
    Wissen Sie, wir waren beide viele Jahre lang Raucher. Und mit den negativen gesundheitlichen und sozialen Auswirkungen des Zigarettenkonsums waren wir wirklich unglücklich.
    Adam Bowen: Genau, daher haben wir uns auf unser Know-how in Sachen Produkt-Design besonnen und haben die Herausforderung angenommen …

    Die Sie für sich wie beschrieben haben?
    Monsees:
    Eine bessere Alternative zum Rauchen zu finden. Und das Ergebnis von zehn Jahren anhaltender Recherche, Tests und dem Entwickeln von Prototypen war Juul: ein geschlossenes Verdampfer-System, das Rauchern eine einfach zu bedienende und wirklich befriedigende Rauch-Alternative bietet.

    Sie stehen vor dem Markteintritt in Deutschland. Ab wann und wo werden Sie Juul vertreiben?
    Markus Kramer:
    Juul wird ab 19. Dezember in ausgewählten Vape-Shops sowie in rund 1000 Tabakfachgeschäften bundesweit erhältlich sein.

    Und welche Marketing-Maßnahmen planen Sie?
    Kramer:
    Wir setzen vor allem auf Markenbotschafter, um unser Produkt in Deutschland bekannt zu machen. Außerdem planen wir eine sehr selektive Werbung mit Testimonials von Rauchern, die erfolgreich auf Juul umgestiegen sind.

    In Deutschland schwelt die Furcht vor relativ hohen Nikotin-Konzentrationen in Ihren Liquids. Was halten Sie diesen Ängsten entgegen?
    Kramer:
    Im Einklang mit den EU-Grenzwerten wird Juul auch in Deutschland nur mit einem Nikotingehalt von 20 Milligramm je Milliliter – das entspricht einer Nikotin-Konzentration von 1,7 Prozent – angeboten werden. Zum Vergleich: In den USA ist der Nikotingehalt unseres Produkts rund dreimal so hoch. Was Juul auszeichnet, ist jedoch nicht in erster Linie der Nikotingehalt, sondern die Kombination aus einfachem Design und einer patentgeschützten Nikotin-Formel, die das Raucherlebnis nachbildet und so Rauchern einen zufriedenstellenden Ersatz zum Tabakkonsum bietet.

    Sie haben die EU-konforme Variante ja bereits vor einigen Monaten auf den britischen Markt gebracht …
    Kramer:
    Richtig, und unsere Erfahrungen dort zeigen, dass diese Kombination bei erwachsenen Rauchern sehr gut ankommt. Darin wird auch für den deutschen Markt ein wichtiger Erfolgstreiber liegen.

    Wer ist denn Ihre Kernzielgruppe?
    Kramer:
    Unsere Zielgruppe umfasst vor allem die rund 20 Millionen erwachsenen Raucher in Deutschland, die eine wirksame Umstiegsoption zur Tabakzigarette suchen.

    Das Thema Jugendschutz schlägt im Zusammenhang mit Juul einige Wellen. Wie werden Sie Teenager vom „Juuling“ abhalten?
    Kramer:
    Jugendschutz hat für uns oberste Priorität. Ich betone mit Nachdruck: Juul sollte weder von Kindern oder Jugendlichen noch von – erwachsenen – Nichtrauchern genutzt werden. Daher unterstützen wir die gesetzlich vorgeschriebenen Maßnahmen zum Schutz von Jugendlichen und Kindern. Wir gehen sogar deutlich darüber hinaus: Neben doppelten Alterskontrollen bei Online-Bestellungen haben wir uns zu weiteren Maßnahmen verpflichtet.

    Zum Beispiel?
    Kramer:
    Zum Beispiel Händler-Schulungen, Testkäufe sowie regelmäßige Kontrollen im Handel, stationär wie online. Bei wiederholten Verstößen werden wir die Zusammenarbeit mit den jeweiligen Händlern beenden. Unser Marketing richtet sich zudem ausschließlich an erwachsene Raucher über 30 Jahre. Und schließlich bieten wir nur ein begrenztes Spektrum von Geschmacksrichtungen an, die explizit auf erwachsene Raucher ausgerichtet sind und ihnen den Umstieg von der Tabakzigarette erleichtern sollen. Mit all diesen Maßnahmen wollen wir sicherstellen, dass der Erwerb, der Konsum und das Marketing unserer Produkte verantwortlich erfolgen und unser Produkt nicht in die Hände von Kinder und Jugendlichen gerät.

    Sie haben die unterschiedlichen Aromen angesprochen. Herr Bowen, Herr Monsees – welche Geschmacksrichtungen mögen Sie am liebsten?
    Bowen:
    Ich dampfe am liebsten „Rich Tobacco“ und Mango.
    Monsees: Und ich bevorzuge Crème Brulée – ein Aroma, das wir allerdings in Deutschland nicht anbieten werden.

    Eine letzte Frage: Wir schreiben vor allem für den Fachhandel: Wie können Händler mit Ihnen in Kontakt treten, falls sie sich für den Vertrieb von Juul interessieren?
    Kramer:
    Meine Tür steht für ein persönliches Gespräch jederzeit offen. Wir sprechen bereits heute mit einer Reihe von (Einzel-)Händlern und freuen uns über die große Resonanz und das starke Interesse, das unsere E-Zigarette im Markt hervorruft. Meine bisherigen Gespräche mit dem Handel zeigen: Die Zeit ist reif für ein Vaping-Produkt wie Juul, das Rauchern eine echte Alternative zum konventionellen Rauchen bietet – und das mehr ist als eine E-Zigarette, die man hin und wieder mal dampft, dabei aber parallel weiterraucht.


    Vielen Dank für das Gespräch.

    max

    (DTZ 50/2018)

  • Werbeverbot für Tabakwaren?

    BERLIN // Experten halten die Einführung eines umfassenden Tabakwerbeverbots für sinnvoll. Das ist das Ergebnis einer öffentlichen Anhörung zu einem Antrag der Fraktion Die Linke.

    Diese hatte ein umfassendes Verbot aller Formen der Kino- und Außenwerbung für Tabakprodukte, ein Verbot der kostenlosen Abgabe von Tabakerzeugnissen, ein Verbot des Tabaksponsorings sowie ein Verbot des an Jugendliche gerichteten Tabakmarketings gefordert. Auch die Grünen treten für ein Werbeverbot für Tabakerzeugnisse, E-Zigaretten und Nachfüllbehälter ein.

    Gegen ein Totalwerbeverbot wandte sich Jan Mücke vom Deutschen Zigarettenverband, denn Tabakwerbung, die sich an Kinder und Jugendliche richte, sei bereits verboten. Zudem sei die Raucherprävalenz bei Kindern und Jugendlichen von 28 auf 7,4 Prozent gesunken. Das sei Aufklärung, Prävention und strikter Anwendung von Kinder- und Jugendschutzregeln durch den Handel und die Industrie zu verdanken. Weil bereits ein weitreichendes Tabakwerbeverbot durchgesetzt sei, würde ein vollständiges Verbot der Werbung einen Eingriff in die Freiheitsrechte der Unternehmen darstellen, argumentierte Mücke. Ein Totalwerbeverbot wäre demnach verfassungswidrig.

    Pilotfunktion für weitere Verbote
    Das sah auch Christoph Degenhart von der Universität Leipzig so. Die Vorstöße für ein Totalverbot hätten zudem eine Pilotfunktion für Verbote von Produkten und Dienstleistungen, die als schädlich oder sozial unverträglich gewertet würden. Auch wenn die Initiativen Ausdruck staatlicher Fürsorge seien, dürfe die Fürsorge nicht im Widerspruch zur grundgesetzlichen Autonomie des Einzelnen stehen. Es sei nicht Aufgabe des Staates, einzelne Erwachsene vor sich selbst zu schützen.

    Für ein umfassendes Werbeverbot sprach sich Reiner Hanewinkel vom IFT-Nord Institut für Therapie- und Gesundheitsförderung aus. Werbung für Tabak und E-Zigaretten spiele für Kinder und Jugendliche eine Rolle und müsse als Risikofaktor für die Initiierung des Rauchens angesehen werden. Tobias Effertz von der Universität Hamburg stimmte den Verbotsforderungen zu. Nach Schätzung des Wissenschaftlers kosten die Folgen des Rauchens die Gesellschaft jedes Jahr 97 Milliarden Euro. Die Werbemöglichkeiten der Tabakindustrie hätten in den vergangenen Jahren dazu beigetragen, dass der Rückgang der Raucher in Deutschland nur sehr gering ausgefallen sei.

    Ute Mons vom Deutschen Krebsforschungszentrum in Heidelberg bezeichnete Tabakkonsum als das größte vermeidbare Krebsrisiko dieser Zeit. Allein 2018 könnten 85 000 Krebsneuerkrankungen und damit jede fünfte Krebserkrankung auf das Rauchen zurückgeführt werden. Es gebe einen kausalen Zusammenhang zwischen Tabakwerbung und einem erhöhten Tabakkonsum.

    max

    (DTZ 50/2018)

  • Habanos Lounges ernannt

    BADEN-BADEN // Die Stadt Baden-Baden ist um drei Genuss-Oasen reicher: In Brenners Park-Hotel, im Roomers-Hotel und im Hotel Atlantic gibt es nun neue Habanos Lounges, wie DTZ bereits kurz berichtete. Dieser Titel wird von 5th Avenue, dem offiziellen Alleinimporteur für Habanos in Deutschland, Österreich und Polen, verliehen.

    Ziel des Konzepts Habanos Lounge und Habanos Terrace ist, Genuss-Oasen für Zigarrenliebhaber auszuweisen oder zu schaffen. Dazu zählen zum Beispiel Restaurants, Bars oder Hotels in Bundesländern mit liberalen Nichtraucherschutzgesetzen. Der Titel einer Habanos Lounge wird dabei für Innenräume vergeben; Rauchgelegenheiten im Außenbereich erhalten den Titel Habanos Terrace.

    „Garantie“
    Wie bei den La Casa del Habano, den Habanos Specialist und den Habanos Point sollen die Titel einer Habanos Lounge oder einer Habanos Terrace für den Aficionado eine Art „Garantie“ darstellen. Deshalb müssen bestimmte Voraussetzungen erfüllt werden.

    Das wichtigste Kriterium ist, dass Zigarrenraucher erwünscht sind. Eine weitere Voraussetzung ist ein gut sortiertes und gepflegtes Zigarrenangebot. Davon muss mindestens die Hälfte aus Habanos bestehen. Eine fachgerechte Lagerung der Zigarren bei 65 bis 70 Prozent relativer Luftfeuchte muss ebenfalls gewährleistet sein. Wichtig ist auch, gut geschultes Personal im Bereich Zigarre vor Ort zu haben, das den Gästen bei der Auswahl und dem Service rund um die braunen Produkte hilfreich zur Seite steht.

    Habanos S. A. unterstützt
    Die Gastronomen oder Betreiber einer Habanos Lounge oder einer Habanos Terrace werden auch von Habanos S. A. unterstützt. Vorteil für sie ist, dass sie, ausgezeichnet mit diesem Logo, zu einem weltweiten Habanos-Konzept gehören. Unter der Internetadresse goo.gl/tuRju9 erfolgt die Kommunikation über die globale Homepage von Habanos.

    Die Zusammenarbeit zwischen dem Fachhandel und dem Betreiber einer Habanos Lounge oder Habanos Terrace ist dabei die beste Möglichkeit, hervorragenden Zigarrenservice zu bieten. Der Tabakfachhändler kann durch Sortimentsberatung, Schulung der Mitarbeiter oder durch Unterstützung, beispielsweise bei Events, hilfreich zur Seite stehen. Im Fall der neuen Habanos Lounges in Baden-Baden ist Fachhändler Jochen Klenk mit seiner Gastronomie-Sparte Cigardeluxe der Kooperationspartner von Habanos-Generalimporteur 5th Avenue.

    Konzept für Deutschland und Österreich
    Hochwertige Emaille-Schilder und Aufkleber, die von 5th Avenue zur Verfügung gestellt werden, zeigen an, wo eine Habanos Lounge oder Habanos Terrace zu finden ist. 5th Avenue wird das neue Konzept in Deutschland und in Österreich umsetzen. „Dies ist ein anspruchsvolles Thema“, erklärt dazu Zigarrenhersteller Heinrich Villiger. Der Geschäftsführer von 5th Avenue fügt hinzu: „Es ist für uns nicht neu, denn auch in der Vergangenheit haben wir uns schon um dieses Thema bemüht. Doch es ist wichtig. Man kann nur wünschen und hoffen, dass es auch in Zukunft noch Orte gibt, an denen Aficionados ihre Zigarren genießen können.“

    pnf

    (DTZ 50/2018)

  • Gemischte Aussichten im November

    WIESBADEN // Das Tabaksteueraufkommen ist im November im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 1,4 Prozent leicht gestiegen. Mit Blick auf den Vormonat sind die Einnahmen allerdings um 4,0 Prozentpunkte gefallen (Oktober 5,4 Prozent).

    Insgesamt konnte der Fiskus im November rund 1,20 Milliarden Euro für die Staatskasse verbuchen. Davon entfallen auf die Zigarette knapp 1,04 Milliarden Euro, beim Feinschnitt waren es knapp 138 Millionen Euro. Nachdem sich die Unternehmen zuletzt etwas zurückhaltend mit Steuerzeichen eingedeckt hatten (September netto 1,24 Milliarden Euro, Oktober 1,21 Milliarden Euro), zog der Bezug im November mit 1,31 Milliarden Euro wieder etwas an.

    kes

    (DTZ 50/2018)

  • Cannabis ist gefragt

    MAINZ // Big Tobacco steht vor einem Wandel. Neue Erzeugnisse wie E-Zigaretten und Tabak-erhitzer sorgen für Fantasie. Doch auch ein längst bekanntes Naturprodukt könnte die Umsätze der Konzerne beflügeln: Marihuana.

    Zuletzt machte die amerikanische Altria (Marlboro USA) Schlagzeilen, weil sie sich an dem kanadischen Cannabis-Farmer Cronos beteiligen will. Cronos bringt es aktuell nur auf eine Jahresproduktion von etwa zwei Tonnen. Diese Menge will Cronos mit Unterstützung eines Investors auf etwa 120 Tonnen steigern. Den weltweiten Markt schätzen Experten auf ein Gesamtvolumen von 52,5 Milliarden Dollar (gut 46 Milliarden Euro) – inklusive des illegalen Handels. Doch das könnte sich ändern: In Kanada und in neun US-Bundesstaaten ist der Konsum von Cannabis mittlerweile erlaubt. Weitere Staaten könnten demnächst noch folgen.

    Zuvor hatte Altria sich um finanzielle Beteiligungen bei den Marihuana-Spezialisten Aphria und CannTrust bemüht, die Verhandlungen nach Indiskretionen jedoch abgebrochen. Nun also wollen die Richmonder sich Cronos schnappen.

    Dabei steht Altria nicht allein. Imperial Brands etwa hatte im Sommer Anteile an Oxford Cannabinoid Technologies erworben, die im medizinischen Cannabis-Markt unterwegs ist.

    Wirklich neu sind die Begehrlichkeiten der Tabakindustrie jedoch nicht. Bis zum Verbot des Rauschmittels in den USA 1970 dachten die Großen der Branche darüber nach, ins Marihuana-Geschäft einzusteigen. So notierte der damalige Philip-Morris-Chef George Weissman: „Ich würde es nicht nutzen. Aber wir sollten ein mögliches Produkt prüfen.“

    max

    (DTZ 49/18)