Pressefachhandel klagt über Spannenkürzungen

Handel fühlt sich benachteiligt / Verlage verteidigen Maßnahmen

HAMBURG (DTZ/fnf). Als zunehmend sensibilisiert zeigt sich der Presseeinzelhandel gegenüber Spannenkürzungen, die von einigen Verlagen für einzelne Titel oft klammheimlich vorgenommen werden, den aufmerksamen Einzelhändlern jedoch durch die Information seitens des Presse-Grosso bekannt werden.

Aktuell sind dies die beiden Titel Prinzessin Lillefee (Kinderzeitschrift) und Winx Club (Mädchenzeitschrift) vom Verlag Blue Ocean (Distributor MZV), deren Spanne um 1,93 Prozentpunkte gesenkt wurde. Weiter die Titel Sissi Comics, Bob der Baumeister, Simpsons Comic und Spider Man Magazin vom Panini Verlag (Stella Distribution), ebenfalls mit einer Spannenkürzung um 1,93 Prozentpunkte.

Vorgehen bei Prinzessin Lillifee sorgt für Unverständnis
Bei beiden Verlagen ist die Spannenkürzung auch mit einer leichten Rohertragskürzung verbunden. Handelsseitig wurde vor allem das Vorgehen beim Titel Prinzessin Lillefee moniert, weil hier der Start des entsprechenden Kinofilms bevorsteht, die Auflage derzeit kräftig steigt und der Preis angehoben wurde, während der Handel benachteiligt wird. Handelsinformationen zufolge plant Stella/Panini einen Spannenabsenkung für Titel in den kommenden Wochen, für die Titel Sissy Comics, Simpsons Super Spektakel, Mad Magazin, Sesamstraße SH, Mad Special und Pettersson und Findus ist dies inzwischen bereits Fakt.

Ebenfalls in der Kritik steht der Verlag Computec mit den Titeln Kids Zone, Kids Zone Premium, PC Games Magazin, PC Games DVD und PC Games Package (Distributor Burda), die Preisanhebungen zum Anlass nahmen, um parallel die Spannen zwischen 0,72 und 1,15 Prozentpunkte zu kürzen. In diesen Fällen führte dies jedoch nicht zu Kürzungen der Roherträge.

Neueinführungen in der Kritik
Doch es sind nicht nur bestehende Titel, die durch Spannenabsenkung für Verdruss sorgen, sondern auch Neueinführungen, die mit niedrigerer Handelsspanne starten. Hierunter fällt die Jugendzeitschrift Galupy vom Egmont/Ehapa Verlag (Distributor DPV) mit einer Handelsspanne von 18,31 Prozent. Auf Anfrage erklärte der Verlag, dass der Einzelhändler bei diesem Titel einen Rohertrag von 50,5 Cents pro verkauftem Exemplar erziele, während bei anderen Titeln der Copypreis teils unter 50 Cent lege. Der Handel lebe von den absolut zu erzielenden Roherträgen, der bei Galupy respektabel sei, und nicht von Handelsspannen in Prozenten.

Handel appelliert an Verlage
Inzwischen haben Handelsunternehmen die betroffenen Verlage angeschrieben und sie aufgefordert, den Schritt der Spannenkürzung nochmals zu überdenken. In diesem Zusammenhang macht der Einzelhandel darauf aufmerksam, dass der mittelständische Fachhandel von den Verlagen und deren Verbänden immer wieder als Stütze für den Vertrieb von Spezialtiteln herausgestellt wird, demgegenüber die Verlage eine verantwortungsbewusste Position einnehmen wollten. Diese Verantwortung werde aber vermisst, wenn den Einzelhändlern die Handelsspanne und Roherträge gekürzt werden. Dieses Verhalten übe Zwang auf den Handel aus, seine Sortimente zu verkleinern und nur noch die Schnelldreher zu listen.

Auf Seiten der angeschriebenen Verlage kommt Reaktion, die aus Einzelhandelssicht nicht zufrieden stellt. So macht der Burda Medien Vertrieb deutlich, dass die von ihm betreuten Computerverlage, darunter Computec Media, angesichts der schwierigen Ertragssituation entschieden hätten, ihre Titel sukzessive auf die Spanne von 18,31 Prozent anzupassen. Der Marktführer in diesem Segment habe diese Spannenpositionierung trotz deutlich niedrigeren Copypreises vom Start weg gewählt, andere Mitbewerber hätten ihre Einzelhandelsspanne ebenfalls bereits modifiziert. Insoweit gehe es den von Burda Medien betreuten Computerverlagen um Chancengleichheit und die Verhinderung von Wettbewerbsverzerrungen. Spannenkürzungen würden dabei nur im Rahmen von Preiserhöhungen realisiert, wobei dem Einzelhandel beim absoluten Nutzen kein Nachteil entstehen solle.

(DTZ 15/09)

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