Autor: admin

  • „Abschluss mit Weitsicht und Vernunft“

    HAMBURG // Die Tarifverhandlungen zwischen der der Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG) und der Interessensvertretung Arbeitgeber der Cigarettenindustrie (AdC) wurden nach einer Runde Anfang Dezember abgeschlossen. Im Januar 2024 war noch eine Schlichtung nötig. Zu dem Ergebnis äußert sich Ulf Zedler, AdC-Vorstandschef und Verhandlungsführer der Arbeitgeber sowie Leiter Personal und Kultur Deutschland bei Japan Tobacco International in Deutschland.


    Herr Zedler, erst schlichten, dann verhandeln und das alles in nur einem Jahr? Geht Ihnen da der Spaß am Verhandeln nicht aus?

    Ulf Zedler: Das Jahr 2024 war dahingehend schon intensiv, das stimmt. Und es ist auch nicht immer ein Spaß. Aber es freut mich schon, wenn wir uns austauschen, auch mal in der Sache lauter werden, aber im Endeffekt dann sagen können: Wir haben zusammen einen Abschluss mit Weitsicht und Vernunft erzielt.

    Erklären Sie uns das genauer.
    Zedler: Zunächst einmal ist es uns zum ersten Mal seit fünf Jahren wieder gelungen, einen Abschluss über eine Laufzeit von 24 Monaten zu erzielen. Das bedeutet eine längere Sicherheit und eine gewisse Weitsicht aller Beteiligten. In dieser Zeit werden wir die Entgelte und Ausbildungsvergütungen jetzt einmal um drei Prozent und zum Januar 2026 um weitere 2,3 Prozent erhöhen. Das ist ein vernünftiges Ergebnis, da es unsere wirtschaftliche Lage, das gesunkene Inflationsumfeld und unsere substanziell höheren Verhandlungsergebnisse 2022 und 2023 als Vorleistung achtet.

    Wie kann es gelingen, in nur einer Runde fertig zu werden?
    Zedler: Ehrlich gesagt, haben auch wir damit nicht gerechnet. Aber wir haben es geschafft, sehr schnell aus einem Kreis vieler Stimmen und Meinungen in einen kleineren Gesprächskreis zu kommen. In dem haben wir vieles, was man vielleicht als übliche Rituale bezeichnen kann, beiseitegeschoben und sofort Tacheles gesprochen. Das hat uns sehr geholfen und viel Zeit gespart. Aber das bedarf der Zustimmung aller und das notwendige Vertrauen. Das war diesmal da.

    Jetzt haben Sie 24 Monate Ruhe an der Tariffront. Was wird Sie in der Sozialpartnerschaft beschäftigen?
    Zedler: Die Ruhe bei Tarifen wird uns die Zeit geben, andere Aspekte aufzugreifen. Schon im April 2025 kommen wir wieder alle mit der NGG auf ihrem Branchenforum Cigarette zusammen. Ein Top-Thema dort: Wie kann die Sozialpartnerschaft genutzt werden, wenn es darum geht, den Beschäftigten in Deutschland und Europa eine aktive und relevante Stimme zu geben, zum Beispiel im Rahmen der ja alsbald wieder anstehenden, weitreichenden Regulierungsvorhaben aus der EU.

    Herzlichen Dank, Herr Zedler, für das Gespräch.

    red

  • Kampf um Informationshoheit

    GRÄFELFING // Der Freistaat Bayern ist juristisch gegen eine Informationskampagne von Philip Morris in Deutschland (PMG) vorgegangen (siehe DTZ-Ausgabe 49, Seite 2). Torsten Albig, Geschäftsführer External Affairs bei PMG, hat mit DTZ über das Thema gesprochen.

    Herr Albig, worum geht es?
    Torsten Albig: Die Philip Morris GmbH hat vor dem Verwaltungsgericht München gegen den Freistaat Bayern geklagt. Das Landratsamt hatte zuvor eine Informationskampagne über die Gefahren des Zigarettenrauchens und die dafür genutzten Kommunikations­kanäle verboten.

    Das heißt für Sie?
    Albig: Philip Morris ist weiter der Auffassung, dass es sich um eine reine Informationskampagne handelt, die sich an erwachsene Raucherinnen und Raucher richtet. Die Kampagne umfasst sowohl eine Informations-Website als auch eine begleitende Anzeigenkampagne. Ziel ist es, erwachsene Raucherinnen und Raucher über die Schädlichkeit des Rauchens zu informieren und über verschiedene verbrennungsfreie Alternativprodukten aufzuklären. Das Verwaltungsgericht München wies die Klage von Philip Morris am 21. November ab.

    Wie lautet die Begründung des Gerichts?
    Albig: Die Begründung des Münchner Verwaltungsgerichts liegt uns derzeit noch nicht vor. Nach der mündlichen Verhandlung scheint das Gericht aber die Auffassung zu vertreten, dass die Informationskampagne Werbung darstelle. Wir nehmen die Entscheidung zur Kenntnis. Ich weise aber die Auffassung des Gerichts entschieden zurück und muss ihr deutlich widersprechen. Tabakwerbeverbote dürfen keine Informationsverbote sein. Bei der hier in Rede stehenden Kampagne handelt es sich eindeutig um bloße Information und nicht um Werbung.

    Was sind die Folgen?
    Albig: Die dramatischen Folgen, die leider bei dieser Causa gerne übersehen werden, sind der mangelnde Zugang zu Informationen über die Schädlichkeit des Rauchens und schadstoffreduzierte Alternativen. Es werden Raucherinnen und Rauchern bewusst Informationen vorenthalten, die sie vielleicht dazu bewegen könnten, ihre letzte Zigarette auszudrücken.

    Erklären Sie uns das bitte.
    Albig: Auch wenn bekannt ist, dass Rauchen schädlich ist, herrscht enorme Unwissenheit und Fehlwahrnehmung bei Rauchern über wissenschaftliche Erkenntnisse zu rauchfreien Alternativprodukten. In Deutschland glaubt die Mehrheit der Raucher, dass die Alternativen genauso schädlich oder sogar noch schädlicher seien als Zigaretten. Die Konsequenz ist nicht der Rauchstopp, sondern die schlechteste Option: das Weiterrauchen. Das führt dazu, dass die Raucherquote in Deutschland seit Jahren nahezu gleichbleibend hoch ist und bei rund 30 Prozent liegt. In anderen Ländern hingegen wird durch die Regierung offen für den Umstieg auf schadstoffreduzierte Produkte geworben.

    Woran denken Sie?
    Albig: In Schweden beispielsweise, dem ersten rauchfreien Land in Europa, verabschiedeten die Gesundheitsbehörden eine Strategie zur Schadensminimierung durch alternative Tabakprodukte. Der vorbild­liche Ansatz wurde jüngst vom schwedischen Ministerpräsidenten Ulf Kristersson wie folgt zusammengefasst: „Alles, was wir tun können, um das Rauchen zu reduzieren und zu vermeiden, ist gut.“

    Was bedeutet das für Deutschland?
    Albig: In Deutschland passiert all das nicht – obwohl selbst offizielle Stellen, zum Beispiel das deutsche Bundesinstitut für Risikobewertung, kurz BfR, seit langem den reduzierten Schadstoffausstoß unseres Tabakerhitzers bestätigen. Aber die Information muss man als Verbraucher aktiv suchen – und wer macht das schon? Deshalb setzen wir uns für das Recht auf Information und Aufklärung ein. Wir werden die weiteren Schritte sorgfältig prüfen, sobald uns die schriftliche Urteilsbegründung vorliegt.

    red

  • Länder gegen Verbote

    BERLIN // Der Bundesrat hat EU-Plänen für ein Ausweiten von Rauch- und Dampfverboten auf viele Orte im Freien inklusive der Außenflächen von Lokalen eine klare Absage erteilt. Nach dem eindeutigen Ländervotum fordert der Bundesverband der Tabakwirtschaft und neuartiger Erzeugnisse (BVTE) Gesundheitsminister Karl Lauterbach auf, in Brüssel gegen die Vorlage der EU-Kommission zu stimmen.

    Position des Bundesrats
    „Die Position des Bundesrats ist deutlich: Die Länder wollen keine radikale Ausweitung der Rauchverbotsregeln“, kommentierte BVTE-Hauptgeschäftsführer Jan Mücke, „wir erwarten deswegen von Bundesgesundheitsminister Lauterbach, dass er in Brüssel klar Nein zu diesem übergriffigen und bevormundenden Vorhaben der EU-Kommission sagt.“ Der Nichtraucherschutz liegt in der ausschließlichen Zuständigkeit der Mitgliedstaaten und wird in Deutschland überwiegend auf Länderebene geregelt.

    Die Länderchefs haben die radikalen Vorschläge aus der EU nachdrücklich kritisiert, Tabakrauchen an vielen Orten im Freien zu untersagen und die Verbote auch auf den Gebrauch von schadstoffarmen E-Zigaretten und Tabakerhitzern auszuweiten.

    Wissenschaftliche Rechtfertigung fehlt
    Das massive Streichen von Plätzen im Freien, an denen der Konsum von Tabakwaren, E-Zigaretten und Tabakerhitzern erlaubt ist, findet keine Unterstützung der Landesregierungen.
    Zudem würde die bereits unter wirtschaftlichem Druck stehende Gastronomiebranche von weiteren Rauchverboten auf den Außenflächen in „besonderem Maße“ getroffen.
    Der Bundesrat stellt zudem fest, dass für die Ausweitung der Rauch- und Dampfverbote auf Orte im Freien eine ausreichende wissenschaftliche Rechtfertigung fehle. Es bestünden „Zweifel an der Belastbarkeit der Daten“, die die EU-Kommission zu möglichen Gesundheitsfolgen für umstehende Personen vorgelegt habe.

    Tatsächlich wird Tabakrauch außerhalb geschlossener Räume in der Umgebungsluft sehr schnell verdünnt und ist in einer Entfernung von zwei Metern praktisch nicht mehr nachweisbar. Zugleich ist das Gefährdungspotenzial der Emissionen von schadstoffarmen E-Zigaretten und Tabakerhitzern nicht mit Passivrauchen vergleichbar.

    vi

  • Imperial: Reemtsma-Mutter mit starken Zahlen

    HAMBURG // 
Die Reemtsma-Muttergesellschaft Imperial Brands hat in London ihre Geschäftszahlen für das am 30. September abgelaufene Geschäftsjahr 2024 präsentiert. Demnach stiegen die Nettoeinnahmen im Gesamtgeschäft, der Nettoumsatz mit neuartigen, potenziell risikoreduzierten Produkten der nächsten Generation wuchs insgesamt um 26 Prozent.

    Guten Gesamtergebnis des Verbunds
    Mit seinem Marktanteilszuwachs haben Reemtsma Cigarettenfabriken und der deutsche Markt im Geschäftsjahr 2024 maßgeblich zum guten Gesamtergebnis des Verbunds beigetragen. Trotz anhaltend herausforderndem Wettbewerb bedeutet das nach mehr als einem Jahrzehnt des Rückgangs eine ermutigende Stabilisierung des Marktanteils von Reemtsma im deutschen Tabakgesamtmarkt.

    Dior Decupper, General Managerin und Sprecherin des Reemtsma-Vorstands: „Neben dem großartigen Gruppenergebnis freue ich mich ganz besonders darüber, dass die verschiedenen strategischen Maßnahmen und Investitionen des vergangenen Jahres endlich auch hierzulande gezündet und zum Turnaround unseres Marktanteils beigetragen haben. Das war und ist eine Riesenleistung der gesamten Organisation, auf die wir alle stolz sein dürfen und die uns jede Menge Schub für das laufende Geschäftsjahr gibt.“

    Erheblicher Ausbau des nationalen Reemtsma-Kundendiensts
    Entscheidend für den Erfolg war unter anderem ein erheblicher Ausbau des nationalen Reemtsma-Kundendiensts, der mit rund 250 Mitarbeitern mittlerweile der größte der Tabawarenbranche ist. Das hat zu einer besseren Einzelhandelsabdeckung geführt, wodurch Marktchancen aktuell und zukünftig noch besser genutzt werden können. Zudem wurde das Produktprogramm- und Ertragsmanagement konsequent verbessert, um die Einführung neuer Formate sowohl im Premium- als auch im Value-Segment zu unterstützen. So kann Reemtsma auch weiter die verschiedenen Bedürfnisse erwachsener Verbraucher sowohl bei klassischen Tabakwaren als auch im Segment E-Zigarette in allen wichtigen Preissegmenten bedienen.

    Den Erfolg des vergangenen Geschäftsjahrs gemeinsam zu feiern und auch 2025 fortzusetzen, darum ging es zum einen bei der Reemtsma-Jahreskonferenz in Hamburg mit rund 500 Teilnehmern und zum anderen beim alljährlichen All-Hands-Meeting der Marketing- und Verkaufskollegen des österreichischen Markts in Innsbruck. Beide Ländermärkte und die Schweiz bilden zusammen das wichtige D-A-CH-Cluster im weltweiten Verbund von Imperial Brands.

    pnf

  • Exklusive E-Zigaretten-Lounges in Südkorea

    SEOUL // Südkorea erhöht die Anzahl der exklusiven Vaping-Lounges, um der steigenden Beliebtheit von E-Zigaretten gerecht zu werden, berichtet „Korea Bizwire“. An Flughäfen und Handelszentren entstehen spezielle Lounges für E-Zigaretten-Nutzer, die den starken Gerüchen und engen Verhältnissen herkömm­licher Raucherkabinen entgehen möchten.

    Täglich 4000 Personen vor Ort
    Am Flughafen Incheon wurden drei Raucher-Areale in reine Vaping-Lounges umgewandelt. Laut Flughafen werden die Lounges täglich durchschnittlich 4000 Personen genutzt, mit einer Zufriedenheitsrate von 4,2 von 5, wie eine Umfrage im September zeigte. Der Flughafen Incheon ist der einzige internationale Top-10-Flughafen, auf dem es exklusive Vaping-Lounges gibt.

    „Wir haben sowohl für traditionelle als auch für E-Zigaretten-Dampfer die Zugänglichkeit und den Fußgängerverkehr in unseren Lounges priorisiert,“ sagte ein Flughafensprecher. Auch lokale Verwaltungen in Bezirken wie Gangnam und Seongdong haben getrennte Raucherkabinen für traditionelle und E-Zigarettenkonsumenten eingerichtet.

    red

  • Handschlag unter Hanseaten

    HAMBURG // Vom traditionellen Büro zur modernen Arbeitswelt: BAT Deutschland hat kürzlich die Eröffnung seiner neu gestalteten Büroflächen am Alsterufer 4 in Hamburg mit rund 130 Gästen gefeiert. Der Erste Bürgermeister Peter Tschentscher (SPD) und Usman Zahur, Leiter der Area Central Europe und General Manager bei BAT, eröffneten die „neuen Arbeitswelten“. Sie symbolisieren die Transformation eines Unternehmens, das seit 1926 in der Hansestadt ansässig ist.

    Die Umwandlung der von BAT belegten Stockwerke des historischen „BATIG“-Hauses in ein modernes, flexibles Arbeitsumfeld ist ein Meilenstein in der strategischen Neuausrichtung des Herstellers.


    Hamburger Traditionsunternehmen

    Dass würdigte Bürgermeister Tschentscher, der sich bei Hausherrn Usman Zahur vor den Gästen aus Wirtschaft, Politik und Medien für die Einladung bedankte. „Ich bin nicht zum ersten Mal hier“, sagte er erfreut. Es sei „ein guter Anlass, ein Hamburger Traditionsunternehmen zu sehen“, das mit seiner fast 100-jährigen Geschichte seine enge Verbindung zur Stadt beweise. Tabak ist wie Kaffee eines von vielen Konsumgütern, die er mit dem Hamburger Hafen verbinde. Die wechselvolle Geschichte des Genussmittels sei bekannt, aber die Industrie habe sich damit auseinandergesetzt. „Da gehört Mut dazu“, betonte Tschentscher und ergänzte: „Ihr Wandel besteht darin, eine rauchfreie Welt zu gestalten.“ Das sei eine faszinierende Idee und im Sinne eines modernen Unternehmens.

    Von Einzelbüros zu offener Arbeitsweise
    Auf rund 8500 Quadratmetern haben Architekt Kai Ratschko und sein Team in enger Abstimmung mit den BAT-Mitarbeitern den Umbau von traditionellen Einzelbüros zum Konzept des sogenannten „Activity-based Working“ gestaltet. Die Option, jede berufliche Aufgabe in der dazu passenden Arbeitszone verrichten zu können, macht den Reiz der neuen Räume aus. Dazu wurde der Altbestand des historischen Gebäudes zu zwei Dritteln entfernt und durch moderne Grundrisse ersetzt.

    Das neue Bürodesign bietet eine Vielzahl von Arbeitszonen, die den unterschiedlichsten Anforderungen gerecht werden. Dazu gehören offene Arbeitsflächen, Besprechungsräume, Konzentrationsareale sowie ein neu gestalteter Innenhof und ein multifunktionales Auditorium. Für die rund 350 Beschäftigten bedeutet das mehr Raum für „Flexibilität, Zusammenarbeit und Kreativität“, betont man bei BAT. Beim Rundgang konnten sich die Gäste davon überzeugen. „Die Räume sind Ausdruck unserer Unternehmenskultur: Sie fördern Offenheit, Zusammenarbeit und Innovation“, betonte Usman Zahur und fügt an: „Gleichzeitig sind sie ein Symbol für unser Engagement, ‚A Better Tomorrow‘ zu schaffen – für unsere Mitarbeiter, unsere Geschäftspartner und die Stadt Hamburg.“ Zahur ist seit knapp 18 Monaten in der deutschen BAT-Zentrale tätig und offensichtlich stolz auf sein Team. Das neue Hamburger „Office“ zeige, wie sehr man die Menschen hier wertschätze, die auch Teil der Transformation seien.

    Mehrfache Auszeichnung als Top-Arbeitgeber
    Für sein Engagement wurde BAT bereits mehrfach als Top-Arbeitgeber ausgezeichnet, hob Bürgermeister Tschentscher hervor. Und er fügte hinzu: „Sie wissen ja, in Hamburg leben die glücklichsten Menschen.“ Womit er Bezug auf den aktuellen „Glücksatlas“ nahm, der die Elbmetropole zum glücklichsten Bundesland 2024 kürte. Mit der Modernisierung des Stammsitzes investiere BAT nicht nur in die Zukunft seiner Belegschaft, sondern auch in die Attraktivität Hamburgs als Innovationsstandort, betonte der Hersteller.

    „Ich wünsche Ihnen viel Erfolg bei Ihrer Mission“, wandte sich Peter Tschentscher abschließend an Usman Zahur.

    kes / pi

  • Mehrheit für
Rauchverbot

    LONDON // Ein stricktes Anti-Tabak-Gesetz rückt in Großbritannien näher. Im Parlament hat der Entwurf die erste Hürde genommen. Bei der zweiten Lesung im Unterhaus sprachen sich 415 Abgeordnete für die Vorlage aus, während 47 dagegen stimmten, wie die britische Nachrichtenagentur PA berichtet. Die sozialdemokratische Regierung ist somit einen Schritt weiter bei der Umsetzung ihrer Pläne.

    Entwurf sieht Verkaufsverbot vor
    Der Entwurf sieht vor, dass Personen, die nach dem 1. Januar 2009 geboren sind, niemals legal Zigaretten kaufen dürfen. Dazu wird das Mindestalter für den Erwerb von Tabakprodukten jährlich um ein Jahr angehoben. Zudem werden süße Aromen für E-Zigaretten eingeschränkt und deren Verpackung überarbeitet, um sie für Kinder und Jugendliche weniger attraktiv zu machen. Ein vollständiges Werbe- und Sponsoringverbot für sogenannte Vapes (Einweg-E-Zigarette) ist vorgesehen. Einweg-Produkte sollen ab Juni 2025 im Rahmen einer speziellen Umweltgesetzgebung grundsätzlich verboten werden.

    Junge Dampfer
    „Die Zahl der Minderjährigen, die dampfen, wächst alarmierend schnell. Ohne dringende Maßnahmen werden wir eine Generation von jungen Menschen haben, die langfristig süchtig sind“, sagt Gesundheitsminister Wes Streeting. „Es ist inakzeptabel, dass die schädlichen Produkte mit auffälligen Verpackungen und Geschmacksrichtungen wie ‚Regenbogenexplosion‘ und ‚Gummibärchen‘ auf Minderjährige abzielen.“

    Damit das Gesetz, das „Tobacco and Vapes Bill“, in Kraft treten kann, muss es nach drei Lesungen im Unterhaus auch das Oberhaus passieren.

    red

  • „An der Realität orientieren“

    GRÄFELFING // Seit nunmehr rund neun Monaten ist Veronika Rost Vorsitzende der Geschäftsführung beim Tabakkonzern Philip Morris in Deutschland (PMG). Erst Kosmetik, jetzt Zigaretten und vor allem Tabakerhitzer – funktioniert das? DTZ sprach mit der Managerin in ihrem Büro in Gräfelfing bei München.

    Wenn wir über Philip Morris sprechen, müssen wir über die rauchfreie Zukunft sprechen. Ist das ein Marketing-Gag oder wirklich ein realistisches Ziel?
    Veronika Rost: Die Zukunft ist doch schon da! Wer sich die Geschäfts­ergebnisse von Philip Morris International anschaut …

    Da geht es um das dritte Quartal, richtig?
    Rost: Genau. Auf das Geschäft mit rauchfreien Produkten entfielen 38 Prozent unserer gesamten Nettoeinnahmen und 40 Prozent des Bruttoertrags. Vergessen Sie nicht: Wir haben Iqos vor gerade zehn Jahren auf dem ersten Markt in Japan eingeführt. Also: Die rauchfreie Zukunft ist auf alle Fälle erreichbar.

    Wobei die Raucherquote hierzulande immer noch bei etwa 30 Prozent liegt.
    Rost: Stimmt, in Deutschland sind wir noch nicht ganz so weit. Und das liegt nicht am Handel und nicht an unseren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern, sondern daran, dass die Menschen immer noch nicht umfassend über die Vorteile rauchfreier Alternativen informiert sind.

    In anderen Ländern ist die Lage anders
    Rost: Schauen Sie sich zum Beispiel Japan an. Da hat die Regierung von Anfang an Raucher proaktiv über die neue rauchfreie Alternative informiert. Das hat dazu beigetragen, dass der Anteil der Raucher in Japan nur noch rund zehn Prozent beträgt. Unser Marktanteil mit Iqos liegt dort bei über 30 Prozent – das kannten wir sonst nur von der klassischen Marlboro-Zigarette.

    Ist das Thema „rauchfreie Zukunft“ schwierig zu verstehen?
    Rost: Eigentlich nicht. Aber die wenigsten Verbraucher wissen überhaupt, warum rauchfrei besser ist. Dass nämlich das Nikotin nicht das Problem ist, was die Gesundheitsrisiken angeht, sondern das Verbrennen von Tabak. Daher die recht eingängige Bezeichnung: „rauchfrei.“ Die Leute müssen wissen, dass es bei Tabakerhitzern oder E-Zigaretten keine Verbrennung mehr gibt. Und dass damit die Schadstoffbelastung um durchschnittlich bis zu 95 beziehungsweise bis zu 99 Prozent im Vergleich zu einer herkömmlichen Zigarette sinkt, bezogen auf die gefährlichsten Schadstoffe, die bei der Verbrennung entstehen. Aber wir können das in Deutschland nicht so kommunizieren, wie wir es gern tun würden.

    Großbritannien war da Vorreiter in Europa.
    Rost: Ja – obwohl da im Moment immer nur darauf geschaut wird, was die Briten alles verbieten wollen. Aber England war eines der ersten Länder, in dem der National ­Health Service …

    … die Gesundheitsbehörde …
    Rost: … gesagt hat: Lieber Raucher, liebe Raucherin, wenn Du nicht aufhörst, dann wechsle doch, bitteschön, wenigstens zur E-Zigarette. Und es gab sogar finanzielle Hilfen von der Krankenversicherung. In fünf Jahren hat das zu einem Rückgang der Zahl der Zigarettenraucher in England von drei Millionen geführt.

    Das sind beeindruckende Zahlen.
    Rost: Und dann gibt es noch das Beispiel Schweden. Seit Dekaden gibt es dort Snus, also mit Tabak gefüllte Beutelchen, die unter die Oberlippe gelegt werden. Daten belegen, dass die typischen Krankheiten, die man mit dem Rauchen assoziiert, um 50 Prozent zurückgegangen sind. Leider ist in Deutschland der Verkauf von Nikotinbeuteln bisher nicht reguliert und damit verboten.

    Ja, Schweden gilt mit einer Raucherquote unter fünf Prozent offiziell als rauchfrei.
    Rost: Deswegen ist für mich die große Herausforderung: Wie können wir die Raucher in Deutschland schneller und besser über die Vorteile der rauchfreien Alternativen informieren und auch alle Alternativen anbieten?!

    Können Sie etwas zum deutschen Markt sagen?
    Rost: Zumindest so viel, dass wir mit Iqos Marktanteile über zehn Prozent in den größeren Städten haben. Das ist super, da können sich die meisten anderen Marken auch im klassischen Zigarettensegment etwas abschneiden.


    Ich glaube, Sie haben noch eine interessante Zahl zu den Marktanteilen …

    Rost: Ja, richtig. Wenn Sie sich die fünf größten Marken bei Tabakprodukten anschauen, dann sind wir mit gleich drei Marken unter den Top-5 vertreten: mit Marlboro, L & M und den Terea-Tabak-Sticks. Von daher bin ich sehr zufrieden. Aber im internationalen Vergleich ärgere ich mich, weil wir noch mehr könnten.

    Das klingt sehr ehrgeizig.
    Rost: Ja, aber da geht es gar nicht um mein Ego oder um unsere eigenen Geschäftsergebnisse. Wir dürfen in Deutschland nicht so viel für die jetzigen Raucher tun, wie wir könnten. Deshalb können sich viele erwachsene Raucher eben nicht genug informieren, um entscheiden zu können, ob sie nicht auf ein Alternativprodukt wechseln sollten. Die Freiheit, informierte Entscheidungen zu treffen, ist nicht so wie in einigen anderen Ländern gegeben.

    Eigentlich ein Skandal.
    Rost: Ein großes Wort, aber tatsächlich ist es das Thema, was mich am meisten umtreibt.

    In Deutschland haben Sie mit Iqos den ersten Tabakerhitzer auf den Markt gebracht und waren lange allein auf weiter Flur. Hilft es dem Markt, dass mittlerweile zwei Wettbewerber ebenfalls in dem Segment unterwegs sind?
    Rost: Das hoffe ich. Fest steht, dass wir bereits seit acht Jahren am deutschen Markt vertreten sind. Spätstarter haben es da natürlich schwer. Ehrlich gesagt wünsche ich mir tatsächlich, dass mehr Dynamik entsteht, um den gesamten Markt größer zu machen.

    Machen Sie sich keine Sorgen wegen der Konkurrenz?
    Rost: Wenn das Thema Tabakerhitzer bekannter wird, schauen die Konsumenten natürlich darauf, wer die rauchfreien Alternativen anbietet. Als Marktführer haben wir den Vorteil, dass unsere Produkte eher aus dem Regal genommen werden als die Nummern 2 oder 3. Im Augenblick sehen wir keine Verschiebungen von Iqos zu anderen Marken.

    Wenn ich zusammenfassen darf: Sie haben ein Kommunikationsproblem?
    Rost: Ich spreche lieber von Herausforderungen. Weil wir mit dem Thema kaum in den klassischen Massenmedien vorkommen, dauert es einfach länger. Und ich meine: echte Informationen, keine Werbung.

    Welche Möglichkeiten hat Philip Morris?
    Rost: Deutschland ist sehr regional geprägt, ein Großteil der Mitbürger lebt in kleinen Städten. Da ist es deutlich schwieriger, etwa über unsere Iqos-Boutiquen auf die Konsumenten zuzugehen. In Paris oder London haben Sie quasi das halbe Land in einer Stadt. In Deutschland müssen wir in der Fläche kommunizieren, das ist deutlich aufwendiger.

    Wie gehen Sie dabei vor?

    Rost: Wir versuchen, mit mehr Mitarbeitern am Point-of-Sale vertreten zu sein, mehr Iqos-Boutiquen oder sogenannte „Islands“, also „Inseln“ in Einkaufszentren, zu eröffnen, um vor Ort das persönliche Gespräch mit erwachsenen Rauchern zu führen. Wie gesagt: eine Herausforderung.

    Und welche anderen Anreize bietet die Kategorie „rauchfreie Alterna­tiven“ Rauchern?

    Rost: Dazu zählt auch, dass wir den Rauchern, die nicht aufhören, einen finanziellen Anreiz bieten.

    Das heißt: Sie bieten einen Preisvorteil gegenüber klassischen Zigaretten?
    Rost: Ja. Iqos wird ja eher als hochpreisig bewertet, da es sich um eine innovative Technologie handelt. Tatsächlich ist eine Packung Terea-Sticks im Vergleich zu einer Packung Marlboro-Zigaretten günstiger. Aber eine noch stärkere Differenzierung, auch in der Besteuerung der Produkte, könnte den Verbrauchern einen noch größeren Preisvorteil bieten.

    Sie haben ja nicht nur Tabakerhitzer im Angebot …
    Rost: Stimmt. Aber es stellt sich die Frage, welche Erzeugnisse wir am Markt einführen dürfen. Sehen Sie: Um ganz Deutschland herum werden Nikotin-Pouches verkauft. Jeder Konsument kann sie sich legal in Österreich oder in der Schweiz besorgen, sogar im Internet bestellen. Aber hierzulande dürfen sie nicht vertrieben werden.

    Das bedeutet?
    Rost: Das bedeutet, dass den Rauchern ein zusätzliches Alternativ-Angebot versagt bleibt. Dabei würden womöglich gerade die Pouches dazu führen, dass Raucher wegkommen von der Zigarette. Das finde ich schon gewaltig. Denken Sie an die Zahlen aus Schweden. Aber den Deutschen wird das Nikotinprodukt vorenthalten. Das finde ich, ehrlich gesagt, schwierig zu verstehen – von den wirtschaftlichen Interessen mal abgesehen.

    Es gab das Angebot ja schon …
    Rost: Genau. Das bedeutet: Den Markt gibt es bereits, aber zurzeit ist er total unkontrolliert. Welche Artikel kommen nach Deutschland? An wen werden sie verkauft? Wie hoch ist ihr Nikotingehalt?

    Zudem entgeht dem Staat Geld.
    Rost: Es werden keine Steuern eingenommen, ja. Und es ist wie auf anderen Gebieten: Da das ein profitabler Markt ist, lassen sich attraktiv illegale Geschäfte machen, die wiederum zu kriminellen Strukturen führen. Der Verbraucher ist immer schneller als die Regulierung. Und in Sachen Nikotin-Pouches gibt es ganz klar Nachholbedarf, besonders zum Schutz des Verbrauchers. Dass die Produkte nicht reguliert zugelassen werden, halte ich für gefährlich. Denn der Markt existiert und wird weiter wachsen.

    Auch unter gesundheitspolitischen Aspekten ist das nicht nachvollziehbar.
    Rost: Natürlich nicht! Sie merken, dass ich viel Leidenschaft für das Thema aufbringe, weil mich das wirklich sehr ärgert. Natürlich wäre es eine perfekte Welt, wenn wir alle keinen Alkohol mehr trinken würden, nicht mehr rauchen würden, alles potenziell Ungesunde weglassen würden. Aber wir müssen uns an der Realität orientieren. Und wenn 60 Prozent der erwachsenen Raucher in Deutschland sagen, dass sie gerne rauchen, dann ist die einzige sinnvolle Antwort: Okay, aber ich kann dir schadstoffreduzierte Alternativen in den unterschiedlichsten Formen anbieten.

    Und die Zielgruppe ist groß.
    Rost: Mit einer Raucherprävalenz von 30 Prozent liegen wir am oberen Ende in Europa. Das könnten wir besser machen. Es würde dem Handel helfen, würde uns helfen und würde vor allem den Konsumenten helfen, die sonst weiter rauchen.

    Wie begegnen Sie der Kritik, dass Sie mit dem Fördern des Umstiegs auf Rauchalternativen auch nicht gesunde Produkte bewerben?
    Rost: Zunächst einmal: Wir fördern den Umstieg. Das ist ganz wichtig. Wir sprechen die erwachsenen Raucher an, kreieren also keine neuen Verbraucher, sondern fördern den Switch zum potenziell weniger Schädlichen. Und wir sagen nie, dass die rauchfreien Alternativen risiko- oder schadstofffrei sind. Sie sind weniger risikoreich, das bedeutet weniger Schadstoffe, das können wir wissenschaftlich belegen.

    Also ist Ihre Kernaussage …?
    Rost: Wir bieten keine risikobefreiten Erzeugnisse an, sondern schadstoffreduzierte Alternativen im Vergleich zur Zigarette. Und das ist ein großer Schritt in die richtige Richtung. Und unsere Botschaft an die Menschen ist: Wer nicht raucht, soll auch bitte nicht anfangen. Und wer raucht, sollte am besten ganz aufhören. Und wer nicht aufhört, der sollte zu schadstoffreduzierten Alterna­tiven wechseln.

    Das sind immer noch ungewohnte Worte aus einem Tabakkonzern …
    Rost: Aber dazu stehen wir. Allerdings wissen wir, dass der Ausstieg nur selten stattfindet. Worauf ich aber sehr stolz bin ist, dass Iqos praktisch nicht von Jugendlichen konsumiert wird. Laut der jüngsten BZgA-Studie haben nur 0,3 Prozent der Jugendlichen Iqos probiert. Das bedeutet: Unsere Vorgaben, dass wir nur erwachsene Raucher ansprechen, die nicht aufhören, sind erfolgreich. Darauf sind wir stolz – dass wir nicht nur eine gute Vision haben, sondern die auch klar und konsequent umsetzen.

    Ein leidiges Thema: Regulierung. Haben Sie Befürchtungen, die die anstehende TPD 3 betreffen?
    Rost: Befürchtungen würde ich nicht sagen. Es gibt ja bislang überhaupt keine konkreten Erkenntnisse zum Vorgehen und Zeitplan. Und wegen der politischen Situation wird es wohl auch noch eine Zeit dauern, bis die TPD 3 in Angriff genommen wird. Auf jeden Fall sehe ich eine Notwendigkeit, die TPD anzupassen, da seit der aktuellen Version so viel im Markt passiert ist und so viele neuartige Produkte in den Markt gekommen sind. Ich hoffe nur, dass sich die in Europa so unterschied­liche Akzeptanz der neuartigen Erzeugnisse in den Diskussionen widerspiegelt. Meiner Ansicht nach brauchen wir eine Regulierung, die aber ganz klar korreliert sein muss mit den Risiken der Artikel. Es muss möglich sein, die Vielfalt der Produkte mit den notwendigen Informationen an den Märkten einzuführen – unter Berücksichtigung von Jugend- und Verbraucherschutz, wie wir ihn bereits umsetzen.

    Sie klingen optimistisch …
    Rost: Ich wünsche mir, dass es richtig gemacht wird. Das würde uns auch helfen, unsere Vision weiter voranzutreiben.

    Ein großes Thema der vergangenen Jahre war Track & Trace. Wie hat sich das ausgewirkt?
    Rost: Zunächst einmal haben wir gezeigt, dass wir als Unternehmen wirklich daran interessiert sind, dem illegalen Handel und dem Schmuggel aktiv die Stirn zu bieten. Darauf bin ich stolz, zumal der Aufwand natürlich hoch war und ist.

    Bekommen Sie Rückmeldungen auf Ihr Engagement?
    Rost: Zum Beispiel von den Steuerbehörden oder dem Zoll. Wir arbeiten ja nicht nur bei Track & Trace mit diesen Behörden zusammen, sondern unterstützen sogar deren Trainings. Auch damit haben wir uns den Ruf eines verantwortungsvollen Produzenten erarbeitet. Aber wir wissen auch, dass die kriminelle Energie groß ist und die Banden immer wieder neue Wege finden.

    Zurück zu Ihrem Flaggschiff Iqos – wobei Sie ja weitere interessante Produkte im Sortiment haben.
    Rost: Natürlich lag zunächst unser Fokus auf Iqos. Und natürlich arbeiten wir kontinuierlich daran, das Produkt noch besser zu machen. Wir fragen uns ständig: Was können wir optimieren, um Raucher zu motivieren, den Switch von Zigaretten zu rauchfreien Alternativen zumindest zu versuchen?

    Und wie geht das?
    Rost: Es gibt in Deutschland viele Raucher, die sich einen starken Tabakgeschmack wünschen. Übrigens ist das häufig die ältere Generation. Da geht es für uns darum, der Zielgruppe innerhalb unseres Terea-Angebots mehr Produkte anzubieten, die dem Full-Flavor-Geschmack noch näher kommen, damit Konsumenten ein ähnliches Erlebnis haben, wie sie es von der Zigarette kennen.

    Ist die Hardware ausentwickelt?
    Rost: Wir haben mit der Induktionserhitzung – eingeführt mit Iqos Iluma – eine sehr ausgeklügelte Technologie. Damit haben wir einen wirklich signifikanten Schritt in der Simplizität des Gebrauchs gemacht. Und dann gibt es in einigen Ländern schon Neueinführungen, die auch nach Deutschland kommen werden, um Iqos noch verbraucherfreund­licher zu machen und einen Zusatznutzen zu geben.

    Aber noch einmal: Sie haben ja auch andere interessante Artikel im Angebot.
    Rost: Genau. Wir sehen bei vielen Konsumenten, dass sie unterschied­liche Artikel zu unterschiedlichen Zwecken benutzen – beim Ausgehen, zu Hause, bei der Arbeit … Und da spielt unsere E-Zigarette Veev, eingeführt im April dieses Jahres, eine große Rolle. Übrigens sprechen wir auch damit nur die erwachsenen Raucher an. Deshalb haben wir einige Varianten mit Tabakgeschmack auf den Markt gebracht, denn wir brauchen keine supersüßen Candy-Aromen, keine jugendaffinen Geschmäcker oder Vermarktungen. Unser Ziel ist es, erwachsenen Rauchern eine schadstoffreduzierte Alternative zur Tabakzigarette anzubieten.

    Für Ihr Unternehmen sind das gute Aussichten.
    Rost: Ich glaube, dass unser Wachstum in der Zukunft über bessere Information der Konsumenten generiert werden wird, über die richtige Regulierung und viele Aspekte mehr. Dazu zählt auch ein Gesamt-Produktprogramm an rauchfreien Angeboten, damit Raucher wirklich für alle Bedürfnisse eine Alternative haben, die nicht Zigarette heißt.

    Da fehlt aber noch ein Produkt …
    Rost: Ja, deswegen bin ich so stark daran interessiert, Nikotin-Pouches in den deutschen Markt einzuführen, da wir wissen, dass es da einen weiteren Zusatznutzen gibt, den sonst kein Artikel bietet. Die Beutel können Sie im Flugzeug benutzen oder im Zug, das hat überhaupt keine Außenwirkung, ist absolut diskret. Damit hätten wir dann das ideale Angebot, um wirklich jede „Ausrede“ der Raucher, warum sie nicht aufhören, obsolet werden zu lassen.

    Und die Produkte haben Sie ja.
    Rost: Die Produkte haben wir, wir dürfen sie nur nicht alle verkaufen.

    Sie sind jetzt seit rund neun Monaten bei Philip Morris. Sind Sie in der Branche angekommen?
    Rost: Ich bin schnell angekommen. Das ist einerseits der Dynamik der Branche geschuldet. Weil es so viele Veränderungen gibt, musste ich mich ins kalte Wasser stürzen. Zudem habe ich ein unglaublich erfahrenes, höchst engagiertes Team, sowohl hier in Gräfelfing als auch draußen, „in the field“, wie man so schön sagt, also die Kolleginnen und Kollegen, die den Handel eng betreuen. Die Expertise hat mir geholfen, sehr schnell anzukommen.

    Zugleich müssen Sie die Expertise durch die Transformationsprozesse ja ständig hinterfragen.
    Rost: Richtig, und das finde ich ebenso spannend, die große Offenheit unseres Teams. Denn es muss offen sein für diese Transformation, die unser Unternehmen und unsere Unternehmenskultur verändert. Und es muss offen dafür sein, Expertise und Leute von außen in das Unternehmen einzugliedern. Denn natürlich musste sich vor zehn Jahren niemand um den Online-Handel kümmern oder um den Konsumenten-Service, da ein Produkt mal nicht richtig funktioniert, oder um Boutiquen.

    Der Konzern musste sich förmlich neu erfinden?
    Rost: Ja, und dazu braucht man auch Expertise von außen, die die Geschäftsfelder, die man vorher von der klassischen Zigarette nicht kannte, voranbringen kann. Daher zeugt es von großer Offenheit zu sagen: „Hey, die Person, die von außen kommt, bringt etwas ein, hat einen anderen Erfahrungsschatz.“ Das ist mir sofort gespiegelt worden. Da gab es keine Hemmschwellen, Ressen­timents oder Vorurteile. Sondern es gab eine Offenheit für die Dinge, die ich von außen miteinbringen konnte. Da bin ich absolut happy, und ich habe keinerlei Bedenken, dass es nicht auch so bleibt.

    Trotzdem stehen Sie vor großen Aufgaben.
    Rost: Richtig, die Art der Transformation ist einmalig. Ich habe ja auch schon andere Unternehmen in gewissem Maß transformiert und umorganisiert. Aber dass sich ein Unternehmen aus einer großen Stärke heraus vor 15 Jahren – als Marktführer mit Marlboro, einer der stärksten Marken weltweit – hinstellt und sagt: Wir schaffen unsere eigene Kategorie komplett ab – das ist bemerkenswert. Und die Transformation mit einer solchen Stringenz und Klarheit umzusetzen und mit nun 40 Prozent Bruttoertrag belohnt zu werden – das finde ich einmalig und habe ich so noch nicht gesehen. Eigentlich heißt es ja: Man soll aufhören, wenn es am schönsten ist. Wir haben mit dem Ausstieg aus der Zigarette begonnen, als es ausgezeichnet lief. Und das merkt man: Wir müssen das nicht machen, aber wir wollen das machen. Wirtschaftlich betrachtet, gesellschaftlich betrachtet, für die Kunden – das gibt eine wahnsinnig positive Energie, die ich hoffentlich auch zurückgeben kann.

    Frau Rost, herzlichen Dank für dieses Gespräch.

    Marc Reisner

  • Sehr starker Steuer-Oktober

    WIESBADEN // Der Oktober war für den deutschen Fiskus in Sachen Tabaksteuer der bisher stärkste Monat des laufenden Jahres: 1,5 Milliarden Euro kassierte der Bund – gegenüber dem Vorjahresmonat mit 1,4 Milliarden Euro ein Plus von 7,9 Prozent, im Vergleich zum September 2024 mit knapp 1,2 Milliarden Euro resultierte sogar ein Zuwachs um fast 32,5 Prozent.

    Erfreuliche Entwicklung
    Hauptträger dieser Entwicklung war – wenig überraschend – die Zigarette, die mit einem Sprung um 8,2 Prozent auf etwa 1,3 Milliarden Euro für erfreuliche Zahlen sorgte. Allerdings: Mit Blick auf die gesamten zehn Monate des laufenden Jahres fällt die Differenz zu 2023 mit 0,7 Prozent auf 9,6 Milliarden Euro nicht ganz so gravierend aus.

    Rekordmonat für Tabakwarensubstitute
    Einen Rekordmonat gab es auch für die sogenannten Tabakwarensubstitute; mit 30,7 Millionen Euro. Der Markt für E-Zigaretten-Liquids hat damit einen Sprung gemacht. Für statistische Verzerrungen aufgrund der neuen Steuer, die ja bereits zum 1. Januar in Kraft getreten war, dürfte das eigentlich zu spät sein. Insgesamt hat der Fiskus im laufenden Jahr aus der Warengruppe bereits rund 200,5 Millionen Euro eingenommen. Im vergangenen Jahr waren es im gleichen Zeitraum 150,0 Millionen Euro.

    Keine Zahlen veröffentlicht das Statistische Bundesamt weiter für erhitzten Tabak. Dabei sind in Deutschland allein drei Geräte der großen Hersteller verfügbar, dazu eine ganze Reihe von Klon-Sticks.

    Dass die – offiziellen – Zahlen für Wasserpfeifentabak nach oben schossen, seit die Mengengrenze aufgehoben wurde, ist nachvollziehbar. Betrachtet man nur die vier Monate seit dem Kippen der Vorgaben, ergibt sich ein Plus von 72,5 Prozent auf gut 38,4 Millionen Euro.

    Wenig erfreulich verlief der Oktober für Pfeifentabak (minus 74,3 Prozent zum Vorjahresmonat). 

    red