Autor: admin

  • Schwarzmarkt wird befeuert

    MAINZ // Der Schwarzmarkt für illegale Vapes nimmt in Deutschland besorgniserregende Ausmaße an. Ein aktuelles Beispiel ist die Beschlagnahmung von 650 000 nicht verkehrsfähigen Einweg-E-Zigaretten durch den Zoll in Neuss (DTZ berichtete).

    Die Rekordmenge verdeutlicht das Ausmaß des Schmuggels, der inzwischen offenbar von bundesweit operierenden kriminellen Netzwerken organisiert wird. Darauf weist der Verband des E-Zigarettenhandels (VdeH) hin. Auch Verbindungen zur Clan-Kriminalität treten zunehmend zutage. So deckte eine groß angelegte Razzia im Berliner Clan-Milieu einen illegalen Handel mit E-Zigaretten auf, wobei ein Steuerschaden von rund 500 000 Euro festgestellt wurde.

    „Für uns kommt das leider nicht überraschend“, erklärte dazu Oliver Pohland, Geschäftsführer des VdeH. „Bereits während des Gesetzgebungsprozesses zur Tabaksteuer haben wir – gemeinsam mit der Gewerkschaft der Polizei Zoll – eindringlich vor der Entstehung eines gigantischen Schwarzmarkts gewarnt.“

    Sämtliche Warnungen ignoriert
    Pohland kritisierte scharf: „Das Ignorieren sämtlicher Warnungen zeigt nun seine fatalen Folgen.“ Besonders Lothar Binding und Michael Schrodi (beide SPD) hätten damals alle Bedenken abgetan. Binding und Schrodi bezeichnete in einer Mitteilung vom 9. Juli 2021 die Warnungen als „die seit Jahrzehnten gleichen und ewig falschen Argumente“, die lediglich Angst vor einer „kleinen Steuer“ schüren sollten. Schrodi hatte bei einer Anhörung im Mai 2021 den Sachverständigen Tobias Effertz vom Aktionsbündnis Nichtrauchen nach seiner Einschätzung zum Schmuggel gefragt. Effertz antwortete, dass es keine Belege für einen Zusammenhang zwischen der Höhe der Steuer und geschmuggelten Produkten gebe und verwies darauf, dass das nur Übertreibungen der Tabakindustrie seien, um höhere Steuern zu verhindern.

    Schwarzmarkt für illegale Zigaretten wächst
    „Heute kann niemand mehr leugnen, wie sehr der Schwarzmarkt für illegale E-Zigaretten gewachsen ist“, kommentierte Pohland die damaligen Aussagen. „Er ist mittlerweile riesig und wird von der Organisierten Kriminalität beherrscht. Die Tabaksteuer hat nicht, wie versprochen, den Jugend- und Verbraucherschutz verbessert – im Gegenteil. Sie hat dazu geführt, dass ungeprüfte und unversteuerte Waren in die Hände ahnungsloser Verbraucher gelangen, darunter auch Jugendliche.“

    Pohland appellierte außerdem: „Es ist an der Zeit, der Realität ins Auge zu blicken. Der Schwarzmarkt wird durch überzogene Steuern und kontraproduktive Verbotsdiskussionen weiter befeuert, während der legale Handel zunehmend leidet. Dem Trend muss endlich entgegengewirkt werden.“

    Zusammenarbeit von Politik und Ermittlern
    Pohland signalisierte erneut die Bereitschaft, eng mit der Politik und den Ermittlungsbehörden zusammenzuarbeiten. Der Verband hat sich bereits mehrfach als kompetenter Gesprächspartner angeboten und erneuerte das Angebot angesichts der jüngsten Entwicklungen ausdrücklich.

    Auch der Tabakkonzern Reemtsma meldete sich angesichts der aktuellen Entwicklungen zu Wort. Christian Cordes, der die Unternehmens- und Rechtsangelegenheiten für die Märkte in Deutschland, Österreich und der Schweiz verantwortet, kommentierte aus Sicht der Imperial-Tochter: „Rekord-Sicherstellungen wie diese sind immer wieder erschütternd, aber sie verwundern uns nicht. Sie zeigen vielmehr die Dimensionen auf, die der illegale Handel in Deutschland mit nicht verkehrsfähigen E-Zigaretten längst erreicht hat. So wichtig solche punktuellen Fahndungserfolge sind, fürchten wir, dass sie doch nur die Spitze des Eisbergs darstellen.

    Schwarzmarkt eindämmen
    Was es stattdessen braucht, um den Schwarzmarkt wirklich einzudämmen, sind flächendeckende und regelmäßige Kontrollen des stationären und des Online-Handels und vor allem drastisch höhere Strafen für alle, die sich nicht an die geltenden Regeln halten. Denn die sind in puncto Produktanforderungen, Kennzeichnungspflichten und Abgabeverboten in Deutschland eigentlich glasklar. Noch mehr Regeln oder Pauschalverbote, wie sie leider immer wieder gefordert werden, helfen nicht weiter und sorgen sicher nicht für weniger illegalen Handel und mehr Jugendschutz – eher im Gegenteil.“


    red

  • Zoll beschlagnahmt 650.000 illegale E-Zigaretten

    HAMBURG // Der Zoll hat im Rheinland vor kurzem eine rekordverdächtige Menge illegaler Vapes sichergestellt. Bei der Kontrolle einer Lagerhalle in Neuss entdeckten Beamte am 27. November 2024 rund 650.000 nicht verkehrsfähige E-Zigaretten.

    Insgesamt fanden die Zöllner 212 Europaletten mit unerlaubter Ware sowie einen polnischen Transporter mit weiteren 30.000 illegalen Geräten. Zwei Männer wurden festgenommen, der geschätzte Steuerschaden liegt im Millionenbereich.

    Tino Igelmann, Leiter des Zollkriminalamts, betonte die Bedeutung der Operation: „Diese Aktion ist ein klares Signal gegen Steuerhinterziehung und organisierte Kriminalität.“ Die Vapes überschritten das erlaubte Tankvolumen von zwei Millilitern und wurden vermutlich unter Umgehung von Gesundheitsvorschriften eingeführt.

    Herausforderungen im Kampf gegen illegalen Handel
    Christian Cordes, Director Corporate & Legal Affairs bei Reemtsma, äußerte sich zu den Herausforderungen im Kampf gegen den illegalen Handel: „Rekord-Sicherstellungen wie diese sind erschütternd, aber nicht überraschend. Sie verdeutlichen die Dimensionen des illegalen Handels, der längst erhebliche Ausmaße erreicht hat.”

    Reemtsma setzt sich im Bundesverband der Tabakwirtschaft und neuartiger Erzeugnisse (BVTE) sowie im Verband des eZigarettenhandels (VdeH) für mehr Produkt-Compliance und Verbraucherschutz ein. Cordes unterstrich die Notwendigkeit von flächendeckenden und regelmäßigen Kontrollen im stationären und Online-Handel sowie höheren Strafen für Verstöße. „Noch mehr Regeln oder Pauschalverbote helfen nicht weiter und führen nicht zu weniger illegalem Handel und mehr Jugendschutz,“ fügte er hinzu.

    Die weiteren Ermittlungen werden vom Zollfahndungsamt Essen und der Staatsanwaltschaft Düsseldorf geführt. Die Operation verdeutlicht die Notwendigkeit koordinierter Anstrengungen, um den Schwarzmarkt wirksam einzudämmen und die gesetzlichen Vorgaben besser durchzusetzen.



    red

  • Verbraucher weiter vorsichtig  

    BERLIN // Laut dem aktuellen Konsumbarometer des Handelsverbandes Deutschland (HDE) zeigt sich im Dezember eine erneute, wenn auch geringfügige, Verbesserung der Verbraucherstimmung. Der Anstieg des Index ist schwächer als im Vormonat, sendet jedoch ein ermutigendes Signal für das bevorstehende Weihnachtsgeschäft.  


    Trotz dieser positiven Entwicklung blicken die Verbraucher weiterhin mit Vorsicht in die Zukunft. Die Bereitschaft, größere Anschaffungen zu tätigen, bleibt im Vergleich zum Vormonat unverändert, während viele eine Erhöhung ihrer Sparaktivitäten planen. Diese Konsumzurückhaltung könnte den privaten Konsum weiterhin belasten, sodass kurzfristig keine wesentliche Erholung zu erwarten ist.


    Aussichten
    Die gesamtwirtschaftlichen Aussichten werden von den Verbrauchern etwas optimistischer bewertet, doch liegen die Erwartungen noch deutlich unter den Werten vom Sommer. Erfreulich ist eine deutliche Verbesserung der Einkommenserwartungen.  


    Obwohl sich die Verbraucherstimmung kurz vor Weihnachten etwas aufhellt, sind nur geringe Impulse für das Weihnachtsgeschäft zu erwarten. Die fortdauernde Kaufzurückhaltung deutet darauf hin, dass größere Zuwächse im privaten Konsum ausbleiben. Insgesamt hat sich die Verbraucherstimmung im Jahr 2024 bislang nicht nachhaltig erholt, und auch im neuen Jahr wird der private Konsum voraussichtlich kein starker Motor für das Wirtschaftswachstum sein. Das HDE-Konsumbarometer, das zu Monatsbeginn veröffentlicht wird, basiert auf einer Umfrage unter 1.600 Personen und misst Faktoren wie Anschaffungs- und Sparneigung sowie die finanzielle Situation. 


    red 

  • Über 50 Zigarettenautomaten aufgebrochen

    NÜRNBERG // Nach einer Serie von über 50 Aufbrüchen von Zigarettenautomaten in Nord- und Ostbayern hat die Polizei zwei Verdächtige in Nürnberg festgenommen.


    Geld und Tabakwaren

    Die 49-jährige Frau und der 50-jährige Mann stehen im Verdacht, schweren Bandendiebstahl begangen zu haben, informiert die Polizei. Zwischen März und Dezember dieses Jahres sollen die Täter in Mittelfranken, Unterfranken und der Oberpfalz Automaten aufgeschweißt und Bargeld sowie Tabakwaren gestohlen haben. Der Schaden beläuft sich auf eine hohe fünfstellige Summe, während der Sachschaden auf rund 100.000 Euro geschätzt wird, heißt es.

    Die Festnahmen erfolgten nach Ermittlungen der Kripo Fürth und der Staatsanwaltschaft Nürnberg-Fürth. Bei Durchsuchungen der Wohnungen der Tatverdächtigen wurden Beweismittel sichergestellt, deren genaue Art die Polizei nicht bekanntgab. Ein Richter wird entscheiden, ob die Verdächtigen in Untersuchungshaft kommen. Die Ermittlungen sind noch nicht abgeschlossen, und es wird geprüft, ob weitere Personen an den Taten beteiligt waren.

    red

  • Peter Wörmann scheidet aus dem Vorstand des BdZ aus

    BONN // Peter Wörmann hat über Jahrzehnte die Arbeit des Bundesverbandes der Zigarrenindustrie maßgeblich beeinflusst. Mehr als 30 Jahre war er Mitglied des Vorstandes, davon 13 Jahre als Vorsitzender, und genoss das Vertrauen der Mitgliedsfirmen.

    Familienunternehmer, Hersteller und Importeur
    Als Familienunternehmer sowie Hersteller und Importeur von Zigarren und Zigarillos war Wörmann das Gesicht des Verbandes. Er symbolisiert den typischen Unternehmer der Zigarrenindustrie, geprägt durch mittelständische Familienunternehmen. Vor über zwei Jahren verkaufte er sein Unternehmen an das belgische Unternehmen VCF und wird Ende 2024 aus dem operativen Geschäft ausscheiden. Aus diesem Grund erklärte er heute in der Vorstandssitzung des BdZ in Hamburg seinen Rücktritt.

    Tabakproduktrichtlinie, Tabaksteuer, Nichtraucherschutzgesetze
    Während seiner Amtszeit fanden zahlreiche regulatorische Veränderungen statt, wie die Überarbeitung der Tabakproduktrichtlinie, Anpassungen der Tabaksteuer und die Einführung von Nichtraucherschutzgesetzen. Wörmann setzte sich gemeinsam mit dem Geschäftsführer Bodo Mehrlein stets dafür ein, dass Zigarren und Zigarillos gesondert reguliert werden, da sie als reines Genuss- und Kulturgut gelten, ohne jugendschutzrelevante Probleme.

    Der Vorstand und die Mitglieder des BdZ sind Herrn Wörmann für seine langjährige Arbeit, die den Verband entscheidend geprägt hat, äußerst dankbar. Vorläufig wird Gregor Meier-Pohlmann den Vorsitz übernehmen, bis auf der nächsten Mitgliederversammlung ein neuer geschäftsführender Vorstand gewählt wird.

    pi

  • Weniger Schoko-Weihnachtsmännern

    BONN // Im Jahr 2024 produzierte die deutsche Süßwarenindustrie circa 164 Millionen Schoko-Nikoläuse und Weihnachtsmänner, was einem Rückgang von 2 Prozent im Vergleich zum Vorjahr entspricht, meldet der Bundesverband der Deutschen Süßwarenindustrie (BDSI)

    Zwei Drittel in den Export
    Etwa zwei Drittel dieser süßen Figuren finden ihren Weg in den deutschen Handel, während rund 54 Millionen Stück exportiert werden.

    Die Exportziele reichen dabei von europäischen Nachbarländern bis hin zu Märkten in Großbritannien, Kanada, den USA, Australien, Neuseeland und Südafrika. Die Daten wurden vom BDSI für den Zeitraum von 2014 bis 2024 erhoben.

    pi

  • Hall Tabakwaren übernimmt Ross

    MÖNCHENGLADBACH // Der Mönchengladbacher Großhändler Hall Tabakwaren hat den Geschäftsbetrieb des 1917 gegründeten Familienunternehmens Hermann Ross GmbH & Co. KG in Kehl übernommen.

    Die Firma Ross erzielte im Automatengeschäft mit 2300 Automaten einen Jahresumsatz von circa 17,3 Millionen Euro und mit den knapp 180 Großhandelskunden einen Jahresumsatz von rund 67,3 Millionen Euro insgesamt also rund 85 Millionen Euro.

    Organisatorisch verbleiben sowohl das Automatengeschäft als auch das Großhandelsgeschäft am Standort in Kehl, der als elfte Niederlassung in das Unternehmen Hall Tabakwaren integriert wird.

    Ross-Geschäftsführer Marco Lasch zieht sich nach jahrzehntelangem, unternehmerischem Wirken aus dem Großhandels- und Automatengeschäft zurück, um sich künftig mit voller Leidenschaft auf seinen stetig wachsenden Einzelhandelsbetrieb zu fokussieren „Wir haben uns mit diesem Schritt dafür entschieden, dem Standort Kehl und den hier bestehenden Arbeitsplätzen eine langfristige Perspektive, in einem starken Firmenverbund zu geben“, erklärt Lasch.

    Werte zweier Traditionsunternehmen
    Durch die Übergabe des Geschäftsbetriebs an die Firma Hall, so Lasch, verbinden sich „die Werte zweier Traditionsunternehmen mit einer hervorragenden Marktpositionierung, mit einem ganzheitlichen Zukunftskonzept, das die Geschäftsentwicklung am Standort Kehl stärken und für die Kolleginnen und Kollegen eine sehr positive Perspektive darstellen wird. Der Aspekt ist für mich persönlich ein sehr wichtiges Anliegen.“

    „Die Akquisition von Ross hilft, das beständig abschmelzende Automatengeschäft zu stabilisieren und unsere Marktposition im Großhandelsgeschäft besonders in der Grenzregion zu Frankreich zu stärken,“ heißt es bei Hall Tabakwaren.

    Nach erfolgter Integration von Ross erwartet man bei Hall für das Jahr 2025 einen Gesamtumsatz von rund 1,3 Milliarden Euro.

    pi

  • Barrieren des Rauchstopps

    GRÄFELFING // Knapp 30 Prozent der deutschen Bevölkerung rauchen aktuell. Damit stagniert die Raucherquote auf einem hohen Niveau – mit gravierenden Folgen für die individuelle und öffentliche Gesundheit. Ein Gegentrend ist nicht in Sicht: Im vergangenen Jahr haben nur neun Prozent der Raucher einen ernsthaften Versuch unternommen, damit aufzuhören.

    Ein geringer Motivationsgrad sowie bisher wenig adressierte Hürden für den Rauchstopp könnten die Gründe hierfür sein. Die neue Studie „Barrieren des Rauchstopps 2024“ wurde von NIQ / GfK im Auftrag von Philip Morris in Deutschland durchgeführt und geht diesen Fragen nach. Neben 1000 erwachsenen Rauchern wurden 2024 erneut zusätzlich Personen befragt, die vom Zigarettenrkonsum auf den Gebrauch von E-Zigaretten oder Tabak­erhitzer umgestiegen sind.

    Die Ergebnisse im Überblick:
    [bul]Mehrheit nicht für den Rauchstopp motiviert: 51,8 Prozent der Befragten sind nicht motiviert, aufzuhören; besonders häufig ist diese Einstellung in der Altersgruppe der 50– bis 64-Jährigen.

    [bul]Genussfaktor als prominenteste Barriere: Unter den Top-3-Barrieren weist die Antwort „Ich rauche gerne“ mit 51 Prozent die höchste Zustimmungsrate auf. Unter denjenigen, die nicht für den Rauchstopp motiviert sind, sind es sogar 66 Prozent.
    [bul]Fehlwahrnehmungen steigen an: Mit 72,1 Prozent ist der Anteil der befragten Raucher, die das relative Gesundheitsrisiko von E-Zigaretten und Tabakerhitzern fälschlicherweise gleich hoch oder sogar (viel) höher als das der Zigarette einschätzen, in diesem Jahr weiter gestiegen (2023: 67,2 Prozent; 2022: 63,3 Prozent). Die große Mehrheit der Nutzer von E-Zigaretten und Tabakerhitzern (66,5 Prozent) schätzt das Risiko hingegen als (viel) niedriger ein.
    [bul]Rückgang des Zigarettenkonsums in Dual-Use-Phase: Die Hälfte der Befragten (54,1 Prozent) gab an, vor dem kompletten Umstieg von Zigaretten auf verbrennungsfreie Alternativen beide Warengruppen parallel genutzt zu haben – sogenannter „Dual Use“. 89,9 Prozent gaben an, ihren Konsum in der Phase reduziert zu haben.
    [bul]Orale Nikotinprodukte auf dem Vormarsch: Trotz fehlender Regulierung in Deutschland werden Nikotinbeutel beziehungsweise Snus hierzulande genutzt – mit deutlichen Unterschieden zwischen Rauchern (1,4 Prozent) und Nutzern von E-Zigaretten und Tabakerhitzern (13,7 Prozent).

    „Es ist alarmierend: Die Mehrheit der Raucher in Deutschland ist nicht motiviert, damit aufzuhören. Der Genuss am Rauchen stellt zugleich eine der größten Hürden für den Rauchstopp dar. Die Resultate unserer Studie zu den Barrieren des Rauchstopps deuten darauf hin, dass die bisherigen Bemühungen, die Raucherquote zu senken, dringend durch Maßnahmen ergänzt werden müssen, die die Aspekte stärker berücksichtigen“, sagt Christoph Neubert, Manager Scientific & Affairs bei Philip Morris. Und Alexander Nussbaum, Head of Scientific & Medical Affairs, ergänzt: „Es braucht mehr Aufklärung von erwachsenen Rauchern, die sonst weiter rauchen. Nur so ist eine informierte Entscheidung möglich – idealerweise zum Rauchstopp, gegebenenfalls aber auch zum Umstieg auf schadstoffreduzierte Alternativen.“

    pi

  • „Abschluss mit Weitsicht und Vernunft“

    HAMBURG // Die Tarifverhandlungen zwischen der der Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG) und der Interessensvertretung Arbeitgeber der Cigarettenindustrie (AdC) wurden nach einer Runde Anfang Dezember abgeschlossen. Im Januar 2024 war noch eine Schlichtung nötig. Zu dem Ergebnis äußert sich Ulf Zedler, AdC-Vorstandschef und Verhandlungsführer der Arbeitgeber sowie Leiter Personal und Kultur Deutschland bei Japan Tobacco International in Deutschland.


    Herr Zedler, erst schlichten, dann verhandeln und das alles in nur einem Jahr? Geht Ihnen da der Spaß am Verhandeln nicht aus?

    Ulf Zedler: Das Jahr 2024 war dahingehend schon intensiv, das stimmt. Und es ist auch nicht immer ein Spaß. Aber es freut mich schon, wenn wir uns austauschen, auch mal in der Sache lauter werden, aber im Endeffekt dann sagen können: Wir haben zusammen einen Abschluss mit Weitsicht und Vernunft erzielt.

    Erklären Sie uns das genauer.
    Zedler: Zunächst einmal ist es uns zum ersten Mal seit fünf Jahren wieder gelungen, einen Abschluss über eine Laufzeit von 24 Monaten zu erzielen. Das bedeutet eine längere Sicherheit und eine gewisse Weitsicht aller Beteiligten. In dieser Zeit werden wir die Entgelte und Ausbildungsvergütungen jetzt einmal um drei Prozent und zum Januar 2026 um weitere 2,3 Prozent erhöhen. Das ist ein vernünftiges Ergebnis, da es unsere wirtschaftliche Lage, das gesunkene Inflationsumfeld und unsere substanziell höheren Verhandlungsergebnisse 2022 und 2023 als Vorleistung achtet.

    Wie kann es gelingen, in nur einer Runde fertig zu werden?
    Zedler: Ehrlich gesagt, haben auch wir damit nicht gerechnet. Aber wir haben es geschafft, sehr schnell aus einem Kreis vieler Stimmen und Meinungen in einen kleineren Gesprächskreis zu kommen. In dem haben wir vieles, was man vielleicht als übliche Rituale bezeichnen kann, beiseitegeschoben und sofort Tacheles gesprochen. Das hat uns sehr geholfen und viel Zeit gespart. Aber das bedarf der Zustimmung aller und das notwendige Vertrauen. Das war diesmal da.

    Jetzt haben Sie 24 Monate Ruhe an der Tariffront. Was wird Sie in der Sozialpartnerschaft beschäftigen?
    Zedler: Die Ruhe bei Tarifen wird uns die Zeit geben, andere Aspekte aufzugreifen. Schon im April 2025 kommen wir wieder alle mit der NGG auf ihrem Branchenforum Cigarette zusammen. Ein Top-Thema dort: Wie kann die Sozialpartnerschaft genutzt werden, wenn es darum geht, den Beschäftigten in Deutschland und Europa eine aktive und relevante Stimme zu geben, zum Beispiel im Rahmen der ja alsbald wieder anstehenden, weitreichenden Regulierungsvorhaben aus der EU.

    Herzlichen Dank, Herr Zedler, für das Gespräch.

    red

  • Kampf um Informationshoheit

    GRÄFELFING // Der Freistaat Bayern ist juristisch gegen eine Informationskampagne von Philip Morris in Deutschland (PMG) vorgegangen (siehe DTZ-Ausgabe 49, Seite 2). Torsten Albig, Geschäftsführer External Affairs bei PMG, hat mit DTZ über das Thema gesprochen.

    Herr Albig, worum geht es?
    Torsten Albig: Die Philip Morris GmbH hat vor dem Verwaltungsgericht München gegen den Freistaat Bayern geklagt. Das Landratsamt hatte zuvor eine Informationskampagne über die Gefahren des Zigarettenrauchens und die dafür genutzten Kommunikations­kanäle verboten.

    Das heißt für Sie?
    Albig: Philip Morris ist weiter der Auffassung, dass es sich um eine reine Informationskampagne handelt, die sich an erwachsene Raucherinnen und Raucher richtet. Die Kampagne umfasst sowohl eine Informations-Website als auch eine begleitende Anzeigenkampagne. Ziel ist es, erwachsene Raucherinnen und Raucher über die Schädlichkeit des Rauchens zu informieren und über verschiedene verbrennungsfreie Alternativprodukten aufzuklären. Das Verwaltungsgericht München wies die Klage von Philip Morris am 21. November ab.

    Wie lautet die Begründung des Gerichts?
    Albig: Die Begründung des Münchner Verwaltungsgerichts liegt uns derzeit noch nicht vor. Nach der mündlichen Verhandlung scheint das Gericht aber die Auffassung zu vertreten, dass die Informationskampagne Werbung darstelle. Wir nehmen die Entscheidung zur Kenntnis. Ich weise aber die Auffassung des Gerichts entschieden zurück und muss ihr deutlich widersprechen. Tabakwerbeverbote dürfen keine Informationsverbote sein. Bei der hier in Rede stehenden Kampagne handelt es sich eindeutig um bloße Information und nicht um Werbung.

    Was sind die Folgen?
    Albig: Die dramatischen Folgen, die leider bei dieser Causa gerne übersehen werden, sind der mangelnde Zugang zu Informationen über die Schädlichkeit des Rauchens und schadstoffreduzierte Alternativen. Es werden Raucherinnen und Rauchern bewusst Informationen vorenthalten, die sie vielleicht dazu bewegen könnten, ihre letzte Zigarette auszudrücken.

    Erklären Sie uns das bitte.
    Albig: Auch wenn bekannt ist, dass Rauchen schädlich ist, herrscht enorme Unwissenheit und Fehlwahrnehmung bei Rauchern über wissenschaftliche Erkenntnisse zu rauchfreien Alternativprodukten. In Deutschland glaubt die Mehrheit der Raucher, dass die Alternativen genauso schädlich oder sogar noch schädlicher seien als Zigaretten. Die Konsequenz ist nicht der Rauchstopp, sondern die schlechteste Option: das Weiterrauchen. Das führt dazu, dass die Raucherquote in Deutschland seit Jahren nahezu gleichbleibend hoch ist und bei rund 30 Prozent liegt. In anderen Ländern hingegen wird durch die Regierung offen für den Umstieg auf schadstoffreduzierte Produkte geworben.

    Woran denken Sie?
    Albig: In Schweden beispielsweise, dem ersten rauchfreien Land in Europa, verabschiedeten die Gesundheitsbehörden eine Strategie zur Schadensminimierung durch alternative Tabakprodukte. Der vorbild­liche Ansatz wurde jüngst vom schwedischen Ministerpräsidenten Ulf Kristersson wie folgt zusammengefasst: „Alles, was wir tun können, um das Rauchen zu reduzieren und zu vermeiden, ist gut.“

    Was bedeutet das für Deutschland?
    Albig: In Deutschland passiert all das nicht – obwohl selbst offizielle Stellen, zum Beispiel das deutsche Bundesinstitut für Risikobewertung, kurz BfR, seit langem den reduzierten Schadstoffausstoß unseres Tabakerhitzers bestätigen. Aber die Information muss man als Verbraucher aktiv suchen – und wer macht das schon? Deshalb setzen wir uns für das Recht auf Information und Aufklärung ein. Wir werden die weiteren Schritte sorgfältig prüfen, sobald uns die schriftliche Urteilsbegründung vorliegt.

    red