{"id":54881,"date":"2024-11-20T23:00:00","date_gmt":"2024-11-20T23:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/tax.konradin-online.de\/?p=54881"},"modified":"2024-11-20T23:00:00","modified_gmt":"2024-11-20T23:00:00","slug":"an-der-realitaet-orientieren","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/tax.konradin-online.de\/?p=54881","title":{"rendered":"\u201eAn der Realit\u00e4t orientieren\u201c"},"content":{"rendered":"<p><strong>GR\u00c4FELFING \/\/<\/strong> Seit nunmehr rund neun Monaten ist Veronika Rost Vorsitzende der Gesch\u00e4ftsf\u00fchrung beim Tabakkonzern Philip Morris in Deutschland (PMG). Erst Kosmetik, jetzt Zigaretten und vor allem Tabakerhitzer \u2013 funktioniert das? DTZ sprach mit der Managerin in ihrem B\u00fcro in Gr\u00e4felfing bei M\u00fcnchen.<\/p>\n<p><strong>Wenn wir \u00fcber Philip Morris sprechen, m\u00fcssen wir \u00fcber die rauchfreie Zukunft sprechen. Ist das ein Marketing-Gag oder wirklich ein realistisches Ziel? <\/strong><br \/>\n<strong>Veronika Rost:<\/strong> Die Zukunft ist doch schon da! Wer sich die Gesch\u00e4fts\u00adergebnisse von Philip Morris International anschaut \u2026<\/p>\n<p><strong>Da geht es um das dritte Quartal, richtig? <\/strong><br \/>\n<strong>Rost:<\/strong> Genau. Auf das Gesch\u00e4ft mit rauchfreien Produkten entfielen 38 Prozent unserer gesamten Nettoeinnahmen und 40 Prozent des Bruttoertrags. Vergessen Sie nicht: Wir haben Iqos vor gerade zehn Jahren auf dem ersten Markt in Japan eingef\u00fchrt. Also: Die rauchfreie Zukunft ist auf alle F\u00e4lle erreichbar.<\/p>\n<p><strong>Wobei die Raucherquote hierzulande immer noch bei etwa 30 Prozent liegt. <\/strong><br \/>\n<strong>Rost:<\/strong> Stimmt, in Deutschland sind wir noch nicht ganz so weit. Und das liegt nicht am Handel und nicht an unseren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern, sondern daran, dass die Menschen immer noch nicht umfassend \u00fcber die Vorteile rauchfreier Alternativen informiert sind. <\/p>\n<p><strong>In anderen L\u00e4ndern ist die Lage anders <\/strong><br \/>\n<strong>Rost:<\/strong> Schauen Sie sich zum Beispiel Japan an. Da hat die Regierung von Anfang an Raucher proaktiv \u00fcber die neue rauchfreie Alternative informiert. Das hat dazu beigetragen, dass der Anteil der Raucher in Japan nur noch rund zehn Prozent betr\u00e4gt. Unser Marktanteil mit Iqos liegt dort bei \u00fcber 30 Prozent \u2013 das kannten wir sonst nur von der klassischen Marlboro-Zigarette. <\/p>\n<p><strong>Ist das Thema \u201erauchfreie Zukunft\u201c schwierig zu verstehen? <\/strong><br \/>\n<strong>Rost:<\/strong> Eigentlich nicht. Aber die wenigsten Verbraucher wissen \u00fcberhaupt, warum rauchfrei besser ist. Dass n\u00e4mlich das Nikotin nicht das Problem ist, was die Gesundheitsrisiken angeht, sondern das Verbrennen von Tabak. Daher die recht eing\u00e4ngige Bezeichnung: \u201erauchfrei.\u201c Die Leute m\u00fcssen wissen, dass es bei Tabakerhitzern oder E-Zigaretten keine Verbrennung mehr gibt. Und dass damit die Schadstoffbelastung um durchschnittlich bis zu 95 beziehungsweise bis zu 99 Prozent im Vergleich zu einer herk\u00f6mmlichen Zigarette sinkt, bezogen auf die gef\u00e4hrlichsten Schadstoffe, die bei der Verbrennung entstehen. Aber wir k\u00f6nnen das in Deutschland nicht so kommunizieren, wie wir es gern tun w\u00fcrden. <\/p>\n<p><strong>Gro\u00dfbritannien war da Vorreiter in Europa. <\/strong><br \/>\n<strong>Rost:<\/strong> Ja \u2013 obwohl da im Moment immer nur darauf geschaut wird, was die Briten alles verbieten wollen. Aber England war eines der ersten L\u00e4nder, in dem der National \u00adHealth Service\u2009\u2026 <\/p>\n<p><strong>\u2026\u2009die Gesundheitsbeh\u00f6rde\u2009\u2026 <\/strong><br \/>\n<strong>Rost:<\/strong> \u2026\u2009gesagt hat: Lieber Raucher, liebe Raucherin, wenn Du nicht aufh\u00f6rst, dann wechsle doch, bittesch\u00f6n, wenigstens zur E-Zigarette. Und es gab sogar finanzielle Hilfen von der Krankenversicherung. In f\u00fcnf Jahren hat das zu einem R\u00fcckgang der Zahl der Zigarettenraucher in England von drei Millionen gef\u00fchrt. <\/p>\n<p><strong>Das sind beeindruckende Zahlen. <\/strong><br \/>\n<strong>Rost:<\/strong> Und dann gibt es noch das Beispiel Schweden. Seit Dekaden gibt es dort Snus, also mit Tabak gef\u00fcllte Beutelchen, die unter die Oberlippe gelegt werden. Daten belegen, dass die typischen Krankheiten, die man mit dem Rauchen assoziiert, um 50 Prozent zur\u00fcckgegangen sind. Leider ist in Deutschland der Verkauf von Nikotinbeuteln bisher nicht reguliert und damit verboten. <\/p>\n<p><strong>Ja, Schweden gilt mit einer Raucherquote unter f\u00fcnf Prozent offiziell als rauchfrei. <\/strong><br \/>\n<strong>Rost:<\/strong> Deswegen ist f\u00fcr mich die gro\u00dfe Herausforderung: Wie k\u00f6nnen wir die Raucher in Deutschland schneller und besser \u00fcber die Vorteile der rauchfreien Alternativen informieren und auch alle Alternativen anbieten?! <\/p>\n<p><strong>K\u00f6nnen Sie etwas zum deutschen Markt sagen? <\/strong><br \/>\n<strong>Rost:<\/strong> Zumindest so viel, dass wir mit Iqos Marktanteile \u00fcber zehn Prozent in den gr\u00f6\u00dferen St\u00e4dten haben. Das ist super, da k\u00f6nnen sich die meisten anderen Marken auch im klassischen Zigarettensegment etwas abschneiden. <\/p>\n<p><strong><br \/>\nIch glaube, Sie haben noch eine interessante Zahl zu den Marktanteilen\u2009\u2026 <\/strong><br \/>\n<strong>Rost:<\/strong> Ja, richtig. Wenn Sie sich die f\u00fcnf gr\u00f6\u00dften Marken bei Tabakprodukten anschauen, dann sind wir mit gleich drei Marken unter den Top-5 vertreten: mit Marlboro, L\u2006&#038;\u2006M und den Terea-Tabak-Sticks. Von daher bin ich sehr zufrieden. Aber im internationalen Vergleich \u00e4rgere ich mich, weil wir noch mehr k\u00f6nnten. <\/p>\n<p><strong>Das klingt sehr ehrgeizig. <\/strong><br \/>\n<strong>Rost:<\/strong> Ja, aber da geht es gar nicht um mein Ego oder um unsere eigenen Gesch\u00e4ftsergebnisse. Wir d\u00fcrfen in Deutschland nicht so viel f\u00fcr die jetzigen Raucher tun, wie wir k\u00f6nnten. Deshalb k\u00f6nnen sich viele erwachsene Raucher eben nicht genug informieren, um entscheiden zu k\u00f6nnen, ob sie nicht auf ein Alternativprodukt wechseln sollten. Die Freiheit, informierte Entscheidungen zu treffen, ist nicht so wie in einigen anderen L\u00e4ndern gegeben. <\/p>\n<p><strong>Eigentlich ein Skandal. <\/strong><br \/>\n<strong>Rost:<\/strong> Ein gro\u00dfes Wort, aber tats\u00e4chlich ist es das Thema, was mich am meisten umtreibt. <\/p>\n<p><strong>In Deutschland haben Sie mit Iqos den ersten Tabakerhitzer auf den Markt gebracht und waren lange allein auf weiter Flur. Hilft es dem Markt, dass mittlerweile zwei Wettbewerber ebenfalls in dem Segment unterwegs sind? <\/strong><br \/>\n<strong>Rost: <\/strong>Das hoffe ich. Fest steht, dass wir bereits seit acht Jahren am deutschen Markt vertreten sind. Sp\u00e4tstarter haben es da nat\u00fcrlich schwer. Ehrlich gesagt w\u00fcnsche ich mir tats\u00e4chlich, dass mehr Dynamik entsteht, um den gesamten Markt gr\u00f6\u00dfer zu machen. <\/p>\n<p><strong>Machen Sie sich keine Sorgen wegen der Konkurrenz? <\/strong><br \/>\n<strong>Rost: <\/strong>Wenn das Thema Tabakerhitzer bekannter wird, schauen die Konsumenten nat\u00fcrlich darauf, wer die rauchfreien Alternativen anbietet. Als Marktf\u00fchrer haben wir den Vorteil, dass unsere Produkte eher aus dem Regal genommen werden als die Nummern 2 oder 3. Im Augenblick sehen wir keine Verschiebungen von Iqos zu anderen Marken. <\/p>\n<p><strong>Wenn ich zusammenfassen darf: Sie haben ein Kommunikationsproblem?<\/strong> <br \/>\n<strong>Rost:<\/strong> Ich spreche lieber von Herausforderungen. Weil wir mit dem Thema kaum in den klassischen Massenmedien vorkommen, dauert es einfach l\u00e4nger. Und ich meine: echte Informationen, keine Werbung. <\/p>\n<p><strong>Welche M\u00f6glichkeiten hat Philip Morris? <\/strong><br \/>\n<strong>Rost:<\/strong> Deutschland ist sehr regional gepr\u00e4gt, ein Gro\u00dfteil der Mitb\u00fcrger lebt in kleinen St\u00e4dten. Da ist es deutlich schwieriger, etwa \u00fcber unsere Iqos-Boutiquen auf die Konsumenten zuzugehen. In Paris oder London haben Sie quasi das halbe Land in einer Stadt. In Deutschland m\u00fcssen wir in der Fl\u00e4che kommunizieren, das ist deutlich aufwendiger. <\/p>\n<p><strong>Wie gehen Sie dabei vor?<\/strong><br \/> <br \/>\n<strong>Rost:<\/strong> Wir versuchen, mit mehr Mitarbeitern am Point-of-Sale vertreten zu sein, mehr Iqos-Boutiquen oder sogenannte \u201eIslands\u201c, also \u201eInseln\u201c in Einkaufszentren, zu er\u00f6ffnen, um vor Ort das pers\u00f6nliche Gespr\u00e4ch mit erwachsenen Rauchern zu f\u00fchren. Wie gesagt: eine Herausforderung. <\/p>\n<p><strong>Und welche anderen Anreize bietet die Kategorie \u201erauchfreie Alterna\u00adtiven\u201c Rauchern?<\/strong><br \/> <br \/>\n<strong>Rost:<\/strong> Dazu z\u00e4hlt auch, dass wir den Rauchern, die nicht aufh\u00f6ren, einen finanziellen Anreiz bieten. <\/p>\n<p><strong>Das hei\u00dft: Sie bieten einen Preisvorteil gegen\u00fcber klassischen Zigaretten? <\/strong><br \/>\n<strong>Rost: <\/strong>Ja. Iqos wird ja eher als hochpreisig bewertet, da es sich um eine innovative Technologie handelt. Tats\u00e4chlich ist eine Packung Terea-Sticks im Vergleich zu einer Packung Marlboro-Zigaretten g\u00fcnstiger. Aber eine noch st\u00e4rkere Differenzierung, auch in der Besteuerung der Produkte, k\u00f6nnte den Verbrauchern einen noch gr\u00f6\u00dferen Preisvorteil bieten. <\/p>\n<p><strong>Sie haben ja nicht nur Tabakerhitzer im Angebot\u2009\u2026 <\/strong><br \/>\n<strong>Rost:<\/strong> Stimmt. Aber es stellt sich die Frage, welche Erzeugnisse wir am Markt einf\u00fchren d\u00fcrfen. Sehen Sie: Um ganz Deutschland herum werden Nikotin-Pouches verkauft. Jeder Konsument kann sie sich legal in \u00d6sterreich oder in der Schweiz besorgen, sogar im Internet bestellen. Aber hierzulande d\u00fcrfen sie nicht vertrieben werden. <\/p>\n<p><strong>Das bedeutet? <\/strong><br \/>\n<strong>Rost:<\/strong> Das bedeutet, dass den Rauchern ein zus\u00e4tzliches Alternativ-Angebot versagt bleibt. Dabei w\u00fcrden wom\u00f6glich gerade die Pouches dazu f\u00fchren, dass Raucher wegkommen von der Zigarette. Das finde ich schon gewaltig. Denken Sie an die Zahlen aus Schweden. Aber den Deutschen wird das Nikotinprodukt vorenthalten. Das finde ich, ehrlich gesagt, schwierig zu verstehen \u2013 von den wirtschaftlichen Interessen mal abgesehen.<\/p>\n<p><strong>Es gab das Angebot ja schon\u2009\u2026 <\/strong><br \/>\n<strong>Rost:<\/strong> Genau. Das bedeutet: Den Markt gibt es bereits, aber zurzeit ist er total unkontrolliert. Welche Artikel kommen nach Deutschland? An wen werden sie verkauft? Wie hoch ist ihr Nikotingehalt?<\/p>\n<p><strong>Zudem entgeht dem Staat Geld. <\/strong><br \/>\n<strong>Rost:<\/strong> Es werden keine Steuern eingenommen, ja. Und es ist wie auf anderen Gebieten: Da das ein profitabler Markt ist, lassen sich attraktiv illegale Gesch\u00e4fte machen, die wiederum zu kriminellen Strukturen f\u00fchren. Der Verbraucher ist immer schneller als die Regulierung. Und in Sachen Nikotin-Pouches gibt es ganz klar Nachholbedarf, besonders zum Schutz des Verbrauchers. Dass die Produkte nicht reguliert zugelassen werden, halte ich f\u00fcr gef\u00e4hrlich. Denn der Markt existiert und wird weiter wachsen. <\/p>\n<p><strong>Auch unter gesundheitspolitischen Aspekten ist das nicht nachvollziehbar. <\/strong><br \/>\n<strong>Rost:<\/strong> Nat\u00fcrlich nicht! Sie merken, dass ich viel Leidenschaft f\u00fcr das Thema aufbringe, weil mich das wirklich sehr \u00e4rgert. Nat\u00fcrlich w\u00e4re es eine perfekte Welt, wenn wir alle keinen Alkohol mehr trinken w\u00fcrden, nicht mehr rauchen w\u00fcrden, alles potenziell Ungesunde weglassen w\u00fcrden. Aber wir m\u00fcssen uns an der Realit\u00e4t orientieren. Und wenn 60 Prozent der erwachsenen Raucher in Deutschland sagen, dass sie gerne rauchen, dann ist die einzige sinnvolle Antwort: Okay, aber ich kann dir schadstoffreduzierte Alternativen in den unterschiedlichsten Formen anbieten. <\/p>\n<p><strong>Und die Zielgruppe ist gro\u00df. <\/strong><br \/>\n<strong>Rost:<\/strong> Mit einer Raucherpr\u00e4valenz von 30 Prozent liegen wir am oberen Ende in Europa. Das k\u00f6nnten wir besser machen. Es w\u00fcrde dem Handel helfen, w\u00fcrde uns helfen und w\u00fcrde vor allem den Konsumenten helfen, die sonst weiter rauchen. <\/p>\n<p><strong>Wie begegnen Sie der Kritik, dass Sie mit dem F\u00f6rdern des Umstiegs auf Rauchalternativen auch nicht gesunde Produkte bewerben? <\/strong><br \/>\n<strong>Rost:<\/strong> Zun\u00e4chst einmal: Wir f\u00f6rdern den Umstieg. Das ist ganz wichtig. Wir sprechen die erwachsenen Raucher an, kreieren also keine neuen Verbraucher, sondern f\u00f6rdern den Switch zum potenziell weniger Sch\u00e4dlichen. Und wir sagen nie, dass die rauchfreien Alternativen risiko- oder schadstofffrei sind. Sie sind weniger risikoreich, das bedeutet weniger Schadstoffe, das k\u00f6nnen wir wissenschaftlich belegen. <\/p>\n<p><strong>Also ist Ihre Kernaussage\u2009&#8230;? <\/strong><br \/>\n<strong>Rost:<\/strong> Wir bieten keine risikobefreiten Erzeugnisse an, sondern schadstoffreduzierte Alternativen im Vergleich zur Zigarette. Und das ist ein gro\u00dfer Schritt in die richtige Richtung. Und unsere Botschaft an die Menschen ist: Wer nicht raucht, soll auch bitte nicht anfangen. Und wer raucht, sollte am besten ganz aufh\u00f6ren. Und wer nicht aufh\u00f6rt, der sollte zu schadstoffreduzierten Alterna\u00adtiven wechseln. <\/p>\n<p><strong>Das sind immer noch ungewohnte Worte aus einem Tabakkonzern\u2009\u2026 <\/strong><br \/>\n<strong>Rost:<\/strong> Aber dazu stehen wir. Allerdings wissen wir, dass der Ausstieg nur selten stattfindet. Worauf ich aber sehr stolz bin ist, dass Iqos praktisch nicht von Jugendlichen konsumiert wird. Laut der j\u00fcngsten BZgA-Studie haben nur 0,3 Prozent der Jugendlichen Iqos probiert. Das bedeutet: Unsere Vorgaben, dass wir nur erwachsene Raucher ansprechen, die nicht aufh\u00f6ren, sind erfolgreich. Darauf sind wir stolz \u2013 dass wir nicht nur eine gute Vision haben, sondern die auch klar und konsequent umsetzen. <\/p>\n<p><strong>Ein leidiges Thema: Regulierung. Haben Sie Bef\u00fcrchtungen, die die anstehende TPD\u20093 betreffen? <\/strong><br \/>\n<strong>Rost:<\/strong> Bef\u00fcrchtungen w\u00fcrde ich nicht sagen. Es gibt ja bislang \u00fcberhaupt keine konkreten Erkenntnisse zum Vorgehen und Zeitplan. Und wegen der politischen Situation wird es wohl auch noch eine Zeit dauern, bis die TPD\u20063 in Angriff genommen wird. Auf jeden Fall sehe ich eine Notwendigkeit, die TPD anzupassen, da seit der aktuellen Version so viel im Markt passiert ist und so viele neuartige Produkte in den Markt gekommen sind. Ich hoffe nur, dass sich die in Europa so unterschied\u00adliche Akzeptanz der neuartigen Erzeugnisse in den Diskussionen widerspiegelt. Meiner Ansicht nach brauchen wir eine Regulierung, die aber ganz klar korreliert sein muss mit den Risiken der Artikel. Es muss m\u00f6glich sein, die Vielfalt der Produkte mit den notwendigen Informationen an den M\u00e4rkten einzuf\u00fchren \u2013 unter Ber\u00fccksichtigung von Jugend- und Verbraucherschutz, wie wir ihn bereits umsetzen. <\/p>\n<p><strong>Sie klingen optimistisch\u2009\u2026 <\/strong><br \/>\n<strong>Rost:<\/strong> Ich w\u00fcnsche mir, dass es richtig gemacht wird. Das w\u00fcrde uns auch helfen, unsere Vision weiter voranzutreiben. <\/p>\n<p><strong>Ein gro\u00dfes Thema der vergangenen Jahre war Track\u2006&#038;\u2006Trace. Wie hat sich das ausgewirkt?<\/strong><br \/>\n<strong>Rost:<\/strong> Zun\u00e4chst einmal haben wir gezeigt, dass wir als Unternehmen wirklich daran interessiert sind, dem illegalen Handel und dem Schmuggel aktiv die Stirn zu bieten. Darauf bin ich stolz, zumal der Aufwand nat\u00fcrlich hoch war und ist. <\/p>\n<p><strong>Bekommen Sie R\u00fcckmeldungen auf Ihr Engagement? <\/strong><br \/>\n<strong>Rost:<\/strong> Zum Beispiel von den Steuerbeh\u00f6rden oder dem Zoll. Wir arbeiten ja nicht nur bei Track\u2006&#038;\u2006Trace mit diesen Beh\u00f6rden zusammen, sondern unterst\u00fctzen sogar deren Trainings. Auch damit haben wir uns den Ruf eines verantwortungsvollen Produzenten erarbeitet. Aber wir wissen auch, dass die kriminelle Energie gro\u00df ist und die Banden immer wieder neue Wege finden. <\/p>\n<p><strong>Zur\u00fcck zu Ihrem Flaggschiff Iqos \u2013 wobei Sie ja weitere interessante Produkte im Sortiment haben. <\/strong><br \/>\n<strong>Rost:<\/strong> Nat\u00fcrlich lag zun\u00e4chst unser Fokus auf Iqos. Und nat\u00fcrlich arbeiten wir kontinuierlich daran, das Produkt noch besser zu machen. Wir fragen uns st\u00e4ndig: Was k\u00f6nnen wir optimieren, um Raucher zu motivieren, den Switch von Zigaretten zu rauchfreien Alternativen zumindest zu versuchen?<\/p>\n<p><strong>Und wie geht das? <\/strong><br \/>\n<strong>Rost:<\/strong> Es gibt in Deutschland viele Raucher, die sich einen starken Tabakgeschmack w\u00fcnschen. \u00dcbrigens ist das h\u00e4ufig die \u00e4ltere Generation. Da geht es f\u00fcr uns darum, der Zielgruppe innerhalb unseres Terea-Angebots mehr Produkte anzubieten, die dem Full-Flavor-Geschmack noch n\u00e4her kommen, damit Konsumenten ein \u00e4hnliches Erlebnis haben, wie sie es von der Zigarette kennen. <\/p>\n<p><strong>Ist die Hardware ausentwickelt? <\/strong><br \/>\n<strong>Rost: <\/strong>Wir haben mit der Induktionserhitzung \u2013 eingef\u00fchrt mit Iqos Iluma \u2013 eine sehr ausgekl\u00fcgelte Technologie. Damit haben wir einen wirklich signifikanten Schritt in der Simplizit\u00e4t des Gebrauchs gemacht. Und dann gibt es in einigen L\u00e4ndern schon Neueinf\u00fchrungen, die auch nach Deutschland kommen werden, um Iqos noch verbraucherfreund\u00adlicher zu machen und einen Zusatznutzen zu geben. <\/p>\n<p><strong>Aber noch einmal: Sie haben ja auch andere interessante Artikel im Angebot. <\/strong><br \/>\n<strong>Rost:<\/strong> Genau. Wir sehen bei vielen Konsumenten, dass sie unterschied\u00adliche Artikel zu unterschiedlichen Zwecken benutzen \u2013 beim Ausgehen, zu Hause, bei der Arbeit\u2009\u2026 Und da spielt unsere E-Zigarette Veev, eingef\u00fchrt im April dieses Jahres, eine gro\u00dfe Rolle. \u00dcbrigens sprechen wir auch damit nur die erwachsenen Raucher an. Deshalb haben wir einige Varianten mit Tabakgeschmack auf den Markt gebracht, denn wir brauchen keine supers\u00fc\u00dfen Candy-Aromen, keine jugendaffinen Geschm\u00e4cker oder Vermarktungen. Unser Ziel ist es, erwachsenen Rauchern eine schadstoffreduzierte Alternative zur Tabakzigarette anzubieten. <\/p>\n<p><strong>F\u00fcr Ihr Unternehmen sind das gute Aussichten. <\/strong><br \/>\n<strong>Rost:<\/strong> Ich glaube, dass unser Wachstum in der Zukunft \u00fcber bessere Information der Konsumenten generiert werden wird, \u00fcber die richtige Regulierung und viele Aspekte mehr. Dazu z\u00e4hlt auch ein Gesamt-Produktprogramm an rauchfreien Angeboten, damit Raucher wirklich f\u00fcr alle Bed\u00fcrfnisse eine Alternative haben, die nicht Zigarette hei\u00dft. <\/p>\n<p><strong>Da fehlt aber noch ein Produkt\u2009\u2026 <\/strong><br \/>\n<strong>Rost:<\/strong> Ja, deswegen bin ich so stark daran interessiert, Nikotin-Pouches in den deutschen Markt einzuf\u00fchren, da wir wissen, dass es da einen weiteren Zusatznutzen gibt, den sonst kein Artikel bietet. Die Beutel k\u00f6nnen Sie im Flugzeug benutzen oder im Zug, das hat \u00fcberhaupt keine Au\u00dfenwirkung, ist absolut diskret. Damit h\u00e4tten wir dann das ideale Angebot, um wirklich jede \u201eAusrede\u201c der Raucher, warum sie nicht aufh\u00f6ren, obsolet werden zu lassen. <\/p>\n<p><strong>Und die Produkte haben Sie ja. <\/strong><br \/>\n<strong>Rost: <\/strong>Die Produkte haben wir, wir d\u00fcrfen sie nur nicht alle verkaufen. <\/p>\n<p><strong>Sie sind jetzt seit rund neun Monaten bei Philip Morris. Sind Sie in der Branche angekommen? <\/strong><br \/>\n<strong>Rost: <\/strong>Ich bin schnell angekommen. Das ist einerseits der Dynamik der Branche geschuldet. Weil es so viele Ver\u00e4nderungen gibt, musste ich mich ins kalte Wasser st\u00fcrzen. Zudem habe ich ein unglaublich erfahrenes, h\u00f6chst engagiertes Team, sowohl hier in Gr\u00e4felfing als auch drau\u00dfen, \u201ein the field\u201c, wie man so sch\u00f6n sagt, also die Kolleginnen und Kollegen, die den Handel eng betreuen. Die Expertise hat mir geholfen, sehr schnell anzukommen.<\/p>\n<p><strong>Zugleich m\u00fcssen Sie die Expertise durch die Transformationsprozesse ja st\u00e4ndig hinterfragen. <\/strong><br \/>\n<strong>Rost: <\/strong>Richtig, und das finde ich ebenso spannend, die gro\u00dfe Offenheit unseres Teams. Denn es muss offen sein f\u00fcr diese Transformation, die unser Unternehmen und unsere Unternehmenskultur ver\u00e4ndert. Und es muss offen daf\u00fcr sein, Expertise und Leute von au\u00dfen in das Unternehmen einzugliedern. Denn nat\u00fcrlich musste sich vor zehn Jahren niemand um den Online-Handel k\u00fcmmern oder um den Konsumenten-Service, da ein Produkt mal nicht richtig funktioniert, oder um Boutiquen. <\/p>\n<p><strong>Der Konzern musste sich f\u00f6rmlich neu erfinden? <\/strong><br \/>\n<strong>Rost:<\/strong> Ja, und dazu braucht man auch Expertise von au\u00dfen, die die Gesch\u00e4ftsfelder, die man vorher von der klassischen Zigarette nicht kannte, voranbringen kann. Daher zeugt es von gro\u00dfer Offenheit zu sagen: \u201eHey, die Person, die von au\u00dfen kommt, bringt etwas ein, hat einen anderen Erfahrungsschatz.\u201c Das ist mir sofort gespiegelt worden. Da gab es keine Hemmschwellen, Ressen\u00adtiments oder Vorurteile. Sondern es gab eine Offenheit f\u00fcr die Dinge, die ich von au\u00dfen miteinbringen konnte. Da bin ich absolut happy, und ich habe keinerlei Bedenken, dass es nicht auch so bleibt. <\/p>\n<p><strong>Trotzdem stehen Sie vor gro\u00dfen Aufgaben. <\/strong><br \/>\n<strong>Rost: <\/strong>Richtig, die Art der Transformation ist einmalig. Ich habe ja auch schon andere Unternehmen in gewissem Ma\u00df transformiert und umorganisiert. Aber dass sich ein Unternehmen aus einer gro\u00dfen St\u00e4rke heraus vor 15 Jahren \u2013 als Marktf\u00fchrer mit Marlboro, einer der st\u00e4rksten Marken weltweit \u2013 hinstellt und sagt: Wir schaffen unsere eigene Kategorie komplett ab \u2013 das ist bemerkenswert. Und die Transformation mit einer solchen Stringenz und Klarheit umzusetzen und mit nun 40 Prozent Bruttoertrag belohnt zu werden \u2013 das finde ich einmalig und habe ich so noch nicht gesehen. Eigentlich hei\u00dft es ja: Man soll aufh\u00f6ren, wenn es am sch\u00f6nsten ist. Wir haben mit dem Ausstieg aus der Zigarette begonnen, als es ausgezeichnet lief. Und das merkt man: Wir m\u00fcssen das nicht machen, aber wir wollen das machen. Wirtschaftlich betrachtet, gesellschaftlich betrachtet, f\u00fcr die Kunden \u2013 das gibt eine wahnsinnig positive Energie, die ich hoffentlich auch zur\u00fcckgeben kann. <\/p>\n<p><strong>Frau Rost, herzlichen Dank f\u00fcr dieses Gespr\u00e4ch. <\/strong><\/p>\n<p><i>Marc Reisner <\/i><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>GR\u00c4FELFING \/\/ Seit nunmehr rund neun Monaten ist Veronika Rost Vorsitzende der Gesch\u00e4ftsf\u00fchrung beim Tabakkonzern Philip Morris in Deutschland (PMG). Erst Kosmetik, jetzt Zigaretten und vor allem Tabakerhitzer \u2013 funktioniert das? DTZ sprach mit der Managerin in ihrem B\u00fcro in Gr\u00e4felfing bei M\u00fcnchen. 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