{"id":54712,"date":"2024-02-14T23:00:00","date_gmt":"2024-02-14T23:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/tax.konradin-online.de\/?p=54712"},"modified":"2024-02-14T23:00:00","modified_gmt":"2024-02-14T23:00:00","slug":"im-ergebnis-akzeptabel","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/tax.konradin-online.de\/?p=54712","title":{"rendered":"\u201eIm Ergebnis akzeptabel\u201c"},"content":{"rendered":"<p><strong>HAMBURG \/\/<\/strong> Die [link|https:\/\/adc-online.de\/]Arbeitgeber der Cigarettenindustrie (AdC)[\/link] haben dem Vorschlag des Schlichters vom 18. Januar zugestimmt. Damit steigen zum 1. Januar die L\u00f6hne in allen Tarifgruppen um 250 Euro, in allen Ausbildungsjahren um 140 Euro. Mit DTZ hat AdC-Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer Ulf Bauer gesprochen. <\/p>\n<p><strong>Deutschland protestiert, Deutschland streikt. Das war schon 2023 vielfach so. Und es sieht Anfang 2024 wahrlich nicht anders aus. Unser pers\u00f6nliches Gespr\u00e4ch und die dazu n\u00f6tigen Zugfahrten fallen aus. Die Tarifverhandlungen in der Cigarettenindustrie sind abgeschlossen, bei Ihnen aber ohne Streik \u2013 wieder einmal. Wie schaffen Sie das? <\/strong><br \/>\n<strong>Ulf Bauer: <\/strong>Vielleicht ist nach \u00fcber 70 Jahren Sozialpartnerschaft irgendwann einmal das erste Mal. Aber 2024 nicht. Das freut uns, aber es hat auch ein Preisschild. Wir haben zweimal intensiv verhandelt. Und wie 2021 ging es auch 2024 nicht ohne den neutralen Schlichter, den die Gewerkschaft angerufen hat. Der hat allerdings aus meiner Sicht einen guten Job gemacht, beide Parteien auch mal an den Ohren gezogen, um zum Ergebnis f\u00fcr alle zu kommen. <\/p>\n<p><strong>Wie sieht das Ergebnis aus? <\/strong><br \/>\n<strong>Bauer:<\/strong> Wir haben f\u00fcr eine Laufzeit von einem Jahr abgeschlossen. Gerne h\u00e4tten wir Arbeitgeber mal wieder eine l\u00e4ngere Dauer vereinbart. Aber die wirtschaftlichen Unsicherheiten f\u00fchrten bei der NGG und den Betriebsr\u00e4ten dazu, erneut eine kurze Laufzeit anzustreben. Sie wollten Risiken f\u00fcr die Besch\u00e4ftigten minimieren, lieber Ende 2024 wieder mit uns zusammenkommen. Wir haben das akzeptiert, weil auch wir wissen, Prognosen \u00fcber ein Jahr hinaus sind zurzeit nicht einfach. <\/p>\n<p><strong>Und wie sieht es monet\u00e4r aus? Was kommt bei den Besch\u00e4ftigten auf dem Konto an? <\/strong><br \/>\n<strong>Bauer:<\/strong> Wir haben vereinbart, im ersten der zw\u00f6lf Monate keine Erh\u00f6hung durchzuf\u00fchren, in den anderen elf erhalten Azubis 140 Euro mehr pro Monat, alle Tarifgruppen bekommen 250 Euro. Das macht auf ein ganzes Jahr berechnet 232 Euro mehr pro Monat \u2026 <\/p>\n<p><strong>\u2026 bei einer Gewerkschaftsforderung von \u2026 <\/strong><br \/>\n<strong>Bauer:<\/strong> \u2026 490 Euro pro Monat f\u00fcr eine Laufzeit von zw\u00f6lf Monaten. An den Zahlen k\u00f6nnte man ablesen: gut gemacht, Arbeitgeber. Im Ergebnis nicht einmal die H\u00e4lfte der Gewerkschaftsforderung. Aber auch diese Medaille hat eine zweite Seite. <\/p>\n<p><strong>Was steht auf der anderen Seite der Medaille? <\/strong><br \/>\n<strong>Bauer:<\/strong> Sie m\u00fcssen die 232 Euro ins Verh\u00e4ltnis setzen. Das macht runde sieben Prozent in unteren ETV-Gruppen und immer noch rund 3 Prozent in den oberen Gruppen. Daran allein merken Sie, die Forderung von 490 \u20ac war wenig realistisch. Im Schnitt zahlen unsere Unternehmen jetzt knapp \u00fcber vier Prozent mehr Lohn in 2024. Nach den sechs Prozent im Jahr 2022 plus Inflationsausgleichspr\u00e4mie von \u00fcber 2000 Euro ist der Abschluss jetzt noch akzeptabel, aber doch grenzwertig. <\/p>\n<p><strong>Wieso grenzwertig? Ist es nicht gerade in wirtschaftlich schwierigen Zeiten ein gutes Zeichen, als Unternehmen niedrigere Gehaltsgruppen st\u00e4rker zu st\u00fctzen? <\/strong><br \/>\n<strong>Bauer: <\/strong>Ja, das stimmt. Und da waren wir uns mit der NGG und den Betriebsr\u00e4ten auch einig. Das geht heute in Ordnung. Wir d\u00fcrfen aber nicht aus den Augen verlieren: In unserer Industrie wird traditionell sehr gut bezahlt. Das hei\u00dft, vier Prozent in der Zigarette ist deutlich mehr Geld als vier Prozent in den allermeisten Branchen. Und eine Industrie, die wirtschaftlich zwar stabil handelt, aber seit Jahren konstant an Volumen verliert und gleichzeitig eine riesige Transformation vor der Brust hat, darf auch bei L\u00f6hnen nicht aus dem Ruder laufen. Andere Brachen haben im vergangenen Jahr und f\u00fcr 2024 im Schnitt mit 3,4 Prozent abgeschlossen. Und das bei einer durchschnittlichen Erwartung aller f\u00fchrenden Wirtschaftsinstitute an die Inflation 2024 von 2,6 Prozent. <\/p>\n<p><strong>Sie sprechen jetzt stets von der Industrie. Hatten Sie nicht 2022 als einzelne Firmen allein verhandelt? Wie war das in diesem Jahr? <\/strong><br \/>\n<strong>Bauer: <\/strong>Das einzelne Verhandeln 2022 hatte Vor- und Nachteile. Ein gro\u00dfer Vorteil lag darin, dass der Tarifkommission der Arbeitnehmer wieder einmal bewusst geworden ist, es gibt nicht nur Gemeinschaft der Industrie, sondern auch sehr berechtigte einzelne Interessen. Dazu haben wir im August 2023 einen gro\u00dfen, gemeinsamen Sozialpartnerdialog der Arbeitgeber und Arbeitnehmer durchgef\u00fchrt. Der ergab gemeinsame Ergebnisse und Aufgaben f\u00fcr 2024, die wir mit der NGG jetzt gemeinsam angehen. Aber ich meine, wer das gemeinsam will, sollte auch beim Tarif zusammen verhandeln. Das haben wir gemacht und auch bei dem Prozess mit Pro und Contra. Also eigentlich: wie immer im Leben. <\/p>\n<p><strong>Herzlichen Dank, Herr Bauer, f\u00fcr das Gespr\u00e4ch.<\/strong><\/p>\n<p><i>max<\/i><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>HAMBURG \/\/ Die [link|https:\/\/adc-online.de\/]Arbeitgeber der Cigarettenindustrie (AdC)[\/link] haben dem Vorschlag des Schlichters vom 18. Januar zugestimmt. Damit steigen zum 1. Januar die L\u00f6hne in allen Tarifgruppen um 250 Euro, in allen Ausbildungsjahren um 140 Euro. Mit DTZ hat AdC-Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer Ulf Bauer gesprochen. Deutschland protestiert, Deutschland streikt. Das war schon 2023 vielfach so. 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