{"id":53787,"date":"2023-06-14T22:00:00","date_gmt":"2023-06-14T22:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/tax.konradin-online.de\/?p=53787"},"modified":"2023-06-14T22:00:00","modified_gmt":"2023-06-14T22:00:00","slug":"nikotin-familie-in-bewegung","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/tax.konradin-online.de\/?p=53787","title":{"rendered":"\u201eNikotin-Familie\u201c in Bewegung"},"content":{"rendered":"<p><strong>R\u00d6SRATH \/\/<\/strong> Endlich wieder unbeschwert beisammen sein, das gelang in diesem Jahr bei der zweiten Veranstaltung nach der Corona-Pause, zweifellos. Die diesj\u00e4hrige Ausgabe der BTWE-Jahrestagung fand wieder in der traditionellen Seminarst\u00e4tte in R\u00f6srath statt. Etwa 120 Vertreter aus Handel, Industrie und Verb\u00e4nden nahmen teil. Und viele Themen kamen auf den Tisch. F\u00fcr den Bundesverband des Tabakwaren-Einzelhandels war das ein echter Erfolg.<\/p>\n<p>Im Rahmen der BTWE-Delegiertenversammlung wurde Johannes von B\u00f6tticher von den Delegierten einstimmig zum BTWE-Schatzmeister gew\u00e4hlt. Johannes von B\u00f6tticher ist Gesch\u00e4ftsf\u00fchrender Gesellschafter der Firma M. Niemeyer in Bremen, die 107 Tabakfachgesch\u00e4fte umfasst. Der bisherige BTWE-Schatzmeister, Martin Jonas, hatte sein Amt zur Verf\u00fcgung gestellt. Das BTWE-Pr\u00e4sidium und die -Gesch\u00e4ftsf\u00fchrung dankten Jonas f\u00fcr sein langj\u00e4hriges ehrenamtliches Engagement und w\u00fcnschten ihm alles Gute.<\/p>\n<p>Sonst bleibt das Pr\u00e4sidium unver\u00e4ndert und setzt sich zusammen aus dem Pr\u00e4sidenten Torsten L\u00f6ffler, dem 1. Vizepr\u00e4sidenten Hieronymus Jou\u00dfen sowie dem 2. Vizepr\u00e4sidenten Johannes Lomberg.<\/p>\n<p><strong>BTWE-Pr\u00e4sident regt Terminanpassung an<\/strong><br \/>\n\u201eLiebe Nikotin-Familie\u201c, BTWE-Pr\u00e4sident Torsten L\u00f6ffler begr\u00fc\u00dfte die G\u00e4ste in diesem Jahr wieder pers\u00f6nlich, nachdem er 2022 wegen eines Unfalls nicht hatte teilnehmen k\u00f6nnen. L\u00f6ffler regte zun\u00e4chst an, die Veranstaltung noch weiter Richtung Wochenmitte zu verschieben. Danach zog er ein kurzes Res\u00fcmee. <\/p>\n<p>Er w\u00fcnsche sich mehr Vernunft, sagte der Pr\u00e4sident. Man m\u00fcsse sich wundern, warum die Politik Cannabis legalisiere, w\u00e4hrend Tabak immer weiter eingeschr\u00e4nkt beziehungsweise beschr\u00e4nkt w\u00fcrde. Und das alles angeblich im Sinne der Gesundheit, wie er betonte. \u201eWenn man Karl Lauterbach glauben darf, dann gibt es bald eine Art Abwrackpr\u00e4mie, wenn man mit dem Rauchen aufh\u00f6rt\u201c, trug L\u00f6ffler kopfsch\u00fcttelnd vor.<\/p>\n<p><strong>\u201eWer morgen mitspielen will, muss sich mit Neuem besch\u00e4ftigen\u201c<\/strong><br \/>\n\u201eMan kann sich vorstellen, dass Cannabis hier irgendwann stattfindet\u201c, konnte der BTWE-Pr\u00e4sident nur vermuten, \u201eman wei\u00df es nicht.\u201c Er f\u00fchrte weiter aus: \u201eWir erleben die sogenannten Einwegthemen, die dem Handel das Leben gerettet haben\u201c. Wer morgen noch mitspielen wolle, m\u00fcsse sich mit Neuem besch\u00e4ftigen, so sein Fazit und deshalb w\u00e4hlte er auch nicht mehr die vielleicht ausgediente Begr\u00fc\u00dfung \u201eTabak-Familie\u201c, sondern die \u201eNikotin-Familie\u201c.<\/p>\n<p>\u201eDie Corona-Pandemie, gestiegene Energiekosten und Kaufzur\u00fcckhaltung der Konsumenten \u2013 der Handel braucht einen langen Atem\u201c, begr\u00fc\u00dfte BTWE-Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer Steffen Kahnt die Tagungsg\u00e4ste und er\u00f6ffnete das auch 2023 vielf\u00e4ltige Programm. Bereits seit 20 Jahren findet die Tagung im Geno-Hotel statt \u2013 mit zweij\u00e4hriger Unterbrechung durch die Corona-Pandemie.<\/p>\n<p><strong>\u201eKunde erwartet Kauferlebnis und Bed\u00fcrfnisbefriedigung\u201c<\/strong><br \/>\nBernd Lutter, Marketing-Manager Deutschland bei Reemtsma, rief den Handel und die Industrie zu noch mehr Bewegung auf. \u201eEin \u201aWeiter wie bisher\u2018 geht nicht mehr. Wir m\u00fcssen noch aktiver werden.\u201c Der Kunde erwarte Kauferlebnis und Bed\u00fcrfnisbefriedigung. \u201eWir bieten dem Handel viel, der Kunde verlangt aber auch deutlich mehr als fr\u00fcher\u201c, so Lutter. <\/p>\n<p>Die Industrie erwartet aber auch viel vom Handel, wie deutlich wurde. \u201ePay for Performance versus Kostenexplosion \u2013 Was erwartet die Industrie vom Handel?\u201c, lautete die \u00dcberschrift der Vortr\u00e4ge von Lutter und Andreas Thoma, Commercial Director Deutschland und Mitglied der Gesch\u00e4ftsleitung bei British American Tobacco (BAT). \u201eJe mehr Sie tun, umso mehr k\u00f6nnen Sie auch von uns erwarten beziehungsweise verdienen\u201c, so der gemeinsame Appell an den Fachhandel. \u201eNur den Stellplatz f\u00fcr unsere Produkte zur Verf\u00fcgung zu stellen, reicht nicht mehr aus\u201c, betonte Lutter, der sich laut eigener Aussage auch nicht scheut, selbst hinter der Ladentheke zu stehen, wie einige Fachh\u00e4ndler besonders im Ged\u00e4chtnis behielten \u2013 und das nat\u00fcrlich gerne in die Tat umgesetzt sehen wollen.<\/p>\n<p><strong>\u201ePersonal kann den Unterschied machen\u201c<\/strong><br \/>\n\u201eDer Fachhandel muss sich weiter differenzieren\u201c, zielte Thoma in dieselbe Kerbe. Wichtig seien vor allem gut ausgebildete und geschulte Mitarbeiter, wie beide mehrfach betonten. \u201eMan muss weiter investieren\u201c, sagte Thoma und f\u00fcgte hinzu: \u201ePersonal kann den Unterschied machen.\u201c \u201ePay for Performance\u201c sei ein Segen f\u00fcr engagierte Fachh\u00e4ndler.<\/p>\n<p>Auf den Einwand eines Fachh\u00e4ndlers, ob man nun des Geldes wegen die Kundenw\u00fcnsche ignorieren solle, hie\u00df es, dass man den Kunden noch umstimmen k\u00f6nne. \u201eWir wollen mit Ihnen das Optimum aus Ihrer Fl\u00e4che herausholen\u201c, sagte Thoma. Kritische Anmerkungen aus dem Publikum gab es auch bez\u00fcglich der schon l\u00e4ngst ersehnten R\u00fccknahmesysteme f\u00fcr Einwegzigaretten: \u201eWir h\u00e4tten uns von Ihnen R\u00fccknahmeger\u00e4te gew\u00fcnscht, und Sie kriegen das nicht hin.\u201c Die Diskussion laufe seit vier Jahren, meinte ein Tagungsteilnehmer und f\u00fcgte hinzu: \u201eSeitdem werden wir vertr\u00f6stet.\u201c Man sei dran, das Thema berge aber mehrere Probleme, lautete die Antwort beider Industrie-Vertreter: \u201eEin R\u00fccknahmesystem ist noch \u00e4u\u00dferst kostspielig und die Kosten m\u00fcssen gerecht aufgeteilt werden. Mir ist da noch kein Vorschlag bekannt. Wir sind aber offen\u201c, sagte BAT-Mann Thoma.<\/p>\n<p>\u201eWir sind gar nicht so weit auseinander\u201c, erg\u00e4nzte Torsten L\u00f6ffler, \u201edie Frage ist nur, wer zuerst ins Risiko geht?!\u201c<\/p>\n<p><strong>Fachh\u00e4ndler \u00fcben Kritik<\/strong><br \/>\nEs ging munter zu an diesem Tag in R\u00f6srath. Sowohl die Industrie als auch der Handel brachten bei der Tagung ihre Argumente und ihre Kritik vor. Der Fachhandel tat seinen Unmut kund. Es wurden Stimmen laut wie: \u201eDer Einzelhandel wird nicht genug wertgesch\u00e4tzt. Es wird ja nicht nur eine Fl\u00e4che zur Verf\u00fcgung gestellt, sondern das Produkt wird inszeniert und wir beraten den Kunden. Es droht ein massives Sterben der Einzelh\u00e4ndler.\u201c Und an die Industrie gerichtet: \u201eDann haben Sie ebenfalls ein Problem.\u201c<\/p>\n<p>Es folgte ein Vortrag von Heike Maria Lau, Director Corporate Affairs &#038; Communications bei JT International (JTI). Lau lobte den vorherigen \u201etats\u00e4chlichen Austausch\u201c. F\u00fcr JTI st\u00fcnden ganz klar die Tabakerhitzer im Fokus, die seit 2021 in sechs L\u00e4ndern eingef\u00fchrt wurden. Sie k\u00fcndigte den Marktstart des Tabakerhitzers \u201ePloom\u201c in Deutschland an. Lau pers\u00f6nlich kann und mag sich allerdings eine Branche ohne die klassischen Tabak(-produkte) nicht vorstellen.<\/p>\n<p><strong>Philip Morris: \u201eZigarette geh\u00f6rt ins Museum\u201c<\/strong><br \/>\nJ\u00f6rg Zangen, Director Sales Deutschland, und Anne-Kathrin Freund-Koch von Philip Morris (PMI) sehen das g\u00e4nzlich anders. \u201eDie Zigarette geh\u00f6rt ins Museum\u201c, betonten beide (DTZ berichtete). \u201eWir sehen gro\u00dfes Potenzial in den Produktalternativen\u201c, betonte Zangen. Heets befinde sich auf Platz sechs der Top-Marken, hie\u00df es: \u201eWir wollen Marlboro auf Platz 1 abl\u00f6sen\u201c. Philip Morris erziele 35 Prozent des Nettoumsatzes bereits mit Alternativprodukten. 25,8 Millionen Konsumenten nutzten Iqos weltweit.<\/p>\n<p>\u201eLaut Debra-Studie gibt es 36 Prozent Raucher in Deutschland. Acht Prozent von ihnen haben bereits versucht, mit dem Rauchen aufzuh\u00f6ren\u201c, referierte Anne-Kathrin Freund-Koch und weiter \u00fcber PMI: \u201eZehn Milliarden Dollar wurden in den vergangenen Jahren die Forschung investiert mit \u00fcber 1000 Angestellten in dieser Abteilung.\u201c Sch\u00e4dlich sei nicht das Nikotin, so Freund-Koch, sondern das Verbrennen. Darauf setze man auch bei der neuen \u201eIluma\u201c von PMI: \u201eErhitzen im Kern statt verbrennen. Es wird \u00fcber Induktion statt durch Heizbl\u00e4ttchen, die uns einige Probleme bereitet haben, erhitzt.\u201c Mehr wollte man zu diesem Zeitpunkt aber noch nicht \u00fcber die Produktneuheit verraten.<\/p>\n<p><strong>Cannabis-Legalisierung light<\/strong><br \/>\nDas Thema Cannabis-Legalisierung, das im vergangenen Jahr die BTWE-Tagung dominierte, wurde zwar wieder unter einem separaten Programmpunkt aufgegriffen, viel Neues gab es de facto aber nicht zu berichten \u2013 schon gar nicht zu Gunsten des Fachhandels. Benjamin Patock, Pr\u00e4sidiumsmitglied und Fachbereichskoordinator im Branchenverband Cannabiswirtschaft, sagte im Hinblick auf die politischen Entwicklungen: \u201eWir haben uns einen gr\u00f6\u00dferen Wurf gew\u00fcnscht.\u201c <\/p>\n<p>Geplant sei ein Zwei-S\u00e4ulen-Modell. Drei Pflanzen pro Kopf d\u00fcrften angebaut werden. Au\u00dferdem seien, zum Beispiel beim Jugendschutz, geschulte Anbaugemeinschaften erlaubt, die sich zusammenschlie\u00dfen d\u00fcrfen, um Cannabis anzupflanzen. Die Anforderungen, um solch eine Gemeinschaft gr\u00fcnden zu d\u00fcrfen, seien sehr hoch. Es d\u00fcrfe bei den Clubs nicht gewerblich zugehen und beispielsweise nicht in der N\u00e4he von Kindertagesst\u00e4tten angebaut werden. Insgesamt eine gro\u00dfe Herausforderung. Aber: \u201eDie gr\u00f6\u00dfte Herausforderung ist die Qualit\u00e4t\u201c, verriet Patock. \u201eDer Entwurf soll noch vor der Sommerpause abgenickt werden.\u201c Vieles sei noch zu kl\u00e4ren. <\/p>\n<p><strong>Fragen zur Bek\u00e4mpfung des  Schwarzmarkts<\/strong><br \/>\nAuch die Frage, ob durch die Vorhaben der Regierung der Schwarzmarkt zus\u00e4tzlich befeuert oder aber einged\u00e4mmt werden k\u00f6nne, kam im Publikum auf. \u201eMan wei\u00df es nicht\u201c, sagte Patock, \u201ewir sind nicht zufrieden mit dem Entwurf. Er ist an vielen Stellen nicht sinnvoll. Er ist ein Schritt in die richtige Richtung, aber so richtig zufrieden sind wir nicht.\u201c Es sei schwierig, Prognosen dar\u00fcber zu machen, wann zum Beispiel die Industrie ins Spiel komme, da die Politik merke, dass der Schwarzmarkt nicht kleiner werde. Steffen Kahnt nannte die nun verhandelte L\u00f6sung \u201ekleckerweise\u201c.<\/p>\n<p>\u201eDie EU-Kommission will ein rauchfreies Europa und ein Reduzieren der Raucherquote auf weniger als f\u00fcnf Prozent bis 2024\u201c, erkl\u00e4rte Jan M\u00fccke, Hauptgesch\u00e4ftsf\u00fchrer des Bundesverbands der Tabakwirtschaft und neuartiger Erzeugnisse (BVTE), bei seinem Vortrag mit dem Titel \u201eTPD\u20063 \u2013 der n\u00e4chste Angriff aus Br\u00fcssel\u201c. M\u00fccke nannte das \u201eeine deutliche Bedrohung unseres Gesch\u00e4ftsmodells\u201c und rief zum Handeln auf: \u201eJetzt wird verhandelt Wir m\u00fcssen als Branche jetzt reagieren!\u201c Die Br\u00fcsseler Beh\u00f6rde verfolge das ausdr\u00fcckliche Ziel eines \u201etabakfreien Europas\u201c. Mit einer versch\u00e4rften Verbotspolitik wolle sie den legalen Verkauf von Tabak- und Nikotinprodukten immer st\u00e4rker einschr\u00e4nken und erschweren.<\/p>\n<p>Die EU-Kommission wolle f\u00fcr alle Tabakwaren Einheitsverpackungen, strenge Einheitsregeln und neue Aromenverbote. So solle die E-Zigarette ohne aromatisierte Liquids nur noch geschmacklos angeboten werden. Au\u00dferdem drohten Werbeverbote sowie Beschr\u00e4nkungen bei der Warenpr\u00e4sentation und damit zus\u00e4tzliche Einnahmeausf\u00e4lle und ein erh\u00f6hter Bedienaufwand. \u201eWir sollten uns alle unterhaken und gemeinsam gegen die Regulierungen vorgehen\u201c, forderte M\u00fccke die Anwesenden auf, \u201edie Politik heizt mit neuen Verboten nur weiter den Schwarzmarkt an.\u201c<\/p>\n<p><strong>Gastredner Gregor Gysi<\/strong><br \/>\nF\u00fcr den kr\u00f6nenden Abschluss des Tagungsprogramms hatte der BTWE den Politiker, Anwalt, Autor und Moderator Gregor Gysi als Redner gewonnen, der kritische Anmerkungen zu Wirtschaft und Politik trotz der Schwere des Themas am\u00fcsant vorbrachte. Der 75-J\u00e4hrige, der als Anwalt vor zehn Jahren f\u00fcr die E-Zigarette gek\u00e4mpft hatte und sich das Rauchen (50 Zigaretten pro Tag) nach seinem ersten Herzinfarkt<br \/>\nabgew\u00f6hnt hat, sprach \u00fcber die vielen Krisen in unserem und anderen L\u00e4ndern \u2013 vieles, das nun gekommen sei, wie er es vorhergesehen und vorausgesagt habe. \u201eDie Politik befindet sich bei all den Krisen in einer \u00dcberforderungssituation und gibt das nicht zu\u201c, so Gysis Res\u00fcmee, \u201eich w\u00fcnsche uns Mut zur eigenen Stellung.\u201c<\/p>\n<p>Gregor Gysi ist \u00fcbrigens ausgebildeter Rinderz\u00fcchter, was ihm w\u00e4hrend seiner Karriere als Politiker h\u00e4ufig geholfen habe: \u201eIch kann melken, k\u00fcnstlich besamen und kenne mich mit Hornochsen aus.\u201c <i>kh<\/i><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>R\u00d6SRATH \/\/ Endlich wieder unbeschwert beisammen sein, das gelang in diesem Jahr bei der zweiten Veranstaltung nach der Corona-Pause, zweifellos. 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