{"id":52677,"date":"2022-06-22T22:00:00","date_gmt":"2022-06-22T22:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/tax.konradin-online.de\/?p=52677"},"modified":"2022-06-22T22:00:00","modified_gmt":"2022-06-22T22:00:00","slug":"cannabis-nur-in-spezialgeschaeften","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/tax.konradin-online.de\/?p=52677","title":{"rendered":"Cannabis nur in Spezialgesch\u00e4ften"},"content":{"rendered":"<p><strong>R\u00d6SRATH \/\/<\/strong> Endlich wieder eine Tagung mit echten Menschen \u2013 das war die einhellige Meinung der Teilnehmer am BTWE-Branchendialog, der k\u00fcrzlich an der traditionellen Seminarst\u00e4tte in R\u00f6srath stattfand. Die Zahl der Vertreter von Handel, Industrie und Verb\u00e4nden war gro\u00df, wenn auch etwa zehn Prozent der Angemeldeten kurzfristig absagen mussten, meist mit der Begr\u00fcndung, die auch die Tabakwelt seit rund zweieinhalb Jahren bewegt: Corona.<\/p>\n<p>BTWE-Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer Steffen Kahnt begr\u00fc\u00dfte die G\u00e4ste stellvertretend f\u00fcr den Pr\u00e4sidenten des Verbandes: Torsten L\u00f6ffler hatte nach einem Unfall passen m\u00fcssen. Kahnt wies zun\u00e4chst darauf hin, dass die Interessenvertretung zuvor turnusgem\u00e4\u00df ein neues Pr\u00e4sidium gew\u00e4hlt hatte. Neue Namen muss sich die Branche jedoch nicht merken: Das alte Pr\u00e4sidium ist auch das neue. Demnach sind neben Torsten L\u00f6ffler auch Hieronymus Jou\u00dfen (1. Vizepr\u00e4sident), Johannes Lomberg (2. Vizepr\u00e4sident) und Schatzmeister Martin Jonas Mitglieder des BTWE-Spitzengremiums.<\/p>\n<p><strong>Das Ende der Werbung<\/strong><br \/>\nDanach stellte Heike Maria Lau, Leiterin der \u00d6ffentlichkeitsarbeit bei JTI Germany, unter dem Motto \u201eLast Man Standing \u2013 Die Werbung ist tot, es lebe der Fachhandel\u201c ihre Ideen und Ansichten zur Zusammenarbeit zwischen Industrie und Gesch\u00e4ftsinhabern vor. Lau betonte, ihrer Ansicht nach gewinne der Fachhandel immer weiter an Bedeutung. Daher sei ihrem Unternehmen die Partnerschaft mit dem Handel besonders wichtig. Aber auch die digitale Interaktion mit den Konsumenten habe gro\u00dfe Bedeutung. JTI will zus\u00e4tzlich mit einer starken Pr\u00e4senz auf Events punkten sowie den Kunden neue Produktwelten erschlie\u00dfen.<\/p>\n<p>Mit Blick auf die konkrete Zusammenarbeit mit dem Handel nannte Lau die gro\u00dfe Bedeutung des Point of Sales (PoS), an dem der H\u00e4ndler dem Kunden insbesondere starke Marken in speziellen Regalsystemen pr\u00e4sentieren k\u00f6nne \u2013 f\u00fcr die Industrie ein unverzichtbarer Aspekt. Aber auch die noch neue Welt des Omni-Channel-Marketing sprach Lau an. In diesem Zusammenhang nannte sie das von JTI speziell f\u00fcr den Handel aufgesetzte Online-Portal sowie das Digital Signage, also insbesondere Monitore, die in unmittelbarer N\u00e4he zum Verkaufstresen installiert werden und passende Werbebotschaften ausspielen. Abschlie\u00dfend nannte Lau unter anderem die beiderseitige Expertise, das Erkennen von Trends und das Entwickeln von Innovationen als St\u00fctzen der Zusammenarbeit.<\/p>\n<p><strong>Nachhaltigkeit im Blick<\/strong><br \/>\nNachfragen aus dem Publikum bezogen sich insbesondere auf das Thema \u201eNachhaltigkeit\u201c, das einige Zuh\u00f6rer bei Zigaretten aufgrund der aufwendigen Cellophanierung als nicht mehr gegeben sahen. Auch wurde der Ruf nach mehr Pr\u00e4senz des Au\u00dfendienstes laut. Hier machten jedoch sowohl Lau als auch Vertreter anderer Konzerne deutlich, dass zwar die T\u00e4tigkeit w\u00e4hrend der Pandemie etwas reduziert worden sei, dass aber l\u00e4ngst wieder alle Mitarbeiter dieses Bereichs im Einsatz seien.<\/p>\n<p>Nach dem Vortrag von Lau kam die mit Spannung erwartete Diskussionsrunde zur Cannabis-Legalisierung zusammen. Es fehlte Corona-bedingt die Gr\u00fcnen-Politikerin Canan Bayram. Auf dem Podium standen Hieronymus Jou\u00dfen, Fachh\u00e4ndler und 1. BTWE-Vizepr\u00e4sident, Niklas Kouparanis, Chef der Bloomwell Group, die auf den Vertrieb medizinischer CBD-Produkte spezialisiert ist, sowie der Rechtsanwalt Kai-Friedrich Niermann; es moderierte Steffen Kahnt. Das neugierige Publikum, das sich nicht zuletzt Hinweise zum praktischen Einstieg in den legalen Handel mit Cannabis-Erzeugnissen erhofft hatte, musste allerdings gleich zu Beginn einen herben D\u00e4mpfer hinnehmen. Niermann erkl\u00e4rte n\u00e4mlich, nach seiner Einsch\u00e4tzung lasse der Entwurf des Cannabiskontrollgesetzes nicht zu, dass Cannabis einerseits sowie Tabak, Gl\u00fccksspiel-Produkte wie Lotto und Alkohol auf der anderen Seite in einem Gesch\u00e4ft verkauft w\u00fcrden. Dies sei eine unzul\u00e4ssige Vermischung. Er rechne damit, dass es spezialisierte Gesch\u00e4fte geben werde. Sowohl Niermann als auch Kouparanis sehen den Verkauf jedoch nur in Ausnahmef\u00e4llen in Apotheken. Niermann sagte, die Apotheken w\u00fcrden diesen Part wohl mit \u00fcbernehmen wollen, es sei jedoch abwegig, dass so ein Monopol entstehe. \u00c4hnlich bewertete Kouparanis die Lage, der den ausschlie\u00dflichen Cannabis-Verkauf \u00fcber Apotheken gar als \u201efatalen Fehler\u201c bezeichnete. <\/p>\n<p><strong>Cannabis-Markt<\/strong><br \/>\nEinig waren sich die Experten in der grunds\u00e4tzlichen Bewertung der Situation. Es sei eine tolle Sache, dass die Legalisierung nun so weit vorangeschritten sei, meinte Niermann. Und Kouparanis erwartet sogar, dass \u201eDeutschland nach der Legalisierung der gr\u00f6\u00dfte Cannabis-Markt der Welt\u201c wird.<\/p>\n<p>Eine Lanze f\u00fcr den Fachhandel brach Praktiker Jou\u00dfen. Er sagte, es sei wenig sinnvoll, Cannabis erst zu legalisieren und dann in \u201eTabu-L\u00e4den\u201c zu verkaufen. Aus seiner Sicht, so Jou\u00dfen, spreche viel daf\u00fcr, dass die dann legale Droge \u00fcber den Tabakwarenfachhandel verkauft werde. Er nannte in diesem Zusammenhang die Erfahrung etwa mit Alterskontrollen, bereits durchgef\u00fchrten Kontrollen durch Unternehmen und Beh\u00f6rden sowie die umfassenden Schulungen des Verkaufspersonals. Cannabis, f\u00fchrte Jou\u00dfen aus, sei ein Genussprodukt f\u00fcr Konsumenten ab 18 Jahren, bei dem der Kunde selbst entscheiden solle, wo er es erwerbe. Diese M\u00f6glichkeit sollte jedenfalls auch im Fachhandel gegeben sein.<\/p>\n<p><strong>Distributionsketten, Jugendschutz und Zusatzsortiment<\/strong><br \/>\nDas sah Kouparanis etwas anders: Niemand k\u00f6nne wissen, wie die Distributionsketten letztlich ausgestaltet w\u00fcrden, aber vermutlich w\u00fcrden sie stark reglementiert, insbesondere um den Jugendschutz sicherzustellen. Auch aus dem Publikum kamen viele Fragen, die das Interesse des Handels an diesem potenziellen Zusatzsortiment widerspiegelten. Dabei wurde deutlich, dass auch der Lebensmitteleinzelhandel sich ein entsprechendes Angebot vorstellen k\u00f6nnte. Besonders attraktiv wird der Markt dadurch, dass er sich von den getrockneten Bl\u00fcten als F\u00fcllung f\u00fcr Joints weiterentwickelt und Cannabis-Produkte zum Beispiel in Liquids f\u00fcr E-Zigaretten oder als S\u00fc\u00dfigkeiten an die Konsumenten gebracht werden k\u00f6nnen. So wird auch das Handling des eigentlichen Naturprodukts Cannabis einfacher. <\/p>\n<p>Vor allem ein Aspekt bewegte zum Ende der Diskussionsrunde alle Zuh\u00f6rer: Wann wird es so weit sein, dass Cannabis im deutschen Handel erh\u00e4ltlich ist? Darauf traf Rechtsanwalt Niermann eine klare Aussage: Am 1. Januar 2024 direkt nach Mitternacht w\u00fcrden die ersten T\u00fcren ge\u00f6ffnet, so seine Prognose.<\/p>\n<p><strong>Krieg in der Ukraine und Corona-Pandemie<\/strong><br \/>\nDen zweiten Tag des BTWE-Branchentreffes er\u00f6ffnete Steffen Kahnt in Vertretung des Verbandspr\u00e4sidenten L\u00f6ffler. Kahnt sprach unter anderem \u00fcber die Folgen des Kriegs in der Ukraine und \u00fcber den Umgang mit der Corona-Pandemie. Dabei bedankte er sich ausdr\u00fccklich bei der Tabakindustrie, die den Handel insbesondere w\u00e4hrend der Lockdowns unterst\u00fctzt habe: \u201eUm den Charakter in unserer Branche scheint es gut bestellt zu sein.\u201c Derzeit z\u00f6gen die Kundenfrequenzen wieder an. Problematischer seien die explodierenden Kosten, allen voran Energie sowie L\u00f6hne. F\u00fcr den Handel stehe als Folge derzeit vor allem die Wertsch\u00f6pfung im Fokus. Derzeit werden rund 95 Prozent mit den klassischen Warengruppen (Tabak, Presse) erwirtschaftet \u2013 die zudem zu gro\u00dfen Teilen preisgebunden seien. Ein Ausgleich wegbrechender Erl\u00f6se sei da kaum m\u00f6glich. Letztlich h\u00e4tten viele Handelsunternehmen ein Problem: Es m\u00fcsse ein Weg gefunden werden, mit dem Mehrkosten kompensiert und Marktanteile gewonnen und Ertr\u00e4ge zumindest stabilisiert werden k\u00f6nnten.<\/p>\n<p><strong>InterTabak 2022<\/strong><br \/>\nF\u00fcr die Messe Westfalenhallen gab Angelika Bauer einen Ausblick auf die InterTabac 2022. Eine starke Marke, ein weltweit bekanntes Messeduo (mit der InterSupply) und ein einzigartiger \u00dcberblick \u00fcber Produktneuheiten und Branchentrends seien die wichtigsten Pluspunkte dieser globalen Leitmesse. Derzeit sei man dabei, die Messe in die digitale Welt auszuweiten. Zun\u00e4chst aber \u2013 n\u00e4mlich im laufenden Jahr \u2013 biete das Messeduo rund 610 Aussteller, von denen 75 Prozent aus dem Ausland k\u00e4men und mehr als 160 erstmals auf den Messen vertreten seien. 2022 werde zudem das Rahmenprogramm erweitert, ein Internationaler Cigar Pavillon mit Produkten aus dem Handmade- beziehungsweise Premiumsegment eingerichtet und die Zusammenarbeit mit europ\u00e4ischen Handelsverb\u00e4nden vertieft.<\/p>\n<p><strong>Neue Produktarten und ihre Potenziale<\/strong><br \/>\nZu den Potenzialen neuer Produktarten \u00e4u\u00dferten sich Jan M\u00fccke, Hauptgesch\u00e4ftsf\u00fchrer des Bundesverbandes der Tabakwirtschaft und neuartiger Erzeugnisse (BVTE; siehe Kasten rechts unten) und Dustin Dahlmann als Vorsitzender des B\u00fcndnisses f\u00fcr Tabakfreien Genuss (BfTG; siehe Kasten rechts oben). Bernd Lutter, Market Manager Germany bei Reemtsma, mahnte unter dem Motto \u201eBuild pur Future\u201c mehr Realismus mit Blick auf das tats\u00e4chliche Gesch\u00e4ft an. Er f\u00fchrte aus, dass 81 Prozent der 24,7 Milliarden Euro Gesamtumsatz der Branche in Deutschland auf Zigaretten entfielen, 16 Prozent auf andere Tabakerzeugnisse (OTP) \u2013 und ganze drei Prozent auf die neuen Produkte E-Zigarette, Tabakerhitzer und Nikotin-Pouches. Lutter machte einen aus seiner Sicht bedeutenden Dreiklang deutlich: Der Konsument erwarte ein breites Produktportfolio, das der Handel als Multi-Kategorie-Verkaufspunkt sowie als Influencer bereitstellen m\u00fcsse, w\u00e4hrend die Industrie innovative Konzepte liefern und den Transformationsprozess der Branche vorantreiben m\u00fcsse. Lutters Fazit: Die Next Generation Products (NGP) w\u00fcchsen weiter, aber klassische Tabakwaren blieben die Hauptumsatztreiber.<\/p>\n<p><strong>Zukunft von Tabakerhitzern &#038; Co.<\/strong><br \/>\nAndreas Thoma, Commercial Director Deutschland bei BAT, machte deutlich, dass die Produktgruppe Tabakerhitzer\/E-Zigarette\/Nikotin Pouches noch am Beginn ihres Lebenszyklus st\u00fcnden. Derzeit bef\u00e4nden sich die Hersteller in den Phasen Markenbildung und -aufbau. Denn: Von den rund zw\u00f6lf Millionen Nikotinverwendern in Deutschland nutzten gerade zw\u00f6lf Prozent die neuen Kategorien. Laut Thoma erf\u00fcllt derzeit kein Produkt zu 100 Prozent die Erwartungen der (rauchenden) Konsumenten. Als Folge nutzten 40 Prozent der Verwender sowohl ein neuartiges Produkt als auch klassische Tabakwaren, 27 Prozent griffen neben Zigarette, Zigarillo und Co. zu zwei oder mehr neuartigen Erzeugnissen. Thoma rechnet mit einer wachsenden Auswahl an Produkten in diesem Segment: In f\u00fcnf Jahren, so seine Sch\u00e4tzung, k\u00f6nnten Tabakerhitzer, E-Zigarette und Pouches bereits einen Absatzanteil von 20 Prozent ausmachen.<\/p>\n<p>In einem launigen Referat zeigte Bernd Raffelh\u00fcschen, Direktor des Forschungszentrums Generationenvertr\u00e4ge an der Universit\u00e4t Freiburg, wie angespannt die Verschuldungssituation Deutschlands ist. Aus dieser Konstellation und der \u00dcberalterung der Gesellschaft ergeben sich zahlreiche Fragen, die gerade \u00fcberall diskutiert werden: Kein Thema, das den Tabakwarenfachhandel in seiner t\u00e4glichen Arbeit besch\u00e4ftigt \u2013 aber eines, das Deutschland auf Jahre hinaus besch\u00e4ftigen wird.<\/p>\n<p><i>max<\/i><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>R\u00d6SRATH \/\/ Endlich wieder eine Tagung mit echten Menschen \u2013 das war die einhellige Meinung der Teilnehmer am BTWE-Branchendialog, der k\u00fcrzlich an der traditionellen Seminarst\u00e4tte in R\u00f6srath stattfand. 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