{"id":52073,"date":"2021-09-29T22:00:00","date_gmt":"2021-09-29T22:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/tax.konradin-online.de\/?p=52073"},"modified":"2021-09-29T22:00:00","modified_gmt":"2021-09-29T22:00:00","slug":"hoffen-auf-planungssicherheit","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/tax.konradin-online.de\/?p=52073","title":{"rendered":"\u201eHoffen auf Planungssicherheit\u201c"},"content":{"rendered":"<p><strong>M\u00d6NCHENGLADBACH \/\/<\/strong> Seit 2011 lenken Michael Reisen und Paul Heinen als Vorsitzende die Geschicke des Bundesverbandes Deutscher Tabakwaren-Gro\u00dfh\u00e4ndler und Automatenaufsteller (BDTA). Der BDTA vertritt die gemeinsamen wirtschaftlichen, politischen und sozialen Interessen des Tabakwaren-Gro\u00dfhandels sowie des Zigarettenautomaten aufstellenden Handels in Deutschland. DTZ sprach mit Reisen und Heinen \u00fcber die Situation der Branche \u2013 insbesondere \u00fcber die Aussichten f\u00fcr die Zukunft.<\/p>\n<p><strong>Herr Dr. Reisen, wie gro\u00df ist der BDTA eigentlich?<\/strong><br \/>\n<strong>Michael Reisen:<\/strong> Uns sind 100 Unternehmen \u2013 meist mittelst\u00e4ndisch strukturierte und inhabergef\u00fchrte Betriebe mit rund 10.000 Besch\u00e4ftigten \u2013 angeschlossen. Unsere Mitgliedsbetriebe vertreiben alle in Deutschland herstellerseitig gelisteten Tabakerzeugnisse, als Randsortiment auch Kaffee, S\u00fc\u00dfwaren, alkoholische Getr\u00e4nke und Hygieneartikel. Zu den belieferten Kunden z\u00e4hlen Tabakwaren-Facheinzelhandelsgesch\u00e4fte, Kioske sowie Tankstellen. Insgesamt gibt es in Deutschland etwa 95.000 station\u00e4re Verkaufspunkte f\u00fcr Tabakwaren und knapp 280.000 Zigarettenautomaten.<\/p>\n<p><strong>Sie sind im Rahmen Ihrer Mitgliederversammlung in Dortmund wieder zu Vorsitzenden gew\u00e4hlt worden. Wie war dieses pers\u00f6nliche Zusammentreffen nach Corona-bedingter Pause?<\/strong><br \/>\n<strong>Paul Heinen:<\/strong> Es war ein gro\u00dfer Fortschritt, dass wir uns endlich wieder im Kreise unserer Mitglieder und anderen Stakeholder von Angesicht zu Angesicht austauschen konnten. In so einem Rahmen kann man viel besser Gedanken ansprechen, die \u00fcber die Formalien einer Vorstandssitzung, einer Unternehmertagung oder einer Mitgliederversammlung hinausgehen. Uns und unseren Mitgliedern galt der \u201aKameradschaftsabend\u2018 schon immer als eine wichtige Komponente der Jahrestagung. Wir sind froh dar\u00fcber, dass wir unseren inneren Optimismus behalten haben und in Dortmund die virtuelle Welt f\u00fcr die zwei Tage verlassen konnten.<\/p>\n<p><strong>Reisen:<\/strong> Auch die satzungspflichtigen Versammlungen selbst waren erfolgreich. Im Rahmen unserer Mitgliederversammlung konnte beispielsweise nicht nur unsere Wiederwahl best\u00e4tigt werden, sondern auch der Vorstand f\u00fcr die Amtszeit 2021 bis 2023 gew\u00e4hlt werden. An dieser Stelle m\u00f6chte ich mich bei den ausscheidenden Vorstandsmitgliedern Stephan Schmachtenberg, Otto Ilbertz Tabakwaren, und Daniel Ludwig von Willi Weber ganz herzlich f\u00fcr ihre erfolgreiche Zeit im BDTA-Vorstand bedanken.<\/p>\n<p><strong><br \/>\nEs gibt aber auch zwei neue Vorstandsmitglieder.<\/strong><br \/>\n<strong>Reisen:<\/strong>Genau, Menas Wolf von Wolf Tabakwaren und Maximilian Zehfu\u00df von Willi Weber. Die beiden haben mit ihren 34 beziehungsweise 31 Jahren unseren Vorstandskreis erheblich verj\u00fcngt, sodass wir mit einem Durchschnittsalter von rund 49 Jahren eine optimale Mischung aus Erfahrung, Kompetenz und Weitsicht geschaffen haben. Wir sehen uns f\u00fcr die kommenden Herausforderungen gut aufgestellt.<\/p>\n<p><strong>Von welchen Herausforderungen sprechen Sie konkret?<\/strong><br \/>\n<strong>Reisen:<\/strong> Auch unsere Branche ist von den Folgen der Corona-Krise nicht verschont geblieben. Durch die monatelang geschlossenen Gastst\u00e4tten und Restaurants ist der Gesamtumsatz an Innenautomaten erheblich gesunken. Mit den aus unserer Sicht vern\u00fcnftigen Alternativen zur Eind\u00e4mmung der Pandemie und den damit einhergehenden Lockerungen bieten sich unseren Mitgliedsunternehmen wieder M\u00f6glichkeiten zu gesunden. Es sei aber auch zu erw\u00e4hnen, dass sich der Automat, insbesondere der Au\u00dfenautomat, in der Pandemie als best\u00e4ndiges Warenversorgungssystem herauskristallisiert hat, das Menschen ohne Infektionsrisiko nutzen konnten. Der Warenautomat bewies einmal mehr \u2013 nicht nur in der Versorgung von Tabakwaren \u2013 seine Daseinsberechtigung.<br \/>\n<strong>Heinen:<\/strong> Es hat sich bekanntlich der gesellschaftliche Konsens herausgebildet, dass Tabakprodukte wegen der ihrem Genuss inh\u00e4renten gesundheitlichen Risiken kontrolliert und reguliert werden m\u00fcssen, ins-besondere dass keine Abgabe von Tabakprodukten an nicht Vollj\u00e4hrige erfolgen darf. Das Thema Jugendschutz nimmt der BDTA ernst. Zwischen 2004 und 2009 haben unsere Mitgliedsunternehmen mit einem Aufwand von mehr als 300 Millionen Euro den technischen Jugendschutz am Zigarettenautomaten realisiert. Derzeit arbeiten wir \u2013 gemeinsam mit der Deutschen Kreditwirtschaft \u2013 am Rollout der n\u00e4chsten Generation, die Altersverifikation und Zahlung anhand der kontogebundenen Bankkarte in einem Online-Verfahren vornimmt. Damit treiben wir nicht nur den technischen Fortschritt am Automaten voran, sondern garantieren fortw\u00e4hrend den Jugendschutz und verbessern gleichzeitig die Abwicklung des Kaufs am Warenautomaten.<\/p>\n<p><strong>Welche Erkenntnisse haben Sie pers\u00f6nlich aus der Pandemie gezogen?<\/strong><br \/>\n<strong>Reisen:<\/strong> In erster Linie sind die pers\u00f6nlichen Kontakte, insbesondere diejenigen zur Branche, durch keine digitalisierte Kommunikation zu ersetzen. Wir anerkennen, dass das Homeoffice mit Ma\u00df und Vernunft durchaus seine Vorteile bietet und nicht seinem kritischen Ruf vor der Pandemie gerecht wird. Weiter k\u00f6nnen einige Termine \u00fcber die bekannten Online-Dienstleister unkompliziert gehalten werden.<\/p>\n<p><strong>Da klingt ein Aber mit&#8201;&#8230;<\/strong><br \/>\n<strong>Reisen:<\/strong> Ja, das Problem ist auf lange Sicht der Ausbau des eigenen Netzwerkes. Wir haben die Erfahrung gemacht, dass bereits bestehende Kontakte ohne Weiteres gepflegt werden k\u00f6nnen, der Aufbau neuer Kontakte allerdings sehr schwierig erscheint.<\/p>\n<p><strong>Heinen: <\/strong>Au\u00dferdem sind Fachkr\u00e4fte nicht nur vor der Pandemie schwierig zu finden gewesen, sondern bleiben auch weiterhin eine Rarit\u00e4t auf dem Arbeitsmarkt. Dies betrifft freilich auch andere Branchen; wir aus unserer Sicht k\u00f6nnen allerdings festhalten, dass die Beschaffung neuen Personals in den f\u00fcr uns relevanten Bereichen trotz des allgemeinen Besch\u00e4ftigungswachstums in Deutschland eine pandemieunabh\u00e4ngige Problematik ist und bleibt.<\/p>\n<p><strong>Kommen wir zu einem anderen Thema: Wie gehen Sie mit den immer beliebteren Gro\u00dfpackungen um?<\/strong><br \/>\n<strong>Heinen:<\/strong> Dieser Trend lie\u00df sich schon vor Jahren im Bereich der OTP, besonders bei Feinschnitt, beobachten, die heute in Tabakeimern \u00fcber die Ladentheke gehen. Dieses Ph\u00e4nomen hat die Industrie mittlerweile auf die Zigarette \u00fcbertragen. In den Niederlanden gibt es bereits h\u00f6chst praxisnahe Zigarettenpackungen mit 92 Zigaretten. (lacht). Das ist eine fragw\u00fcrdige Entwicklung im Bereich der Packungsgestaltung und -menge. Aufgrund der Besteuerungssystematik f\u00fcr Tabakwaren ist dies nichts weiter als eine Preiserm\u00e4\u00dfigung durch die Hintert\u00fcr.<br \/>\n<strong>Reisen: <\/strong>Dabei darf man auch nicht vergessen, vor welche fl\u00e4chenm\u00e4\u00dfigen Herausforderungen die Einzelhandelskollegen durch die Gr\u00f6\u00dfe und Vielzahl an Packungsvarianten gestellt werden.<\/p>\n<p><strong><br \/>\nDie Industrie stellt den Handel vor Herausforderungen. Aber auch von politischer Seite gibt es Ma\u00dfnahmen, mit denen die Branche zurechtkommen muss. Wie bewerten Sie in diesem Zusammenhang die Ergebnisse der Bundestagswahl?<\/strong><br \/>\n<strong>Heinen:<\/strong> Lassen Sie mich zun\u00e4chst auf die gesetzlichen Errungenschaften der vergangenen Gro\u00dfen Koalition in diesem Jahr eingehen. Zum einen sahen wir uns auf Verbandsebene mit dem Gesetzesentwurf zur Tabaksteuermodernisierung konfrontiert. Dieses Gesetz stellt im Hinblick auf die klassischen Tabakprodukte eine Fortsetzung des erfolgreichen Modells aus dem Zeitraum von 2011 bis 2016 dar, das seine Vorteile f\u00fcr alle Stakeholder bereits unter Beweis gestellt hat. Mit der Fortf\u00fchrung eines solchen Steuermodells bleibt der Markt auch k\u00fcnftig von Verwerfungen verschont und Planungssicherheit und Vorhersehbarkeit bleiben bestehen. Der Aspekt der Planungssicherheit betrifft aber nicht nur Industrie und Handel, sondern gilt auch und insbesondere f\u00fcr die Verwaltung.<\/p>\n<p><strong>Reisen:<\/strong> Im Hinblick auf die sogenannten \u201eneuen\u201c Produkte wie Tabakerhitzer und E-Zigaretten sind wir jedoch der Auffassung, dass eine Besteuerung dieser Produktkategorien zwar grunds\u00e4tzlich sinnvoll ist, aber eine solche Besteuerung moderat sein und erst im Zeitverlauf entwickelt werden sollte, um diesen Produktkategorien zu erm\u00f6glichen, ihre Marktf\u00e4higkeit zu erlangen. Die in den Jahren 2002 bis 2005 ambitioniert formulierten Ziele der Tabaksteuereinnahmen wurden aufgrund der unverh\u00e4ltnism\u00e4\u00dfigen Tabaksteuererh\u00f6hungen schon damals deutlich verfehlt und gelten als Mahnmal einer wirkungslosen Steuerpolitik.<\/p>\n<p><strong><br \/>\nWas h\u00e4tte die Politik besser machen k\u00f6nnen?<\/strong><br \/>\n<strong>Reisen: <\/strong>Sie h\u00e4tte im Bereich der neuen Produkte gerade dieses negative Beispiel ber\u00fccksichtigen sollen. Es besteht nun die Gefahr, dass diese Produktkategorien mit Blick auf eine \u201eTobacco Harm Reduction\u201c im Umgang mit dem Rauchen als sinnvolle Erg\u00e4nzungen wegfallen k\u00f6nnten.<br \/>\n<strong>Heinen:<\/strong> Au\u00dferdem bereitet uns Mittelst\u00e4ndlern das kommende Lieferkettensorgfaltspflichtengesetz einigen Kummer. Zum Verst\u00e4ndnis: In Deutschland ans\u00e4ssige Unternehmen werden ab einer bestimmten Gr\u00f6\u00dfe verpflichtet, ihrer Verantwortung in der Lieferkette in Bezug auf die Achtung international anerkannter Menschenrechte besser nachzukommen. Wir begr\u00fc\u00dfen durchaus den Leitgedanken des Gesetzes, dass der Intransparenz und der oft mangelhaften Durchsetzung von Menschenrechten in den Lieferketten entgegengewirkt werden soll.<\/p>\n<p><strong>Aber?<\/strong><br \/>\n<strong>Heinen:<\/strong> Das Problem f\u00fcr den Mittelstand liegt in der mittelbaren Betroffenheit durch Zulieferfunktionen bei gro\u00dfen Betrieben mit 3000 respektive 1000 Besch\u00e4ftigten in Folge der im Gesetzestext verankerten Vereinbarung von Weitergabeklauseln. An dieser Stelle wird sich nicht ausnahmsweise, sondern in der Regel f\u00fcr ein kleines oder mittleres Unternehmen die Frage stellen, ob es nicht betriebswirtschaftlich sinnvoller ist, das Gesch\u00e4ft nicht zu machen.<br \/>\n<strong>Reisen:<\/strong> Dieses Gesetz ist in der Theorie gut gedacht, in der praktischen Ausarbeitung allerdings schlecht gemacht. Wir haben hier ein weiteres Beispiel f\u00fcr Regulierung, die den Mittelstand benachteiligt und die Gro\u00dfen beg\u00fcnstigt. Ein allenfalls symbolpolitischer Fortschritt wird bezahlt mit dem Verlust hochwertiger Arbeitspl\u00e4tze im deutschen Mittelstand, ohne an einem der im Gesetzestext genannten, zweifellos beklagenswerten Missst\u00e4nde auf der Welt auch nur einen Funken zu \u00e4ndern.<\/p>\n<p><strong><br \/>\nZur\u00fcck zu Ihrer Bewertung der Bundestagswahlen. Was w\u00fcnschen Sie sich von der neuen Regierung?<\/strong><br \/>\n<strong>Reisen:<\/strong> In erster Linie muss gerade wegen der Auswirkungen der Pandemie auf das sensible Gef\u00fcge unserer Wirtschaft der Mittelstand entlastet werden. Obskure Ideen wie die m\u00f6gliche Wiedereinf\u00fchrung einer Verm\u00f6genssteuer wirken nicht f\u00f6rderlich auf eine zu reaktivierende Wirtschaft in Deutschland. Gerade in Zeiten, in denen unsere mittelst\u00e4ndischen Unternehmen keinen garantierten Gewinn erzielen, aber ihr vorhandenes Verm\u00f6gen dennoch zu einer steuerlichen Zahlungsverpflichtung f\u00fchrt, w\u00fcrde dies zu vermehrten Firmenpleiten f\u00fchren. \u00d6konomische Vernunft und politische Klugheit sprechen schlicht gegen eine Reaktivierung der Verm\u00f6gensteuer.<\/p>\n<p><strong>Herr Reisen, Herr Heinen, ich bedanke mich f\u00fcr das Gespr\u00e4ch.<\/strong><\/p>\n<p><i>max<\/i><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>M\u00d6NCHENGLADBACH \/\/ Seit 2011 lenken Michael Reisen und Paul Heinen als Vorsitzende die Geschicke des Bundesverbandes Deutscher Tabakwaren-Gro\u00dfh\u00e4ndler und Automatenaufsteller (BDTA). Der BDTA vertritt die gemeinsamen wirtschaftlichen, politischen und sozialen Interessen des Tabakwaren-Gro\u00dfhandels sowie des Zigarettenautomaten aufstellenden Handels in Deutschland. 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