{"id":51798,"date":"2021-06-23T22:00:00","date_gmt":"2021-06-23T22:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/tax.konradin-online.de\/?p=51798"},"modified":"2021-06-23T22:00:00","modified_gmt":"2021-06-23T22:00:00","slug":"auf-uns-alle-kommt-ein-enormer-kostendruck-zu","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/tax.konradin-online.de\/?p=51798","title":{"rendered":"\u201eAuf uns alle kommt ein enormer Kostendruck zu\u201c"},"content":{"rendered":"<p><strong>BREMEN \/\/ <\/strong>Die Firma M. Niemeyer begann ihre Geschichte 1864 in Bremen. Seit dem Jahr 1888 befindet sich das Unternehmen in Familienhand und wird seit Oktober 2018 von Johannes von B\u00f6tticher (37) gef\u00fchrt, der die Familientradition in f\u00fcnfter Generation als gesch\u00e4ftsf\u00fchrender Gesellschafter fortsetzt. DTZ befragte Johannes von B\u00f6tticher nach den Folgen der Corona-Krise f\u00fcr seine Fach- und Einzelhandelsgesch\u00e4fte, die nunmehr seit M\u00e4rz 2020 von den Auswirkungen der Pandemie betroffen sind.<\/p>\n<p><strong>Herr von B\u00f6tticher, seit bereits 16 Monaten hat das Corona-Virus die Gesellschaft und speziell auch den Handel im Griff. Wie hat sich das bei Ihrem Unternehmen abgespielt, und gab es gravierende Unterschiede in der ersten und zweiten Welle der Pandemie?<\/strong><br \/>\n<strong>Johannes von B\u00f6tticher: <\/strong>Wie wahrscheinlich alle anderen H\u00e4ndler, wurden auch wir vom ersten Lockdown komplett \u00fcberrascht. Wir hatten damals gro\u00dfe Probleme, weil die Rechtslage sehr un\u00fcbersichtlich und vielfach unklar war. Es gab unterschiedliche Regelungen, je nach Bundesland \u2013 wir sind in sechs Bundesl\u00e4ndern vertreten. Hinzu kam, dass zu Beginn Landkreise, Gemeinden und zust\u00e4ndige Beh\u00f6rden die Regelungen teilweise unterschiedlich ausgelegt haben. Mit diesem \u201eFlickenteppich\u201c k\u00e4mpften wir im ersten Lockdown. Teilweise herrschte ein ziemliches Chaos. Der grunds\u00e4tzliche Unterschied zum zweiten Lockdown, der Mitte Dezember 2020 begann, bestand darin, dass der erste Lockdown deutlich k\u00fcrzer ausfiel. Deshalb war die erste Welle f\u00fcr uns wirtschaftlich gesehen noch gut zu verkraften.<\/p>\n<p><strong>Das sah beim zweiten Shutdown anders aus?<\/strong><br \/>\n<strong>Von B\u00f6tticher:<\/strong> Der zweite Lockdown mit einer Dauer von vielen Monaten hat uns wesentlich h\u00e4rter getroffen. Den bis dato verlorenen Umsatz werden wir dieses Jahr auch nicht mehr aufholen k\u00f6nnen.<\/p>\n<p><strong>Ihre Gesch\u00e4fte befinden sich ja in verschiedenen Bundesl\u00e4ndern. Wie haben Sie sich auf die unterschiedlichen Anweisungen eingestellt?<\/strong><br \/>\n<strong>Von B\u00f6tticher:<\/strong> Unsere Filialen befinden sich in Bremen, Hamburg, Schleswig-Holstein, Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen und Hessen. Die unterschiedlichen Regelungen haben unser Krisenmanagement deutlich erschwert. Im zweiten Lockdown fielen die Regelungen etwas einheitlicher aus, dennoch gab es teilweise Abweichungen. F\u00fcr alle Unternehmen mit Standorten in mehreren Bundesl\u00e4ndern war das eine enorme Belastung und ein Zeitkiller. Ich wei\u00df gar nicht, wie viele unterschiedliche Verordnungen ich in den letzten Monaten gelesen habe. Hinzu kam noch eine Vielzahl kurzfristiger \u00c4nderungen. <\/p>\n<p><strong><br \/>\nWurden Laden\u00f6ffnungszeiten ver\u00e4ndert?<\/strong><br \/>\n<strong>Von B\u00f6tticher:<\/strong> \u00dcberall dort, wo wir massive Frequenzeinbr\u00fcche zu verzeichnen hatten, wurden \u00d6ffnungszeiten reduziert und Kurzarbeit eingef\u00fchrt. Das war vor allem in Einkaufszentren und Innenst\u00e4dten der Fall, wo wir teilweise \u00fcber 50 Prozent Frequenz und Umsatz verloren haben. Hier ist zu ber\u00fccksichtigen, dass wir auf Grund der hohen Schlie\u00dfungsrate benachbarter Gesch\u00e4fte \u2013 zum Beispiel bei Anbietern von Textilien, Schuhen, Elektronik und Technik oder Juwelieren, aber auch von Restaurants in beiden Lockdowns massiv betroffen waren. Standorte in Vorkassenzonen von Lebensmittelm\u00e4rkten oder in Fachmarktzentren f\u00fcr den t\u00e4glichen Bedarf waren zum Gl\u00fcck \u00fcberwiegend nicht oder nur in geringem Ausma\u00df betroffen.<\/p>\n<p><strong>Wie stark nutzen Sie das Instrument der Kurzarbeit?<\/strong><br \/>\n<strong>Von B\u00f6tticher: <\/strong>Die Einf\u00fchrung von Kurzarbeit als mehr oder weniger einziges Mittel zur Kostenreduktion, war unumg\u00e4nglich. In unserer Unternehmensgeschichte war es meines Wissens nach das erste und einzige Mal, dass es zu Kurzarbeit gekommen ist. Die Umsetzung, quasi ohne Vorlaufzeit, war eine Herausforderung. Wir sind deshalb froh, dass wir die Kurzarbeit am 1. Juni aufheben konnten und hoffen, dass es nicht zu weiteren Lockdowns kommt und Frequenz und Umsatz sich m\u00f6glichst schnell wieder normalisieren.<\/p>\n<p><strong><br \/>\nGab es Gesch\u00e4ftsschlie\u00dfungen?<\/strong><br \/>\n<strong>Von B\u00f6tticher:<\/strong> Im ersten Lockdown mussten insgesamt sieben Gesch\u00e4fte befristet geschlossen werden. Im zweiten Lockdown waren wir gl\u00fccklicherweise von Schlie\u00dfungen nicht betroffen.<\/p>\n<p><strong>Bei Ihrer Sortimentsbreite spielen Zigaretten, Tabak, Zigarren wie auch Presse und Spirituosen eine bedeutende Rolle. Gab es Sortimentsteile, die besonders an Umsatz verloren haben, oder auch Gewinner, weil sich die Menschen mehr zu Hause aufhielten?<\/strong><br \/>\n<strong>Von B\u00f6tticher: <\/strong>Die Ums\u00e4tze von Tabakprodukten waren ziemlich konstant. Deutlich verloren hat die E-Zigarette. Hier ist die spannende Frage, ob es nach der Krise wieder bergauf geht. Stark zugenommen hat das Volumen an Paketen, das wir in unseren Postagenturen bearbeitet haben. Das ging teilweise an die Belastungsgrenze und dar\u00fcber hinaus.<\/p>\n<p><strong>Das \u201eOnline-Gesch\u00e4ft\u201c profitiert aus den bekannten Gr\u00fcnden von Gesch\u00e4ftsschlie\u00dfungen, aber auch von einer insgesamt positiven Entwicklung durch Verbraucher-Akzeptanz mit sichtbaren Folgen und Sch\u00e4den f\u00fcr die Innenst\u00e4dte. Gibt es in Ihrem Hause aktuell \u00dcberlegungen, sich an dieser Form des Verkaufs zu beteiligen?<\/strong><br \/>\n<strong>Von B\u00f6tticher: <\/strong>Ein professioneller Multi-Channel-Ansatz ist f\u00fcr ein Unternehmen unserer Gr\u00f6\u00dfe und Struktur nicht ganz einfach umzusetzen und bisher gab es keinen Grund zur Eile, da unser station\u00e4res Gesch\u00e4ft weiter gut funktioniert \u2013 mal abgesehen von der Corona-Krise nat\u00fcrlich. Allerdings beobachten wir unser Wettbewerbsumfeld und werden reagieren, wenn n\u00f6tig oder zum gegebenen Zeitpunkt. Vor der Corona-Krise haben wir die Tendenz einer Teilr\u00fcckkehr hin zum station\u00e4ren Einzelhandel beobachtet. Nur online allein schien, obwohl teilweise prophezeit, doch nicht zu funktionieren beziehungsweise von den Kunden nicht gew\u00fcnscht zu sein. Ob sich das nach dem \u00dcberwinden der Corona-Pandemie so fortsetzt, bleibt abzuwarten.<\/p>\n<p><strong><br \/>\nWie sch\u00e4tzen Sie die zuk\u00fcnftige Entwicklung Ihres Familienunternehmens ein und welche Bedeutung haben die Themen Sortimentserweiterung und Standortanalyse? <\/strong><br \/>\n<strong>Von B\u00f6tticher:<\/strong> Erst einmal hoffe ich, dass mit den derzeitigen Lockerungen auch Frequenz und Umsatz m\u00f6glichst schnell zur\u00fcckkommen. Und nat\u00fcrlich, dass es nicht noch zu einem weiteren Lockdown kommt. Wir haben in den letzten Jahren viel Zeit und Energie darauf verwendet, unser Filialportfolio zu optimieren. Dabei haben wir nicht oder wenig rentable Standorte konsequent geschlossen und neue Standorte in vielversprechenden Lagen er\u00f6ffnet. Parallel haben wir in den letzten Jahren das Team unserer Hauptverwaltung verst\u00e4rkt, Prozesse optimiert und digitalisiert sowie Systeme modernisiert.<\/p>\n<p><strong>Wie ist Ihre mittelfristige Strategie?<\/strong><br \/>\n<strong>Von B\u00f6tticher: <\/strong>In den n\u00e4chsten Jahren werden wir eine organische Wachstumsstrategie verfolgen. Aus meiner Sicht sind wir inzwischen so aufgestellt, dass wir auch mehr als 76 Filialen betreiben k\u00f6nnten. Wir hoffen, bald in eine Wachstumsphase zu kommen. Nat\u00fcrlich mit Augenma\u00df, wie es sich f\u00fcr ein hanseatisches Familienunternehmen geh\u00f6rt. \u00dcbrigens ist dabei der Zukauf von Standorten nicht ausgeschlossen und in den letzten Jahren mehrfach erfolgt. Entsprechende Angebote, die uns erreichen, h\u00e4ufig von Betreibern, die keinen Nachfolger haben oder finden, pr\u00fcfen wir gerne und genau. Sofern Standorte zu uns passen, k\u00f6nnen wir eine schnelle und professionelle Abwicklung garantieren.<\/p>\n<p><strong><br \/>\nGeben Sie uns einen Ausblick auf die Zukunftserwartungen f\u00fcr Ihr Unternehmen. <\/strong><br \/>\n<strong>Von B\u00f6tticher:<\/strong> Ich glaube, nach der Krise m\u00fcssen alle erst einmal kr\u00e4ftig durchatmen und ein bisschen Urlaub nehmen. Danach freue ich mich dann aber auch wieder, alle anstehenden Aufgaben und Herausforderungen mit Energie, Elan und Begeisterung angehen zu k\u00f6nnen.<\/p>\n<p><strong>Vor welchen Herausforderungen steht der Tabakwaren-Fachhandel?<\/strong><br \/>\n<strong>Von B\u00f6tticher:<\/strong> Ein Thema, das aus meiner Sicht auf uns alle in der Branche zukommen wird, ist ein immenser Kostendruck, der vor allem durch den rasant steigenden Mindestlohn zustande kommt. Aufgrund der Preisbindung bei Tabakwaren k\u00f6nnen wir steigende Kosten nicht an den Konsumenten weitergeben, wie zum Beispiel die Gastronomie oder Friseure es tun werden. Hier ist vor allem die Zigarettenindustrie in der Pflicht, den Wirtschaftsnutzen f\u00fcr den Einzelhandel so zu gestalten, dass die Kostensteigerungen auch erwirtschaftet werden k\u00f6nnen. Ich sehe hier eine Verpflichtung der Industrie gegen\u00fcber dem Einzelhandel. Ohne ausk\u00f6mmliche Margen wird es nicht gehen.<\/p>\n<p><strong>Herr von B\u00f6tticher, wir danken Ihnen f\u00fcr das Gespr\u00e4ch.<br \/>\n<\/strong><\/p>\n<p><i>kdp<\/i><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>BREMEN \/\/ Die Firma M. Niemeyer begann ihre Geschichte 1864 in Bremen. Seit dem Jahr 1888 befindet sich das Unternehmen in Familienhand und wird seit Oktober 2018 von Johannes von B\u00f6tticher (37) gef\u00fchrt, der die Familientradition in f\u00fcnfter Generation als gesch\u00e4ftsf\u00fchrender Gesellschafter fortsetzt. DTZ befragte Johannes von B\u00f6tticher nach den Folgen der Corona-Krise f\u00fcr seine [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1],"tags":[58604,54616,52711,52868,58613,58626,58612,52767],"class_list":["post-51798","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-uncategorized","tag-auswirkungen","tag-corona","tag-einzelhandel","tag-krise","tag-kurzarbeit","tag-lockdown","tag-pandemie","tag-tabakwaren"],"acf":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/tax.konradin-online.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/51798","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/tax.konradin-online.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/tax.konradin-online.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/tax.konradin-online.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/tax.konradin-online.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=51798"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/tax.konradin-online.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/51798\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/tax.konradin-online.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=51798"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/tax.konradin-online.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=51798"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/tax.konradin-online.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=51798"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}