{"id":51618,"date":"2021-03-30T22:00:00","date_gmt":"2021-03-30T22:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/tax.konradin-online.de\/?p=51618"},"modified":"2021-03-30T22:00:00","modified_gmt":"2021-03-30T22:00:00","slug":"kein-ende-in-sicht","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/tax.konradin-online.de\/?p=51618","title":{"rendered":"Kein Ende in Sicht"},"content":{"rendered":"<p><strong>BERLIN \/\/<\/strong> \u201eBund und L\u00e4nder agieren nur noch im Tunnelmodus. Die alleinige Fixierung auf die Corona-Inzidenzwerte wird der komplexen Lage nicht gerecht. Die Ma\u00dfnahmen m\u00fcssen sich an den wissenschaftlichen Fakten orientieren und die zeigen, dass die Infektionsgefahr beim Einkaufen niedrig ist.\u201c Mit dieser Kritik reagiert Stefan Genth, Hauptgesch\u00e4ftsf\u00fchrer des Handelsverbands Deutschland (HDE), auf die von Bundes- und L\u00e4nderregierungen beschlossene erneute Verl\u00e4ngerung des Lockdowns bis zum 18. April.<\/p>\n<p>Der Unmut \u00fcber die Corona-Politik der Kanzlerin und der Ministerpr\u00e4sidenten w\u00e4chst sp\u00fcrbar. Vielen B\u00fcrgern und Unternehmern ist kaum noch zu vermitteln, warum ihre Grundrechte nach \u00fcber einem Jahr Corona-Pandemie nach wie vor eingeschr\u00e4nkt werden, warum ihre Betriebe \u00fcber Monate hinweg von Zwangsschlie\u00dfungen betroffen sind, w\u00e4hrend die Politik ihre Hausaufgaben nicht oder nur unzureichend l\u00f6st. <\/p>\n<p>Unterdessen hinterl\u00e4sst der seit \u00fcber 100 Tagen andauernde Lockdown tiefe Spuren in den Gesch\u00e4ften, die nicht mit Lebensmitteln handeln. Aus der neuesten HDE-Umfrage unter knapp 1000 H\u00e4ndlern geht hervor, dass 54 Prozent der Bekleidungsgesch\u00e4fte und 58 Prozent der L\u00e4den mit Schuhen und Lederwaren die Insolvenz droht.<\/p>\n<p><strong>\u201eK\u00fcnstlich am Leben gehaltene Unternehmen\u201c<\/strong><br \/>\nIn einer Studie kommen das Leibniz-Zentrum f\u00fcr Europ\u00e4ische Wirtschaftsforschung (ZEW) und der Verband der Vereine Creditreform zu dem Schluss, dass in der zweiten Jahresh\u00e4lfte jenen Firmen eine Pleite droht, die aktuell durch staatliche Corona-Hilfen \u201ek\u00fcnstlich am Leben gehalten\u201c werden. Auf diese Weise habe sich ein R\u00fcckstau bei den Insolvenzen in H\u00f6he von etwa 25.000 \u00fcberwiegend kleinen Betrieben gebildet, so die Autoren der Studie.<\/p>\n<p>Die Experten haben die Bonit\u00e4tsdaten von etwa 1,5 Millionen Firmen ausgewertet und daraus abgeleitet, dass besonders kleine, finanziell schwache Betriebe, die unter normalen wirtschaftlichen Umst\u00e4nden sehr wahrscheinlich insolvent gegangen w\u00e4ren, ohne Perspektive auf eine erfolgreiche Sanierung durch staatliche Hilfen am Leben gehalten wurden &#8211; \u2013 so genannte \u201eZombie-Unternehmen\u201c.<\/p>\n<p><strong>Enorme Umsatzverluste<\/strong><br \/>\nDer HDE hat au\u00dferdem von den H\u00e4ndlern erfahren, dass die Umsatzverluste in der vergangenen Woche im Vergleich zu 2019 weiter enorm sind. Die geschlossenen Gesch\u00e4fte in den Innenst\u00e4dten machten 63 Prozent weniger Umsatz als vor zwei Jahren. Die L\u00e4den, bei denen ein Einkauf mit Terminvereinbarung m\u00f6glich war, verzeichneten ein Minus von knapp einem Drittel. Mit knapp einem F\u00fcnftel im Minus landeten die Gesch\u00e4fte, die mit Begrenzung der Kundenzahl ge\u00f6ffnet hatten.<\/p>\n<p>\u201eMit den Firmen wanken ganze Innenst\u00e4dte&quot;, warnt Stefan Genth. Beim HDE geht man von Umsatzverlusten durch den Lockdown seit dem 16. Dezember von bis zu 40 Milliarden Euro aus. Und mit jedem geschlossenen Verkaufstag des aktuell bis 18. April verl\u00e4ngerten Lockdowns k\u00e4men weitere 700 Millionen Euro Verlust hinzu. In Berlin sch\u00e4tzt man, dass durch die 100 Tage Lockdown bis zu 120.000 L\u00e4den in Existenznot geraten k\u00f6nnten.<\/p>\n<p><strong><br \/>\nEinzelhandel braucht \u00d6ffnungsperspektive<\/strong><br \/>\nGenth verweist auf eine aktuelle, vom Robert-Koch-Institut best\u00e4tigte Studie der TU Berlin, aus der hervorgeht, dass die Wahrscheinlichkeit f\u00fcr Ansteckungen im Einzelhandel eher niedrig sei. \u201eDie Branche darf nicht weiter aus symbolischen Gr\u00fcnden die Hauptlast bei der Bek\u00e4mpfung der Pandemie tragen.\u201c Die H\u00e4ndler brauchten eine zeitnahe und realistische \u00d6ffnungsperspektive.<\/p>\n<p>Immerhin waren der Gr\u00fcndonnerstag und der Karsamstag als Ruhetage schnell wieder vom Tisch, was der HDE als ein Signal der Vernunft bewertete. Die kurzfristig vorgesehene Schlie\u00dfung des Lebensmittelhandels am Gr\u00fcndonnerstag h\u00e4tte letztlich zu erh\u00f6htem Kundenandrang an den Tagen davor und danach gef\u00fchrt. Und in Pandemiezeiten gehe es schlie\u00dflich darum, die Kundenzahl zu entzerren. F\u00fcr die Lebensmittellogistik h\u00e4tten mit der kurzfristigen Anordnung der Osterruhe ebenfalls erstzunehmende Probleme gedroht. Mit der R\u00fccknahme dieses Beschlusses kehre ein St\u00fcck Vernunft in die Corona-Politik zur\u00fcck. <i>vi<\/i><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>BERLIN \/\/ \u201eBund und L\u00e4nder agieren nur noch im Tunnelmodus. Die alleinige Fixierung auf die Corona-Inzidenzwerte wird der komplexen Lage nicht gerecht. 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