{"id":51522,"date":"2021-02-24T23:00:00","date_gmt":"2021-02-24T23:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/tax.konradin-online.de\/?p=51522"},"modified":"2021-02-24T23:00:00","modified_gmt":"2021-02-24T23:00:00","slug":"liebe-leserinnen-liebe-leser-85","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/tax.konradin-online.de\/?p=51522","title":{"rendered":"Liebe Leserinnen, liebe Leser,"},"content":{"rendered":"<p>Vor einigen hundert Jahren war die herrschende Mehrheitsmeinung, die Erde sei eine Scheibe. Nun: Dank einiger heller K\u00f6pfe wissen wir l\u00e4ngst, dass wir auf einer Kugel leben. Es lie\u00dfen sich zahlreiche Beispiele daf\u00fcr auff\u00fchren, dass es manchmal durchaus radikalen Denkens bedarf, um Wissen zu erweitern, Fortschritt zu kreieren. Umso erstaunlicher ist es, dass jede Minderheitenmeinung in Sachen Corona heute mit Verweis auf die Mehrheit der Wissenschaftler, die das anders sieht, abgeb\u00fcgelt wird. Fast k\u00f6nnte man den Eindruck bekommen, es gehe gar nicht darum, mehr \u00fcber das Virus zu erfahren. Aber was derzeit in Berlin vor sich geht, k\u00f6nnen wir schlichteren Gem\u00fcter in der Diaspora ohnehin nicht nachvollziehen.<\/p>\n<p><strong>Vom Virus profitieren<\/strong><br \/>\nSpannend finde ich, dass immer h\u00e4ufiger F\u00e4lle ans Licht kommen, in denen Marktteilnehmer (im weitesten Sinne) vom Virus profitieren wollen. So soll der Bundespolitiker Georg N\u00fc\u00dflein (CSU) sich eine sechsstellige Provision im Zusammenhang mit dem Beschaffen von FFP2-Masken gesichert haben. Und dass Pfizer beinhart verhandelt, wenn es um den heilsbringenden Impfstoff geht, war zu erwarten. Dass der Konzern so harte Bandagen anlegt, dass zwei lateinamerikanische Staaten die Verhandlungen abgebrochen haben, weil sie sich erpresst f\u00fchlten, ist vielleicht nicht ganz so einsehbar. Die Argumentation: Wenn ihr den Impfstoff nicht kauft, lasst ihr viele Menschen in eurem Land sterben. Dass Pfizer mittelbar das Gleiche tut, geht dabei unter. In Europa jedenfalls steht der US-Pharmariese nicht vor solchen Problemen. Hier ist er mit stolzen 54,08 Euro pro Dosis in die Verhandlungen eingetreten und hat sich letztlich mit gut 15 Euro zufrieden gegeben \u2013 immer noch mit sattem Gewinn. Au\u00dferdem hat Pfizer F\u00fcrsprecher wie den SPD-Politiker Karl Lauterbach (der ja schon mal die gro\u00dffl\u00e4chige Schlie\u00dfung von Krankenh\u00e4usern fordert, sollten sie nicht wirtschaftlich arbeiten): \u201eDer BionTech-Impfstoff rettet so viele Menschenleben. Die Kritik an angeblich zu hohen Preisen ist besch\u00e4mend.\u201c Alles klar!<\/p>\n<p><strong>Geringe Motivation<\/strong><br \/>\nAch ja, ein spannendes Zitat habe ich noch gefunden. Es geht um den immer wiederkehrenden Aufruf zur Schutzimpfung, insbesondere bei den \u00fcber 60-J\u00e4hrigen, bei Bewohnern von Alters- oder Pflegeheimen und Menschen mit chronischen Krankheiten. Der Beitrag, erschienen in \u201eDer Tagesspiegel\u201c, endet: \u201eDie saisonale Grippeimpfung, die jedes Jahr wiederholt werden muss, ist ein Milliardengesch\u00e4ft. Dass die Pharmaindustrie eine geringe Motivation hat, bessere Impfstoffe zu entwickeln (die wom\u00f6glich ein Leben lang halten), liegt auf der Hand.\u201c Ich erspare Ihnen an dieser Stelle jeden Hinweis auf die Verlaufskurven, auf Variation des Virus, auf das erstaunliche Verschwinden der Influenza\u2026 Ach ja, das Zitat \u2013 es stammt aus dem Jahr 2012 und ist vom Hallenser Virologen Alexander Kekul\u00e9, der damals einen unverstellten Blick auf \u00f6konomische Zusammenh\u00e4nge bewies.<\/p>\n<p><strong>Kein Mangel<\/strong><br \/>\nPfizer geht es also nicht schlecht, Deutschland schon. Wir h\u00e4tten gut gewirtschaftet, betont der Vizekanzler unerm\u00fcdlich, und k\u00f6nnten einen Lockdown lange durchhalten. Was er auch sagt: Deutschland wird mittelfristig aus der durch Corona starkgestiegenen Verschuldung herauswachsen. \u201eVielleicht schon Ende der 20er-Jahre werden wir wieder alle Kriterien des Maastricht-Vertrags erf\u00fcllen\u201c, so der SPD-Politiker. Bisher beliefen sich die Unterst\u00fctzungsleistungen auf insgesamt fast 190 Milliarden Euro. An Geld herrscht also kein Mangel. Kein Wunder, dass die Begehrlichkeiten der Industrie mit Blick auf ein zweites Konjunkturprogramm wachsen. W\u00e4hrend Beamte im Bundeswirtschaftsministerium staunen, was die Gro\u00dfen der Branchen angeblich nicht mehr selbst leisten k\u00f6nnen, bangen Einzelh\u00e4ndler und Dienstleister um die ersehnten M\u00e4rz-\u00d6ffnungen. Selten, dass ein namhafter Politiker die Probleme so auf den Punkt bringt, wie zuletzt Hessens Ministerpr\u00e4sident Volker Bouffier, der wetterte: \u201eWir vernichten zurzeit Existenzen. Und ganz nebenbei auch die Staatsfinanzen.\u201c \u00dcbrigens: Am 14. M\u00e4rz finden in Hessen Kommunalwahlen statt. Da wird es Zeit, sich zu positionieren.<\/p>\n<p><strong>Shoppen nach Anmeldung<\/strong><br \/>\nGew\u00e4hlt wird am 14. M\u00e4rz auch in Rheinland-Pfalz, dort der Landtag. Und weil Regierungschefin Malu Dreyer nicht ganz so draufg\u00e4ngerisch ist, aber trotzdem Stimmen braucht, haut sie ganz sacht auf den Tisch. Die Folge: \u201eTermin-Shopping\u201c ab 1. M\u00e4rz. Das betrifft erst einmal nur Bekleidungsgesch\u00e4fte, soll aber f\u00fcr die strapazierte Bev\u00f6lkerung wie eine neue \u00d6ffnungswelle wirken. Nach Anmeldung d\u00fcrfen die Mitglieder eines Hausstandes mit Masken und nach Erfassung der Daten einen Laden betreten und nach Herzenslust st\u00f6bern. Anschlie\u00dfend m\u00fcssen die Mitarbeiter des Gesch\u00e4ftes (vermutlich wird es nur einer sein, denn es lohnt sich ja sonst erst recht nicht) \u201eHygienema\u00dfnahmen durchf\u00fchren und l\u00fcften\u201c. Warum das Konzept in anderen Branchen, zum Beispiel im M\u00f6belhandel, nicht greifen soll, erschlie\u00dft sich dabei nicht.<\/p>\n<p><strong>Gro\u00dffl\u00e4chige Schul\u00f6ffnungen<\/strong><br \/>\nBegr\u00fcndet wird alle Vorsicht mit Mutanten und steigenden Inzidenzen. Dass die Zahl der \u201eGenesenden\u201c, also insbesondere all jener, deren positiver PCR-Test nach einer Quarant\u00e4ne-Frist vermutlich wieder negativ ausf\u00e4llt, unaufh\u00f6rlich steigt, wird dabei ebenso wenig berichtet, wie die Tatsache, dass mit den gro\u00dffl\u00e4chigen Schul\u00f6ffnungen wieder deutlich mehr getestet wird \u2013 was unweigerlich steigende Positiv-Zahlen zur Folge hat. An der Positiven-Quote \u00fcbrigens, also dem Verh\u00e4ltnis von positiven Testergebnissen zur Zahl der Tests insgesamt, l\u00e4sst sich das erkennen.<\/p>\n<p><strong>Die \u00fcblichen Muster<\/strong><br \/>\nAbschlie\u00dfend m\u00f6chte ich Ihnen noch eine Erkenntnis der Weltgesundheitsorganisation weiterreichen, wobei ich darauf hinweisen m\u00f6chte, dass die WHO zumindest f\u00fcr die deutsche Politik keine Rolle mehr zu spielen scheint. Was aus New York kommuniziert wird, kommt in Berlin nicht an. Jedenfalls hat der Belgier Hans Henri Kluge, WHO-Regionaldirektor f\u00fcr Europa, verk\u00fcndet, er sehe das nahe Ende der Pandemie. Auch Corona folge den \u00fcblichen Mustern, eine dritte Welle falle schwach aus und breche dann ziemlich rasant in sich zusammen. Mutanten seien \u00fcblicherweise f\u00fcr ein Virus der Anfang vom Ende. Andere Experten wie der Epidemiologe Klaus St\u00f6hr, der unter anderem das Influenza-Programm der WHO geleitet hat, weisen bereits seit Wochen auf diese Verlaufsmuster hin.<\/p>\n<p>Und mit diesen tr\u00f6stlichen Gedanken w\u00fcnsche ich Ihnen ein wunderbares und hoffentlich sonniges Wochenende. Gehen Sie an die Luft \u2013 ohne Maske! Und atmen Sie durch!<\/p>\n<p><i>Herzlich, <\/i><br \/>\n<i>Marc Reisner, <\/i><br \/>\n<i>Chefredakteur<\/i><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Vor einigen hundert Jahren war die herrschende Mehrheitsmeinung, die Erde sei eine Scheibe. Nun: Dank einiger heller K\u00f6pfe wissen wir l\u00e4ngst, dass wir auf einer Kugel leben. Es lie\u00dfen sich zahlreiche Beispiele daf\u00fcr auff\u00fchren, dass es manchmal durchaus radikalen Denkens bedarf, um Wissen zu erweitern, Fortschritt zu kreieren. 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