{"id":51029,"date":"2020-12-02T23:00:00","date_gmt":"2020-12-02T23:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/tax.konradin-online.de\/?p=51029"},"modified":"2020-12-02T23:00:00","modified_gmt":"2020-12-02T23:00:00","slug":"drogenbericht-einfach-peinlich","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/tax.konradin-online.de\/?p=51029","title":{"rendered":"\u201eDrogenbericht einfach peinlich\u201c"},"content":{"rendered":"<p><strong>BERLIN \/\/<\/strong> Die Drogenbeauftragte der Bundesregierung, Daniela Ludwig (CSU), hat jetzt den aktuellen Drogen- und Suchtbericht vorgestellt. W\u00e4hrend die Politikerin sich zufrieden gibt, hagelt es von anderen Seiten Kritik.<\/p>\n<p><strong><br \/>\nWerbefenster schlie\u00dfen<\/strong><br \/>\n\u201eSie wissen, wie schwer sich gerade die Unionsparteien mit dem Tabakwerbeverbot getan haben.\u201c Das best\u00e4tigte die Drogenbeauftragte der Bundesregierung Daniela Ludwig (CSU) beim Vorstellen des aktuellen \u201eDrogen- und Suchtberichtes\u201c. Aber: Die Politikerin zeigte sich mit dem Erreichten durchaus zufrieden. Bereits in wenigen Wochen werde es in Filmen, zu denen Jugendliche Zugang haben, keine Kinowerbung f\u00fcr Tabakprodukte und E-Zigaretten mehr geben. Jede kostenlose Abgabe solcher Produkte bei Veranstaltungen sei nicht mehr m\u00f6glich und man werde diese Produkte nicht mehr verlosen oder als Preis aussetzen k\u00f6nnen. Auch im Internet w\u00fcrden sich die letzten Werbefenster schlie\u00dfen.<\/p>\n<p><strong>Neue Regeln<\/strong><br \/>\nDennoch bezeichnete Ludwig die neuen Regeln als Kompromiss. Sie bezog sich dabei auf die Fristen f\u00fcr die Au\u00dfenwerbung f\u00fcr Zigaretten (Verbot ab 2022), Tabakerhitzer (Verbot ab 2023) und E-Zigaretten (Verbot ab 2024). Dies seien, wie Ludwig poetisch formulierte, \u201eWehmutstropfen\u201c. <\/p>\n<p><strong>Der Kompromiss<\/strong><br \/>\nDer Kompromiss sei schon deshalb positiv, so die Drogenbeauftragte weiter, weil bereits ab 1. Januar 2021 eine umfassende Regulierung f\u00fcr die Inhaltsstoffe auch bei nikotinfreien Liquids g\u00e4lten. Die entsprechenden Vorgaben w\u00fcrden damit denen bei nikotinhaltigen Liquids angeglichen. Nicht ganz logisch war nach Ansicht von Beobachtern die abschlie\u00dfende Aussage Ludwigs, damit sei \u201eSchluss mit Shake-and-Vape-Produkten, mit denen der Gesundheitsschutz bei E-Zigaretten zuletzt gro\u00dffl\u00e4chig umgangen wurde\u201c.<\/p>\n<p>So zufrieden Ludwig sich auch gab \u2013 von vielen Seiten kam Kritik an den Kernaussagen des Berichts. Der Verband des E-Zigarettenhandels (VdeH) etwa teilte in einer Stellungnahme mit, es sei allgemein bekannt, dass das Rauchen von Tabakzigaretten ein folgenschweres und vermeidbares Gesundheitsrisiko darstelle. Umso wichtiger sei es, den Rauchern in Deutschland eine wirksame Alternative zur Verf\u00fcgung zu stellen.<\/p>\n<p><strong>Potenzial der E-Zigarette<\/strong><br \/>\nDoch statt das Potenzial der E-Zigarette beim Rauchausstieg und damit einer potenziellen Verringerung des individuellen Risikos zu nutzen, ignoriere der Bericht s\u00e4mtliche wissenschaftliche Studien, die eine geringere Sch\u00e4dlichkeit der E-Zigarette gegen\u00fcber Tabakprodukten eindeutig belegen.<\/p>\n<p>Die E-Zigarette werde nicht als wesentlich weniger sch\u00e4dliche Alternative und als Instrument der Tobacco Harm Reduction verstanden. Vielmehr versuche man, diese auf eine Stufe mit der Tabakzigarette zu stellen. Michal Dobrajc, Vorsitzender des VdeH: \u201eF\u00fcr die Drogenbeauftragte der Bundesregierung ist es ein Armutszeugnis, dass wissenschaft&#8231;liche Fakten, wie die geringere Sch\u00e4dlichkeit von E-Zigaretten im Vergleich zu Tabakzigaretten weiter ignoriert werden. W\u00e4hrend in anderen Bereichen die Substitution als wichtiges Mittel zur Harm Reduction anerkannt wird, wird die Rolle der E-Zigarette als weniger sch\u00e4dliche Alternative zur Tabakzigarette konsequent ignoriert.\u201c<\/p>\n<p><strong><br \/>\nBVTE fordert Paradigmenwechsel<\/strong><br \/>\nJan M\u00fccke, Hauptgesch\u00e4ftsf\u00fchrer des Bundesverbands der Tabakwirtschaft und neuartiger Erzeugnisse (BVTE), forderte einen Paradigmenwechsel in der Politik: \u201eAnstatt vollst\u00e4ndige Tabakabstinenz durch immer neue, schikan\u00f6se Vorschriften erzwingen zu wollen, muss dem m\u00fcndigen Verbraucher durch ein vielf\u00e4ltiges Produktangebot die M\u00f6glichkeit zu einem weniger sch\u00e4dlichen Nikotinkonsum er\u00f6ffnet werden.\u201c<\/p>\n<p>Der neue Drogen- und Suchtbericht best\u00e4tige, dass der Jugendschutz im Tabakbereich funktioniere. Gem\u00e4\u00df aktuellen Zahlen der Bundeszentrale f\u00fcr gesundheitliche Aufkl\u00e4rung ist der Anteil rauchender Minderj\u00e4hriger im vergangenen Jahr mit nur noch 5,6 Prozent erneut gesunken (2001 rauchten 27,5 Prozent der Kinder und Jugendlichen). Diese Tendenz setzt sich analog bei jungen Erwachsenen bis 25 Jahren fort.<\/p>\n<p><strong><br \/>\nNeue Bevormundungen<\/strong><br \/>\nDer Ansatz, Raucher durch immer neue Bevormundungen und Verbote zu einem vollst\u00e4ndigen Konsumverzicht dr\u00e4ngen zu wollen, sei dagegen offensichtlich gescheitert: \u201eTabakpolitik funktioniert nicht nach dem Dosis-Wirkungs-Prinzip. Unn\u00fctze Ma\u00dfnahmen zu versch\u00e4rfen oder zu erweitern, kann nicht zu anderen Ergebnissen f\u00fchren. Es ist Zeit f\u00fcr eine vollkommen neue nationale Tabak- und Nikotinstrategie, die am etablierten Ansatz der Schadensminimierung ausgerichtet ist\u201c, stellte M\u00fccke fest.<\/p>\n<p><strong><br \/>\nAlternativen anbieten<\/strong><br \/>\nDie Politik sollte erwachsene Raucher, die ihre gesundheitlichen Risiken ohne eine komplette Abstinenz reduzieren wollen, durch die konsequente Unterst\u00fctzung von Alternativen f\u00fcr einen weniger sch\u00e4dlichen Nikotinkonsum neue Wahlm\u00f6glichkeiten er\u00f6ffnen: \u201eMit E-Zigaretten, Tabakerhitzern und tabakfreien Nikotinbeuteln bietet die Industrie bereits heute ein vielf\u00e4ltiges Angebot potenziell risikoreduzierter Produkte an und investiert in diesem Segment weiter intensiv in Forschung und Entwicklung.\u201c<\/p>\n<p><strong>Facetten der Suchtproblematik<\/strong><br \/>\nDas beurteilte Heino St\u00f6ver, Leiter des Instituts f\u00fcr Suchtforschung und Professor an der Frankfurt University of Applied Sciences, \u00e4hnlich: \u201eDas Problem der aktuellen Drogenpolitik besteht darin, dass viele Facetten der Suchtproblematik im Jahresbericht systematisch ausgeklammert werden.\u201c So w\u00fcrde Ludwig zu Recht f\u00fcr eine \u201eviel gr\u00f6\u00dfere Rolle\u201c des Prinzips der Schadensminderung eintreten, insbesondere im Hinblick auf die Substitution. Allerdings halte sie beispielsweise beim Thema Rauchen die Substitution durch E-Zigaretten weiter nicht f\u00fcr einen entscheidenden Punkt, der hierbei ber\u00fccksichtigt werden sollte und verkenne damit die wissenschaftliche Faktenlage.<\/p>\n<p><strong>Armutszeugnis f\u00fcr die Bundesregierung<\/strong><br \/>\n\u201eDieser Drogen- und Suchtbericht ist einfach nur peinlich\u201c, wetterte dagegen Wieland Schinnenburg, Sprecher f\u00fcr Drogen- und Suchtpolitik der Fraktion der FDP, in der \u201eBerliner Zeitung\u201c. Er sei ein Armutszeugnis f\u00fcr die Bundesregierung. So liefere der Bericht im Vergleich zu Vorjahren kaum belastbare Daten. Eigene Konzepte der Regierung, Themen wie Medikamentenmissbrauch oder die Wirksamkeit der pr\u00e4sentierten Ma\u00dfnahmen w\u00fcrden fast vollst\u00e4ndig ausgeblendet. Stattdessen, so schimpfte Schinnenburg: \u201eDer Bericht enth\u00e4lt 30 Fotos der Drogenbeauftragten. Er dient offenbar in erster Linie der Selbstdarstellung von Frau Ludwig.\u201c<\/p>\n<p><i><br \/>\nmax<\/i><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>BERLIN \/\/ Die Drogenbeauftragte der Bundesregierung, Daniela Ludwig (CSU), hat jetzt den aktuellen Drogen- und Suchtbericht vorgestellt. W\u00e4hrend die Politikerin sich zufrieden gibt, hagelt es von anderen Seiten Kritik. 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