{"id":50409,"date":"2020-07-11T22:00:00","date_gmt":"2020-07-11T22:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/tax.konradin-online.de\/?p=50409"},"modified":"2020-07-11T22:00:00","modified_gmt":"2020-07-11T22:00:00","slug":"reger-dialog-mit-partnern","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/tax.konradin-online.de\/?p=50409","title":{"rendered":"Reger Dialog mit Partnern"},"content":{"rendered":"<p><strong>HAMBURG <\/strong>\/\/ Der Arbeitgeberverband der Cigarettenindustrie (AdC) besteht seit 70 Jahren. Die m\u00e4chtige Interessenvertretung tr\u00e4gt auch eine hohe Verantwortung gegen\u00fcber den Arbeitnehmern. Das zeigt der Blick in die Geschichte.<\/p>\n<p>Am 19. Juli 1950 trafen sich in Frankfurt am Main Vertreter von 17 Tabakfirmen zur Gr\u00fcndungsversammlung des Arbeitgeberverbandes der Cigarettenindustrie. Heute b\u00fcndelt der Verband die Arbeitgeberinteressen der vier gro\u00dfen auf dem deutschen Markt t\u00e4tigen Zigarettenfirmen British American Tobacco (Germany), JT International Germany, Philip Morris und Reemtsma Cigarettenfabriken. Der Verband vertritt die Industrie in der Bundesvereinigung der deutschen Arbeitgeberverb\u00e4nde und gegen\u00fcber der Gewerkschaft Nahrung Genuss Gastst\u00e4tten (NGG), insbesondere bei Tarifverhandlungen.<\/p>\n<p><strong>Gr\u00fcndung 1950<\/strong><br \/>\nAls sich die Gr\u00fcndungsmitglieder, unter anderem die Firmen Kosmos, Muratti, Gerdami, Haus Neuerburg, Reemtsma, Kyriazi Fr\u00e8res, Patras, Liberty, Garbaty und Austria in Frankfurt im \u201eHaus der Kochkunst\u201c trafen, waren turbulente Jahre seit dem Ende des Krieges vorausgegangen. Man hatte das Fehlen eines Zusammenschlusses der Arbeitgeber als strategischen Nachteil erkannt. Im Protokoll der Gr\u00fcndungsversammlung hei\u00dft es, den \u201eLuxus, f\u00fcr ihre Arbeitgeberinteressen keine Vertretung zu haben, k\u00f6nne sich unsere Industrie einfach nicht leisten. Die Gewerkschaften h\u00e4tten diese Schw\u00e4che seit Jahren erkannt, und es nicht nur als ein gutes Recht, sondern als ihre Pflicht betrachtet, diese schwache Stellung auszunutzen\u201c. Von den \u201e\u00fcbersteigerten L\u00f6hnen in der Hamburger Industrie in den Jahren 1949 und 1950\u201d ist die Rede, und es wird das Fazit gezogen, der einzelne Arbeitgeber sei selbstverst\u00e4ndlich immer schwach gegen\u00fcber einer Gewerkschaft\u201c.<\/p>\n<p><strong>K\u00e4mpferischer Auftakt<\/strong><br \/>\nNach diesem eher k\u00e4mpferisch gepr\u00e4gten Start des Verbandes entwickelte sich in der Folgezeit ein zwar nicht spannungsfreies, aber durchaus gutes Verh\u00e4ltnis zur Gewerkschaft, das sich f\u00fcr beide Seiten als vorteilhaft herausstellte.<br \/>\nStatt f\u00fcr Arbeitsk\u00e4mpfe entschied man sich f\u00fcr Diskussionen. Es wurde gestritten, aber der Wille zum Ausgleich und zur Verst\u00e4ndigung mit der jeweils anderen Seite war da.<\/p>\n<p>Da spielte es sicher eine Rolle, dass die Mittel f\u00fcr den Ausgleich in der Industrie vorhanden waren. Gleichzeitig waren auch der Respekt vor der Leistung der Arbeitnehmer und das Verst\u00e4ndnis vorhanden, dass diese eine faire Gegenleistung verdienten. Nicht zuletzt bestimmte der kommerzielle Hintergrund die Situation: In einer Zeit wachsenden Konsums und des Kampfes um Marktanteile musste die Verf\u00fcgbarkeit der Ware im Vordergrund stehen. Niemand wollte sich eine Bl\u00f6\u00dfe durch \u201eout of stocks\u201c (deutsch: nicht vorr\u00e4tig) geben.<\/p>\n<p>Diese Umst\u00e4nde waren die Grundlage f\u00fcr eine Entwicklung, die die Zigarettenindustrie zu einem sozialpolitischen Vorreiter machte. <\/p>\n<p><strong>Erfolg der Gewerkschaft<\/strong><br \/>\nIm Jahr 1959 wurde in der Zigarettenindustrie als erster Branche die 40-Stunden-Woche eingef\u00fchrt. Die Metallindustrie folgte erst 1967, und auch Ende der 1960er-Jahre arbeiteten die meisten Arbeitnehmer in Deutschland 41 Wochenstunden und mehr.<\/p>\n<p>Die 40-Stunden-Woche war nicht der erste und blieb nicht der letzte Erfolg der Gewerkschaft. Schon 1952, also lange bevor das Betriebsverfassungsgesetz in Kraft trat, hatten die Arbeitgeber dem Betriebsrat ein Mitbestimmungsrecht bei Einstellung und Entlassung zugestanden. Die \u201eSuderm\u00fchlen\u201c-Regelung von 1978, ausgehandelt zwischen dem damaligen Verbandsvorsitzenden, dem Reemtsma-Personalvorstand Ernst Zander, und der NGG, sorgte als erste Vorruhestandsvereinbarung in der Industrie f\u00fcr riesigen Wirbel im Land und wurde Vorbild f\u00fcr den sp\u00e4teren gesetzlichen Vorruhestand. Als erste Branche f\u00fchrte die Zigarettenindustrie einen gemeinsamen Tarifvertrag f\u00fcr Arbeiter und Angestellte ein, als erste Branche zahlte sie 14 Monatsentgelte im Jahr. Die Aufz\u00e4hlung lie\u00dfe sich fortsetzen.<\/p>\n<p><strong>Umfangreiche Restrukturierungen<\/strong><br \/>\nAber auch in die andere Richtung setzte man erfolgreich auf Konsens. In der Zeit gro\u00dfen internationalen Wettbewerbsdrucks der 1990er-Jahre willigte die Gewerkschaft in eine Erh\u00f6hung der Wochenarbeitszeit auf 37,5 Stunden ein \u2013 auch das ohne Vorbild in anderen Branchen. 2005 setzte man umfangreiche \u00c4nderungen im Manteltarifvertrag um, um den Wettbewerbsbedingungen Rechnung zu tragen. An vielen schwierigen Strukturver\u00e4nderungen und dem immer wieder notwendigen Personalabbau wirkten die Arbeitnehmervertreter konstruktiv mit, immer unter sehr wirksamer Wahrung der Interessen der betroffenen Mitarbeiter. Auch die Sozialpl\u00e4ne in der Zigarettenindustrie setzten Ma\u00dfst\u00e4be.<br \/>\nBis heute sind die Industriebeziehungen in den Betrieben und auf Branchenebene vom Gedanken der Partnerschaft gepr\u00e4gt. Es gibt wohl kaum eine Branche in Deutschland, die von sich sagen kann, sie habe in 70 Jahren keinen einzigen Arbeitstag durch Arbeitsk\u00e4mpfe verloren. Genau das gilt aber f\u00fcr die Zigarettenindustrie. Betriebsr\u00e4te werden in gemeinsam von AdC und NGG veranstalteten Seminaren ausgebildet, und zwischen den Tarifverhandlungen wird ein reger Dialog gepflegt. Auch in den Betrieben und Unternehmen werden Konflikte ausschlie\u00dflich intern beigelegt, die Anrufung der Einigungsstelle ist nicht \u00fcblich. Nicht zuletzt sind die Betriebsr\u00e4te und die Funktionstr\u00e4ger der Gewerkschaft wichtige Partner der Industrie und einflussreiche Meinungsbildner in Fragen der Industriepolitik.<\/p>\n<p>Die aktuelle Arbeit des Verbandes ist gepr\u00e4gt von der Situation der Branche, die eine Phase beispielloser Innovation ihrer Produkte, aber auch von Gesch\u00e4ftsmodellen und Arbeitsweisen erlebt. Dazu braucht es Regeln, die moderne Arbeitsformen mitdenken und den Organisationen im Wandel einen verl\u00e4sslichen Rahmen bieten.<\/p>\n<p><strong>Ausgezeichneter Ruf<\/strong><br \/>\nAls Arbeitgeber hat die Zigarettenindustrie auch heute einen ausgezeichneten Ruf. An ihren Standorten geh\u00f6ren die Unternehmen zu den ersten Adressen am Arbeitsmarkt und landen in den einschl\u00e4gigen Rankings als Top-Arbeitgeber regelm\u00e4\u00dfig auf Spitzenpl\u00e4tzen. Sehr oft bleiben die Mitarbeiter den Unternehmen ein Arbeitsleben lang treu und Karrieren \u201evom Azubi zum Chef des Verkaufs\u201c sprechen f\u00fcr die Durchl\u00e4ssigkeit und Leistungskultur. Auch internationale Karrieren in den s\u00e4mtlich zu internationalen Gruppen geh\u00f6renden Firmen sind nicht selten und f\u00fchren bis in internationale Spitzenjobs. Durch die systematische F\u00f6rderung des Nachwuchses in Ausbildungsprogrammen, Kombinationen von Studium und Ausbildung und ausgezeichneten Traineeprogrammen f\u00fcr Hochschulabsolventen legen die Firmen die Grundlage f\u00fcr diese Karrieren. Da sich solche Programme in vergleichbaren M\u00e4rkten nur selten finden, sind die deutschen Organisationen f\u00fcr die globalen Unternehmen oft so etwas wie ein \u201eSteinbruch\u201c f\u00fcr Nachwuchskr\u00e4fte.<\/p>\n<p>Diese Qualit\u00e4ten als Arbeitgeber f\u00fchrten, ebenso wie das kooperative Modell der Industriebeziehungen, zur Entwicklung hochqualifizierter, leistungsf\u00e4higer und schlagkr\u00e4ftiger Organisationen mit gro\u00dfer Motivation und Loyalit\u00e4t.<\/p>\n<p><i>vi<\/i><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>HAMBURG \/\/ Der Arbeitgeberverband der Cigarettenindustrie (AdC) besteht seit 70 Jahren. 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