{"id":50349,"date":"2020-07-01T22:00:00","date_gmt":"2020-07-01T22:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/tax.konradin-online.de\/?p=50349"},"modified":"2020-07-01T22:00:00","modified_gmt":"2020-07-01T22:00:00","slug":"ich-koennte-mir-ein-leben-ohne-zigarren-nicht-vorstellen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/tax.konradin-online.de\/?p=50349","title":{"rendered":"\u201eIch k\u00f6nnte mir ein Leben ohne Zigarren nicht vorstellen\u201c"},"content":{"rendered":"<p><strong>WALDSHUT-TIENGEN \/\/ <\/strong>Am 30. Mai wurde Heinrich Villiger 90 Jahre alt. Gleichzeitig ist er seit 70 Jahren f\u00fcr sein Familienunternehmen t\u00e4tig. DTZ sprach mit dem Doyen der Zigarrenbranche \u00fcber seinen langen Weg als Zigarrenhersteller, was ihn motiviert, wie er die Corona-Krise erlebt hat, welche Pl\u00e4ne er in Nicaragua verfolgt und wie er den Einstieg des chinesischen Konzerns Allied Cigar bei Habanos S.A. sieht.<\/p>\n<p><strong>Herr Villiger, als Sie 20 wurden, holte Ihr Vater Sie ins Familienunternehmen. Was w\u00e4re f\u00fcr Sie damals die berufliche Alternative gewesen?<\/strong><br \/>\n<strong>Heinrich Villiger:<\/strong> Meine berufliche Laufbahn war bereits durch die Familien-Tradition vorgegeben. Die dritte Generation sollte das fortsetzen, was unser Gro\u00dfvater im Jahr 1888 gegr\u00fcndet hatte. So hat sich mir eigentlich nie die Frage gestellt, was ich allenfalls noch sonst h\u00e4tte tun k\u00f6nnen.<\/p>\n<p><strong>Gab es nichts, was Sie als Beruf gereizt h\u00e4tte?<\/strong><br \/>\n<strong>Villiger:<\/strong> Gereizt h\u00e4tte mich nur der Journalismus. Ich bin \u00fcbrigens nach wie vor ein passionierter Zeitungs&#8231;leser \u2013 t\u00e4glich zwei bis drei Tageszeitungen, einige Wochen- und Monatsmagazine, dazu die Tabak-Fachtitel aus Deutschland, der Schweiz, Frankreich und den USA. Die DTZ ist selbstredend auch dabei. Keine Zeit verliere ich mit Fernsehen; ich verbringe keine Minute vor dem Fernseher.<\/p>\n<p><strong>Sie sind seit nunmehr 70 Jahren f\u00fcr die Firma t\u00e4tig. Und arbeiten bis zu zehn Stunden am Tag. Was treibt Sie nach so vielen Jahren an, sich f\u00fcr Ihr Unternehmen zu engagieren?<\/strong><br \/>\n<strong>Villiger:<\/strong> Gl\u00fccklicherweise hat es mir bisher meine Gesundheit erlaubt, weit mehr als nur die \u00fcblichen 40 Stunden pro Woche zu arbeiten. Ich habe noch die Zeit erlebt, als wir die Sechs-Tage-Woche hatten. Und sonntags sa\u00dfen wir damals noch oft im \u201eProbierzimmer\u201c, um Rohtabak-Muster zu begutachten und ungest\u00f6rt neue Mischungen Probe zu rauchen. Dass die Familie das nicht besonders gesch\u00e4tzt hat, ist naheliegend, besonders, wenn das Mittagessen \u201eanbrannte\u201c, wenn mein Vater und ich nicht rechtzeitig nach Hause kamen.<\/p>\n<p><strong>Wie motivieren Sie sich immer wieder f\u00fcr die Arbeit?<\/strong><br \/>\n<strong>Villiger:<\/strong> Ja, was ist die Motivation? Das ist vor allem die Freude am Tabak, an einem Naturprodukt, das lebt und brennt und duftet. Nicht Stahl und Eisen.<\/p>\n<p><strong>Die Zigarre spielt seit 70 Jahren nicht nur beruflich eine zentrale Rolle in Ihrem Leben. Sie sind auch passionierter Zigarrenraucher &#8230; <\/strong><br \/>\n<strong>Villiger:<\/strong><br \/> Ich bin effektiv ein Zigarren-Aficionado. Ich k\u00f6nnte mir ein Leben ohne Zigarren \u2013 im weitesten Sinne dieses Begriffs \u2013 nicht vorstellen. Ich bin nicht auf eine bestimmte Geschmacksrichtung festgefahren, rauche jedoch fast ausschlie\u00dflich gr\u00f6\u00dfere Formate, abwechselnd Ha&#8231;vannas, Brasil, Nicaragua, aber auch gerne zwischendurch eine Virginia oder auch einen guten Stumpen. Zigaretten rauche ich keine und auch kaum ein kleines Zigarillo.<\/p>\n<p><strong>Wie viele Zigarren rauchen Sie t\u00e4glich?<\/strong><br \/>\n<strong>Villiger:<\/strong> Ich geh\u00f6re ja zu den Gl\u00fccklichen, die die Zigarren nicht kaufen m\u00fcssen (lacht). Deshalb kann ich es mir auch erlauben, jeweils das letzte Drittel, das die Wirkung eines nat\u00fcrlichen Filters hat, wegzulegen. So komme ich pro Tag auf ein halbes Dutzend St\u00fcck \u2013 eher mehr als weniger.<\/p>\n<p><strong>W\u00e4hrend der Corona-Krise haben Sie nicht in der Firma, sondern zu Hause gearbeitet. Fiel es Ihnen schwer, nicht ins B\u00fcro zu fahren?<\/strong><br \/>\n<strong>Villiger:<\/strong> Anf\u00e4nglich fiel mir der Lockdown schwer, vor allem fehlte mir der pers\u00f6nliche Kontakt mit meinen Mitarbeitern. Und dann nat\u00fcrlich der Zugang zu den vielen Akten, auf die man im Homeoffice keinen Zugriff hat. Mit Niederlassungen in mehreren L\u00e4ndern sind wir ein Mini-Multi, und da ist es unausweichlich, dass man praktisch jeden Tag ein neues Problem auf dem Tisch hat. Und um dieses zu bearbeiten, ist die sogenannte Akteneinsicht unerl\u00e4sslich.<\/p>\n<p><strong>Auch wegen Ihrer Augen-Operation war Homeoffice dringend angebracht.<\/strong><br \/>\n<strong>Villiger: <\/strong>Nach meiner Grauen-Star-Operation verordnete mir meine \u00c4rztin eine strikte Quarant\u00e4ne, auch weil alte Menschen praktisch keine \u00dcberlebenschancen haben, wenn sie mit dem Corona-Virus infiziert werden. Dazu kam die Schlie\u00dfung der Landesgrenzen. Drei Monate lang war ich nicht im Unternehmen \u2013 das war hart. Aber ich hatte t\u00e4glich einen Kurierdienst, der mich laufend mit Arbeit \u201eversorgte\u201c. Irgendwann konnte ich gut damit leben, freute mich jedoch, als diese Phase zu Ende ging.<\/p>\n<p><strong>Was glauben Sie, wie ein Polizist oder Zollbeamter reagiert h\u00e4tte, wenn Sie ihm als 90-J\u00e4hriger erkl\u00e4rt h\u00e4tten, dass Sie auf dem Weg zur Arbeit sind?<\/strong><br \/>\n<strong>Villiger: <\/strong>Als \u201eGrenzg\u00e4nger\u201c mit Wohnsitz in der Schweiz und Arbeitsort in Deutschland hatte ich wohl eine Sondergenehmigung zum Grenz\u00fcbertritt, aber die schweizerischen Grenzschutzbeamten erkundigten sich \u2013 stichprobenweise \u2013 nach dem Grund des Grenz\u00fcbertritts. Die h\u00e4tten mir das nicht abgenommen, dass ich in meinem Alter noch berufst\u00e4tig bin (lacht).<\/p>\n<p><strong>Sie sind seit 1958 mit Ihrer Ehefrau Martina Villiger-Burger verheiratet. Wie ist Ihr privates Verh\u00e4ltnis zur Familie Burger?<\/strong><br \/>\n<strong>Villiger:<\/strong> Meine Ehefrau Martina ist eine geborene Burger und lediglich vier Jahre j\u00fcnger als ich. Wir sind in der gleichen Talschaft aufgewachsen \u2013 unsere Wohnorte in unserer Jugendzeit lagen nur vier bis f\u00fcnf Kilometer auseinander. Deshalb kannten sich unsere Familien.<\/p>\n<p><strong>Und wie sind Ihre gesch\u00e4ftlichen Beziehungen zur Burger-Dannemann-Gruppe?<\/strong><br \/>\n<strong>Villiger: <\/strong>Wenn zwei Familien im Gesch\u00e4ftsleben miteinander konkurrieren, dann sind gelegentliche Konflikte nicht auszuschlie\u00dfen. Gesch\u00e4ftliche Beziehungen zur Burger-Dannemann-Gruppe haben wir mit Ausnahme einer Zusammenarbeit im Bereich der Logistik keine. Das verbietet auch das Kartellgesetz. Lediglich in der Industrie-Politik, wo wir die gleichen Interessen haben, arbeiten wir auf der Ebene der Industrieverb\u00e4nde zusammen, wie dies in der Industrie allgemein \u00fcblich ist. In fr\u00fcheren Zeiten haben sich unsere Vorfahren h\u00e4ufiger gestritten, aber das ist in unserer Generation nicht mehr der Fall.<\/p>\n<p><strong>Neben den Standorten in der Schweiz (Pfeffikon) und in Deutschland (Waldshut-Tiengen und B\u00fcnde) hat die Villiger-Gruppe Werke und Vertriebsgesellschaften in Frankreich, Indonesien, in den USA und seit ein paar Jahren auch in Brasilien.<\/strong><br \/>\n<strong>Villiger:<\/strong> Unser Kerngesch\u00e4ft sind nach wie vor die maschinengefertigten Fabrikate, aber am Hand-Made-Gesch\u00e4ft, das sich weltweit positiv entwickelt, k\u00f6nnen wir nicht vorbei gehen. Wir sind relativ sp\u00e4t in dieses Segment eingestiegen. Und bekanntlich ist jeder Anfang schwer. Um den Weltmarkt mit handgemachten Premiumzigarren zu versorgen, gibt es in der Karibik und in Zentralamerika Dutzende von Herstellern. Der Markt wird aktuell regelrecht mit diesen Zigarren \u201egeflutet\u201c, und t\u00e4glich kommen neue Fabrikate dazu. Trotzdem haben wir uns entschlossen, in Brasilien eine eigene Produktion aufzubauen. Wir betrachten uns auch in diesem Segment als \u201eHersteller\u201c und nicht als \u201eH\u00e4ndler\u201c. Zudem wollen wir die volle Kontrolle \u00fcber die Qualit\u00e4t haben \u2013 angefangen bei der Einlage \u00fcber das Umblatt bis zum Deckblatt.<\/p>\n<p><strong>In Nicaragua haben Sie ebenfalls k\u00fcrzlich einen Betrieb er\u00f6ffnet. Wo befindet sich diese Fabrik, wie viele Mitarbeiter sind dort besch\u00e4ftigt und was wird gefertigt?<\/strong><br \/>\n<strong>Villiger:<\/strong> In Nicaragua haben wir im Vorjahr eine neue Gesellschaft mit einem nicaraguanischen Partner gegr\u00fcndet \u2013 die Villiger de Nicaragua. In Estel\u00ed ist der Neubau einer Fabrik geplant. Die Planung ist abgeschlossen, aber die Corona-Pandemie hat uns einen Strich durch die Rechnung gemacht. Deshalb haben sich die Arbeiten verz\u00f6gert. Geplant war die Aufnahme der Produktion noch in diesem Jahr, doch das l\u00e4sst sich nicht mehr realisieren. Aber Nicaragua-Zigarren stehen uns weiter zum Vertrieb zur Verf\u00fcgung, wenn auch nicht aus eigener Produktion.<\/p>\n<p><strong>Nach der Gr\u00fcndung der Firma im Jahr 1888 durch Ihren Gro\u00dfvater Jean Villiger in Pfeffikon im Kanton Luzern hat Ihre Gro\u00dfmutter Louise Villiger 1910 den deutschen Betrieb in Waldshut-Tiengen ins Leben gerufen. Dieses Unternehmen feiert somit 2020 das 110-j\u00e4hrige Firmenbestehen.<\/strong><br \/>\n<strong>Villiger:<\/strong> Die Geschichte der Villiger S\u00f6hne in Deutschland ist eine lange Geschichte. Das Unternehmen hat zwei Weltkriege \u00fcberstanden und auch die Umstellung von der fr\u00fcher \u00fcblichen Handarbeit auf die maschinelle Fertigung geschafft, was wegen des Maschinenverbots aus der nationalsozialistischen Zeit bis in die 1950er-Jahre nicht so einfach war. In unseren damaligen Werken in M\u00fcnchen besch\u00e4ftigten wir 2000 Handroller. Das war noch vor dem Ausbruch des Zweiten Weltkriegs. Im letzten Kriegsjahr wurden beide Werke durch amerikanische Bombenangriffe vollst\u00e4ndig zerst\u00f6rt.<\/p>\n<p><strong><br \/>\nWie ging es nach dem Zweiten Weltkrieg weiter?<\/strong><br \/>\n<strong>Villiger:<\/strong> Der Wiederaufbau erforderte Zeit und kostete viel Geld. Aber eine Gro\u00dfstadt wie M\u00fcnchen ist nicht der ideale Ort f\u00fcr eine Zigarrenfabrikation. Nach der \u00dcbernahme der Zigarrenfabrik Holzapfel in B\u00fcnde mit ihrer Marke \u201eDeutsche Jagd\u201c verkauften wir die M\u00fcnchener Werke und bauten eine neue Fabrik in D\u00fcnne, einem Stadtteil von B\u00fcnde. Das ist derzeit unser gr\u00f6\u00dftes Werk. Im Jahr 1958 \u00fcbernahm ich nach der Pensionierung unseres damaligen Gesch\u00e4ftsf\u00fchrers die Leitung von Villiger Deutschland.<\/p>\n<p><strong><br \/>\nHerr Villiger, Sie sind auch Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer beziehungsweise Verwaltungsratsmitglied der Habanos-Generalimporteure 5th Avenue und Intertabak. Wie kam es dazu?<\/strong><br \/>\n<strong>Villiger: <\/strong>1989 gr\u00fcndete ich mit der damaligen Cubatabaco in Deutschland das erste Joint-Venture f\u00fcr den Vertrieb ihrer Zigarren auf einem ausl\u00e4ndischen Markt, die 5th Avenue Products Trading GmbH, f\u00fcr die ich seither als Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer verantwortlich bin. Einige Jahre sp\u00e4ter folgte dann die Gr\u00fcndung der Intertabak AG in der Schweiz, bei der ich Mitglied des Verwaltungsrates bin. 5th Avenue hat derzeit auch die alleinigen Vertriebsrechte f\u00fcr Havanna in \u00d6sterreich und Polen. Beide Unternehmen haben sich in all den Jahren sehr positiv entwickelt. An beiden ist Villiger finanziell beteiligt. Mehrheitlich beteiligt ist eine kubanische Holding-Gesellschaft, an der \u2013 bisher \u2013 ein kubanisches Staatsunternehmen und die britische Imperial Brands beteiligt waren.<\/p>\n<p><strong><br \/>\nNun hat der britische Tabakkonzern Imperial Brands seine 50-prozentigen Beteiligungen an Habanos S.A. und ICT an das chinesische Unternehmen Allied Cigar in Hongkong verkauft. Welche Konsequenzen zieht das f\u00fcr Sie als Havanna-Importeur nach sich?<\/strong><br \/>\n<strong>Villiger:<\/strong> Wer das ist, wurde bislang nicht kommuniziert. Die einzige Information, die uns vorliegt, lautet: Es wird alles wie bisher weitergehen, unter der selben operativen F\u00fchrung. Eines wird jedoch mit Sicherheit bestehen bleiben: die au\u00dfergew\u00f6hnliche Qualit\u00e4t der kubanischen Tabake und der damit hergestellten Zigarren.<\/p>\n<p><strong>Herr Villiger, vielen Dank f\u00fcr das Interview.<\/strong><\/p>\n<p><i>da<br \/>\n<\/i><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>WALDSHUT-TIENGEN \/\/ Am 30. Mai wurde Heinrich Villiger 90 Jahre alt. Gleichzeitig ist er seit 70 Jahren f\u00fcr sein Familienunternehmen t\u00e4tig. 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