{"id":50280,"date":"2020-06-18T22:00:00","date_gmt":"2020-06-18T22:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/tax.konradin-online.de\/?p=50280"},"modified":"2020-06-18T22:00:00","modified_gmt":"2020-06-18T22:00:00","slug":"die-zigarrenbranche-muss-an-mehreren-fronten-kaempfen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/tax.konradin-online.de\/?p=50280","title":{"rendered":"Die Zigarrenbranche muss an mehreren Fronten k\u00e4mpfen"},"content":{"rendered":"<p><strong>MAINZ \/\/<\/strong> Die Zigarrenbranche kommt nicht zur Ruhe: Erst die Umsetzung der EU-Tabakproduktrichtlinie (TPD 2) \u2013 ein riesiger Kraftakt f\u00fcr die \u00fcberwiegend mittelst\u00e4ndisch gepr\u00e4gten Unternehmen der Branche \u2013 nun die Auswirkungen der Corona-Krise. Und das n\u00e4chste B\u00fcrokratiemonster, Track &#038; Trace, also die R\u00fcckverfolgbarkeit der Tabakerzeugnisse vom Hersteller bis zum Einzelh\u00e4ndler, wirft bereits seine Schatten voraus.<\/p>\n<p><strong>Track &#038; Trace<\/strong><br \/>\nBis Mai 2024 muss auch bei der Warengruppe Zigarren&#8201;\/&#8201;Zigarillos Track &#038; Trace umgesetzt werden. Das sind zwar noch knapp vier Jahre, doch die Weichen werden bereits heute gestellt. So mancher kleinerer Anbieter macht sich gro\u00dfe Sorgen, ob er alle diese Mammutaufgaben bew\u00e4ltigen kann. Angesichts der Herausforderungen rechnen Branchenbeobachter damit, dass es zu einer Marktbereinigung kommen wird, und zwar sowohl auf der Anbieterseite als auch beim Markenangebot.<\/p>\n<p><strong>Produktvielfalt<\/strong><br \/>\nDerzeit ist die Produktvielfalt indes noch gewaltig. So finden sich in der diesj\u00e4hrigen DTZ-Dokumentation \u201eZigarre\u201c wieder mehrere tausend Marken und Sorten. Und das bei einem absoluten Nischenmarkt f\u00fcr erwachsene Raucher.<\/p>\n<p><strong>Klassische Zigarren und Zigarillos<\/strong><br \/>\n\u201eKlassische Zigarren und Zigarillos werden \u00fcberwiegend von m\u00e4nnlichen Konsumenten gehobenen Alters geraucht, und das auch nur gelegentlich\u201c, betont Peter W\u00f6rmann, Vorsitzender des Bundesverbandes der Zigarrenindustrie (BdZ). So gebe es weder ein Problem mit dem Jugendschutz noch mit dem Schmuggel, zu dessen Eind\u00e4mmung eigentlich Track &#038; Trace von der EU gedacht ist. Deshalb fordert W\u00f6rmann im Hinblick auf die strengen Regulierungen des gesamten Tabakmarktes Ausnahmen von weiteren Ma\u00dfnahmen f\u00fcr das Kulturgut Zigarre&#8201;\/&#8201;Zigarillo.<\/p>\n<p><strong><br \/>\nAbsatz stabil bis r\u00fcckl\u00e4ufig<\/strong><br \/>\nDer Absatz klassischer Zigarren und Zigarillos ist seit Jahr und Tag stabil bis leicht r\u00fcckl\u00e4ufig. Das war auch im vergangenen Jahr so. Bei einem Volumen von zirka 1,1 Milliarden St\u00fcck war der Markt in einer stabilen Verfassung. Ob sich diese konstante Entwicklung im laufenden Jahr fortsetzen wird, steht derzeit noch in den Sternen. Denn die Corona-Krise, einhergehend mit Zwangsschlie\u00dfungen von Ladenlokalen, hat auch bei der Zigarre ihre Spuren hinterlassen.<\/p>\n<p>So verzeichneten etwa die Mitglieder des Bundesverbandes der Zigarrenindustrie, die zirka 75 bis 80 Prozent des traditionellen deutschen Zigarren- und Zigarillo-Marktes auf sich vereinigen, im April 2020 einen Absatzr\u00fcckgang von mehr als elf Prozent.<\/p>\n<p><strong>Abverkauf in Tabakwarengesch\u00e4fte<\/strong><br \/>\n\u00c4hnlich sah die Situation beim Abverkauf in den Tabakwarengesch\u00e4ften aus. Zwar durften zahlreiche Tabak-Shops w\u00e4hrend des Lockdowns \u00f6ffnen, weil sie Zeitungen und Zeitschriften f\u00fchren und damit systemrelevant gewesen sind, aber vielerorts mussten Fachh\u00e4ndler ihre L\u00e4den schlie\u00dfen. Ob man aufmachen durfte oder nicht, war von Bundesland zu Bundesland unterschiedlich geregelt. Dabei wichen die Ordnungs\u00e4mter vor Ort in ihren Entscheidungen nicht selten stark voneinander ab. Mal durften Tabakl\u00e4den \u00f6ffnen, auch wenn sie keine Presseerzeugnisse verkauften, andernorts wiederum durften H\u00e4ndler nur Zeitungen und Zeitschriften anbieten (beispielsweise in Bayern), und nicht selten musste das Tabaksortiment abgetrennt werden. <\/p>\n<p><strong>Kundenfrequenz<\/strong><br \/>\nAber selbst dort, wo der Verkauf von Tabakprodukten noch erlaubt war, war die Kundenfrequenz so gering, dass die Zigarrenums\u00e4tze sanken. \u201eViele Fachgesch\u00e4fte, besonders in Bahnh\u00f6fen, aber auch die Duty-Free-Shops wurden weniger bis gar nicht mehr aufgesucht, da die Reiset\u00e4tigkeiten fast auf Null heruntergefahren wurden\u201c, berichtet BdZ-Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer Bodo Mehrlein.<\/p>\n<p><strong>Mittelst\u00e4ndische Herstellungsbetriebe<\/strong><br \/>\nGegen\u00fcber DTZ erkl\u00e4rt Mehrlein, dass die mittelst\u00e4ndischen Herstellungsbetriebe der Zigarrenindustrie auch in den eigenen Unternehmen stark von den Auswirkungen betroffen waren. \u201eIn einigen Bereichen musste Kurzarbeit angemeldet werden, Produktionsst\u00e4tten in Drittstaaten wurden geschlossen, die Herstellungsabl\u00e4ufe mussten strengen Hygienema\u00dfnahmen unterworfen werden und haben somit viel an Produktivit\u00e4t eingeb\u00fc\u00dft. Denn ein reibungsloser Produktionsablauf unterliegt dem Risiko unterbrochener Lieferketten und damit fehlender Rohmaterialien\u201c, sagt der BdZ-Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer. Und Mehrlein f\u00fcgt hinzu: \u201eBedingt durch diese Faktoren hatten und haben die Mitgliedsfirmen des Bundesverbandes der Zigarrenindustrie auf der einen Seite mit Absatzschwierigkeiten zu k\u00e4mpfen. Auf der anderen Seite konnten wir aber auch einen positiven Trend feststellen, der sicherlich durch das sehr gute Wetter und bedingt durch die Anti-Corona-Ma\u00dfnahmen entstandene freie Zeit unterst\u00fctzt wird.\u201c<\/p>\n<p><strong><br \/>\nKurzarbeit und Homeoffice<\/strong><br \/>\nDa viele Arbeitnehmer in Kurzarbeit und&#8201;\/&#8201;oder in Homeoffice sind, haben sie nicht nur mehr Zeit zum Rauchen von Zigarren, sie haben auch ihr Einkaufsverhalten ge\u00e4ndert. So hat sich der Zigarren-Einkauf h\u00e4ufiger von den Innenst\u00e4dten auf die Vororte und aufs Land verlagert, weil die Zigarrenraucher seltener in der N\u00e4he ihrer Arbeitspl\u00e4tze einkaufen, sondern mehr an ihren Wohnorten. Und der Online-Handel hat w\u00e4hrend des Lockdowns stark zugelegt. Er ist in Sachen Zigarreneinkauf einer der gro\u00dfen Gewinner der Krise.<\/p>\n<p><strong><br \/>\nInternet-Handel<\/strong><br \/>\nDer Internet-Handel auf der einen Seite und die Tatsache, dass viele Tabakl\u00e4den w\u00e4hrend des Shutdowns \u00f6ffnen durften und Lebensmittelgesch\u00e4fte sowie Tankstellen-Shops nicht von den Zwangsschlie\u00dfungen betroffen waren, sorgten daf\u00fcr, dass der Absatzr\u00fcckgang im April nur leicht zweistellig war und somit der klassische Zigarren- und Zigarillomarkt in der Krise mit einem \u201eblauen Auge\u201c davongekommen ist.<\/p>\n<p><strong>Absatzentwicklung<\/strong><br \/>\nIm ersten Quartal 2020 stellte sich die Absatzentwicklung noch sehr unterschiedlich dar. Nach einem schwachen Start zum Jahresbeginn, der den BdZ-Mitgliedern einen R\u00fcckgang von fast 13 Prozent gegen\u00fcber Januar 2019 bescherte, folgte ein rund sechsprozentiges Plus im Februar und noch einmal eine Steigerung von \u00fcber zehn Prozent im M\u00e4rz, ehe dann von Bund und L\u00e4ndern die Zwangsschlie\u00dfungen als eine von mehreren Ma\u00dfnahmen zur Eind\u00e4mmung der Corona-Pandemie beschlossen wurden.<\/p>\n<p><strong>Alltagsleben<\/strong><br \/>\nVon Januar bis April verzeichneten die BdZ-Mitglieder gegen\u00fcber dem ersten Drittel 2019 einen R\u00fcckgang von 2,7 Prozent. Da inzwischen Schritt f\u00fcr Schritt die Normalit\u00e4t im Alltagsleben einkehrt, ist man in der Zigarrenbranche vorsichtig optimistisch, dieses Absatzminus im weiteren Verlauf des Jahres ausgleichen zu k\u00f6nnen. Ein warmer, trockener und lang anhaltender Sommer mit vielen Gelegenheiten, drau\u00dfen Zigarren zu rauchen, w\u00e4re dabei nat\u00fcrlich sehr hilfreich.<\/p>\n<p>Dann besteht Hoffnung, dass am Jahresende der Absatz klassischer Zigarren und Zigarillos wieder auf dem Vorjahresniveau landen k\u00f6nnte. 2019 betrug er, wie gesagt, zirka 1,1 Milliarden St\u00fcck. Rund 90 Prozent davon entfiel auf Zigarillos.<\/p>\n<p><strong>Marktforschung<\/strong><br \/>\nDie wichtigsten Vertriebsschienen f\u00fcr Zigarren und Zigarillos (ohne Ecozigarillos und Handelsmarken) sind einem f\u00fchrenden Marktforschungsinstitut zufolge Tankstellen mit einem Marktanteil von 50,5 Prozent, Tabakwaren-Fachgesch\u00e4fte (33,9 Prozent) und der Lebensmittelhandel (15,6 Prozent). <\/p>\n<p><strong>Anbieter und Hersteller<\/strong><br \/>\nGr\u00f6\u00dfter Zigarillo-Anbieter und gleichzeitig Gesamtmarktf\u00fchrer im klassischen Zigarren- und Zigarillomarkt in Deutschland ist die Firma Dannemann. Mehr als jedes zweite verkaufte klassische Zigarren- und Zigarilloprodukt, also ohne Ecos und Handelsmarken, stammt laut Marktforschungsinstitut von dem L\u00fcbbecker Unternehmen. Auf Platz 2 liegt Arnold Andr\u00e9 mit einem Marktanteil von 17,2 Prozent, gefolgt von Royal Agio (10,2 Prozent) und Villiger (8,6 Prozent).<\/p>\n<p><strong>Pr\u00e4senz im Handel<\/strong><br \/>\nDie meistverkaufte Zigarre in Deutschland ist die Marke Tropenschatz von Arnold Andr\u00e9, dem f\u00fchrenden Zigarrenhersteller Deutschlands. Bei Zigarillos liegt die Moods von Dannemann vorne, und zwar sowohl bei filterlosen Produkten als auch bei Erzeugnissen mit Filter. Ihre Pr\u00e4senz ist vor allem in Tankstellen-Shops und im Lebensmittelhandel (ohne Discounter) ausgepr\u00e4gt. Aber auch im Tabakwaren-Fachhandel belegen Moods-Filterprodukte unter den Top 10 insgesamt sieben Pl\u00e4tze, und zwar die ersten drei sowie die R\u00e4nge f\u00fcnf bis sieben und Platz neun. Neben den Moods-Filterprodukten sind au\u00dferdem Villiger Green Mini (Platz 4), Al Capone Pockets Original Filter (Platz 8) und Villiger Red Mini (Platz 10) laut Marktforschungsinstitut unter den zehn meistverkauften Filterzigarillos im Tabakwaren-Einzelhandel vertreten. Auch bei filterlosen Zigarillos f\u00fchrt die Moods das Ranking im Tabakwaren-Fachhandel an, ist hier aber nur mit der Moods ohne Filter in der 20-St\u00fcck-Packung unter den Top 20 pr\u00e4sent.<\/p>\n<p><strong>Statistische Bundesamt<\/strong><br \/>\nNeben den klassischen Zigarren und Zigarillos erfasst das Statistische Bundesamt (Destatis) in Wiesbaden die zigaretten\u00e4hnlichen Ecozigarillos unter der Warengruppe Zigarren&#8201;\/&#8201;Zigarillos. Laut Versteuerungszahlen von Destatis belief sich die Menge 2019 auf 2,7 Milliarden St\u00fcck. Das waren 12,1 Prozent weniger als im Vorjahr. Bei den Verkaufswerten gab es ein Minus von 10,5 Prozent auf 660,6 Millionen Euro. Diese Einbu\u00dfen sind ma\u00dfgeblich verursacht durch die deutlichen R\u00fcckg\u00e4nge bei niedrigpreisigen Ecozigarillos. Dazu hei\u00dft es beim BdZ: \u201eDieses Segment wurde durch verschiedene finanzpolitische Ma\u00dfnahmen seit 2007 mehr als halbiert. Dazu geh\u00f6ren unter anderem die Einf\u00fchrung beziehungsweise die Erh\u00f6hung der Mindeststeuer sowie die \u00c4nderung der Produktdefinition.\u201c Au\u00dferdem m\u00fcsse man dabei ber\u00fccksichtigen, dass es 2018 noch einen Mengenzuwachs von 6,5 Prozent gab.<\/p>\n<p><i>da<br \/>\n<\/i><\/p>\n<p><i>Die komplette Zigarrendokumentation liegt in der Printausgabe DTZ 26\/2020 bei.<\/i><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>MAINZ \/\/ Die Zigarrenbranche kommt nicht zur Ruhe: Erst die Umsetzung der EU-Tabakproduktrichtlinie (TPD 2) \u2013 ein riesiger Kraftakt f\u00fcr die \u00fcberwiegend mittelst\u00e4ndisch gepr\u00e4gten Unternehmen der Branche \u2013 nun die Auswirkungen der Corona-Krise. 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