{"id":47962,"date":"2018-12-18T23:00:00","date_gmt":"2018-12-18T23:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/tax.konradin-online.de\/?p=47962"},"modified":"2018-12-18T23:00:00","modified_gmt":"2018-12-18T23:00:00","slug":"emotionen-und-furcht","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/tax.konradin-online.de\/?p=47962","title":{"rendered":"\u201eEmotionen und Furcht\u201c"},"content":{"rendered":"<p><strong>BERLIN \/\/ <\/strong>Nach der \u00f6ffentlichen Anh\u00f6rung zum Thema \u201eTabakwerbeverbot\u201c (DTZ berichtete) haben wir die Vertreter der beiden Verb\u00e4nde im E-Zigarettenbereich um ihre Meinung gebeten. Im Gespr\u00e4ch erl\u00e4utern die Vorsitzenden Dustin Dahlmann vom B\u00fcndnis f\u00fcr Tabakfreien Genuss und Michal Dobrajc vom Verband des E-Zigarettenhandels ihre Positionen.<\/p>\n<p><strong>Herr Dahlmann, Herr Dobrajc, wie ist die Anh\u00f6rung aus Ihrer Sicht gelaufen?<\/strong><br \/>\n<strong>Michal Dobrajc:<\/strong> Die gesamte Anh\u00f6rung hat leider erneut gezeigt, dass die zwingend gebotene Trennung zwischen Tabakerzeugnissen einerseits und elektronischen Zigaretten andererseits nicht vorgenommen wird. Die Aussage von Frank Henkler-Stephani vom Bundesinstitut f\u00fcr Risikobewertung, wonach die E-Zigarette ein deutlich geringeres Schadenspotenzial als die Tabakzigarette aufweist, verhallte ungeh\u00f6rt und spielte in der weiteren Diskussion keine Rolle.<\/p>\n<p><strong>Und aus Ihrer Sicht, Herr Dahlmann?<\/strong><br \/>\n<strong>Dustin Dahlmann:<\/strong> Nat\u00fcrlich nicht in unserem Sinne. Das Thema Harm Reduction als wichtigstes Argument zur Differenzierung von Tabak und E-Zigarette wurde von den Sachverst\u00e4ndigen kaum erw\u00e4hnt. Hier muss politisch endlich auch in Deutschland weitergedacht werden. Auch uns geht es in erster Linie um die Aufkl\u00e4rung \u00fcber das gesundheitspolitische Potenzial der E-Zigarette. Diese Form der Faktenkommunikation in Form von Werbung muss auch zuk\u00fcnftig m\u00f6glich sein, denn nur so k\u00f6nnen Vorurteile und Unwissen bei Rauchern beseitigt werden.<\/p>\n<p><strong>Wie geht es jetzt weiter?<\/strong><br \/>\n<strong>Dobrajc: <\/strong>Die Anh\u00f6rung fand aufgrund eines Vorschlages und eines Antrages der Opposition statt. Dass sich f\u00fcr den Vorschlag eine Regierungsmehrheit findet, ist fraglich. Sicher aber ist: Die Debatte um Werbung wird weitergehen. <\/p>\n<p><strong>Das Thema \u201eTabak-Stopp\u201c spielt in Ihrer Argumentation eine gro\u00dfe Rolle. <\/strong><br \/>\n<strong>Dobrajc:<\/strong> Das ist richtig. Allerdings wird \u201equit or die\u201c nicht funktionieren. Es wird auch in Zukunft erwachsene Menschen geben, die auf den Genuss von Nikotin nicht verzichten wollen. Aber wir haben die M\u00f6glichkeit, ihnen Alternativen anzubieten, die im Vergleich zu herk\u00f6mmlichen Zigaretten geringere gesundheitlichen Risiken darstellen k\u00f6nnten.<\/p>\n<p><strong><br \/>\nLaut einer aktuellen Studie aus Gro\u00dfbritannien bilden ehemalige Raucher bei \u201eliberalerer\u201c E-Zigarettenpolitik die gr\u00f6\u00dfte Gruppe unter den E-Zigarettennutzern.<\/strong><br \/>\n<strong>Dahlmann:<\/strong> Das best\u00e4tigt, dass die E-Zigarette ein sehr erfolgreiches Harm-Reduction-Produkt ist. Europaweit haben bereits sechs Millionen Raucher den Tabak-Stopp durch den Umstieg auf die E-Zigarette geschafft. Raucher, die E-Zigaretten zur Tabakentw\u00f6hnung einsetzen, haben eine um 60 Prozent h\u00f6here Erfolgsquote als mit Nikotinersatzpr\u00e4paraten wie Kaugummi oder Pflaster. Auch dazu gibt es Studien. Neben der um 95 Prozent geringeren Sch\u00e4dlichkeit von E-Zigaretten spielen zudem die Aromen eine entscheidende Rolle beim Erfolg der E-Zigarette.<\/p>\n<p><strong>Wie bekannt ist denn die E-Zigarette mit ihrem Potenzial in der deutschen Bev\u00f6lkerung?<\/strong><br \/>\n<strong>Dahlmann:<\/strong> Es gibt gro\u00dfen Aufkl\u00e4rungsbedarf in der deutschen Bev\u00f6lkerung. Obwohl mittlerweile keine seri\u00f6se Gesundheitsorganisation mehr anzweifelt, dass E-Zigarettendampf deutlich weniger sch\u00e4dlich ist als Tabakrauch, ist diese Botschaft bisher nur bei einem Drittel der B\u00fcrger angekommen. \u00dcber zwei Drittel der Bev\u00f6lkerung sind noch nicht ausreichend aufgekl\u00e4rt. Laut WHO-Charta von 1986 m\u00fcssen allen Menschen ausreichend Informationen zur Verf\u00fcgung gestellt werden, damit sie selbst Entscheidungen in Bezug auf ihre pers\u00f6nliche Gesundheit treffen k\u00f6nnen. Hier sehen wir die deutsche Gesundheitspolitik in der Verantwortung, damit Raucher auf Grundlage von Fakten w\u00e4hlen k\u00f6nnen.<br \/>\n<strong>Dobrajc:<\/strong> Das sehe ich \u00e4hnlich. Mehr als die H\u00e4lfte der Deutschen \u2013 54 Prozent \u2013 denken, dass E-Zigaretten mindestens genauso gef\u00e4hrlich sind wie herk\u00f6mmliche Zigaretten. Wenn Regierungen und die WHO die Schadensbegrenzung ernst nehmen und rauchbedingte Todesf\u00e4lle und Krankheiten reduzieren wollen, m\u00fcssen sie auf E-Zigaretten setzen.<\/p>\n<p><strong>Gegner der E-Zigarette f\u00fchren oft die Gateway-Hypothese ins Feld. Demnach w\u00fcrden Nichtraucher \u00fcber das Produkt an den Nikotinkonsum herangef\u00fchrt.<\/strong><br \/>\n<strong>Dahlmann: <\/strong>Das Zentrum f\u00fcr Interdisziplin\u00e4re Suchtforschung hat 2016 eine Umfrage im Auftrag des Bundesgesundheitsministeriums durchgef\u00fchrt. Befragt wurden \u00fcber 3300 E-Zigarettennutzer nach ihren Konsumgewohnheiten. Auch der sogenannte Gateway-Effekt wurde untersucht, konnte aber nicht best\u00e4tigt werden. F\u00fcr die E-Zigarette interessieren sich haupts\u00e4chlich erwachsene Raucher, die zu Nichtrauchern werden wollen. Nur etwa ein Prozent der Dampfer hat zuvor keinen Tabak konsumiert. Au\u00dferdem liegt das durchschnittliche Einstiegsalter beim Dampfen bei 31 Jahren.<\/p>\n<p><strong>Das f\u00fchrt uns zum Thema Jugendschutz \u2026<\/strong><br \/>\n<strong>Dobrajc:<\/strong> Richtig. Um es klar zu sagen: Wir wollen nicht, dass Minderj\u00e4hrige die Produkte benutzen. Deshalb haben sich die VdeH-Mitgliedsunternehmen bereits 2011 dazu verpflichtet, keinerlei Werbung zu betreiben, die sich in irgendeiner Form an Minderj\u00e4hrige richten k\u00f6nnte. Der regelm\u00e4\u00dfige Konsum von E-Zigaretten durch Kinder und Jugendliche ist mit drei Prozent \u00e4u\u00dferst gering \u2013 auch weil der Gesetzgeber 2016 ein Abgabeverbot von E-Zigaretten an Minderj\u00e4hrige eingef\u00fchrt hat. Der VdeH unterst\u00fctzt diese Regelung und h\u00e4lt es f\u00fcr zwingend notwendig, dass die vorhandene Gesetzeslage durch die zust\u00e4ndigen Beh\u00f6rden konsequent durchgesetzt wird.<\/p>\n<p><strong><br \/>\nSie haben dazu den Schulterschluss mit dem Deutschen Zigarettenverband gesucht?<\/strong><br \/>\n<strong>Dobrajc:<\/strong> Ja, um den Handel in seiner Schl\u00fcsselfunktion beim Jugendschutz zu unterst\u00fctzen, haben wir in Kooperation mit dem DZV ein Online-Tool entwickelt. Dieses Tool soll dabei helfen, die H\u00e4ndler vor Ort f\u00fcr die aktuellen gesetzlichen Regelungen zu sensibilisieren, damit das Abgabeverbot im Handel noch konsequenter umgesetzt werden kann.<\/p>\n<p><strong><br \/>\nSie beide betonen, es sei unerl\u00e4sslich, dass Werbung f\u00fcr die E-Zigarette erlaubt bleiben muss \u2013 auch um die Menschen \u00fcber das Produkt zu informieren.<\/strong><br \/>\n<strong>Dahlmann:<\/strong> Unbedingt, denn Verbraucher ben\u00f6tigen umfassende Informationen, um eine freie und f\u00fcr sie angemessene Gesundheitsentscheidung treffen zu k\u00f6nnen. Dies funktioniert nur mit Kenntnis der Fakten. Klassische Werbung ist hier ein wichtiger Kanal. Dadurch k\u00f6nnen Raucher sensibilisiert und Vorurteile beseitigt werden.<\/p>\n<p><strong>Herr Dobrajc, wie sehen Sie das?<\/strong><br \/>\n<strong>Dobrajc:<\/strong> Werbung f\u00fcr E-Zigaretten hat die wichtige Funktion der Aufkl\u00e4rung: Um dem m\u00fcndigen Verbraucher in seinem Recht auf evidenzbasierte Informationen gerecht werden zu k\u00f6nnen, bedarf es gewisser Kommunikationsfreiheiten gegen\u00fcber der Gesellschaft. Nur wenn die M\u00f6glichkeit gegeben ist, sich \u00fcber das Produkt umfassend zu informieren, besteht die Chance, dass Raucher das Potenzial zur Risikominderung auch nutzen. Daher brauchen wir das Werkzeug \u201eWerbung\u201c \u2013 sein Verbot k\u00e4me einem Maulkorb gleich.<\/p>\n<p><strong>F\u00fchlen Sie sich als Vertreter der \u201eE-Branche\u201c in Sachen Werbeverbot ungerecht behandelt?<\/strong><br \/>\n<strong>Dahlmann:<\/strong> Ja, denn E-Zigaretten sind eine absolut tabakfreie Alternative zur Zigarette. Sie mit Tabak \u00fcber einen Kamm zu scheren, bremst sie als weniger sch\u00e4dliche Produkte politisch aus und setzt f\u00fcr die breite \u00d6ffentlichkeit irref\u00fchrende Signale. Aus diesem Grunde ist es wichtig, dass die aktuelle Beschr\u00e4nkung der E-Zigarettenwerbung aufgehoben wird. Deutschland verzichtet bislang auf eine staatliche Aufkl\u00e4rung \u00fcber die positive Rolle der E-Zigarette beim Tabak-Stopp. Ohne konventionelle Werbung haben Raucher keinen \u00dcberblick \u00fcber ihre M\u00f6glichkeiten zum Tabakverzicht. Vielmehr bedarf es einer intensiveren Informierung zur E-Zigarette \u2013 durch Werbung und staatliche Gesundheits-Kampagnen und Einrichtungen.<br \/>\n<strong>Dobrajc: <\/strong>Der Schutzinstinkt, Werbung f\u00fcr etwas vermeintlich Sch\u00e4dliches einschr\u00e4nken oder ganz verbieten zu wollen, ist f\u00fcr uns nachvollziehbar. Leider \u00fcberwiegen aber Emotionen und Furcht vor dem vergleichsweise neuen Produkt \u201eE-Zigarette\u201c \u2013 mit sachlichen Argumenten dagegen anzukommen ist \u2013 wie die Anh\u00f6rung gezeigt hat \u2013 diffizil. Insbesondere die sich scheinbar widersprechenden Untersuchungs- und Studienergebnisse machen es jemandem, der nicht im Thema steckt, sehr schwer, sich eine fundierte Meinung zu bilden. Auseinandersetzungen werden zu h\u00e4ufig emotional gef\u00fchrt, E-Zigaretten ohne Grundlage mit Tabak gleichgesetzt und ganz nebenbei wird eine Br\u00fccke zum nikotinabh\u00e4ngigen Jugendlichen und zu Krebserkrankungen geschlagen.<\/p>\n<p><strong>Was fordern Sie?<\/strong><br \/>\n<strong>Dobrajc:<\/strong> Werbung f\u00fcr E-Zigaretten muss m\u00f6glich bleiben, um Raucher gezielt auf diese Alternative ansprechen und sie \u00fcber die seit Langem erste reelle Chance auf den Rauchausstieg aufmerksam machen zu k\u00f6nnen \u2013 wie es auch in anderen L\u00e4ndern erfolgreich gehandhabt wird und wo es zu \u00fcberproportional sinkenden Raucherquoten f\u00fchrt.<br \/>\n<strong>Dahlmann:<\/strong> Wir pl\u00e4dieren f\u00fcr eine Entkopplung von elektrischen Zigaretten und Tabakprodukten. Denn nur so k\u00f6nnen noch mehr Raucher zum Umstieg auf die E-Zigarette motiviert werden.<\/p>\n<p><strong><br \/>\nHerr Dahlmann, Herr Dobrajc, besten Dank f\u00fcr diese Statements.<\/strong> <\/p>\n<p><i>max<\/i><\/p>\n<p>(DTZ 51\/52\/18)<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>BERLIN \/\/ Nach der \u00f6ffentlichen Anh\u00f6rung zum Thema \u201eTabakwerbeverbot\u201c (DTZ berichtete) haben wir die Vertreter der beiden Verb\u00e4nde im E-Zigarettenbereich um ihre Meinung gebeten. Im Gespr\u00e4ch erl\u00e4utern die Vorsitzenden Dustin Dahlmann vom B\u00fcndnis f\u00fcr Tabakfreien Genuss und Michal Dobrajc vom Verband des E-Zigarettenhandels ihre Positionen. Herr Dahlmann, Herr Dobrajc, wie ist die Anh\u00f6rung aus Ihrer [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1],"tags":[52701,57987,53473,52871,52702],"class_list":["post-47962","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-uncategorized","tag-e","tag-harm-reduction","tag-tabakwerbeverbot","tag-zigarette","tag-zigaretten"],"acf":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/tax.konradin-online.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/47962","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/tax.konradin-online.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/tax.konradin-online.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/tax.konradin-online.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/tax.konradin-online.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=47962"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/tax.konradin-online.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/47962\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/tax.konradin-online.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=47962"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/tax.konradin-online.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=47962"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/tax.konradin-online.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=47962"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}