{"id":47541,"date":"2018-07-24T22:00:00","date_gmt":"2018-07-24T22:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/tax.konradin-online.de\/?p=47541"},"modified":"2018-07-24T22:00:00","modified_gmt":"2018-07-24T22:00:00","slug":"der-branche-fehlen-vorgaben","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/tax.konradin-online.de\/?p=47541","title":{"rendered":"\u201eDer Branche fehlen Vorgaben\u201c"},"content":{"rendered":"<p><strong>M\u00d6NCHENGLADBACH \/\/ <\/strong>Seit 2011 lenken Michael Reisen und Paul Heinen gemeinsam die Geschicke des Bundesverbandes Deutscher Tabakwaren-Gro\u00dfh\u00e4ndler und Automatenaufsteller (BDTA). Der BDTA vertritt die gemeinsamen wirtschaftlichen, politischen und sozialen Interessen des Tabakwaren-Gro\u00dfhandels sowie des Zigarettenautomaten aufstellenden Handels in Deutschland. DTZ sprach mit Reisen und Heinen \u00fcber die Situation der Branche und die Aussichten f\u00fcr die Zukunft.<\/p>\n<p>Herr Reisen, Herr Heinen, wie gro\u00df ist der BDTA eigentlich?<br \/>\nMichael Reisen: Uns sind 100 Unternehmen \u2013 meist mittelst\u00e4ndisch strukturierte und inhabergef\u00fchrte Betriebe mit rund 4500 Besch\u00e4ftigten \u2013 angeschlossen. Unsere Mitgliedsbetriebe vertreiben alle in Deutschland herstellerseitig gelisteten Tabakerzeugnisse, als Randsortiment auch S\u00fc\u00dfwaren, alkoholische Getr\u00e4nke und Hygieneartikel. Zu den belieferten Kunden z\u00e4hlen Tabakwarenfacheinzelhandelsgesch\u00e4fte, Kioske sowie Tankstellen. Derzeit gibt es in Deutschland etwa 95000 station\u00e4re Verkaufspunkte f\u00fcr Tabakwaren und 330000 Zigarettenautomaten. Insgesamt 59 Prozent des Gesamtabsatzes von Tabakwaren werden durch den Tabakwaren-Gro\u00dfhandel und die Automatenbetriebe vertrieben.<\/p>\n<p>Und welche Themen bewegen Sie derzeit?<br \/>\nReisen: Zentrales Thema ist Track &#038;  Trace. Die Ma\u00dfnahmen zur R\u00fcckverfolgbarkeit f\u00fcr Zigaretten und Tabak zum Selberdrehen gelten ab dem 20. Mai 2019, f\u00fcr \u00fcbrige Tabakerzeugnisse f\u00fcnf Jahre sp\u00e4ter. Dabei fehlen der Branche noch immer \u2013 zehn Monate vor dem Life-Start des Systems \u2013 hinreichende und bestimmte Vorgaben im technischen und im verfahrenstechnischen Bereich. Die Rechtsakte und Durchf\u00fchrungsrechtsakte geben schlicht kein klares Bild, insbesondere nicht in technischen Detailfragen. Nach dem Zeitplan der Kommission verbleiben dem Handel schlussendlich lediglich f\u00fcnf Monate zur Implementierung eines komplexen Systems, was nat\u00fcrlich die Aussicht auf Erfolg deutlich schm\u00e4lert.<\/p>\n<p>Was kann die Branche tun?<br \/>\nReisen: Unter gro\u00dfem Aufwand haben die Unternehmen des deutschen Gro\u00df- und Einzelhandels gemeinsam mit der Industrie einen Arbeitskreis installiert, der durch st\u00e4ndige Interaktion mit den zust\u00e4ndigen Stellen auf EU- und Bundesebene das unvollst\u00e4ndige Bild der auf uns zukommenden Regulierung zu komplettieren sucht. Der BDTA selbst hat zudem einen gesonderten Arbeitskreis zu den damit verbundenen Fragen der Informationstechnologie gebildet, in denen die beteiligten Unternehmen daran arbeiten, eine einheitliche L\u00f6sung f\u00fcr alle Mitglieder zu finden. Wir haben damit dem Wunsch nach einer m\u00f6glichst einheitlichen Branchenl\u00f6sung Rechnung getragen, die auch den Lebensmittelhandel umfasst.<br \/>\nPaul Heinen: Mit dem angestrebten System der R\u00fcckverfolgung von Tabakwaren k\u00f6nnen lediglich legal hergestellte Tabakwaren in der legalen Lieferkette in der EU kontrolliert werden. Nach Einsch\u00e4tzung der Bundesregierung, die wir uneingeschr\u00e4nkt teilen, gibt es jedoch im legalen Handel in Deutschland keine illegalen Waren, was das Erreichen des Zwecks der Regulierung \u2013 n\u00e4mlich den illegalen Handel zu bek\u00e4mpfen \u2013 h\u00f6chst unwahrscheinlich macht. Auch die engste Kontrolle der legalen Lieferwege wird die Kreise des illegalen Handels nicht st\u00f6ren. Es wirkt, als wolle man auf Eichen nach \u00c4pfeln suchen.<\/p>\n<p>Da kommt nat\u00fcrlich die Frage auf, wer das bezahlen soll?<br \/>\nReisen: Die TPD&#8196;2 legt die Bereitstellung der Ausr\u00fcstung, die notwendig ist, Tabakerzeugnisse in bestimmten Zust\u00e4nden zu erfassen, n\u00e4mlich im Kauf, Verkauf, der Lagerung, dem Transport sowie bei unspezifizierten anderen Handhabungen, den Zigarettenherstellern auf.<br \/>\nHeinen: Dabei muss gem\u00e4\u00df TPD diese Ausr\u00fcstung in der Lage sein, die erfassten Daten elektronisch zu lesen und an die entsprechenden Datenspeicher zu melden. Um die Meldung ordnungsgem\u00e4\u00df durchf\u00fchren zu k\u00f6nnen, ist aber das Zuf\u00fchren weiterer Daten aus anderen Systemen erforderlich.<\/p>\n<p>Zum Beispiel?<br \/>\nHeinen: Das sind etwa die Bestell- und Zahlungsstromdaten aus dem Warenwirtschafts- beziehungsweise Finanzsystem. Zu diesem Zweck m\u00fcssen Interfaces errichtet werden. Am Ende wird \u00fcber die Prozesskosten zu sprechen sein, die notwendigerweise durch das Erfassen von Daten entstehen \u2013 hier handelt es sich um rund 400 Millionen Erfassungsvorg\u00e4nge pro Jahr allein im Tabakwarengro\u00dfhandel.<br \/>\nReisen: Da es sich um Kosten handelt, die dem Produkt Tabakwaren zuzurechnen sind, werden die Zigarettenhersteller diese beim Festlegen des Kleinverkaufspreises, den ja allein sie bestimmen, entsprechend einpreisen m\u00fcssen. In einem ersten Statement an den Gro\u00dfhandel per Rundschreiben wurde von vier Herstellern ge\u00e4u\u00dfert, dass man sich die Kosten\u00fcbernahme f\u00fcr das Bereitstellen der Ausr\u00fcstung, die notwendig ist, um die Tabakerzeugnisse zu erfassen, vorstellt. Diese Interpretation \u2013 diese Eingrenzung der Kosten\u00fcbernahme auf die f\u00fcr die unmittelbare Erfassung der Tabakprodukte erforderliche Ausr\u00fcstung \u2013 sehen wir nicht, sie l\u00e4sst sich so auch nicht aus der Tabakdirektive ableiten. Die Tabakprodukthaftung \u2013 dazu geh\u00f6rt auch und in diesem Zusammenhang gerade die R\u00fcckverfolgbarkeit von Tabakerzeugnissen im Sinne der TPD&#8196;2 \u2013 kann nicht auf den Handel delegiert werden.<br \/>\nHeinen: Wobei es nicht trivial werden wird, zum Beispiel Kosten f\u00fcr Systemintegrationen und Interfaces zuzuordnen und zu bestimmen. Wir gehen indes davon aus, dass im Dialog zwischen den Herstellern von Tabakprodukten in Deutschland und den weiteren betroffenen Wirtschaftsteilnehmern in der Wertsch\u00f6pfungskette Tabak eine sachgerechte L\u00f6sung gefunden wird.<br \/>\nZeichnet sich im Hinblick auf Track&#8201;&#8201;&#038;&#8201;&#8201;Trace denn eine L\u00f6sung der \u00fcbrigen offenen Baustellen ab?<br \/>\nHeinen: Es gibt in der Tat noch eine Reihe von offenen Fragen, dies ist der Natur der Sache geschuldet. Der Zeitplan aus Br\u00fcssel erzwingt die parallele Bearbeitung von Sachverhalten, die voneinander abh\u00e4ngen und aufeinander aufbauen, also eigentlich und denklogisch nur nacheinander abgearbeitet werden k\u00f6nnen. In manchen Detailfragen wurden Fortschritte erzielt: So scheint es im Hinblick auf die KEP-Dienstleister\u2026<\/p>\n<p>Also die Branche der Kurier-, Express- und Paketdienste\u2026<br \/>\nHeinen: \u2026Licht am Ende des Tunnels zu geben. Am 14. Juni hat der Dienstleister DHL gegen\u00fcber dem Arbeitskreis Handel&#8201;\/&#8201;Industrie zum Thema Track &#038; Trace in Aussicht gestellt, seine Paketdienstleistungen auch nach dem 20. Mai 2019 noch f\u00fcr betroffene Tabakerzeugnisse erbringen zu k\u00f6nnen. Die \u00fcbrigen Dienstleister haben sich dazu noch nicht eingelassen.<br \/>\nReisen: Das ist nat\u00fcrlich zun\u00e4chst eine gute Nachricht, insbesondere auch f\u00fcr die kleineren Mitgliedsunternehmen des BDTA \u2013 aber auch eine bedenkenswerte. Der BDTA wird nicht zulassen, dass es im Hinblick auf den Paketversand von Tabakprodukten zu einem Monopol kommt.<\/p>\n<p>Ich m\u00f6chte noch zu etwas anderem kommen. In j\u00fcngerer Zeit gibt es Bestrebungen, einen Dachverband f\u00fcr die \u201eTabakfamilie\u201c zu gr\u00fcnden. BTWE-Pr\u00e4sident Rainer von B\u00f6tticher hat beim BTWE-Branchendialog in R\u00f6srath ge\u00e4u\u00dfert, dass der BTWE diesen Weg nicht mitgehen wolle. Wie steht der BDTA dazu?<br \/>\nHeinen: Wir beobachten diese Entwicklung durchaus mit Wohlwollen, jedoch auch mit einer gewissen Distanz. Es wird sich erweisen m\u00fcssen, ob die Gr\u00fcndung eines Dachverbandes aus sich heraus geeignet ist, die divergierenden Interessen der unterschiedlichen Stakeholder zu einem einheitlichen Standpunkt zu verdichten. Ganz besonders die Hersteller der unterschiedlichen Tabakprodukte stehen hier zun\u00e4chst und zuv\u00f6rderst im Fokus. Die Handelsverb\u00e4nde BDTA und BTWE werden also voraussichtlich nicht zu den Gr\u00fcndungsmitgliedern eines Dachverbandes geh\u00f6ren.<br \/>\nReisen: Aber selbstverst\u00e4ndlich nicht deshalb, weil wir uns einer konstruktiven Zusammenarbeit verschlie\u00dfen wollten. Die Kooperation mit den anderen Verb\u00e4nden, also derzeit insbesondere mit DZV, IGT und VdR, ist uns nicht nur wichtig, sie ist f\u00fcr uns essenziell. Vielmehr sind wir der Auffassung, dass es \u2013 zumindest nach derzeitiger Lage \u2013 besser ist, getrennt zu marschieren und vereint zu schlagen. Aufgrund unserer stark mittelst\u00e4ndischen und familiengepr\u00e4gten Gro\u00dfhandelsstruktur mit regionaler Verwurzelung sind wir wesentlich st\u00e4rker von regionalen M\u00e4rkten als von weltweiten B\u00f6rsenkursen abh\u00e4ngig und beeinflusst.<\/p>\n<p>Herr Reisen, Herr Heinen, ich bedanke mich f\u00fcr das Gespr\u00e4ch.<\/p>\n<p>Interview: Marc Reisner<\/p>\n<p>(DTZ31\/18)<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>M\u00d6NCHENGLADBACH \/\/ Seit 2011 lenken Michael Reisen und Paul Heinen gemeinsam die Geschicke des Bundesverbandes Deutscher Tabakwaren-Gro\u00dfh\u00e4ndler und Automatenaufsteller (BDTA). Der BDTA vertritt die gemeinsamen wirtschaftlichen, politischen und sozialen Interessen des Tabakwaren-Gro\u00dfhandels sowie des Zigarettenautomaten aufstellenden Handels in Deutschland. 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