{"id":47499,"date":"2018-07-10T22:00:00","date_gmt":"2018-07-10T22:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/tax.konradin-online.de\/?p=47499"},"modified":"2018-07-10T22:00:00","modified_gmt":"2018-07-10T22:00:00","slug":"erfolgreich-charismatisch-bodenstaendig","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/tax.konradin-online.de\/?p=47499","title":{"rendered":"Erfolgreich, charismatisch, bodenst\u00e4ndig"},"content":{"rendered":"<p><strong>BORDESHOLM \/\/<\/strong> Die deutsche Pfeifenszene trauert um einen der talentiertesten Macher: Eckhard St\u00f6hr ist tot. Der Bruy\u00e8re-K\u00fcnstler starb am 1. Juli, einen Tag vor seinem 64. Geburtstag, unerwartet in Bordesholm in Schleswig-Holstein. Eine Woche zuvor stellte er noch bei der Pfeifenmachermesse in Worth zum Gedenken an Rainer Barbi seine j\u00fcngsten Werke aus.<\/p>\n<p>Eckhard St\u00f6hr war ein Nordlicht par excellence: In Hamberge geboren lebte er bis vor wenigen Jahren unweit seines Geburtshauses, bis es ihn aus privaten Gr\u00fcnden nach Bordesholm in der N\u00e4he von Kiel zog. Und er liebte das Angeln so sehr wie das Anglerlatein. Seine gro\u00dfe Leidenschaft galt seit Ende der 1980er-Jahre auch dem Pfeifenbau. Er fing an wie viele: In einem Katalog von \u201eDanske Pibe\u201c (heute Dan Pipe in Lauenburg) entdeckte er vorgefertigte, mit Mundst\u00fcck versehene Kanteln. Ohne gro\u00dfes Werkzeug, aber mit viel Freude, Willenskraft und Enthusiasmus ging er ans Werk.<\/p>\n<p>Der Reiz vorgefertigter Kanteln verflog schnell, und so kaufte er fortan nur noch Plateauholz und Mundst\u00fcckrohlinge. \u201eEine Sucht war geboren. Ein Hobby, das mich bis heute fesselt\u201c, beschrieb er seinen Werdegang.<\/p>\n<p><strong> \u201ePfeifenmachen ist meine Leidenschaft\u201c<\/strong><br \/>\nAuf \u00f6rtlichen Kunsthandwerkerm\u00e4rkten verkaufte er erste Pfeifen, baute sich anschlie\u00dfend in der heimischen Garage eine eigene Werkstatt auf und investierte in Maschinen sowie in professionelles Equipment. Der seit dem 18. Lebensjahr passionierte Pfeifenraucher betrieb das Handwerk als Ausgleich zum Hauptberuf bei der Bundespolizei. \u201ePfeifenmachen ist meine Leidenschaft\u201c, sagte er vor Jahren: \u201eWenn ich in die Werkstatt gehe, dann ist das f\u00fcr mich Entspannung pur, eine Art geistige Erholung.\u201c<\/p>\n<p>Anfangs fertigte St\u00f6hr weitgehend Filterpfeifen und war selbst \u00fcberrascht von der gro\u00dfen Nachfrage nach handgefertigten St\u00fccken ohne Filter. Fortan baute er beides. \u201eEs muss f\u00fcr jeden Geschmack etwas auf dem Tisch sein\u201c, sagt er bei seiner ersten gr\u00f6\u00dferen Pr\u00e4sentation 2007 in Rheinbach. Er experimentierte mit unterschiedlichen Formen und diversen Finishs, sein Augenmerk galt dabei klassischen Formen, die er mit einer modernen Leichtigkeit interpretierte.<\/p>\n<p><strong>Holz steht im Mittelpunkt<\/strong><br \/>\nEckhard St\u00f6hr war kein Dogmatiker, kein Philosoph. Er arbeitete im Sinne von Rainer Barbi: Die Maserung und das Auge des Machers entscheiden, was aus der Kantel herauszuholen ist, das Holz steht im Mittelpunkt. Und wenn es galt, ein bestimmtes Shape umzusetzen, dauerte die Suche nach der richtigen Bruy\u00e8re-Kantel eben etwas l\u00e4nger. Sein Anspruch an sich selbst war hohe Pr\u00e4zision \u2013 in der Linienf\u00fchrung, der Maserung, dem sauberen und genauen Sitz der Bohrungen. Gestempelt wurden die Pfeifen zur\u00fcckhaltend mit \u201eES\u201c.<\/p>\n<p>Im Laufe der Jahre wurde er f\u00fcr viele junge Pfeifenmacher ein wichtiger Ratgeber, seine Kritik war gefragt und seine Hinweise mit Augenzwinkern wurden gesch\u00e4tzt. F\u00fcr die deutsche Szene war St\u00f6hr seit Jahren ein gefragter Gespr\u00e4chspartner f\u00fcr Kunden und H\u00e4ndler sowie ein Zugpferd \u2013 egal ob auf den Messen in Lohmar, bei Peter Heinrichs oder in Worth. Auch \u00fcber die Landesgrenzen hinaus wurden Sammler und H\u00e4ndler auf St\u00f6hr aufmerksam: Er verkaufte seine Unikate nach China, D\u00e4nemark, Kanada und in die USA.<\/p>\n<p><strong>Eine gro\u00dfe L\u00fccke<\/strong><br \/>\n\u201eIn jeder Pfeife steckt auch ein bisschen Herzblut\u201c, sagte er j\u00fcngst. Trotz der hohen Nachfrage sollte der Pfeifenbau f\u00fcr ihn ein Hobby und Nebenerwerb bleiben: \u201eDer Spa\u00df muss im Vordergrund stehen.\u201c Er war kein Gesch\u00e4ftemacher, daf\u00fcr war er viel zu kritisch mit sich selbst. Er war ein Charismatiker, ein guter Zuh\u00f6rer und ein mitrei\u00dfender Erz\u00e4hler, ein Original mit imposantem Auftreten, markantem Schnauzer und herzlichem Lachen. Eckard St\u00f6hr hinterl\u00e4sst eine gro\u00dfe L\u00fccke \u2013 fachlich wie menschlich. <i>tdh<\/i><\/p>\n<p>(DTZ 28\/18)<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>BORDESHOLM \/\/ Die deutsche Pfeifenszene trauert um einen der talentiertesten Macher: Eckhard St\u00f6hr ist tot. Der Bruy\u00e8re-K\u00fcnstler starb am 1. Juli, einen Tag vor seinem 64. Geburtstag, unerwartet in Bordesholm in Schleswig-Holstein. Eine Woche zuvor stellte er noch bei der Pfeifenmachermesse in Worth zum Gedenken an Rainer Barbi seine j\u00fcngsten Werke aus. 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