{"id":42413,"date":"2013-10-14T22:00:00","date_gmt":"2013-10-14T22:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/tax.konradin-online.de\/?p=42413"},"modified":"2013-10-14T22:00:00","modified_gmt":"2013-10-14T22:00:00","slug":"unterschiedliche-positionen-und-doch-im-selben-boot","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/tax.konradin-online.de\/?p=42413","title":{"rendered":"Unterschiedliche Positionen und doch im selben Boot"},"content":{"rendered":"<p><strong>M\u00dcNSTER (DTZ\/red).<\/strong> Der Lotto- und Toto-Verband der Annahmestelleninhaber in NRW (LTV) mit Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer Tobias Buller und WestLotto mit Prokurist und Vertriebschef Hans-J\u00fcrgen G\u00e4rtner, Prokurist und Vertriebschef \u2013 da stehen sich im Gespr\u00e4ch zwei Pers\u00f6nlichkeitengegen\u00fcber, deren Interessen nicht deckungsgleich sind, die sich aber andererseits bewusst sind, dass sie gleichwohl in einem Boot sitzen. <\/p>\n<p>Schlie\u00dflich geht es darum, in einem schwierigen Umfeld Spielums\u00e4tze zu generieren. Gelder f\u00fcr gemeinn\u00fctzige Zwecke, f\u00fcr Steuereinnahmen, aber auch Provisionen f\u00fcr die Annahmestellen. Friede und Freude aller Orten? Weit gefehlt. Die Probleme und Positionen beider Seiten sind auch kontrovers. Der eine kann aber nicht ohne den anderen. Schlie\u00dflich muss ja das Produkt \u201eSpiel\u201c zum Kunden.<\/p>\n<p><strong>Frage:<\/strong> Wie steht es um das Miteinander, wie ist denn die Zusammenarbeit wirklich?<\/p>\n<p><strong>Tobias Buller: <\/strong>Aus meiner Sicht partnerschaftlich, offen, ehrlich, nat\u00fcrlich auch kontrovers und optimierbar. Das war aber nicht immer so. Heute f\u00fchlen wir uns ernst genommen, finden Geh\u00f6r. Der Dialog funktioniert. Die Ergebnisse sind nat\u00fcrlich nicht immer in unserem Sinn.<\/p>\n<p><strong>Hans-J\u00fcrgen G\u00e4rtner:<\/strong> Als alter Hase kann ich nur sagen: Die Zeiten des \u201ekalten Krieges\u201c sind lange vorbei. Auch von unserer Seite denkt man heute dialogorientierter, offener und nach Verlegung des Verbandssitzes nach M\u00fcnster auch unmittelbarer. Wir h\u00f6ren zu, schlie\u00dflich sind trotz der notwendigen Suche nach neuen Vertriebswegen unsere Annahmestellen der Vertriebspartner Nr. 1. Lassen Sie mich auch sofort deutlich machen: Sie werden es auch bleiben! <\/p>\n<p><strong>Frage:<\/strong> In beiden Organisationen vollzieht sich ein Generationswechsel nicht nur bei den handelnden Personen. Wie sieht die Zukunft aus?<\/p>\n<p><strong>Hans-J\u00fcrgen G\u00e4rtner:<\/strong> Der LTV hat den Generationswechsel, zumindest was das Hauptamt angeht, vollzogen. Auch bei uns \u00e4ndert sich vieles. Nicht nur handelnde Personen, sondern Entscheidendes rund um die Annahmestellen. Die Fluktuation ist gro\u00df. 13 Annahmestellen haben im letzten Monat vorwiegend aus wirtschaftlichen Gr\u00fcnden entweder selbst das Handtuch geworfen oder sind insolvent gegangen. 153 neue Annahmestellen sollen in diesem Jahr neu dazu kommen, dabei wird aber die Anzahl der Annahmestellen nicht erh\u00f6ht. Rund 3&#8201;640 Annahmestellen haben wir zurzeit, deutlich weniger als noch vor Jahren. Die Standorte ver\u00e4ndern sich, die stark frequentierten Lagen sind f\u00fcr uns unverzichtbar. Sie entwickeln sich nachweislich wirtschaftlich besser und sind zukunftstr\u00e4chtig. Bestehende Vertragspartner sind aufgefordert, sich \u00fcber ihr zuk\u00fcnftiges Sortiment ernsthafte Gedanken zu machen. Die traditionellen Annahmestellen mit dem Sortiment Lotto, Zeitschriften und Tabak an einem frequenzarmen Standort haben jedenfalls aus meiner Sicht kaum eine Zukunft.<\/p>\n<p><strong>Tobias Buller: <\/strong>Ich bin jetzt seit \u00fcber zwei Jahren im Amt. Was sich allein in den letzten zwei Jahren ver\u00e4ndert hat, l\u00e4sst mich vermuten, dass in einigen Jahren nichts mehr so ist wie heute. Klar ist: Es wird f\u00fcr die Annahmestellen nicht einfacher.<\/p>\n<p>Unsere Aufgabe als Verband ist dabei, die Rahmenbedingungen zu verbessern, um das \u00dcberleben m\u00f6glichst vieler Annahmestellen sicher zu stellen. Dies wird aber nur m\u00f6glich sein, wenn auch die Mitglieder sich bewegen, Neues ausprobieren, mit der Zeit gehen. Um nur ein Thema anzusprechen: Der Online-Handel wird wachsen, die Annahmestellen m\u00fcssen reagieren. Eine Mehrkanalstrategie ist unabdingbar.<\/p>\n<p><strong>Hans-J\u00fcrgen G\u00e4rtner:<\/strong> Hier sind wir v\u00f6llig einer Meinung. Es gilt unter Experten als gesichert, dass beide Vertriebskan\u00e4le einander stark beeinflussen, so dass ein moderner H\u00e4ndler auf einen Internetauftritt nicht verzichten kann. Wir werden die Annahmestellen bei der Errichtung eines Internetauftrittes tatkr\u00e4ftig unterst\u00fctzen.<\/p>\n<p><strong>Frage: <\/strong>Die ver\u00e4nderten Rahmenbedingungen wurden genannt. Wie steht es um das leidige Thema \u201eStaatsvertrag\u201c. Was hat sich nach der Verabschiedung ver\u00e4ndert? Wohin geht die Reise?<\/p>\n<p><strong>Tobias Buller:<\/strong> Eine unendliche Geschichte&#8230; Die Geburtswehen des Staatsvertrages haben wir hautnah erleben d\u00fcrfen. Zu unserem Leidwesen allerdings erst nach massivem Einwirken. Die Anh\u00f6rung im Landtag von NRW zum neuen Gl\u00fccksspielstaatsvertrag war jedenfalls ern\u00fcchternd. Jugendschutz und Suchtbek\u00e4mpfung, Wettbewerb \u00fcber private Wettanbieter, illegales Spielgesch\u00e4ft \u2013 um nur einige Kernprobleme zu nennen \u2013 sind nach langem Hick-Hack in einen neuen Vertrag gegossen worden. Der Stein der Weisen konnte nicht gefunden werden. Schon auf der politischen Ebene gab es widerstreitende Interessen zwischen den Bundesl\u00e4ndern. Die jetzt im Nachgang in NRW verabschiedete Werberichtlinie gibt ein wenig Hoffnung auf Besserung. Andere Dinge werden auch weiter die Gerichte besch\u00e4ftigen.<\/p>\n<p><strong>Hans-J\u00fcrgen G\u00e4rtner:<\/strong> Lassen Sie mich das Stichwort Werberichtlinie aufgreifen. Hier wird man sehen m\u00fcssen, inwieweit die Gerichte die aus Sicht der Lottogesellschaften dringend notwendige M\u00f6glichkeit mitmachen, wieder intensiver Werbung betreiben zu d\u00fcrfen, wie die Privaten es unbehelligt seit Jahren tun. Nur so nebenbei: Schlie\u00dflich geht es auch um rund 670 Mio. Euro, die j\u00e4hrlich durch WestLotto f\u00fcr gemeinn\u00fctzige Zwecke zur Verf\u00fcgung gestellt werden. Auch die Genehmigungspraxis zum Betreiben von Annahmestellen macht uns sehr viel Arbeit. Der heilige B\u00fcrokratius zwingt auch langgediente Annahmestellen, u. a. ein polizeiliches F\u00fchrungszeugnis und einen aktuellen Gewerbezentralregister-Auszug vorzulegen. Bis heute sind auch die Lizenzen f\u00fcr Sportwetten noch nicht vergeben. Herr Buller hat uneingeschr\u00e4nkt recht: Eine unendliche und zudem in Teilen auch noch sehr unerfreuliche Geschichte\u2026<\/p>\n<p><strong>Frage: <\/strong>Das Thema Wettbewerb klang an. Das Internet gewinnt immer mehr an Bedeutung. Wo liegen die Grenzen? Ist Internetspiel Chance oder Risiko f\u00fcr die Annahmestellen?<\/p>\n<p><strong>Hans-J\u00fcrgen G\u00e4rtner: <\/strong>Augenblicklich unterhalten wir uns um eine Gr\u00f6\u00dfenordnung von unter 5 Prozent vom Gesamtumsatz. Wenn ich in die Zukunft blicken soll, so sind die Wachstumsraten sicher \u2013 wie im \u00fcbrigen Einzelhandel auch \u2013 auf den ersten Blick bedrohlich. Dennoch: Ich glaube, dass eine Gr\u00f6\u00dfenordnung von \u00fcber 20 Prozent Umsatzanteil, die eine im Auftrag des Bundesverbands der Lottoannahmestellen erstellte Analyse nahelegt, nicht realistisch ist. Ich will das Internetspiel nicht klein reden, schlie\u00dflich wachsen neue, international aufgestellte Anbieter wie Pilze aus dem Boden, eine Regulierung scheint kaum m\u00f6glich. Das staatliche Lotto muss durch neue Spiele, durch Seriosit\u00e4t punkten. Abzocke sei den anderen \u00fcberlassen!<\/p>\n<p><strong>Tobias Buller: <\/strong>Die Annahmestellen leiden unter den zunehmenden Angeboten im Internet. Sie w\u00fcrden auch gerne an den dort erzielten Ums\u00e4tzen teilhaben. Die Frage des \u201eWie\u201c besch\u00e4ftigt uns seit geraumer Zeit. Neidisch blicken wir auf die Kollegen in Bayern, die an den Ums\u00e4tzen im Internet beteiligt werden. Einen Weg dahin sehe ich, wenn es den Annahmestellen \u2013 auf welchem Weg auch immer \u2013 gelingt, nachweislich im Internet Umsatz zu generieren. Ich wiederhole mich: Dazu ist es zun\u00e4chst dringlich notwendig im Internet vertreten zu sein! Wir m\u00fcssen lernen, den station\u00e4ren und den Internethandel zu verzahnen, auch wenn ich f\u00fcr diese Meinung oft kritisiert werde. Wir m\u00fcssen schauen, wo der Kunde ist und uns auf dieses Medium mit einstellen. Andernfalls spielen wir den privaten Anbietern in die Karten.<\/p>\n<p><strong>Frage:<\/strong> Das Dauerthema Spielsucht und Jugendschutz klang an. Gibt es etwas Neues?<\/p>\n<p><strong>Hans-J\u00fcrgen G\u00e4rtner: <\/strong>Leider ja. Die Tests werden jetzt im Verantwortungsbereich der jeweiligen Bezirksregierungen durchgef\u00fchrt. Das \u201eLeider\u201c bezieht sich auf die drohenden Sanktionen wie Ordnungsgelder und Lizenzentzug durch die staatliche Aufsichtsbeh\u00f6rde.<\/p>\n<p><strong>Tobias Buller: <\/strong>Das \u201eLeider\u201c gilt aber f\u00fcr uns auch! Anreizsysteme wie Pr\u00e4mien f\u00fcr diejenigen, die sich vorbildlich verhalten, gibt es k\u00fcnftig nicht mehr. Andererseits er\u00f6ffnen Ma\u00dfnahmen der Ordnungsbeh\u00f6rden auch den Weg zu den Gerichten \u2013 vom Einspruch bis zur Klage gegen drohende Schlie\u00dfungen. Gleichwohl h\u00e4tte ich es f\u00fcr ein richtiges Signal den Annahmestellen gegen\u00fcber gehalten, die bislang gezahlten Pr\u00e4mien beizubehalten.<\/p>\n<p><strong>Frage:<\/strong> Von der Einf\u00fchrung des Eurojackpots hat man sich viel versprochen. Konnten die Erwartungen erf\u00fcllt werden?<\/p>\n<p>Hans-J\u00fcrgen G\u00e4rtner: Hier kann ich mit einem uneingeschr\u00e4nktem \u201eJa\u201c antworten. Die Wachstumsraten sind sehr erfreulich, besonders bei dem derzeitig steigenden Jackpot. \u00dcber acht Prozent des gesamten Umsatzes in NRW entfallen bereits auf das neue Spielangebot. Das zeigt deutlich die wachsende Bedeutung dieses Produktes.<\/p>\n<p><strong>Tobias Buller: <\/strong>Die Entwicklung zeigt, wie ungeheuer wichtig es ist, dass neue und zudem auch konkurrenzf\u00e4hige Produkte das Gesch\u00e4ft beleben. Spieler wollen spannende und gewinntr\u00e4chtige Anreize haben. Nat\u00fcrlich ist klar, dass das Damoklesschwert Spielsucht \u00fcber allem schwebt. Neue Produkte zu kreieren, ist nicht das Problem, sie genehmigungsf\u00e4hig zu machen, ist die weit schwerere Aufgabe.<\/p>\n<p><strong>Frage:<\/strong> Eine abschlie\u00dfende Frage zum k\u00fcnftigen Miteinander: Was erwartet der LTV von WestLotto und wie ist die Erwartung von WestLotto?<\/p>\n<p><strong>Hans-J\u00fcrgen G\u00e4rtner: <\/strong>Wir haben eine offene und faire Gespr\u00e4chskultur entwickelt und sind weiterhin sehr daran interessiert, bei allen anstehenden Themen die Annahmestellen und insbesondere den LTV als deren Interessenvertreter einzubinden. Daran erkennt man auch, dass keine Annahmestelle in NRW Bef\u00fcrchtungen haben muss, eine Mitgliedschaft im Verband werde vom Unternehmen negativ gewertet. Wir erwarten aber von unseren Gespr\u00e4chspartnern ein hohes Ma\u00df an Professionalit\u00e4t. Die komplexer werdenden Zusammenh\u00e4nge lassen auf schwierige Fragen leider keine einfachen Antworten zu.<\/p>\n<p><strong>Tobias Buller: <\/strong>Wir wollen nicht nur geh\u00f6rt, sondern stets auch ernst genommen werden. Wir wollen konstruktiv und \u2013 wenn notwendig auch mit kontroversen Positionen \u2013 mitwirken, um unsere berechtigten Interessen zur Geltung bringen. Wir sehen dabei die Lottogesellschaft nicht als nat\u00fcrlichen Feind, sondern als Partner \u2013 wir sitzen schlie\u00dflich im selben Boot.<\/p>\n<p>Nachdruck mit freundlicher Genehmigung aus einer Brosch\u00fcre des LTV NRW.<\/p>\n<p>(DTZ 42\/13)<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>M\u00dcNSTER (DTZ\/red). 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