{"id":42134,"date":"2013-06-24T22:00:00","date_gmt":"2013-06-24T22:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/tax.konradin-online.de\/?p=42134"},"modified":"2013-06-24T22:00:00","modified_gmt":"2013-06-24T22:00:00","slug":"aufgeben-kommt-nicht-infrage","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/tax.konradin-online.de\/?p=42134","title":{"rendered":"\u201eAufgeben kommt nicht infrage\u201c"},"content":{"rendered":"<p>D\u00d6BELN (DTZ\/erg\u00fc). \u201eD\u00f6beln versinkt in der Mulde!\u201c Der Hilferuf ging am 3. Juni durch die Medien. \u201e30 Hektar der Innenstadt \u00fcberflutet. 70 Menschen gerettet \u2026\u201c<br \/>\nDie Gro\u00dfe Kreisstadt in Mittelsachsen hat ein altes Problem, das in der Neuzeit immer gravierender zu Tage tritt. Der historische Stadtkern wird von zwei Armen der Freiberger Mulde umschlossen, so dass die City eine malerische Insel ist. Schwillt der Fluss jedoch  kann sich das Wasser nicht ausbreiten und \u00fcberschwemmt die Innenstadt. Dies geschah zuletzt vor elf Jahren in verheerendem Ma\u00dfe. Man nannte die Katastrophe damals \u201eJahrhundertflut\u201c. Kaum waren die Sch\u00e4den beseitigt, die Geb\u00e4ude restauriert und die Stadt wieder ein Schmuckst\u00fcck, kam an jenem 3. Juni 2013 die n\u00e4chste \u201eJahrhundertflut\u201c. Niemand ahnte, dass ein Jahrhundert so kurz sein k\u00f6nnte. Jetzt geht die Angst um in D\u00f6beln. Werden die Hausbesitzer und Gesch\u00e4ftsinhaber noch einmal die Kraft aufbringen oder geben sie auf? Wird die Innenstadt zur Geisterstadt?[p][\/p]<\/p>\n<p><strong>Historischer Tabakladen &#8230;<\/strong>[p][\/p]<br \/>\n\u201eNein\u201c, sagt Lutz Ro\u00dfberg (57) beim DTZ-Gespr\u00e4ch. \u201eAufgeben kommt f\u00fcr uns nicht infrage.\u201c Sein Haus habe die Fluten von 1897, 1953 und 2002 \u00fcberstanden, also werde, wie immer, die gesamte Familie \u2013 sie wohnt im Gesch\u00e4ftshaus \u2013 alle Anstrengungen unternehmen, die neuen Flutsch\u00e4den zu \u00fcberwinden. Wenn es auch von Mal zu Mal schwerer falle.[p][\/p]<br \/>\nDas Haus in der Breite Stra\u00dfe 4 beherbergt eines der \u00e4ltesten Tabakwarengesch\u00e4fte Deutschlands in Familienbesitz. Emil Ro\u00dfberg gr\u00fcndete es 1807. Seinen Namen tr\u00e4gt es noch immer. Die historische Ladeneinrichtung aus massiver Eiche stammt aus dem Jahr 1897 und steht bis heute in Diensten. \u201eNach 2002 haben wir sie wieder aufgearbeitet.\u201c[p][\/p]<\/p>\n<p>Auf 60 m\u00b2 Ladenfl\u00e4che werden heute neben Tabakwaren auch Spirituosen, Presse, Lotto und Geschenkartikel angeboten. \u201eTabakwaren liegen umsatzm\u00e4\u00dfig an der Spitze\u201c, berichtet der Gesch\u00e4ftsinhaber. \u201eWir f\u00fchren das Vollsortiment, haben auch einen Humidor mit Havannas und anderen Premiumzigarren. Viele Fachinformationen entnehmen wir der Tabak Zeitung.\u201c [p][\/p]<br \/>\nNeben ihm sind vier Teilzeitkr\u00e4fte t\u00e4tig, s\u00e4mtlich mit gro\u00dfem Engagement. Das Gesch\u00e4ft genie\u00dft einen guten Ruf \u00fcber die Stadtgrenzen hinaus. Neben dem breiten Sortiment sorgen Freundlichkeit und ausgepr\u00e4gter Service daf\u00fcr.[p][\/p]<\/p>\n<p><strong>\u2026 k\u00e4mpft mit Wasser und Schlamm<\/strong>[p][\/p]<br \/>\nAufmerksam auf das Gesch\u00e4ft wurde DTZ durch den Handelsverband Sachsen, Gesch\u00e4ftsstelle Chemnitz. Auf Anfrage teilte er mit, dass das D\u00f6belner Mitgliedsunternehmen der Branche Tabakwaren, Emil Ro\u00dfberg, von der Flut stark betroffen ist und Hilfe ben\u00f6tigt. Jedoch war der Telefonanschluss bis zum Mittag des 18. Juni tot. \u201eSie sind der erste Anrufer, der uns erreicht\u201c, sagte Petra Ro\u00dfberg, die Ehefrau des Inhabers. Mit ihr vereinbaren wir f\u00fcr den Folgetag ein Gespr\u00e4ch mit Lutz Ro\u00dfberg. [p][\/p]<\/p>\n<p> \u201eNachdem es auch wieder Strom gibt, sind wir in der Familie voll mit S\u00e4uberungsarbeiten und Schadensbeseitigung besch\u00e4ftigt\u201c, berichtet er als Erstes. \u201eVier Entfeuchter laufen Tag und Nacht. Durchzug w\u00e4re, wie wir 2002 feststellten, am Besten. Doch bei dem unbest\u00e4ndigen Wetter und der hohen Luftfeuchtigkeit w\u00e4re das zu gef\u00e4hrlich f\u00fcr die, die hier arbeiten.\u201c Das Austrocknen sei die Hauptfrage. Es d\u00fcrfte f\u00fcnf bis sechs Monate dauern. Eine bestimmte Wand braucht sogar ein ganzes Jahr. Die Grundmauern und der total geflutete Keller sind fast 300 Jahre alt. Das Wasser sitzt tief im Mauerwerk. Bis das einigerma\u00dfen trocknet \u2026 \u201eaber wir haben das halbe Gesch\u00e4ft schon wieder ge\u00f6ffnet. Lieber die H\u00e4lfte als gar nichts. Und wir brauchen ja jeden Euro.\u201c[p][\/p]<\/p>\n<p>2002 stand das Wasser im Gesch\u00e4ft 2,45 m hoch, au\u00dfen noch h\u00f6her. Der Gesamtschaden, der gr\u00f6\u00dfte am Geb\u00e4ude, belief sich auf rund 220&#8201;000 Euro. \u201eEin Gl\u00fcck, dass es diesmal nicht ganz so schlimm ist.\u201c Da das kommunale Warnsystem diesmal fr\u00fch reagierte, erstmals am Freitag, dem 31. Mai, konnten die H\u00e4ndler rechtzeitig Vorsorge treffen. In der Nacht zum Sonntag stieg die Mulde denn auch an. Ro\u00dfbergs begannen am zeitigen Morgen mit den Rettungsma\u00dfnahmen. Alles, was m\u00f6glich ist, wurde ausger\u00e4umt oder h\u00f6her gelagert oder im Haus nach oben getragen. [p][\/p]<\/p>\n<p>\u201eEs hat fast alles gut funktioniert. Etwa 90 Prozent des Warenbestandes konnten wir retten. Den Humidor brachten wir in letzter Minute in Sicherheit. Das Wasser stand bereits auf dem Treppenabsatz.\u201c Der H\u00f6chststand des Wassers wurde mit 1,30 m am Geb\u00e4ude und rund einem Meter im Laden gemessen. Die dicke Schlammschicht, die es hinterlie\u00df, soll der Warnung zufolge auch Giftstoffe enthalten haben. [p][\/p]<\/p>\n<p>\u201eKomplett futsch ist die B\u00fcroeinrichtung. Die Ladeneinrichtung werden wir wieder aufarbeiten. Am schlimmsten sind die Geb\u00e4udesch\u00e4den.\u201c Auch die Umsatzeinbu\u00dfen d\u00fcrften gewaltig sein. \u201eF\u00fcr die exakte Ermittlung der Sch\u00e4den ist es zu fr\u00fch. Nach meiner vorl\u00e4ufigen Sch\u00e4tzung wird sich die Schadenssumme zwischen 25&#8201;000 und 30&#8201;000 Euro bewegen.\u201c[p][\/p]<br \/>\nDas Geld zu beschaffen, f\u00e4llt nicht leicht. Angesichts der Insellage versichert keine Gesellschaft die Gesch\u00e4fte. Neue Kredite schon nach elf Jahren wieder aufzunehmen, kann sich kaum ein inhabergef\u00fchrtes Gesch\u00e4ft leisten. Die schnelle Hilfe des Landes ist begr\u00fc\u00dfenswert, doch nicht ausreichend. Wie es weiter geht, wissen die Wenigsten. \u201eWas wir selbst tun k\u00f6nnen, tun wir, und das ist nicht wenig\u201c, unterstreicht Lutz Ro\u00dfberg.[p][\/p]<\/p>\n<p>DTZ 26\/13<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>D\u00d6BELN (DTZ\/erg\u00fc). \u201eD\u00f6beln versinkt in der Mulde!\u201c Der Hilferuf ging am 3. Juni durch die Medien. \u201e30 Hektar der Innenstadt \u00fcberflutet. 70 Menschen gerettet \u2026\u201c Die Gro\u00dfe Kreisstadt in Mittelsachsen hat ein altes Problem, das in der Neuzeit immer gravierender zu Tage tritt. 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