{"id":41951,"date":"2013-04-08T22:00:00","date_gmt":"2013-04-08T22:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/tax.konradin-online.de\/?p=41951"},"modified":"2013-04-08T22:00:00","modified_gmt":"2013-04-08T22:00:00","slug":"neue-klagen-ueber-valora","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/tax.konradin-online.de\/?p=41951","title":{"rendered":"Neue Klagen \u00fcber Valora"},"content":{"rendered":"<p><strong>HAMBURG (DTZ\/kdp).<\/strong> Der Name \u201eValora\u201c findet derzeit in vielen Bereichen auff\u00e4llige Resonanz. Ob H\u00e4ndler, beim Lotto oder in verschiedenen Verb\u00e4nden, Valora Retail in Hamburg, Tochter des Schweizer Konzerns Valora, liefert seit einigen Monaten mit ihren Gesch\u00e4ftspraktiken Anlass f\u00fcr kritische \u00c4u\u00dferungen. <\/p>\n<p>DTZ berichtete bereits mehrmals \u00fcber das Vorgehen des Handelsunternehmens, das sich mit seinen Gesch\u00e4ftsmethoden den Zorn vielen seiner Franchisenehmer zugezogen hat. Diese sorgen sich um ihre wirtschaftliche Existenz und wehren sich zum Teil erbittert gegen die neuen Franchisevertr\u00e4ge mit schlechteren Konditionen. Die Kritik der Valora-Handelspartner konzentriert sich darauf, dass die noch laufenden Partnerschaftsvertr\u00e4ge der Convenience Concept GmbH (CC), haupts\u00e4chlich unter dem Firmenlogo Cigo und Tabakb\u00f6rse von Tobaccoland und sp\u00e4ter von Lekkerland geschlossen, am Ende der Laufzeit nur mit einem Franchisevertrag der Valora zu neuen, ung\u00fcnstigeren Bedingungen weiter gef\u00fchrt werden k\u00f6nnen. Neu ist der Protest einiger H\u00e4ndler gegen Verg\u00fctungsminderungen der Valora, die sich auf Werbezahlungen von 2012 beziehen.<\/p>\n<p><strong>Valora-Partner wehren sich<\/strong><br \/>\nDavon betroffen ist etwa Michael Spiecker, Betreiber der Tabak-B\u00f6rse im Plaza-Markt von Itzehoe. Er ist von seinem Rechtsanspruch \u00fcberzeugt. Anwaltliche Unterst\u00fctzung erh\u00e4lt er vom Lotto- und Totoverband Schleswig-Holstein, dessen Mitglied er ist.<\/p>\n<p>Zum neuen \u00c4rger mit Valora Retail sagt er: \u201eMein mit Convenience Concept geschlossener Vertrag erlaubt Werbung innerhalb und au\u00dferhalb meiner Gesch\u00e4ftsr\u00e4ume. Daf\u00fcr erhalte ich 1&#8201;000 Euro Verg\u00fctung zuz\u00fcglich der gesetzlichen Mehrwertsteuer. Diese Vereinbarung verl\u00e4ngert sich automatisch, sofern sie nicht mit einer Frist von einem Monat zum Kalenderjahresende gek\u00fcndigt wird. F\u00fcr mich ist diese Aussage eindeutig. Ich wehre mich gegen eine Minderung von 400 Euro, die Valora damit begr\u00fcndet, dass ein Anbieter bei seinen Zahlungen Abz\u00fcge in Anrechnung gebracht hat. Da ich keinen Vertrag mit dem Werbeanbieter sondern mit CC habe, bleibt mein Anspruch davon unber\u00fchrt. Eine Auffassung, die auch in der Korrespondenz des Anwalts zum Ausdruck kommt. Die Nachzahlungsaufforderung ist in diesen Tagen verstrichen. Meinen Rechtsanspruch werde ich gerichtlich geltend machen.\u201c<\/p>\n<p>Und Spiecker f\u00e4hrt fort: \u201eMein bestehender Vertrag l\u00e4uft noch bis zum Jahresende 2015. Unter den derzeitigen Bedingungen sehe ich keine Chance zum Abschluss eines neuen Vertrages. Dieser enth\u00e4lt dann Franchise-Bedingungen, die mir jede unternehmerische Initiative nehmen. Verhandlungen zum Wareneinkauf w\u00fcrden komplett entfallen, da die zu f\u00fchrenden Waren und auch die Einkaufspreise \u00fcber Valora laufen. Bisher akzeptierte Wareneink\u00e4ufe wie Lederwaren, Schmuck und Geschenkartikel, in aller Regel gut kalkuliert, d\u00fcrften nicht mehr gef\u00fchrt werden. Und neue Geb\u00fchren und Abgaben k\u00e4men noch dazu. Valora erhebt eine Franchise-Geb\u00fchr auf alle Warenverk\u00e4ufe von 0,6 Prozent und selbst beim Lotto sind 0,3 Prozent auf den Umsatz f\u00e4llig. Ganz zu schweigen von Mietgeb\u00fchren f\u00fcr ein neues Kassensystem und einer m\u00f6glichen neuen Ladeneinrichtung, die auch nur zu mieten w\u00e4re, ohne Eigentum an ihr zu erwerben.\u201c<\/p>\n<p>D\u00f6rte Grube, die ein Cigo-Gesch\u00e4ft gemeinsam mit Ehemann Horst im Sky-Markt in Kiel betreibt, verweist auf \u00e4hnliche Erfahrungen. \u201eWir haben eine Jahreswerbevereinbarung in H\u00f6he von 2&#8201;000 Euro geschlossen. Ohne Begr\u00fcndung sind uns 600 Euro zuz\u00fcglich Umsatzsteuer abgezogen worden. Auch f\u00fcr eine bis 2012 gezahlte Umsatzverg\u00fctung von 0,5 Prozent haben wir bisher vergeblich nachgefragt, ob diese Zahlung auch f\u00fcr 2013 gew\u00e4hrt wird. Wir vermissen Beratung, und wir stellen fest, dass es kein Interesse f\u00fcr unsere Probleme gibt\u201c, moniert die H\u00e4ndlerin. \u201eUnser Vertrag f\u00fcr die aktuelle Laufzeit wurde mit der Convenience Concept GmbH in Ratingen und nicht mit Valora geschlossen. Die Freiheit, erg\u00e4nzende Sortimente zu f\u00fchren, geh\u00f6rte hier zum unternehmerischen Prinzip und wurde umfassend toleriert und genehmigt. Die Folge w\u00e4re jetzt ein Sortiments- und Preisdiktat\u201c, kritisiert D\u00f6rte Grube.<\/p>\n<p>Auch Erich Feldle, der insgesamt vier Gesch\u00e4fte mit einer Zentrale in Mutterstadt betreibt, hat \u00c4rger in der Zusammenarbeit mit Valora, die Rechtsnachfolger der Convenience Concept GmbH ist. Dazu seine Darstellung: \u201eIn dem mit CC abgeschlossenen Partnervertrag ist eine Werbeverg\u00fctung innerhalb und au\u00dferhalb der Gesch\u00e4ftsr\u00e4ume vereinbart. F\u00fcr Cigo-Gesch\u00e4fte in Frankenthal sind 2&#8201;000 Euro und in Ha\u00dfloch 1&#8201;250 Euro zzgl. Mehrwertsteuer vereinbart. Insgesamt wurde eine K\u00fcrzung von 650 Euro zzgl. Mehrwertsteuer vorgenommen. Beide Gesch\u00e4fte befinden sich in Realkaufm\u00e4rkten. Ich habe den Zahlungsausgleich umgehend angemahnt und eine Antwort auf das Schreiben vom 27. Februar 2013 bis heute nicht erhalten.\u201c<\/p>\n<p>Dar\u00fcber hinaus hat der Inhaber noch einen weiteren Punkt der Zusammenarbeit angesprochen: \u201eIch verf\u00fcge \u00fcber zwei freie Gesch\u00e4fte ohne Lieferanten- und Vertragsbindung und \u00fcber zwei Cigo-Gesch\u00e4fte. In beiden F\u00e4llen arbeite ich mit den Lieferanten Lekkerland und ilo-proFit zusammen. Der Unterschied in den Einkaufspreisen durch die gew\u00e4hrte R\u00fcckverg\u00fctung betr\u00e4gt im Schnitt 2,5 Prozent. Diesen Unterschied halte ich f\u00fcr ziemlich hoch und habe darum gebeten, den Cigo-Preis auf ein akzeptables Niveau zu senken. Dazu hat der Valora-Au\u00dfendienstmitarbeiter mitgeteilt, dass alle Reklamationen zentral bearbeitet werden.\u201c<\/p>\n<p><strong>Verzicht auf Zusammenarbeit<\/strong><br \/>\nDort wo Neuverhandlungen zur Umwandlung in einen Franchise-Vertrag anstanden, haben verschiedene H\u00e4ndler auf eine weitere Zusammenarbeit mit Valora Retail verzichtet. Das betrifft etwa die Standorte Bordesholm, Burg Dithmarschen, Bad Schwartau, Brunsb\u00fcttel und Schleswig. Die Standorte werden bis zur Neuvermietung zum Teil von Valora selbst gef\u00fchrt. Auch \u00fcber \u201eImmobilien&#8231;scout24\u201c lassen sich bundesweit Gesch\u00e4fte aus dem Valora Bestand anmieten. Aktuell sind 15 Gesch\u00e4fte und Kioske im Angebot.<\/p>\n<p>Stellvertretend bringt Britta Kr\u00fcger, ehemals Partnerin in Bordesholm, die Situation auf den Punkt: \u201eWir haben kein Mitspracherecht auf unsere Artikel. Selbst Raucherbedarf verschwindet bei der neuen Ladeneineinrichtung irgendwo in der Ecke. Das ist f\u00fcr mich keine Basis einer fairen und existenziellen Zusammenarbeit. Ich h\u00e4tte jetzt mein zehnj\u00e4hriges Jubil\u00e4um gehabt. Doch immerhin noch das Gl\u00fcck in der Nachbarschaft einen neuen Laden zu finden, der gerade im Bau ist, wo ich mit echter Selbst\u00e4ndigkeit wieder neu anfangen werde.\u201c<\/p>\n<p>Valora Retail reagiert auf Kritik mit Aussagen wie: \u201eWir m\u00f6chten ein klar strukturiertes Betreibermodell. Daher erfolgt der Abschluss neuer Vertr\u00e4ge ausschlie\u00dflich als Franchisevertrag. Der Partner\/Unternehmer ist in seiner Entscheidung, ob er mit uns in die Zukunft geht, selbstverst\u00e4ndlich frei.\u201c<br \/>\nUnd weiter hei\u00dft es: \u201eDie Verdienstchancen sind in erster Linie immer vom Partner abh\u00e4ngig \u2013 schlie\u00dflich ist der H\u00e4ndler auch im Franchising ein eigenst\u00e4ndiger Unternehmer. Seine individuelle Planung und auch sein pers\u00f6nlicher Einsatz sind ausschlaggebend daf\u00fcr, wie erfolgreich er ist.\u201c<\/p>\n<p>Betroffene H\u00e4ndler bezeichnen diese Einsch\u00e4tzung als \u201eAugenwischerei\u201c und st\u00f6ren sich an der Formulierung \u201eeigenst\u00e4ndiger Unternehmer\u201c, da nach ihrer \u00dcberzeugung jegliche Einkaufsspielr\u00e4ume verloren gehen, Preise und Sortimente von Valora ohne Mitsprache vorgegeben und mit \u201eschnelldrehenden\u201c Tabak- und Presseprodukten keine Alleinstellung zu erzielen sei. Mit \u00dcbernahme des Franchisekonzeptes werden erhebliche Ertragseinbu\u00dfen bef\u00fcrchtet. Laut Musterberechnungen der ver\u00e4rgerten Valora-Franchisenehmer sollen sie durch die Vertragsverschlechterungen mindestens ein Drittel ihres Einkommens verlieren.<\/p>\n<p><strong>Gefahr f\u00fcr Rauchkultur<\/strong><br \/>\nHeinz und Bernd Strohkark, Raucherbedarfsartikel-Gro\u00dfh\u00e4ndler mit breiter Sortierung f\u00fcr Feuerzeuge, Zigarren und in der Sommersaison f\u00fcr Geschenkartikel in Itzehoe, f\u00fchlen sich auch von der Varola-Gesch\u00e4ftspolitik nachhaltig betroffen. \u201eWir haben keine Kunden verloren, weil alle ausgestiegenen Partner neue Gesch\u00e4fte anmieten konnten und wir als Lieferant erhalten blieben. Die alten Gesch\u00e4fte jedoch, die nun nach dem Franchise-Konzept gef\u00fchrt werden, sind uns als Kunden nicht mehr zug\u00e4nglich. In diesen Gesch\u00e4ften hat sich auch ein erheblicher Wandel vollzogen, weil man sich im Fachbereich Tabakwaren auf die Schnelldreher Zigarette und Tabak konzentriert.<\/p>\n<p>Damit m\u00fcssen wir mit einem Typ ,uniformierter Gesch\u00e4fte\u2019 leben, die austauschbar sind und \u00fcberall gleich aussehen. Das macht mir noch mehr Angst um die Branche, weil die RBA-Produkte weiter in den Hintergrund treten und in unserer l\u00e4ndlichen Region Verbraucher ohne vern\u00fcnftige Versorgung auskommen m\u00fcssen, die dann nur noch in St\u00e4dten erfolgen kann. Wir sehen Gefahr f\u00fcr Rauchkultur, Sortiment, Eigenst\u00e4ndigkeit und letztlich f\u00fcr unsere Existenz\u201c, ziehen beide ein sorgenvolles Fazit.<\/p>\n<p>Wie es weiter geht, bleibt abzuwarten. Mittlerweile haben Gespr\u00e4che der Spitze des Bundesverband der Lotto-Toto-Verkaufsstellen (BLD) mit leitenden Mitarbeitern von Valora Retail stattgefunden. Alle offenen Fragen speziell zur Verg\u00fctungsthematik sollen z\u00fcgig bearbeitet werden. Entscheidungen und Vereinbarungen sind aber noch nicht zu verk\u00fcnden.<\/p>\n<p><strong>\u201eIn der sch\u00f6nen Schweiz\u201c<\/strong><br \/>\nIn den Kreisen der Valora-Partner kursiert derzeit ein Artikel, der in der Zeitung der Schweizer Gewerkschaft \u201ework\u201c am 28. Februar 2013 erschienen ist. Unter der \u00dcberschrift \u201eVogel friss oder stirb\u201c wird hier \u00fcber die Praktiken von Valora in der Schweiz beim Aufbau eines Kiosk-Agentur-Systems berichtet. Am Beispiel von Anna Gerber, einer langj\u00e4hrigen Kioskmitarbeiterin des Unternehmens, wird die Vorgehensweise beschrieben. Der 63-J\u00e4hrigen wurde nach einer Betriebszugeh\u00f6rigkeit von 25 Jahren gek\u00fcndigt, ein Jahr vor der Rente. Der Kiosk im Berner Oberland, den sie als Gesch\u00e4ftsf\u00fchrerin geleitet hat, soll in eine Agentur umgewandelt werden. Das neue Agentur-Modell propagiert Valora f\u00fcr alle ihre Kioske in der Schweiz. Wer seine eigene Kiosk&#8231;agentur \u00fcbernehmen m\u00f6chte, muss eine GmbH gr\u00fcnden und 20&#8201;000 Franken Startkapital mitbringen. Die Agenturleiterin erh\u00e4lt eine Provision, abh\u00e4ngig vom Umsatz. Aus dieser Provision bezahlt sie den Lohn ihrer Angestellten und sich selbst. Ende 2012 z\u00e4hlte die Valora in der Schweiz 300 solcher Agenturen; bis 2015 sollen es 800 sein. Dazu meinen frustierte Valora-Partnern aus Deutschland: \u201eIrgendwie kommt einem das bekannt vor&#8230;\u201c<\/p>\n<p>(DTZ 15\/13)<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>HAMBURG (DTZ\/kdp). Der Name \u201eValora\u201c findet derzeit in vielen Bereichen auff\u00e4llige Resonanz. 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