{"id":37360,"date":"2008-11-12T23:00:00","date_gmt":"2008-11-12T23:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/tax.konradin-online.de\/?p=37360"},"modified":"2025-03-05T08:43:21","modified_gmt":"2025-03-05T08:43:21","slug":"ein-produkt-das-mit-emotionen-spielt","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/tax.konradin-online.de\/?p=37360","title":{"rendered":"\u201eEin Produkt, das mit Emotionen spielt\u201c"},"content":{"rendered":"<h3>Moderne Gru\u00dfkarten als rentabler Bereich, der in das Sortiment vieler Fachgesch\u00e4fte passt<\/h3>\n<p> <strong>GRU\u00dfKARTEN<\/strong><br \/> <strong>MAINZ (DTZ\/kh).<\/strong> \u201eLiebe ist &#8230; wenn man jeden Tag etwas Sch\u00f6nes gesagt bekommt\u201c, lautet der Spruch auf der bunten Karte mit dem eng umschlungenen Comic-P\u00e4rchen. Gl\u00fcckwunschkarten sind begehrt. Allein im Jahr 2007 wurden 635 300 000 St\u00fcck verkauft. Es ist ein rentables Gesch\u00e4ftsfeld, das angesichts von Umsatz- und Ertragsr\u00fcckg\u00e4ngen in anderen Bereichen durchaus Freude bereitet.<\/p>\n<p> Gru\u00dfkarten gibt es schon lange. Laut Arbeitsgemeinschaft der Hersteller und Verleger von Gru\u00dfkarten (AVG) ist die \u00e4lteste, bekannte Gl\u00fcckwunschkarte aus dem deutschsprachigen Raum datiert aus dem Jahr 1493. \u201eEs ist ein Produkt, das mit Emotionen spielt\u201c, sagt Sabine Kleinmann vom Produktmanagement Karten und Leiterin der Abteilung beim Korsch Verlag in Gilching. Doch die Motive haben sich ver\u00e4ndert. \u201eKlar gibt es Trends. Auf den Karten ist immer mehr drauf, etwa Lesezeichen, Aufkleber oder \u00e4hnliches\u201c, sagt Kleinmann. \u201eStanzungen sind beliebt, andere Faltungen oder Transparentpapier\u201c, beschreibt die Expertin: \u201eDie Illustrationen, die man fr\u00fcher hatte, gibt es heute h\u00f6chstens in modernisierter Form. Aktuell \u00fcberwiegen Fotomotive und glatte Oberfl\u00e4chen.\u201c <\/p>\n<p> Auch das l\u00e4ngliche Format scheint g\u00e4nzlich out zu sein. \u201eDIN lang wird bei uns in Deutschland nur noch wenig nachgefragt. Es gilt als altbacken. In der Schweiz ist dieses Format dagegen sehr beliebt.\u201c B 6 (125 mm mal 176 mm) hat sich hierzulanden am meisten durchgesetzt, best\u00e4tigt Kleinmann. \u201eDiese Gr\u00f6\u00dfe l\u00e4sst sich sehr gut in Karten-Truhen aufbewahren und die St\u00e4nder sind genormt.\u201c Selbst das beliebte Quadrat ist da keine echte Konkurrenz.<\/p>\n<p> Kleinmann unterscheidet zwischen zwei K\u00e4uferschichten: \u201eEs gibt diejenigen, die g\u00fcnstige Karten kaufen wollen und andere, die die Karte bereits als Teil des Geschenks sehen. Diese Gruppe zahlt gerne auch etwas mehr daf\u00fcr.\u201c Aus diesem Grund bietet Korsch eine ganze Serie f\u00fcr jeweils einen Euro an, die anderen Karten kosten bis zu drei Euro pro St\u00fcck. \u201eDiese Ein-Euro-Karten werden bei uns sehr stark nachgefragt\u201c, erkl\u00e4rt die Branchenkennerin.<\/p>\n<p> Rot, Grau, Gold und Silber sind beliebte Weihnachtsfarben. \u201eDie Klassiker sind zu dieser Jahreszeit am gefragtesten. Eine Weihnachtskarte soll traditionell bleiben, darf h\u00f6chstens mal witzig sein\u201c, sagt Kleinmann. \u201eOrange ist seit einigen Jahren beliebt.\u201c Gut gehen auch schwarz-wei\u00dfe Karten mit einem knallroten Element.<\/p>\n<p> Die Trendfarben 2009 sind Lila und Hellgr\u00fcn. \u201eWir wissen noch nicht, welche Rolle diese beiden Farben f\u00fcr unsere kommende weihnachtliche Gl\u00fcckwunschkarten-Kollektion spielen werden. F\u00fcr die normale Kollektion sind sie auf jeden Fall wichtig.\u201c<\/p>\n<p> <i>Klassische Weihnachtskarten sind am beliebtesten<\/i><br \/> Inzwischen gibt es f\u00fcr die allermeisten Situationen im Leben passende Gl\u00fcckwunschkarten. Der Korsch Verlag legt seinen Fokus auf Geburtstag, Allgemeine W\u00fcnsche, Geburt, Trauer und Hochzeit. \u201eDie anderen Anl\u00e4sse werden weniger gekauft\u201c, so Kleinmann. F\u00fcr alle Gl\u00fcckwunschkarten gelte: \u201eDie Spr\u00fcche m\u00fcssen unbedingt positiv sein.\u201c Es ist ein Produkt, \u201edas mit Emotionen spielt\u201c.<\/p>\n<p> Zuversichtlich und entspannt blickt die Abteilungsleiterin in die Zukunft. An eine Verdr\u00e4ngung der Karte durch E-Cards \u2013 Gr\u00fc\u00dfe, die via Internet gesendet werden \u2013 glaubt Kleinmann nicht. \u201eKarten sind viel pers\u00f6nlicher\u201c, findet sie. \u201eKartenschreiber werden auch weiterhin welche schreiben. E-Cards werden vor allem von einer j\u00fcngeren Zielgruppe genutzt, die sowieso keine Gl\u00fcckwunschkarten kaufen w\u00fcrde.\u201c<br \/> W\u00e4hrend Weihnachtskarten in der klassischen Variante nach wie vor am beliebtesten sind, darf es rund um das Jahr kreativ zugehen. \u201eIn den anderen Bereichen experimentiert man.\u201c<\/p>\n<p> Neu in der Kollektion des Korsch Verlages sind Duftkarten. Die Vorderseiten mit Wellness-Motiven m\u00fcssen gerieben werden und riechen dann nach Zitronenmelisse. Sie wurden mit einem Duftlack veredelt. \u201eDiese Karten sind sehr gut angenommen worden\u201c, sagt Kleinmann.<br \/> Neben Weihnachtskarten bietet Korsch unter anderem auch Adventskalender-Karten mit verschiedenen Motiven an. Bei diesen Gr\u00fc\u00dfen kann an jedem der 24 Tage bis Weihnachten ein T\u00fcrchen aufgemacht werden, hinter dem sich ein Bild verbirgt. Auch hier gibt es Karten, bei denen eines der ge\u00f6ffneten Felder duftet.<\/p>\n<p> Mittel- und hochpreisige Karten zwischen 1,60 und 4,90 Euro bietet der Klaus Hanfstingl Verlag in Geretsried-Gelting (Bayern). \u201eKeine Massenware\u201c, wie Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer Matthias Hanfstingl betont. \u201eDie Gl\u00fcckwunschkarte hat sich in den letzten Jahren gewandelt und ist moderner geworden.\u201c W\u00e4hrend sich Druck und Applikationen kaum ver\u00e4ndert haben, und auch Materialien wie Filz oder Strick nach wie vor gerne aufgeklebt werden, ist die Gestaltung neu. \u201eDas Foto ist wesentlich st\u00e4rker als noch vor f\u00fcnf Jahren\u201c, wei\u00df Hanfstingl. \u201eDas kommt immer mal wieder. Jetzt ist es vor allem in schwarz-wei\u00df sehr beliebt.\u201c Auch ein Arrangement aus mehreren Fotos zu einem Bild erfreue sich gro\u00dfer Beliebtheit bei den K\u00e4ufern.  Wie bei Korsch sind bei Hanfstingl zu Weihnachten gerade die Klassiker gefragt. \u201eDoch die Motive haben sich ver\u00e4ndert\u201c, wei\u00df der Fachmann. \u201eHeute gibt es neben Nikolaus und Engeln auch Elche oder Weihnachtsm\u00e4nner. Die gab es fr\u00fcher nicht.\u201c <\/p>\n<p> Das Angebot f\u00fcr billige Karten ist da, wei\u00df der Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer. Sie seien meistens mit abgelegten und wieder neu aufbereiteten Motiven bedruckt. \u201eDoch viele Menschen sehen eine Gl\u00fcckwunschkarte als pers\u00f6nliche Visitenkarte an, die man verschickt. Deshalb ist ihnen die Optik sehr wichtig. Kunden kaufen, was ihnen pers\u00f6nlich gut gef\u00e4llt.\u201c<\/p>\n<p> <i>Kompetenz durch ein breites Angebot ausstrahlen<\/i><br \/> Der Klaus Hanfstingl Verlag bietet Fachh\u00e4ndlern passende Pr\u00e4sentationsm\u00f6glichkeiten an. \u201eIm St\u00e4nder wird meist ein zusammenh\u00e4ngendes Thema pr\u00e4sentiert\u201c, sagt Matthias Hanfstingl. \u201eJe mehr von der Karte gesehen wird, desto besser.\u201c<br \/> Generell bietet der Verlag Gl\u00fcckwunschkarten aller Themenbereiche an \u2013 \u201evon der Geburt bis zum Tod\u201c, wie Hanfstingl umschreibt. \u201eWill ein H\u00e4ndler Kompetenz ausstrahlen, muss er auch Karten f\u00fcr besondere Anl\u00e4sse haben\u201c, sagt er. \u201eSie gehen ja auch nicht in ein Tabakgesch\u00e4ft, das nur eine Tabak- oder Zigarettensorte anbietet.\u201c <\/p>\n<p> In die Zukunft der Gru\u00dfkarten-Branche blickt Matthias Hanfstingl gelassen. \u201eKarten gehen immer. Wichtig ist f\u00fcr uns, das geschrieben wird, das Emotionen ausgetauscht werden. Gl\u00fcckwunschkarten vermitteln eine andere Wertigkeit des Wortes als beispielsweise E-Mails oder E-Cards. Es steht f\u00fcr ein anderes Lesen und andere Gedanken. Das Onlineangebot hat dem Gl\u00fcckwunschkarten-Segment nur wenig Umsatz weggenommen\u201c, sagt der Verlags-Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer. \u201eDas Internet hat vor allem die Themen eingenommen, in denen die Karte nie stark war, wie beispielsweise das Osterfest. Und das Medium spricht vor allem eine j\u00fcngere Zielgruppe an.\u201c Um aber auch f\u00fcr sie interessant zu sein, versucht der Verlag Motive trendig zu gestalten, etwa durch Symbole.<\/p>\n<p> Warum das Gesch\u00e4ft mit Gru\u00dfkarten f\u00fcr H\u00e4ndler interessant ist, erkl\u00e4rt Sebastian Winkler vom Seidel Verlag aus G\u00f6ttingen. Wenn man das Gesch\u00e4ft mit Gru\u00dfkarten professionell betreibe (Minimum drei Verkaufsst\u00e4nder) k\u00f6nne man je nach Kundenfrequenz etwa 20 bis 60 Karten am Tag verkaufen. Top Gesch\u00e4fte (ab zirka 20 Verkaufsst\u00e4nder) verkauften mehr als 250 Karten am Tag, umschreibt Winkler seine Erfahrungen.<\/p>\n<p> \u201eDer Umsatz ist sehr rentabel. Der durchschnittliche Aufschlag auf den Einkaufspreis ist aktuell im Schnitt 140 Prozent. Die Gru\u00dfkarte hat kein Mindesthaltbarkeitsdatum. Abschriften beziehungsweise Abschreibungen sind minimal. Viele unserer Kunden haben r\u00fcckl\u00e4ufige Ums\u00e4tze in den Bereichen Tabak und Lotto mit steigenden Ums\u00e4tzen im Bereich Gru\u00dfkarten kompensiert.\u201c<br \/> Der H\u00e4ndler habe entweder die M\u00f6glichkeit, das Gru\u00dfkarten-Sortiment in Eigenregie zu pflegen oder dies dem Au\u00dfenh\u00e4ndler des Karten-Herstellers zu \u00fcberlassen. Letzteres Gesch\u00e4ftsmodell hat sich laut Winkler etabliert.<\/p>\n<p> \u201eIn den letzten zehn Jahren hat ein gro\u00dfer Wandel im Markt stattgefunden\u201c, wei\u00df der gesch\u00e4ftsf\u00fchrende Gesellschafter. \u201eVor zehn Jahren hat Seidel 90 Prozent grafische, das hei\u00dft gezeichnete Karten, verkauft. Fotokarten hatten einen Anteil von nur zehn Prozent. Heute sind gezeichnete Karten nur noch im Humorbereich wichtig und haben bei uns einen Umsatzanteil von 20 Prozent. Moderne Fotokarten machen hingegen 80 Prozent des Firmenumsatzes aus.\u201c<\/p>\n<p> \u201eNeuheiten, Neuheiten, Neuheiten\u201c, sagt Winkler und betont, dass dies die wichtigste Erfolgsformel im Gru\u00dfkartengesch\u00e4ft sei. \u201eJeder Verlag und jeder H\u00e4ndler sollte seine Stammkundschaft m\u00f6glichst h\u00e4ufig mit neuen ausdrucksstarken Motiven \u00fcberraschen.\u201c<br \/> Dabei seien vor allem ausgefallene Motive in: \u201eNicht nur Blumen und Herzen zum Geburtstag. Renner sind Wellness-Motive beispielsweise mit Steinen.<\/p>\n<p> <i>Kartenangebot in spezifischer Gesch\u00e4ftslage testen<\/i><br \/> Das w\u00e4re vor Jahren undenkbar gewesen. Trauerkarten sind sehr modern geworden. Auch hier sind Steine ein wichtiges Thema.\u201c Fotogru\u00dfkarten mit Spr\u00fcchen verkaufen sich zu allen Anl\u00e4ssen rund zwei bis drei Mal so gut wie Karten ohne Spr\u00fcche, so Winkler. Gl\u00fcckwunschkarten mit Applikationen oder 3-D-Karten seien dagegen nicht mehr so stark gefragt. Exoten wie beispielsweise Metallschilder k\u00f6nnten nur im Einzelfall erfolgreich sein.<br \/> H\u00e4ndlern, die sich dazu entscheiden Gru\u00dfkarten in ihr Sortiment aufzunehmen, r\u00e4t Sebastian Winkler, probeweise zwei bis drei Drehst\u00e4nder einzukaufen, diese mit Fotokarten verschiedener Verlage zu best\u00fccken und zu testen, welche in der spezifischen Gesch\u00e4ftslage am besten ankommen (Verkaufspreis der Karten 1,90 bis 2,50 Euro). Mit nur einem St\u00e4nder anzufangen, k\u00f6nne man sich sparen.<\/p>\n<p> Der Seidel Verlag beliefert in Deutschland und \u00d6sterreich zur Zeit 7 000 Kunden mit der aktuellen Kollektion. \u201eUnser Motto lautet ,wir machen die Trends\u2018\u201c, so Winkler. \u201eF\u00fcr uns bedeutet das, unsere Kundschaft Monat f\u00fcr Monat mit neuen und ausgefallenen Motiven zu \u00fcberraschen.\u201c<\/p>\n<p> 635 300 000 Karten wurden im Jahr 2007 verkauft \u2013 f\u00fcr insgesamt 683 700 000 Euro. Davon laut Marktforschungsdaten, die die AVG auf ihrer Homepage ver\u00f6ffentlicht, 77,7 Prozent mit Text. Am beliebtesten sind mit 83,7 Prozent Karten zum Ausklappen. Vor allem Frauen lieben diese Art des Gru\u00dfes. Zielgruppe und K\u00e4ufer ist in Deutschland deshalb mit 63,5 Prozent vor allem das weibliche Geschlecht.<\/p>\n<p> (DTZ 46\/08)<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Moderne Gru\u00dfkarten als rentabler Bereich, der in das Sortiment vieler Fachgesch\u00e4fte passt GRU\u00dfKARTEN MAINZ (DTZ\/kh). \u201eLiebe ist &#8230; wenn man jeden Tag etwas Sch\u00f6nes gesagt bekommt\u201c, lautet der Spruch auf der bunten Karte mit dem eng umschlungenen Comic-P\u00e4rchen. Gl\u00fcckwunschkarten sind begehrt. Allein im Jahr 2007 wurden 635 300 000 St\u00fcck verkauft. 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