{"id":37156,"date":"2008-08-20T22:00:00","date_gmt":"2008-08-20T22:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/tax.konradin-online.de\/?p=37156"},"modified":"2025-03-05T07:54:13","modified_gmt":"2025-03-05T07:54:13","slug":"bis-der-umsatz-sprudelt","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/tax.konradin-online.de\/?p=37156","title":{"rendered":"Bis der Umsatz sprudelt"},"content":{"rendered":"<h3>Der Tabakfachh\u00e4ndler Michael Kegreiss setzt neben Single Malt Whisky nun auch auf Champagner<\/h3>\n<p><strong>SPIRITUOSEN<\/strong><\/p>\n<p>[pic|79|l|||Die Leidenschaft wurde f\u00fcr den Fachh\u00e4ndler zum Beruf: Edle Tabake und feine Spirituosen geh\u00f6ren f\u00fcr Michael Kegreiss einfach zusammen.|||]<\/p>\n<p><strong>STUTTGART (DTZ\/esa).<\/strong> \u201eBr\u00fcder! Kommt geschwind. Ich trinke Sterne!\u201c soll Ende des 17. Jahrhunderts Dom P\u00e9rignon begeistert ausgerufen haben \u2013 der Benediktinerm\u00f6nch gilt als der Erfinder des Champagners. Tats\u00e4chlich setzte er aber alles daran, dass keine Bl\u00e4schen in die Flasche kommen; f\u00fcr den Kellermeister der Abtei von Hautvillers waren sie nur eine unerw\u00fcnschte Nebenerscheinung. Doch das tut der Legende und dem Champagner-Mythos keinen Abbruch: 2007 wurden weltweit 338 Mio. Flaschen Champagner verkauft und der Vorjahresrekord um drei Prozent gesteigert. Deutschland ist nach Frankreich, Gro\u00dfbritannien und den USA mit j\u00e4hrlich elf Millionen Flaschen viertgr\u00f6\u00dfter Abnehmer. <\/p>\n<p> Hier zu Lande scheint der edle Schaumwein immer mehr Genie\u00dfer zu finden. Nicht als prestigetr\u00e4chtige Luxusbrause f\u00fcr euphorisierte Anh\u00e4nger der New Economy, wie es vor zehn Jahren der Fall war, sondern f\u00fcr Menschen, die den Wert eines au\u00dfergew\u00f6hnlichen Naturproduktes zu sch\u00e4tzen wissen. Und wer versteht davon mehr als die Kunden eines Tabakfachgesch\u00e4ftes? So ist seit kurzem das Schaufenster von Michael Kegreiss mit Champagner dekoriert. Vor zehn Jahren hat er seine privaten Leidenschaften zum Beruf gemacht und in der Stuttgarter Eberhardtstra\u00dfe ein Fachgesch\u00e4ft f\u00fcr Zigarren und schottischen Single Malt Whisky er\u00f6ffnet. Die Gewichtung der beiden Gen\u00fcsse gibt der Tabakfachh\u00e4ndler mit \u201e50 : 50\u201c an \u2013 f\u00fcr ihn geh\u00f6ren sie einfach zusammen, jedenfalls in den 35 Quadratmetern seines Gesch\u00e4ftes. <\/p>\n<p> Dort findet man im begehbaren Humidor eine gro\u00dfe Auswahl edler Longfiller aller Provenienzen, und der Bestand des g\u00e4lischen Lebenswassers hat sich mit den Jahren auf gut 300 Sorten erweitert. Immer tiefer konnte Kegreiss in die faszinierende Materie eindringen, sich spezialisieren und wichtige Kontakte kn\u00fcpfen. Dabei kam der ehemalige Autoh\u00e4ndler aus Ludwigsburg erst 1996, w\u00e4hrend eines England-Urlaubs, mit Single Malt Whisky in Kontakt: \u201eDavor hatte ich nur Supermarktprodukte wie Chivas Regal gekannt\u201c. <\/p>\n<p> Doch das Aha-Erlebnis in einem Londoner Pub hinterlie\u00df weit reichende Spuren. Eines der H\u00f6hepunkte war 2006 die eigene Einzelfassabf\u00fcllung eines 25 Jahre alten \u201eHighland Park\u201c \u2013 innerhalb k\u00fcrzester Zeit waren die 120 Flaschen mit dem Etikett \u201eThe Masterplan Malts Vol. I\u201c vergriffen. Die Nummer 001 hatte sich Michael Kegreiss f\u00fcr besondere Anl\u00e4sse gesichert.<\/p>\n<p> Warum Whiskykenner so f\u00fcr Einzelfassabf\u00fcllungen schw\u00e4rmen, hat einen entscheidenden Grund: So, wie Zigarrentabake von Ernte zu Ernte immer neu komponiert werden m\u00fcssen, damit der Aficionado \u201eseine\u201c Marke als solche geschmacklich wiedererkennt, werden in Whiskyfirmen verschiedene Single Malt-F\u00e4sser so miteinander verschnitten, damit beispielsweise ein 15 Jahre alter \u201eDalwhinnie\u201c immer seine typischen Heidekrautnoten und seine malzige S\u00fc\u00dfe besitzt. Der Whiskyliebhaber erh\u00e4lt somit \u00fcber die Jahre hinweg ein konstantes Produkt. <\/p>\n<p> Der Kenner interessiert sich aber noch mehr f\u00fcr die einzelnen F\u00e4sser, deren unverschnittener Inhalt de facto ein Unikat ist. So gibt es unabh\u00e4ngige Abf\u00fcller (beispielsweise Signatory), die einer Destillerie wie etwa Macallan ein ganz bestimmtes Fass abkaufen, abf\u00fcllen und in dieser limitierten Auflage verkaufen. Doch mit den entsprechenden Kontakten kann auch ein Einzelh\u00e4ndler aus Deutschland solch eine Rarit\u00e4t im Fass erwerben. Das Ganze hat nat\u00fcrlich seinen Preis, und der Durchschnittskunde w\u00fcrde niemals 120 Euro f\u00fcr eine Flasche hinbl\u00e4ttern, aber \u201emeine Kunden sind mitgewachsen\u201c, erkl\u00e4rt Kegreiss. <\/p>\n<p>[pic|80|r|||Sein Schaufenster hat Michael Kegreiss mit erlesenen Champagnern dekoriert und mit schmucken Accessoires sowie einer antiken Karte der Champagne erg\u00e4nzt.|||]<\/p>\n<p>Neben den Premiumlongfillern im begehbaren Humidor sind die Whiskyspezialit\u00e4ten zu einem festen Standbein seines Gesch\u00e4ftes geworden. Daf\u00fcr hat er gro\u00dfe Teile seines Zeitschriftenregals geopfert. Auch sonst investiert er viel Zeit in das \u201eWasser des Lebens\u201c: Um immer auf dem neusten Stand zu sein, seien f\u00fcr ihn jedes Jahr im Herbst die \u201eInterWhisky\u201c in Frankfurt und die \u201eWhiskyship\u201c in Z\u00fcrich wichtige Pflichttermine. Nur Schottland selbst ist f\u00fcr ihn pass\u00e9: \u201eSeit man in den Pubs nicht mehr rauchen darf, zieht es mich nicht mehr dort hin\u201c, zeigt sich der 45-J\u00e4hrige konsequent.<\/p>\n<p> Im Gegensatz zum Whisky war dann der Weg zum Champagner weniger eine emotionale als eine rationale Entscheidung: \u201eViele der umliegenden Feinkostgesch\u00e4fte in der City sind verschwunden. Aber der Bedarf ist nach wie vor vorhanden.\u201c Zum edlen Schaumwein riet ihm auch Alexander Friedrich, ein befreundeter Tabakfachh\u00e4ndler in Ludwigsburg, der mit Champagner in den letzten Jahren sehr gute Erfahrungen gemacht hatte. Kegreiss\u2019 erste Zwischenbilanz: \u201eEs l\u00e4uft gut an, ich bin selbst \u00fcberrascht.\u201c<br \/> Demn\u00e4chst will er dann dem Beispiel seines Ludwigsburger Kollegen folgen und seinen Kunden zus\u00e4tzlich bereits gek\u00fchlte Flaschen anbieten. Davon k\u00f6nnten allein schon die Hochzeitsgesellschaften des nahen Standesamtes profitieren. <\/p>\n<p> Neben allseits bekannten Champagnermarken wie \u201eVeuve Clicquot\u201c und \u201eMo\u00ebt &#038; Chandon\u201c setzt der Einzelh\u00e4ndler vor allem auf so genannte Winzerchampagner, den Marken kleinerer Hersteller. Sein eindringlichster Rat: \u201eDu musst immer Vielfalt zeigen \u2013 mit nur zwei Flaschen kannst du nichts anfangen!\u201c Die meisten Informationen \u00fcber Champagner erh\u00e4lt er \u00fcber Fachliteratur, verschiedene Tastings und \u00fcber seine Gro\u00dfh\u00e4ndler. Michael Kegreiss wei\u00df, dass fundierte Fachkenntnisse die Basis f\u00fcr den Verkauf hochwertiger Genussmittel sind; deshalb ist auch ein Besuch der Herkunftsregion, der Champagne, geplant. Au\u00dferdem k\u00f6nne er dort mit den Winzern direkt in Kontakt treten, um eventuell in der Zukunft f\u00fcr ein kleines Haus den Deutschland-Import zu \u00fcbernehmen. <\/p>\n<p> Halbe Sachen scheint es f\u00fcr den Stuttgarter Einzelh\u00e4ndler jedenfalls nicht zu geben, wenn er sich f\u00fcr eine Sache engagiert, dann richtig. Nur schade, dass solcher Enthusiasmus manchmal von au\u00dfen gebremst wird: Tastings veranstaltet Kegreiss nur noch auf Firmenbuchung. \u201eF\u00fcr meine Kunden fehlen mir einfach die passenden R\u00e4umlichkeiten\u201c, argumentiert der Schwabe. Denn Verkostungen w\u00fcrde er immer in Verbindung mit der Zigarre durchf\u00fchren und das sei in der Gastronomie einfach nicht mehr realisierbar: \u201eFinden Sie mal etwas, wo man eine Verkostung mit Zigarre machen kann, ohne dass der Wirt durchdreht.\u201c In den letzten Jahren habe sich die steile Erfolgskurve der Zigarre ja etwas abgeschw\u00e4cht, doch die Aficionados, die der Handgerollten weiterhin die Treue hielten, bes\u00e4\u00dfen ein ausgesprochenes Qualit\u00e4tsempfinden und seien h\u00e4ufig offen f\u00fcr Neues. <\/p>\n<p> Durch den Champagner h\u00e4tte sich f\u00fcr ihn ein ganz neuer Kundenkreis erschlossen, zumal die Partnerin eines Whiskykunden nun auch nicht mehr mit leeren H\u00e4nden den Laden verlassen muss. Dabei k\u00f6nne man ein so ausgew\u00e4hltes Produkt wie Champagner nur \u00fcber eine gezielte Ansprache des Kunden bewerben, so Kegreiss. \u201eDann l\u00e4sst er sich irgendwann auch an einen exklusiven Jahrgangschampagner heranf\u00fchren\u201c, sagt der Stuttgarter H\u00e4ndler. \u201eDoch inwieweit das Thema Champagner f\u00fcr uns ein Erfolg wird, kann ich erst nach Weihnachten beurteilen\u201c, sch\u00e4tzt Michael Kegreiss und erg\u00e4nzt lachend: \u201eIm schlimmsten Fall k\u00f6nnen wir ihn immer noch selbst trinken!\u201c<\/p>\n<p> (DTZ 34\/08)<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der Tabakfachh\u00e4ndler Michael Kegreiss setzt neben Single Malt Whisky nun auch auf Champagner SPIRITUOSEN [pic|79|l|||Die Leidenschaft wurde f\u00fcr den Fachh\u00e4ndler zum Beruf: Edle Tabake und feine Spirituosen geh\u00f6ren f\u00fcr Michael Kegreiss einfach zusammen.|||] STUTTGART (DTZ\/esa). \u201eBr\u00fcder! Kommt geschwind. Ich trinke Sterne!\u201c soll Ende des 17. 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